Abu Huraira
  Abu Huraira

Aussprache: abu hureira
arabisch:
أبو هريرة
persisch:
أبو هريره
englisch: Abu Hurayra

ca. -20 - 58 n.d.H.
ca. 600 - 678 n.Chr.

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Abu Huraira gilt als einer der bekanntesten Überlieferer [rawi] gemäß Betrachtung der Sunniten und als einer der unglaubwürdigsten gemäß Betrachtung der Schiiten. Viele Unterschiede zwischen den Rechtsschulen können auf seine Überlieferungen [hadith] zurückgeführt werden.

Abu Hurairas Herkunft und Abstammung gelten als strittig, auch wenn oft als sein eigentlicher Name Abd al-Rahman ibn Sachr al-Azdi angegeben wird. Er ist besser unter seinem Beinamen Abu Huraira (Vater des Kätzchens) bekannt. Er gehörte zum jemenitischen Stamme der Dus, welcher Dus bin Adnan zum Urahn hat. Sein Vater könnte Umair gewesen sein. Jener war Sohn von Ibn Amir bin Abde-Sisch Schari bin Tarif usw. bis Dus. Der Name Abu Hurairas Mutter war Ummaima. Sie war die Tochter von Safih bin Haris bin Abi Sab usw. bis Dus. Den Beinamen Abu Huraira bekam er deswegen, weil er ein kleines Kätzchen hatte, das er sehr mochte.

Abu Huraira verbrachte seine Kindheit am Geburtsort im Jemen, wobei sein Geburtsdatum nicht bekannt ist. Er blieb dort, bis er über dreißig Jahre alt war und hatte wenig Bildung. Nach der Schlacht von Chaybar nahm er den Islam an. Alle Historiker stimmen darüber überein, dass dies im siebten Jahr nach der Auswanderung erfolgte. So ist die Zeitspanne als  Gefährte beim Propheten Muhammad (s.) nicht mehr als drei Jahre, wie es auch vom Buchari bestätigt wird.

Nachdem er den Islam angenommen hatte, gesellte er sich zu den Leuten der Arkaden und blieb dort bis zum Lebensende des Propheten Muhammad (s.). Gemäß einer Überlieferung bei Buchari erzählte Abu Huraira selber, dass er sich dicht am Propheten Muhammad (s.) aufhielt, um eine volle Mahlzeit zu bekommen, die von Spendern verteilt wurden. Dschafar ibn Abu Talib war einer der Großzügigsten im Erweisen solcher Mildtätigkeit für die Leute der Arkaden, so dass Abu Huraira ihn als den verdienstvollsten Mann gleich hinter dem Propheten (s.) ansah.

Abu Huraira wird zu Lebzeiten des Propheten Muhammad (s.) bei keiner Schlacht erwähnt und bei keinem Ereignis des Friedens, aber es wird berichtet, dass er am Tage der Schlacht von Mutah dem Heereszug entfloh; in dieser Schlacht wurde sein großer Gönner Dschafar ibn Abu Talib Märtyrer.

Der Name Abu Hurairas wird bei den Ereignissen der Regierungstage des ersten Kalifen Abu Bakr und des zweiten Kalifen Umar kaum erwähnt, außer dass im Jahre 21 n.d.H. (ca. 642 n.Chr.) der zweite Kalif Umar ihn zum Gouverneur von Bahrain ernannte, aber schon zwei Jahre später, im Jahre 23 n.d.H. (ca. 644 n.Chr.) ihn wieder absetzte und statt dessen Uthman ibn Abul-Aas Thaqafi ins Amt brachte. Mit der Absetzung wurde Abu Huraira von Umar aufgefordert, eine Summe von 10000 Dirham an die islamische Gemeinwohlkasse zurückzahlen, die Abu Huraira unterschlagen hatte. Detaillierte Berichte dazu gibt es u.a. bei Ibn Abdurraab in seinem Buch "Iqdul Farid". Abu Huraira vertrat in jener Zeit das Überlieferungsverbot.

Während der Herrschaftstage des Kalifen Uthman blieb Abu Huraira an die Familie von Amr ibn Aas gebunden und baute seine spätere Verbindung zu den Umayyaden durch die Nähe zu Marwan ibn al-Hakam auf. In dieser Zeit entstanden die ersten lobpreisenden Überlieferungen für die Umayyaden, wie z.B. die Behauptung Abu Hurairas: "Ich hörte den Propheten Gottes sagen: "Uthman ist so keusch, dass selbst die Engel keusch vor ihm sind."

In einigen Fällen verdrehte Abu Huraira gemäß den Analysen von Sayyid Abdalhussain Scharaffuddin al-Musawi den wirklichen Sinn einer Überlieferung, um es so erscheinen zu lassen, als solle ein Angehöriger der Umayyaden gepriesen bzw. geschützt werden. Beispielsweise gibt es die allgemein akzeptierte Überlieferung, dass Prophet Muhammad (s.) sagte: "Bald nach mir geschehen Unruhen und Spaltungen." Die Leute fragten: "Was gebietest du uns, was wir dann tun sollen, o Prophet Gottes?" Er sagte dann auf Ali ibn Abu Talib (a.) zeigend: "Ihr solltet diesem Amir (Führer) und seinen Gefährten folgen!"

Abu Huraira verdrehte demnach den Sinn; der Prophet habe auf Uthman gezeigt und später rief er die Muslime auf, sich ganz herauszuhalten.

Während der Regierungstage des Imam Alis (a.) arbeitete Abu Huraira für Muawiya gegen den amtierenden Kalifen. Abu Huraira hielt sich zwar bei der Schlacht von Siffin außen vor, versuchte aber durch erfundene Überlieferungen Muawiya zu unterstützen.

Aus der späteren Herrschaftszeit Muawiyas stammen wohl die meisten seiner Überlieferungen, darunter auch die absurdesten, wie z.B.:  Abu Huraira erzählt: Ich hörte den Propheten sagen: "Allah beauftragte drei Personen mit seiner Offenbarung: Mich (Muhammad), Gabriel und Muawiya." Die Werke von Buchari und Muslim enthalten etliche Überlieferungen, die von Abu Huraira auf diesem Muster aufgebaut sind und in diesem Stil erzählt wurden.

Für derartige Überlieferungen wurde Abu Huraira nach Ansicht von Scharaffuddin al-Musawi von den Umayyaden belohnt, in deren Regierungszeit er Buschra bint Ghaswan ibn Dschabir heiratete.

Abu Huraira hat als Einzelperson die noch bekannte größte Anzahl an Überlieferungen erzählt, wobei ihm weit über 5000 Überlieferungen zugesprochen werden. Allein bei Buchari sind mehr als 400 davon eingetragen. Er übertrifft damit alle Gefährten, die viel längere Zeit mit dem Propheten verbracht haben. Allerdings behauptet Abu Huraira nicht sein gesamtes Wissen preisgegeben zu haben. Er sagte: "Ich habe vom Propheten Gottes zwei Behälter mit Überlieferungen empfangen, und ich habe nur den einen Behälter geleert, aber müsste ich auch den zweiten Behälter entleeren, würde meine Gurgel auseinander reißen." Und er sagte: "Würde ich euch alles enthüllen, was ich weiß, würden die Leute mich mit Steinen bewerfen und sagen, Abu Huraira sei verrückt."

Eine ganze Reihe von Fehlinformationen über den Propheten Muhammad (s.), wie Fehler beim Ritualgebet und merkwürdiges Verhalten gegenüber Gefährten, die später Imam Ali ibn Abu Talib (a.) unterstützen, gehen auf Abu Huraira zurück. Allerdings wurden diese - entgegen der allgemeinen Ansicht - auch von den Gründern der sunnitischen Rechtsschulen total ignoriert. So gibt es die von Abu Huraira geschilderte Begebenheit, wonach Prophet Muhammad (s.) angeblich ein Ritualgebet mit vier Gebetsabschnitten [raka] versehentlich nur mit zwei Gebetsabschnitten betet, das Gebet beendet, im Anschluss von den Mitbetenden auf den Fehler aufmerksam gemacht wird und sich dann erneut hinstellt und die fehlenden zwei Gebetsabschnitte nachholt. Eine solche Fehlerkorrekturpraxis gibt es bei keiner Rechtsschule im Islam.

Abu Huraira erfand gemäß den Analysen von Scharaffuddin al-Musawi auch schmähende Überlieferungen über andere Propheten, die das extreme Fehlverhalten umayyadischer Kalifen relativieren sollten. So behauptete er, dass Moses (a.) nackt hinter einem Stein durch die Stadt gelaufen sei, der ihm die Kleider beim Baden gestohlen habe, und dass er dem Todesengel ein Auge ausgeschlagen habe. Er dichtete dem Propheten Lot (a.) Mangel an Gottvertrauen an und gab den Propheten Adam (a.), Noah (a.), Abraham (a.) und Jesus (a.) Eigenschaften, die nicht zu ihnen passen. Abu Huraira erzählte, der Prophet Salomo (a.) habe ein Urteil seines Vaters David (a.) aufgehoben.

Abu Huraira erdichtet über ALLAH, was nicht zu Gott passt, weder gemäß der Vernunft noch gemäß Glaubensdoktrin. So würde beispielsweise die Hölle erst dann total gefüllt werden, wenn Allah Seinen Fuß hineinstelle! Und Abu Huraira erzählte, dass Prophet Adam (a.) nach dem Ebenbild Allahs geschaffen sei mit außergewöhnlichen Längemaßen für einen Menschen.

Entgegen der obigen Darstellung wird er heute noch von Sunniten als einer der zuverlässigsten Überlieferer verehrt, weil unter anderem Buchari sich auf ihn bezieht. Zu den oben genannten Darstellungen gibt es in vielen Fällen (bis auf die nachgeholten Gebetsabschnitte) Rechtfertigungsversuche.

Viele der innerislamischen Missverständnisse und Unterschiede können auf die Überlieferungen Abu Hurairas zurück geführt werden. Dabei spielt seine Überlieferung, dass alle Gefährten wie die Sterne im Himmel seien und man sich nach allen orientieren könne, als Basis für spätere Konflikte, da es allen Gefährten - und damit auch Abu Huraira - eine Art Fehlerlosigkeit bei den Überlieferungen andichtet, obwohl viele von ihnen im teilweise kriegerischen Widerspruch zueinander standen. In der schiitischen Version jener Überlieferung beschränkt sich die Fehlerfreiheit auf die Ahl-ul-Bait (a.).

Abu Huraira leitete beim Ableben Aischas ihr Totengebet.

Abu Huraira starb im Jahre 57 n.d.H. (etwa 677 n. Chr.) oder gemäß anderer Auffassung im Jahre 58 oder 59 n.d.H.. Sein Alter war dementsprechend ca. 78 Jahre.

Unter seinen Erben sind sein Sohn Muharrir bin Abu Huraira und eine Tochter bekannt. Es ist auch bekannt, dass Abu Huraira einen Enkel namens Naim hatte. Abu Huraira ist in Yibna in Palästina begraben, wo ein Mausoleum für ihn errichtet wurde.

Die ehemalige Siedlung Siffin ist nach Abu Huraira benannt.

Links zum Thema

bullet Abu Huraira - Eine Untersuchung seines Lebens
von: Sayyid Abdul Hussain Scharufuddin Musawi

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