Tahira Amin
  Tahira Amin

Aussprache:
arabisch:
persisch:
englisch: Tahere Amin

??? - 1.9.1403 n.d.H.
1886 - 12.6.1983

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Tahira (Tahere) Amin war eine der bekanntesten Theologinnen in Islamische Republik Iran in der Gründungszeit. Sie ist vor allem untern dem Namen Banu Amin bekannt.

Tahira (die Reine) wurde 1886 als einziges Kind einer angesehenen Kaufmannsfamilie in Isfahan geboren. Ihr Vater Seyyid Muhammad Amin Al-Tadschir war ein angesehener Kaufmann. Auch ihre Mutter erfreute sich allgemeiner Beliebtheit dank ihrer aktiven Sorge um ihre Mitmenschen.

Bereits mit vier Jahren schickte ihre Mutter sie auf eine Schule zum Erlernen des Heiligen Qur'an, was in einer Zeit, in der praktizierende Muslime unterdrückt wurden, ein mutiger Entschluss war. Mit elf Jahren erlernte sie systematisch Arabisch.

Mit fünfzehn Jahren heiratete sie und steig nach eigenen Worten ein "in das Hausfrauenleben mit all seinen Freuden und Sorgen, die es für Ehefrau und Mutter mit sich bringt". Ihr Hausfrauendasein hielt sie nicht davon ab, ihrem Interesse für Religionswissenschaften nachzugehen. Sie beschäftigte sich eingehend mit islamischem Recht [scharia], vertiefte sich in Schriften über griechische Philosophie und dem Studium der Literatur der Mystik. In Theologenkreisen schätzte man bald ihre Meinung über ethische Prinzipien.

Im Laufe der Jahre 1924 und 1925 n.Chr. erschienen ihre ersten Veröffentlichungen. Das Theologiezentrum in Nadschaf erfuhr von ihrer Schrift ‘Arbain‘ (‘Der Vierzigste‘) — einer Abhandlung über Vierzig Überlieferungen zu Themen wie Monotheismus, Erkenntnis und Rechtsfragen — und bot ihr eine Zulassung zur Erlangung des höchsten theologischen Grades an. Bekannte Theologen wie Scheich Abbas Qummi  sprachen ihr nach eingehender Prüfung ihrer Kenntnisse auf dem Gebiet der islamischen Jurisprudenz den Titel Rechtsgelehrter [mudschtahid] zu.

Es erschienen weitere Bücher von ihr in arabischer und persischer Sprache wie "Leben und Werdegang der religiösen Vorbilder", in dem sie besonders auf die Bedeutung der Wachsamkeit eingeht und "Jenseits oder der letzte Weg des Menschen". Die Glückseligkeit des Menschen ist zentrales Thema einer Serie von Schriften über die "Moral und den Weg zur menschlichen Glückseligkeit". Ihre "Methode des Glücks" und zahlreiche andere arabische Publikationen stießen auch außerhalb der Grenzen ihrer Heimat auf ein großes Echo. Zu ihrem Weg der Erkenntnis sagte sie:

"Alles, was ich an Erkenntnis über die Geisteswissenschaften erlangt habe, geschah auf dem Weg der Eingebung. Ich habe wenig Hilfe von außen bekommen. Damit will ich nicht behaupten, dass ich Kenntnis über das Verborgene habe oder in das Innere eines Menschen hineinsehen kann. Aber meine Schriften habe ich einzig durch Inspiration und die Hilfe Gottes zustande bringen können. Prophet Muhammad (s.) unterteilte die Theologe in drei Bereiche: die Wissenschaft von Gotteserkenntnis, die Wissenschaft der Tugenden und Moral, die Wissenschaft der Gebote. Wenn ich nun von göttlicher Eingebung, von "Licht der Erkenntnis" spreche, dann meine ich eben die Kraft, die dem Menschen über diese drei Wissenschaften zuteil wird. Die Voraussetzung, diese Erkenntnis zu erlangen, ist die Läuterung des Egos und der Kampf gegen die niederen Triebe und gegen alles, was den Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht bringt. Dazu gehören Neid, Stolz, Gier, Hass, übertriebene Liebe zum Vergänglichen. Erst wenn wir diese niederen Beweggründe überwunden haben, werden wir zu einem Glauben gelangen, der auf begründeter Überzeugung und nicht auf bloßer Nachahmung basiert. Erst dann können wir die Glaubensgrundsätze wahrhaft in die Tat umsetzen, was die wahre Fortentwicklung des Menschen ausmacht: Wenn der bewusste Mensch die göttlichen Gebote aus freien Stücken auf dem Wege seines Schöpfers ausführt. Das gilt für den Mann genauso wie für die Frau. Auf keinen Fall ist die oft geäußerte Behauptung richtig, die Männer seien den Frauen überlegen...."

Zu ihren bedeutendsten Veröffentlichungen gehört sicher die in fünfzehn Bänden erschienene Qur'an-Exegese mit dem Titel: "Tafsir Machzan al-Irfan". Darin lehnt sie sich an die Methodik des großen Philosophen Mulla Sadra an. Sie gibt dem Leser zu jedem Vers zunächst einen Überblick über die sozialen und politischen Gegebenheiten zum jeweiligen Zeitpunkt der Offenbarung, um dann auf die erschienenen Interpretationen bedeutender Gelehrter einzugehen. Dem Ganzen schließt sie dann eine Darlegung ihres persönlichen Verständnisses des jeweiligen Verses an.

Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit setzte sich Banu Amin aktiv für eine größere Beteiligung der Frau am gesellschaftlichen Leben ein. Dazu mussten die Frauen zunächst das große Analphabetentum überwinden. Sie hielt Frauenseminare ab und plädierte für ein besseres Verständnis des Islam besonders unter den Frauen. Mit großem Elan errichtete sie Unterrichtszentren wie "Fatima Maktab" und die "Mädchenschule Amin", die neben Lesen und Schreiben die Frauen über ihre Rechte aufklären sollten.

Sie ist am 12.6.1983 im Alter von 97 Jahren gestorben.

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