Wörtlich bedeutet es daher: „Frühlingsland“,
„Frühlingsgarten“ oder „Stätte des Frühlings“. Da
Dschami sein Werk in Anlehnung an
Saadis Gulistan (Rosenstätte) geschrieben hat, was im
Detuschen als „Rosengarten“ übersetzt wird, ist
Dschamis Baharistan als „Frühlingsgarten“ bekannt.
Der Baharistan ist ein persisches Lehr- und
Unterhaltungswerk.
Dschami verfasste es 1487 n.Chr. vermutlich zur Erziehung
seines Sohnes. Das Werk verbindet rhythmische und gewöhnliche
Prosa mit persischen und einigen arabischen Versen.
Dschami orientierte sich ausdrücklich an
Saadis berühmten Gulistan (Rosenstätte), schuf aber ein
eigenständiges Werk. Baharistan ist eine Sammlung aus:
kurzen Anekdoten, moralischen Tierfabeln, Aussprüchen,
biographischen Episoden, höfischen Geschichten, humoristischen
Erzählungen, mystischen und ethischen Belehrungen, Gedichten
und Epigrammen.
Die einzelnen Geschichten dienen meist dazu, eine Tugend,
menschliche Schwäche oder politische Wahrheit anschaulich zu
machen. Häufig treten Herrscher, Derwische, Gelehrte, Dichter,
Narren, Tiere oder einfache Menschen auf.
Dschami gliedert das Werk in acht Abschnitte, die er
„Garten“ oder „Gartenanlage“ [روضة] (raudha) nennt. Die genaue
Benennung und Untergliederung kann je nach Ausgabe etwas
variieren, doch inhaltlich behandeln sie ungefähr in „acht
Gärten“:
Das Gartenbild ist somit zugleich der Titel und das
Ordnungsprinzip: Der Leser wird gewissermaßen durch
verschiedene „Gärten“ menschlicher Erfahrung geführt.
Der Baharistan gehört zur persischen Adab-Literatur. Adab
bezeichnet eine Verbindung von Bildung, angemessenem
Verhalten, ethischer Erziehung, gesellschaftlicher Klugheit
und sprachlicher Eleganz.
Eine beispielhafte Geschichte ist eine Geschichte über
einen Hund, der vom Hirten zu Unrecht geschlagen wurde. Er
freundet sich mit dem Wolf an. Ein Hirte behandelt seinen
eigentlich treuen Hund ungerecht. Der Hund fühlt sich von
seinem Herrn verstoßen. Daraufhin verbündet er sich aus Trotz
oder Enttäuschung mit dem natürlichen Feind der Herde, dem
Wolf. Die ungerechte Behandlung erzeugt somit erst den Verrat,
den der Herr möglicherweise befürchtete. Die Pointe dazu wäre:
Wer einen loyalen Diener ungerecht behandelt, kann ihn zum
Verbündeten des Feindes machen.
Das Motiv gehört zu einem größeren orientalischen
Fabelkreis über Hirten, Schäferhunde und Wölfe. Eine Miniatur
dazu befindet sich im Bestand des
Topkapi Palastes.
