Baharistan
Baharistan (Frühlingsgarten)

Aussprache: rawdhatu r-rabiyʿ
arabisch:
رَوْضَةُ الرَّبِيع
persisch:
بهارستان
englisch:
The Spring Garden

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Baharistan ist der Titel eines berühmten Werks von Dschami.

Das persische Wort besteht aus:

bulletبهار — bahār: Frühling
bulletـستان — -estān: Ort, Land oder Stätte , was zuweilen als Garten übersetzt wird.

Wörtlich bedeutet es daher: „Frühlingsland“, „Frühlingsgarten“ oder „Stätte des Frühlings“. Da Dschami sein Werk in Anlehnung an Saadis Gulistan (Rosenstätte) geschrieben hat, was im Detuschen als „Rosengarten“ übersetzt wird, ist Dschamis Baharistan als „Frühlingsgarten“ bekannt.

Der Baharistan ist ein persisches Lehr- und Unterhaltungswerk. Dschami verfasste es 1487 n.Chr. vermutlich zur Erziehung seines Sohnes. Das Werk verbindet rhythmische und gewöhnliche Prosa mit persischen und einigen arabischen Versen. Dschami orientierte sich ausdrücklich an Saadis berühmten Gulistan (Rosenstätte), schuf aber ein eigenständiges Werk.  Baharistan ist eine Sammlung aus: kurzen Anekdoten, moralischen Tierfabeln, Aussprüchen, biographischen Episoden, höfischen Geschichten, humoristischen Erzählungen, mystischen und ethischen Belehrungen, Gedichten und Epigrammen.

Die einzelnen Geschichten dienen meist dazu, eine Tugend, menschliche Schwäche oder politische Wahrheit anschaulich zu machen. Häufig treten Herrscher, Derwische, Gelehrte, Dichter, Narren, Tiere oder einfache Menschen auf.

Dschami gliedert das Werk in acht Abschnitte, die er „Garten“ oder „Gartenanlage“ [روضة] (raudha) nennt. Die genaue Benennung und Untergliederung kann je nach Ausgabe etwas variieren, doch inhaltlich behandeln sie ungefähr in „acht Gärten“:

bulletAussprüche und Lebensbilder von Sufis
bulletphilosophische und ethische Weisheiten
bulletGerechtigkeit und Herrscherethik
bulletGroßzügigkeit und Freigebigkeit
bulletLiebe und Liebende
bulletScherze, Witz und geistreiche Anekdoten
bulletDichter und Dichtung
bulletTierfabeln und moralische Erzählungen

Das Gartenbild ist somit zugleich der Titel und das Ordnungsprinzip: Der Leser wird gewissermaßen durch verschiedene „Gärten“ menschlicher Erfahrung geführt.

Der Baharistan gehört zur persischen Adab-Literatur. Adab bezeichnet eine Verbindung von Bildung, angemessenem Verhalten, ethischer Erziehung, gesellschaftlicher Klugheit und sprachlicher Eleganz.

Eine beispielhafte Geschichte ist eine Geschichte über einen Hund, der vom Hirten zu Unrecht geschlagen wurde. Er freundet sich mit dem Wolf an. Ein Hirte behandelt seinen eigentlich treuen Hund ungerecht. Der Hund fühlt sich von seinem Herrn verstoßen. Daraufhin verbündet er sich aus Trotz oder Enttäuschung mit dem natürlichen Feind der Herde, dem Wolf. Die ungerechte Behandlung erzeugt somit erst den Verrat, den der Herr möglicherweise befürchtete. Die Pointe dazu wäre: Wer einen loyalen Diener ungerecht behandelt, kann ihn zum Verbündeten des Feindes machen.

Das Motiv gehört zu einem größeren orientalischen Fabelkreis über Hirten, Schäferhunde und Wölfe. Eine Miniatur dazu befindet sich im Bestand des Topkapi Palastes.

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