Bahlul
  Bahlul

Aussprache: bahluul
arabisch:
بہلول
persisch:
بہلول
englisch: Bahlol

ca. 138 - ca. 235 n.d.H.

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Bahlul war als Kind ein Schüler von Imam Sadiq (a.). Bahlul ist u.a. bekannt für seine Dialoge mit Harun al-Raschid aber auch für seine Diskussionen mit Abu Hanifa. Nach manchen Überlieferungen hat er die Kindheit von Imam Hasan al-Askari (a.) noch miterlebt. Sein Name bedeutet "Weise".

Bahlul stellte sich in Gegenwart Harun al-Raschids oft als geistig ihm unterlegen bzw. als Narr und nutzte dabei jede Gelegenheiten, ihm Lehren zu erteilen. Daher wird er oft auch Bahlul Madschnun (der Verrückte) genannt.

Eines Tages kam Bahlul mit staubiger Kleidung, die zeigte, dass er eine lange Reise hinter sich hatte, zu Harun al-Raschid. Die darauf aufbauende Überlieferung wurde eine Lehre, die oft insbesondere von Mystikern wiedergegeben wird:

Harun al-Raschid fragte Bahlul, als er seinen Zustand sah: "Woher kommst du?" Bahlul antwortete: "Ich komme aus der Hölle!" Harun fragte: "Warum warst du denn dort?" Bahlul sagte: "Ich brauchte Feuer und war dort, um Feuer zu holen" Harun fragte weiter: "Und? Konntest du Feuer holen?" Bahlul sagte: "Nein oh Herr! Als ich in die Hölle wollte, sagten die Wächter der Hölle zu mir: "Es gibt hier kein Feuer wie sehr viele glauben, sie täuschen sich. Die Menschen bringen alle ihr Feuer selber mit."

Einstmals hörte Bahlul gemäß einer Legende in Kufa, dass Abu Hanifa von drei Dingen erzählte, die jener zwar von Imam Sadiq (a.) gelernt habe, die jedoch falsch seien. Dazu zählten nach Abu Hanifa die Aussage Imam Sadiqs (a.), dass man ALLAH niemals sehen könne, da Er aber existiere müsse man ihn auch sehen können. Die zweite Behauptung Imam Sadiq (a.), die Abu Hanifa ablehnte war die Behauptung, dass Satan mit Feuer bestraft werden würde, was nicht sein könne, da Satan aus Feuer geschaffen sei. Und die dritte beanstandete Aussage war, dass ein Mensch aus freiem Willen handle und daher auch die Verantwortung zu tragen habe, was aber nicht sein könne, da alles, was der Mensch tut ohne den Willen ALLAHs nicht möglich sei. Es gibt allerdings auch Zweifel an dieser Erzählung, da Bahlul zum Zeitpunkt des Ereignisses maximal 12 Jahre alt gewesen sein kann.

Als er letzteres sagte, nahm Bahlul eine feste Handvoll Erde und bewarf Abu Hanifa damit. Sie traf ihn im Gesicht und er fühlte sich gedemütigt und verletzt, schrie vor Schmerz und ließ Bahlul festnehmen. Der Richter fragte Bahlul, ob die Anschuldigungen wahr seien und warum er das getan habe. Bahlul gab die Anschuldigung zu und antwortete:

"Herr Richter, Abu Hanifa gibt vor, dass er Schmerzen habe, aber ich kann die Existenz der Schmerzen nicht akzeptieren, bevor ich sie nicht mit eigenen Augen gesehen habe." Abu Hanifa erwiderte entsetzt, dass ein anderer seine Schmerzen doch nicht "sehen" könne. Darauf wandte sich Bahlul an den Richter und erzählte ihm, dass er kurz zuvor von Abu Hanifa gelernt habe, dass man das, was existiere auch sehen können muss. Zudem wandte Bahlul ein, dass Abu Hanifa gar keine Schmerzen habe könne, denn er habe gelehrt, dass Satan aus Feuer sei und daher nicht mit Feuer bestraft werden könne. Der Mensch aber ist aus Erde, und er habe ihn ausschließlich mit Erde beworfen.

Als Abu Hanifa weiterhin auf der Bestrafung bestand, erwiderte Bahlul, dass Abu Hanifa nicht ihn sondern ALLAH anzeigen solle, denn schließlich habe er gerade gelehrt, dass der Mensch nur das tun könne, was ALLAH will. Der Richter sprach Bahlul frei.

Zahlreiche derartige Geschichten über den scheinbaren Narr Bahlul sind überliefert. Das dürfte eines der Gründe dafür sein, dass in manchen merkwürdigen Überlieferungen ein Mann namens "Bahlul" auftaucht, der ein Gefährte des Propheten Muhammad (s.) gewesen sein soll und seinen Lebensunterhalt angeblich damit verdient habe, dass er frisch begrabene Leichname ausgegraben habe, um deren Leichentücher mehrfach zu verkaufen und dabei auch einmal eine junge Verstorbene vergewaltigt habe. Jene Überlieferung wird oft in dem Zusammenhang erwähnt, dass ALLAH selbst die schlimmsten Sünden vergeben könne, wenn man Buße [tauba] nimmt. In Wirklichkeit dürfte sie ausgehend von der Absurdität der Überlieferung eher dazu erfunden worden sein, um die Spuren des wahren Bahlul zu verwischen. Das war aber kaum möglich, da spätere Dichter auch viele Legenden über ihn verbreitet haben, wie z.B. Dschami.

Eine Geschichte zu Bahlul ist bei Dschami nachzulesen: "Bahlul trat bei Harun al-Raschid ein. Einer seiner Minister sagte: "Es sei frohe Kunde für dich, oh Bahlul, dass der Befehlshaber der Gläubigen zum Befehlshaber über Affen und Schweine ernannt hat!" Bahlul antwortete: "Dann hör auf mich und führe meine Befehle aus, denn Du gehörst damit zu meinen Untertanen"."

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