Chadidscha (a.)
Chadidscha bint Chuwailid (a.)

Aussprache: chadidscha bin chuwailid
arabisch: خديجة بنت خويلد
persisch: خديجة دختر خويلد
englisch: Khadijah bint Khuwaylid

?? - 10.9.-1 v.d.H.
565-623 n.Chr.

Bild: Altosmanische Miniatur aus dem 16. Jh. aus dem Siyer-i-Nebi (1595) s.u..

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Chadidscha bint Chuwailid (a.) war die erste und bis zu ihrem Ableben einzige Ehefrau des Prophet Muhammad (s.). Sie wird auch Chadidscha al-Kubra (die Große) genannt.

Chadidscha (a.) war eine wohlhabende Kauffrau in Mekka und Tochter von Chuwailid, dem Verteidiger des schwarzen Steins. Muhammad (s.) wurde zum Teilhaber bei ihren Handelsgeschäften. Sie ist die allererste Muslima und sie unterstützte Prophet Muhammad (s.) mit all ihren Möglichkeiten.

Chadidscha (a.) hatte mit Prophet Muhammad (s.) drei Kinder: Fatima (a.), sowie die im Säuglingsalter verstorbenen Qasim und Abdullah. Prophet Muhammad (s.) hing mit besonderer Liebe an Chadidscha.

Chadidscha (a.) spielte eine herausragende Rolle in der Frühgeschichte des Islam, als er gerade in der Gesellschaft am Wachsen war. Sie war zusammen mit Abu Talib einer der großen Förderer des Islam und der Muslime. Zu der Zeit, als die Muslime in größter Bedrängnis während des Boykotts durch die Bewohner Mekkas waren, der drei Jahre andauerte, hielt sie durch, aufgrund ihrer großen Opferbereitschaft. Ihre Durchhaltekraft, ihre Zähigkeit, Weisheit und unerschütterlicher Glaube an ALLAH und Seinen Gesandten waren wichtige Stützen des Islam während der ersten zehn Jahre. Manche Geschichtsschreiber haben ihr nicht die Würdigung gewährt, die sie verdient, um ihre eigene Rolle und die herausragende Rolle ihrer Tochter Fatimas (a.) auf Kosten anderer späterer Ehefrauen zu relativieren. Die wenigen Biographien, die es über sie gibt, sind aus verstreuten Quellen zusammengetragen worden, und selbst die sind nicht immer frei von Fehlinterpretationen.

Chadidscha al-Kubra (a.) war die Tochter von Chuwailid ibn Asad und gehörte zu dem Stamm der Quraisch. Ihre Familie war nicht nur berühmt für ihren Reichtum, sondern auch für ihren vorbildhaften Charakter. Sie waren Hanifen.

Chadidscha (a.) wurde im Jahre 565 n.Chr. geboren, und sie starb am 10. Ramadan (Monat) ein Jahr vor der Auswanderung im Jahre 623 im Alter von 58 Jahren. Ihre Mutter war ca. 575 n.Chr. gestorben, und ihr Vater Chuwailid starb um 585. Seine Kinder erbten seinen Reichtum und teilten ihn unter sich auf. Chadidscha besaß eine solche außergewöhnliche Intelligenz und Charakterstärke, dass sie die Gefahren des Reichtums überwand. Sie hatte viele Geschwister, aber sie allein hatte den Geschäftssinn ihres Vaters geerbt. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie sein Geschäft und expandierte es schnell. Mit dem Gewinn, den sie daraus zog, half sie den Armen, den Witwen, Waisen, Kranken und Behinderten. Wenn es irgendwo arme Mädchen gab, dann sorgte Chadidscha (a.) dafür, dass sie verheiratet wurden, und schenkte ihnen eine Mitgift. Einer ihrer Onkel beriet sie in geschäftlichen Angelegenheiten, und auch andere ihrer Familienmitglieder halfen ihr beim Management.  Dadurch, dass sie eine weise Auswahl ihrer Handelsagenten traf, der ihre Waren zur rechten Zeit kaufte und verkaufte und ihre Karawane sicher geleiteten, wurde sie bald die reichste Geschäftsfrau in Mekka. Immer wenn eine Karawane der mekkanischen Handelsleute die Stadt verließen, war die Menge der Waren von Chadidscha so groß wie die der anderen Geschäftsleute der Quraisch zusammen. Deswegen verliehen ihr die Bürger Mekkas den Titel: "Prinzessin der Quraisch", oder "Prinzessin von Mekka".

Nur wenige Mekkaner gehörten vor der Verkündigung des Islam nicht dem Götzendienst an. Eine dieser wenigen war Chadidscha (a.). In diesem Zusammenhang gibt es einige widersprüchliche Angaben der Geschichtsschreiber. Manche behaupten, dass Chadidscha (a.) in ihrem Monotheismus von einem Verwandten namens Waraka ibn Naufal beeinflusst worden sein soll. Allerdings ist dessen Existenz zweifelhaft.

Chadidschas (a.) Charakter und ihr Verhalten waren derart vorbildlich, dass sogar ihre arabischen Landsleute, die bekannt waren für ihre Eitelkeit und ihren männlichen Chauvinismus, sie nicht nur "Prinzessin von Mekka" nannten, sondern auch "die Reine" [al-tahira], ein Titel, den auch ihre spätere Tochter Fatima (a.) innehatte. Chadidscha (a.) gehörte zusammen mit Asia (a.), Maria (a.) und Fatima (a.) zu den vier gesegneten Frauen, die im Heiliger Qur'an erwähnt werden.

Was Chadidschas (a.) angebliche frühere Ehen anbelangt, so sind die Historiker verschiedener Ansicht. Manche sagen, dass sie vor ihrer Heirat mit Prophet Muhammad (s.) bereits zweimal verwitwet war, andere sagen nichts darüber bzw., dass die nicht vorher verheiratet gewesen ist. Selbst wenn sie schon älter und zwei Ehen hinter sich gehabt hätte, hätte das ihre hohe Stellung bei ALLAH und dem Prophet Muhammad (s.) nicht gemindert. Aber es gibt berechtigte Zweifel daran, und manche Gelehrte äußerten auch den Verdacht, dass man die beiden früheren Ehen Chadidschas (a.) "erfunden" hatte, um die These aufzustellen, dass eine spätere Frau des Propheten Muhammad (s.), die er als Jungfrau heiratete, seine "Lieblingsfrau" und einzige Jungfrau gewesen sei, was damals bei Arabern eine Auszeichnung war.

Es gab es viele reiche und einflussreiche Männer, die um Chadidschas (a.) Hand anhielten, aber sie lehnte sie alle ab. Ihre Weigerung, einen der Großen und Mächtigen der Mekkaner zu heiraten, gab Anlass zu viel Spekulation, welchen Mann sie denn nun wirklich heiraten würde.

Im Frühjahr des Jahres 595 n.Chr. versammelten die Mekkaner ihre Sommer-Karawane für die Reise nach Syrien. Auch Chadidscha (a.) hatte ihre Karawane bereit, aber sie hatte noch niemanden gefunden, der sie leiten würde. Abu Talib hörte davon und sah, das Muhammad (s.) für diese Arbeit qualifiziert war und schlug ihn vor. Wie die anderen Bürger Mekkas hatte auch Chadidscha (a.) von Muhammads (s.) Vertrauenswürdigkeit und Integrität erfahren. So willigte sie darin ein, Muhammads (s.) als ihren Karawanenführer einzusetzen. Sie schickte ihren Diener Maysara mit ihm mit, damit dieser die Bücher führen sollte. Maysara war überrascht von der Professionalität, mit der Muhammad (s.) die Handelsgeschäfte handhabte. Er bemerkte auch, dass Muhammad (s.) trotz aller Beschäftigung mit Kaufen, Verkaufen und Investieren noch Zeit fand, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen. Er wunderte sich zwar darüber, aber unterbrach ihn nicht dabei. Er machte Rekordgewinne, die selbst Chadidscha (a.) noch nicht gemacht hatte, seit sie den Handel ihres Vaters übernommen hatte. Jeder, der ihm begegnete, war beeindruckt von seiner einmaligen Ausstrahlung. Maysara erzählte Chadidscha (a.) alles über Muhammad (s.), nicht nur über seinen enormen Erfolg bei den Handelsgeschäften, sondern vor allem über seinen Charakter und Persönlichkeit. Er war voller Bewunderung für Muhammads Geschäftssinn, aber noch mehr für seine Weitsicht, seine unfehlbare Urteilskraft, Höflichkeit und Großzügigkeit.

Es wurde berichtet, dass eine der engsten Freundinnen Chadidschas (a.) eine Dame von sehr vornehmer Abstammung war, Nafisa bint Munya. Sie war es auch, die den Ehekontakt maßgeblich herstellte. Durch dieses Arrangement wurde die Ehe derart eingefädelt, dass praktisch Chadidschas (a.) den Heiratsantrag machte, und über ihre Mittelsleute dem vergleichsweise armen Muhammad (s.) die Brautgabe zukommen ließ, die er ihr dann geben konnte, so dass weder sie noch Muhammad (s.) in der Öffentlichkeit das Gesicht verloren. Zwar war es damals noch üblich, die Brautgabe an den Vater der Braut zu übergeben, aber Chadidschas (a.) Vater war bereits verstorben (Heiliger Qur'an 93:8). Die Heirat erfolgte am 10. Rabi-ul-Awwal -26 v.d.H..

Als die Prinzessin von Mekka, wie sie genannt wurde, in Muhammads (s.) Haus eintrat, begann die glücklichste Zeit für sie, die 25 Jahre andauerte, bis zu ihrem Ableben. Vom ersten Tag ihrer Ehe an widmete sie sich ihrer neuen Aufgabe, ihren Mann glücklich zu machen. Ihre Ehe war auch mit Kindern gesegnet, sie bekamen zwei Söhne, Qasim und Abdullah, die allerdings beide noch im Kindesalter starben. Ihre Tochter Fatima (a.) überlebte das Kindesalter.

Manche Historiker behaupten, dass schon vor Chadidschas (a.) Heirat mit Muhammads (s.) drei Mädchen in ihrem Hause lebten, Zainab, Ruqaya und Umm Khulthum. Sie waren allerdings die Töchter ihrer verstorbenen Schwester. Deren Vater war schon früher gestorben, und so brachte Chadidscha sie in ihr Haus. Nachdem ihre beiden Söhne so früh gestorben waren, wurden sie auch durch Imam Ali (a.) getröstet, der in ihrem Haus groß wurde. Es gab eine Hungersnot in Mekka, und Abu Talib hatte Schwierigkeiten, seine Kinder zu versorgen. So bat er Prophet Muhammad (s.), seinen jüngsten Sohn Ali (a.) zu sich zu nehmen. Als Ali (a.) ins Haus des Prophet Muhammad (s.) und Chadidschas (a.) kam, war er 6 Jahre alt. Muhammad und Chadidschas (a.) erzogen ihn und umgaben ihn mit ihrer Liebe.

Es gibt viele falsche Darstellungen der erste Offenbarung bei denen u.a. Chadidscha (a.) ihren Mann überzeugt. In der wahrhaften Darstellung ist sie von Anfang an die erste, die sofort von ihm überzeugt ist. Der durch und durch von der ersten Offenbarung faszinierte Prophet Muhammad (s.) erreicht das Haus in einem Zittern der Faszination und bittet Chadidscha (a.), ihn in eine Decke einzuhüllen (Heiliger Qur'an 74:1 ff.). Sie war es auch, die ihren Ehemann nach der ersten Offenbarung als erste Frau sah.

Ihre Annahme des Islam führte zur Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Aber Chadidscha (a.) schaffte es, sich umzustellen und das harte Leben der jungen muslimischen Gemeinde zu teilen, indem sie all ihren Reichtum den Armen und Waisen schenkte. Sie organisierte ihr ganzes Leben neu, um es der Persönlichkeit Muhammad (s.) zu widmen.

Später beten sie zusammen mit Ali (a.) das erste Gemeinschaftsritualgebet in der Geschichte des Islam.

Chadidscha (a.) war die ideale Mutter der Gläubigen. Als die kleine Auswanderung der unterdrückten Muslime nach Abessinien stattfand, steht nichts in den historischen Quellen darüber, wer ihre Karawanen ausstattete und die Reise finanzierte, denn die Muslime selber waren zu arm dazu. Es ist fast mit Sicherheit anzunehmen, dass Chadidscha (a.) die Reise finanzierte, da sie allein die Mittel dazu besaß.

Im 10. Jahr nach der Verkündung des Islam, eine Jahr vor der Auswanderung, starb Chadidscha (a.). Die Liebe des Propheten Muhammad (s.) zu Chadidscha (a.) war nicht sterblich, sie dauerte auch nach ihrem Tod fort und wurde sogar stärker. Keine seiner späteren Ehefrauen konnten Chadidschas (a.) Stelle einnehmen.

Eines Tages kam eine alte Frau zu Prophet Muhammad (s.) mit einer Bitte. Er begrüßte sie herzlich, und war sehr besorgt aufgrund ihres Anliegens. Als sie gegangen war, fragte Aischa, die bei ihm war, wer diese Frau denn sei. Prophet Muhammad (s.) antwortete: "Als Chadidscha und ich in Mekka waren, kam diese Frau sie von Zeit zu Zeit besuchen." Zu Lebzeiten hatte Chadidscha (a.) zahlreichen Leuten Großzügigkeit erwiesen, und auch nach ihrem Ableben hörte der Prophet Muhammad (s.) nicht auf, ihnen weiterhin Wohltaten zukommen zu lassen. In diesem Zusammenhang berichtete Aischa: "Wann immer ein Schaf oder eine Ziege geschlachtet wurde, ordnete der Gesandte Allahs an, dass das Fleisch zu den Damen geschickt werden sollte, die mit Chadidscha befreundet gewesen waren. Eines Tages fragte ich ihn, warum er das tat, und er antwortete: "Ich liebe all diese Leute, die Chadidscha (a.) liebten."

Aischa wird folgendermaßen zitiert: "Wenn immer der Gesandte Allahs das Haus verließ, um irgendwo hin zu gehen, gedachte er Chadidschas, er lobte und segnete sie." Das erregte Aischas Eifersucht auf die Frau, die längst verstorben war. Prophet Muhammad (s.) half immer den Armen und Kranken. Bei so einer Gelegenheit fragte ihn Aischa nach dem Grund dafür. Er antwortete: "Chadidscha hat mir gesagt, dass ich diese Leute mit Freundlichkeit und Liebe behandeln soll. Es war ihr letzter Wunsch." Als Aischa das hörte, geriet sie in Zorn und rief: "Chadidscha! Chadidscha! Es scheint, als ob es für dich keine andere Frau auf der Erde gibt als Chadidscha!" Prophet Muhammad (s.) hatte grenzenlose Geduld, aber nach Aischas Ausbruch sprach er eine Weile nicht mehr mit ihr. Bei einer anderen Gelegenheit sagte Aischa: "O Gesandte Allahs! Warum sprichst du die ganze Zeit über diese alte Frau? Nach alldem hat Allah dir bessere Frauen als sie gegeben." Prophet Muhammad (s.) sagte: "Nein, Aischa! Allah gab mir nie eine bessere Frau als Chadidscha. Sie glaubte an mich in Zeiten, in denen die Leute mich verleugneten. Sie gab all ihr Hab und Gut für mich hin, als die Leute mich boykottierten. Und Allah gab mir nur durch Chadidscha Kinder."

Chadidscha (a.) lebte nach ihrem Ableben in den Herzen der Gläubigen weiter. Nach ihr ist in Deutschland unter anderem die Khadija-Moschee Berlin benannt.


Miniatur aus dem Siyer-i-Nebi (1595). Chadidscha (rechts) engagiert Prophet Muhammad (s.) (in der Mitte in grün) als Karawanenführer. Sie lässt ihm ein neues Gewand und einen Turban reichen.


Miniatur aus dem Siyer-i-Nebi (1595). Chadidschas haus wird vorbereitet und gereinigt für den Besuch einer Delegation, die sich im Namen des Propheten Muhammad (s.) um ihre Hand anhalten wird.

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