Falaturi, Abdoldjavad
Prof. Abdoldjavad Falaturi

Aussprache: abduldschawad falaturi
arabisch:
persisch:
englisch: Abdoldjavad Falaturi

19.1.1926 - 30.12.1996

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Prof. Abdoldjavad Falaturi war ein bedeutender islamischer Gelehrter im deutschsprachigen Raum und Vermittler zwischen Islam und Abendland.

Prof. Falaturi wurde am 19.Januar 1926 in Isfahan geboren. Er durchlief nach seiner Schulzeit im Iran verschiedene Studiengänge: Mehrere Jahre studierte er traditionell-islamisch an mehreren islamischen Hochschulen. Er schloss sie in Maschhad mit dem Grad eines Rechtsgelehrten [mudschtahid]. Seine philosophischen und theologischen Studien beendete er mit der Lehrerlaubnis für verschiedene islamische Philosophierichtungen. 1954 kam er nach Deutschland, wo er 1962 in Philosophie über Kant promovierte. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 1991 lehrte er an der Universität Köln Islamwissenschaften.

Viele seiner damaligen Schriften werden von der Islamischen Akademie in Hamburg aufbewahrt. Eines seiner Ziele war es, Meinungsunterschiede zwischen Sunniten und Schiiten in Deutschland zu überwinden und die überwiegenden Gemeinsamkeiten beider Richtungen wissenschaftlich zu dokumentieren. Dies spiegelte sich auch in seinem Bemühen um einen deutschsprachigen Dachverband der Muslime wieder, er war Gründungsmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD).

Er war bei den ersten Anfängen der bundesweiten islamischen Begegnung im Jahre 1986 dabei, aus der später der "Islamische Arbeitskreis in Deutschland" entstand. Seine Aktivität als Gründungsmitglied dieses Gremiums und des später daraus entstandenen ZMD blieb ungebrochen, stets stand er dem ZMD mit Rat und Tat zur Seite. Falaturis Verdienste um den Gesamtislam kommen nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck, dass ihn die Al-Azhar-Universität zum Mitglied des "Obersten Rates für die Angelegenheiten der Islamischen Welt" ernannte.

Als Kenner auch abendländisch-wissenschaftlicher Methoden förderte Falaturi durch seine rechts-, wirtschafts-, und politikwissenschaftlichen, philosophischen und religionsdialogischen Arbeiten das Gespräch des Islam mit der übrigen Welt, insbesondere durch die 1978 von ihm mitgegründete "Islamische Wissenschaftliche Akademie" in Köln, dessen Direktor er war. Um der Überforderung und Entfremdung der Muslim in der Westliche Welt, zunächst vor allem in Deutschland, entgegenzuwirken und gegenseitige Vorurteile und Missverständnisse abzubauen, wurde das Kölner Schulbuchanalyseprojekt gegründet, das seit 1981 alle in Deutschland zugelassenen Schulbücher aller Fächer auf ihr Islambild hin untersuchte. 1988 wurde das nationale Projekt zum internationalen Forschungsprojekt "Islam in Textbooks" erweitert. Falaturis wissenschaftliches Hauptziel bestand darin, den Islam in einer zeitgemäßen Form darzustellen und die Hindernisse, die seiner zeitgemäßen Darstellung im Wege stehen, wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Er verstarb 30. Dezember 1996 in Berlin an den Folgen eines Herzinfarkts, den er am 23.Oktober 1996 in Berlin bei einem Dialogseminar erlitten hatte. Prof. Abdoldjavad Falaturi wurde in seiner Geburtsstadt Isfahan beigesetzt.

In einem Apell schrieb Prof. Falaturi in seinem Buch "Der Islam im Dialog": "Zweifelsfrei bildet das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden und in diesem Sinne die Bewahrung und der Schutz der Rechte der Menschen den Kern der Botschaft der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam. Dieser Wert bleibt unberührt, selbst dann, wenn er immer wieder von Anhängern jeder dieser Religionen verletzt wurde. Es ist die Aufgabe der heutigen Generation von verantwortungsbewussten Juden, Christen und Muslimen, sich gegenseitig im Sinn der Verwirklichung der Verantwortung für den Frieden in Europa und in der Welt zu bestärken, statt die Verletzung dieser Kardinalwerte zum Anlass für neue Streitigkeiten zu nehmen. Ansätze für diese gemeinsame Verantwortung gibt es zahlreich in den Schriften der Religionen. Es gibt keinen Frieden in du Welt, ohne den bewussten Einsatz der Anhänger der großen Religionen für den Weltfrieden."

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