Freiheit
Freiheit

Aussprache: hurriyya
arabisch: حرىة
persisch: حرىة
englisch: freedom

Bild: der "Freie" (Hur) entschuldigt sich bei Imam Husain (a.) und schließt sich ihm an.

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Freiheit ist eine wesentlicher Bestandteil der Natur des Menschen [fitra]. Er hat die Freiheit seine Seele [nafs] im Einklang mit dem Geist [ruh] seinem Schöpfer [chaliq] zu ergeben, so dass Gott Seinen Thron im Herzen des Gläubigen [mumin] errichtet. Der Mensch kann sich aber auch widersetzen, wovon allerdings sein Glück bzw. Unglück im Diesseits wie im Jenseits abhängt.

Die Frage der Freiheit wird im Heiligen Qur'an und in den Überlieferungen der Ahl-ul-Bait (a.) regelmäßig hervorgehoben. Neben der spirituellen Freiheit gibt es im Islam eine faktische und soziale Freiheit, die allerdings niemals absolut ist. Dies umfasst Freiheit als ein Menschenrecht, Freiheit der Rede, Gedanken, Wahl usw.. Imam Chamene'i bezieht die Freiheit u.a. auf den Vers 7:157 im Heiliger Qur'an: "...Die da folgen dem Gesandten, dem Propheten, dem Makellosen den sie bei sich in der Thora und im Evangelium erwähnt finden - er befiehlt ihnen das Gute und verbietet ihnen das Böse und er erlaubt ihnen die guten Dinge und verwehrt ihnen die schlechten - und er nimmt hinweg von ihnen ihre Last und die Fesseln, die auf ihnen lagen - ..."

Gerade die Befreiung von Joch und Last bedeutet, Menschen aus unzähligen Verpflichtungen und Bindungen zu befreien, die den Menschen auferlegt waren. Viele Arten abergläubischer, primitiver, untauglicher und falscher Ideen und Glaubensvorstellungen und unbeschränkte soziale Fesselungen und Ketten waren der Menschheit durch die Hände von Gewaltherrschaft, Verzerrung und Betrug auferlegt worden. Imam Ali (a.) sagte dazu: "Sei nie ein Sklave für andere, denn Gott hat Dich frei geschaffen.."

Die Segnungen der Freiheit sind es, die Ideen wachsen und Talente erblühen lassen. Der Islam ist für die Anreicherung und die gegenseitige Befruchtung von Talenten. Große menschliche Potentiale müssen, wie die Potentiale der Natur richtig genutzt werden, um der Menschheit zu ermöglichen, die Erde gedeihen zu lassen. Dies ist unmöglich ohne Freiheit. Freiheit steht im Islam weit höher als andere Rechte.

Im Gegensatz zur westlichen Welt, in der für die Freiheit philosophische Gründe gesucht werden, ist Freiheit im Islam etwas Gottgegebenes. Daher ist Freiheit auch nie getrennt von anderen Werten wie z.B. Gerechtigkeit im Rahmen des Prinzips der Einheit [tauhid] eingebunden. Eine Freiheit, die z.B. zur Ungerechtigkeit führt, kann daher keine Freiheit sein. Dementsprechend ist Freiheit begrenzt durch eben die Werte der Wahrheit. Freiheit kann dementsprechend auch nie getrennt von der Natur des Menschen [fitra] und dem Ziel des Lebens beurteilt werden.

Sehr deutlich werden die Unterschiede zwischen westlichem Liberalismus und islamischer Freiheit von islamischen Gelehrten bei Themen wie z.B. Pornographie aufgezeigt. Während der westlichem Liberalismus darin einen Ausdruck der Freiheit angibt, stellt der Fall im Islam ein Paradebeispiel für Unterdrückung dar, denn es widerspricht der Natur des Menschen [fitra] und macht Produzent und Konsument zum Sklaven von materiellen Gelüsten bzw. Trieben. Während westlicher Liberalismus unter Freiheit auch die Freiheit zur eigenen Versklavung versteht, dient Freiheit im Islam seinem natürlichen Streben nach Vervollkommnung. Eine Freiheit materialistischer Art ohne Berücksichtigung der Moral widerspricht dem Prinzips der Einheit [tauhid]. Im Islam dagegen existieren neben materiellen Grenzen auch moralische und spirituelle Grenzen. So gibt es im Islam auch nicht die "Freiheit zu Lügen", eines der häufigsten Vorwürfe von Muslim gegenüber der so genannten Meinungsfreiheit westlicher Prägung.

Ein weiterer Aspekt der Freiheit im Islam ist das Einhergehen mit Verantwortung und Pflichten. Freiheit bedeutet nicht Freiheit von jeder Pflicht.

Im Islam ist Freiheit das Gegenstück zu Pflicht, sozusagen sein Zwillingsbruder. Grundsätzlich sind die menschlichen Wesen frei, weil sie Verantwortung haben, und wenn es keine Verantwortung für sie gäbe, dann hätte es auch keine Notwendigkeit für Freiheit gegeben, denn dann wären Menschen wie Engel, was Dschalaleddin Rumi in einem Gedicht verarbeitet:

"Eine Überlieferung besagt, das der Schöpfer, der Erhabene
Die Menschen machte zu drei Arten:
Eine Gruppe wurde gesegnet mit Verstand, (eine mit) Wissen und (eine mit) Großzügigkeit
Eine andere, aus Engeln, kannte nichts außer Anbetung" ...

Freiheit ist, wie das Recht auf Leben, eine Voraussetzung zur Dienerschaft zu Gott und wahre Ergebenheit [taslim].

Eines der oft genannte Beispiele für einen Menschen voller Freiheit ist das Beispiel von Hur bin Yazid al-Tamimi al-Yarbu’i, dessen Name bereits "frei" bedeutet.

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