Gebetsrichtung [qibla]
Gebetsrichtung [qibla]

Aussprache: qibla
arabisch:
قبلة
persisch:
قبله
englisch: Praying direction

Foto: Gebetsrichtungskompass aus dem 18. Jh. n.Chr.

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Der arabische Begriff "Qibla" beschreibt zunächst neutral eine "Richtung der Orientierung", die nicht an eine besondere Handlung gebunden ist. Im speziellen islamischen Kontext steht er für die Richtung, in die das Ritualgebet verrichtet werden soll, also die Luftlinie zur Kaaba in Mekka. Dies führt dazu, dass alle Muslime in immer größer werdenden Kreisen um die Kaaba herum nebeneinander in die gleiche Richtung das Ritualgebet verrichten.

Die Notwendigkeit zur Bestimmung der Gebetsrichtung trug maßgeblich dazu bei, dass sich die Araber früh und intensiv mit Astronomie und Himmelsmechanik beschäftigten. Während man heutzutage mit einem Gebetsrichtungskompass die Gebetsrichtung bestimmen kann, ist in muslimisch geprägten Ländern oftmals, z. B. in Hotels, an der Zimmerdecke, am Boden oder auf einem Möbelstück ein Qibla-Pfeil eingezeichnet. In Flugzeugen muslimischer Luftlinien wird mittels Bildschirm jeweils die aktuelle Position zur Gebetsrichtung angegeben. Zwei mal im Jahr, an den Qibla-Tagen kann jeder allein mittels Sonne die exakte Gebetsrichtung bestimmen. In einer Moschee wird die Gebetsrichtung durch die Gebetsnische [mihrab] markiert. In einem muslimischen Friedhof sind die Gräber derart angeordnet, so dass die Begrabenen auf der rechten Seite liegend in Richtung der Gebetsrichtung blicken.

Die heutige Gebetsrichtung zur Kaaba ist erst seit dem Gebetsrichtungswechsel, der in der Moschee der beiden Gebetsrichtungen [masdschid al-qiblatain] erfolgte, für die Muslime gültig.

Die Gebetsrichtung hat auch in anderen Lebensbereichen im Islam eine Bedeutung: So wird beispielsweise die Schächtung in Gebetsrichtung durchgeführt. Beim Bau von Toiletten wird darauf geachtet, dass sie nicht in Gebetsrichtung ausgerichtet sind.

Während ein Muslim alle seine Ritualgebete in Richtung der Kaaba verrichtet, versucht er ein Mal im Leben bei der Pilgerfahrt [hadsch] das Ziel seiner Gebetsrichtung zu erreichen. Dort angekommen, tritt er aber nicht in das Haus ein sondern umkreist es. Das symbolisiert, dass er das Ziel des Daseins im Diesseits anstreben mag, aber nie erreichen wird, da das Ziel die Ewigkeit ist. So ist auch die Gebetsrichtung eine Erinnerung daran, dass das Ziel des Strebens erst im Jenseits erreicht werden kann.

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