Der
Heiligen Quran selbst die Geschichte der Gefährten
des Brunnens nicht ausführlich
und nennt auch ihren Propheten nicht.
Der Begriff „ar-Rass“ [الرَّسّ] wird meist als Brunnen,
Schacht oder Vertiefung im Boden erklärt. Daher kann Ashab
ar-Rass [أصحاب الرس] etwa bedeuten: „die Gefährten des
Brunnens“, „die Leute des Brunnens“ oder „die Bewohner von
ar-Rass“.
Eine bekannte frühe Erklärung besagt, dass sie ihren
Propheten in einen Brunnen warfen oder darin begruben.
Tabari
überliefert daneben mehrere andere Deutungen, etwa dass
ar-Rass der Name eines bestimmten Brunnens oder einer
Ortschaft in
Yamama
gewesen sei.
Es ist nicht sicher bekannt, wer sie waren. In der
klassischen
Auslegung [tafsir] wurden unterschiedliche
Identifikationen vorgeschlagen:
Ibn Kathir gibt mehrere dieser Auffassungen wieder und
weist darauf hin, dass manche ausführlichen Erzählungen
ungewöhnlich oder überlieferungskritisch problematisch sind.
In späteren Prophetengeschichten wird häufig
Hanzala ibn Safwan als ihr
Prophet jenes Volkes bezeichnet. Zuweilen wird aber auch
ein Chalid ibn Sinan genannt. Beide Namen stehen jedoch nicht
im
Heiligen Quran, und eine sichere frühe
Überlieferung dafür ist nicht nachweisbar.
In den
Überlieferungen [hadith] der
Ahl-ul-Bait (a.) werden die Ashab ar-Rass meist als ein
Volk beschrieben, das nach der Zeit
Salomos (a.) lebte, einen heiligen Baum verehrte und den
zu ihm gesandten
Propheten tötete.
Nach einer
Imam Ali (a.) zugeschriebenen
Überlieferung verehrten sie eine große Kiefer oder Pinie.
Der Baum soll von Yafith, einem Sohn
Noahs
(a.), an einem Fluss gepflanzt worden sein. Das Volk
feierte jährlich ein Fest an diesem Baum, schmückte ihn,
brachte Opfer dar und verstand vermeintliche Stimmen aus dem
Baum als göttliche Antwort. Ein von
Gott
gesandter
Prophet rief sie zum
Monotheismus auf. Als der Baum auf sein Gebet hin
verdorrte, beschuldigten sie ihn und warfen ihn in einen
Brunnen beziehungsweise Schacht, wo er starb. Daraufhin seien
sie durch Hitze, Sturm und eine vernichtende Strafe
untergegangen.
In manchen
Überlieferungen [hadith] der
Schiiten wird den Gefährten
des Brunnens neben Anbetung von
Götzen
auch schwere sittliche Verfehlungen zugeschrieben, darunter
sexuelle Beziehungen zwischen Frauen. Im
Heiligen Quran steht dazu aber nur, dass sie die Gesandten
der Lüge bezichtigten und der göttlichen Strafe verfielen.
In
Zübdetü’t-Tevarih gibt es eine Darstellung zu
Hanzala ibn Safwan mit einem
Anka-Vogel.

Osmanische Miniatur aus
Zübdetü’t-Tevarih (17. Jh. n.Chr.)