Irak-Iran-Krieg
Irak-Iran-Krieg, "erster Golfkrieg"

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22.9.1980 - 20.8.1988

Bild: Briefmarke zum 24. Gedenktag des Beginns des Irak-Iran-Krieges (2004)

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Der Begriff Erster Golfkrieg bezeichnet den Überfall des Irak unter Führung von Saddam auf die noch junge Islamische Republik Iran.

Er dauerte vom 22. September 1980 bis zum 20. August 1988. Er endete mit hohen menschlichen und wirtschaftlichen Verlusten auf beiden Seiten, aber einer Islamische Republik Iran, die ihre erste schwere Bewährungsprobe überstanden hatte; letztendlich gegen die ganze Welt, da Saddam damals von den USA und dessen Verbündeten unterstützt wurde.

Die Ursachen gehen auf das Widererstarken des Islam in der Region zurück. So hatte bereits im Vorfeld der große irakische Gelehrte Muhammad Baqir al-Sadr seine Landsleute aufgefordert sich "mit Imam Chomeini zu verschmelzen wie Imam Chomeini  sich mit dem Islam verschmolzen hat". Diese Aussage führte dazu, dass Saddam ihn und seine Schwester Bint-ul-Huda gefangen nehmen und dann vor seinen Augen ermorden ließ. Manche behaupten, er hätte die Hinrichtung persönlich durchgeführt. In den Wirren der Islamischen Revolution und den Auflösungserscheinungen der Armee des Schah, sah Saddam seine Chance vermeintliche historische Gebietswünsche umzusetzen.

Saddam Hussein spielte häufig auf die angebliche islamische Expansion im Iran an und gewann die Westliche Welt für seinen Feldzug. Am 2. April 1980, ein halbes Jahr vor Kriegsausbruch, zog Saddam Hussein zum Beispiel während seines Besuchs in der al-Mustansiriyyah-Universität in Bagdad Parallelen zur persischen Niederlage im 7. Jahrhundert in der Schlacht von Kadesia (auch Al-Qadisiyah) und erklärte: „In eurem Namen, Brüder, und im Namen der Iraker und aller Araber sagen wir diesen [iranischen] Feiglingen und Zwergen, die sich für Al-Qadisiyah rächen wollen, dass der Geist von Al-Qadisiyah, sowie das Blut und die Ehre der Menschen von Al-Qadisiyah, die ihre Sendung auf ihren Speerspitzen trugen, größer ist als ihre Bemühungen.

Saddam setzt auch darauf, dass arabische Teile des Iran ihn unterstützen würden, was allerdings eine Fehlkalkulation war.

Am 22. September 1980 befahl Saddam der irakischen Armee, den Iran mit neun von insgesamt zwölf Divisionen auf einer 600 km breiten Front anzugreifen. Dies bildete den Beginn. Die Truppen marschierte nahezu widerstandslos in den Iran ein, da es keine intakte Armee gab, die Widerstand hätte leisten können. Der Einmarsch erfolgte derart reibungslos, das manche irakische Kommandeure eine Falle oder Hinterhalt vermuteten.

Kurz nach dem Beginn des ersten Krieges fand am 7. Juni 1981 ein israelischer Luftangriff mit zwei F-16-Kampfflugzeugen auf den im Bau befindlichen irakischen Atomreaktor in Osirak statt, bei dem ein französischer Techniker getötet wurde. Israel begründete diesen Militärschlag gegen den Irak damit, dass es sich um eine vorbeugende Maßnahme gegen das irakische Atomwaffenprogramm gehandelt habe, da Israel den Reaktor im Verdacht hatte, weniger der zivilen Stromgewinnung als vielmehr dem Bau einer irakischen Nuklearwaffe zu dienen.

Es dauerte einige Monate, teilweise Jahre, bis die Revolutionäre im Iran den Widerstand organisierten und nach und nach den Angreifer bei großen eigenen Verlusten zurück drängten.

1984 begann im Persischen Golf der so genannte Tankerkrieg, der im Jahr 1987 auf seinem Höhepunkt anlangte und in dessen Verlauf mindestens 500 Tanker beschädigt oder zerstört wurden. Nachdem Kuwait 1986 um Hilfe für seine Tanker gebeten hatte, flaggten die USA elf Tanker um und beschützte die nun amerikanischen Schiffe in der Operation Earnest Will.

1985 kam es zum so genannten Städtekrieg, dem systematischen Raketen- und Artillerie-Beschuss iranischer Städte durch den Irak, wodurch viele Zivilisten getötet wurden. Dabei schickte Saddam im Monat Ramadan seine Raketen pünktlich zum Fastenbrechen [iftar].

Der Krieg war durch extreme Brutalität seitens des Irak gekennzeichnet, einschließlich des Einsatzes chemischer Waffen (Tabun, Senfgas) (1984), die später auch gegen die eigene kurdische Zivilbevölkerung sowie Aufstände in grenznahen Gebieten, insbesondere in Halabdscha, zum Einsatz kamen. Es gab nahezu keine Proteste gegen das irakische Vorgehen von der Westlichen Welt. Eine halbkritische Bemerkung diesbezüglich durch den damaligen deutschen Bundesaußenminister Genscher führte dazu, dass man ihm im Iran als "Bruder Genscher" bezeichnete.

Die anhaltenden Feindseligkeiten führten, wegen der Präsenz westlicher Marinekräfte zum angeblichen Schutz der Golfküste, zum Tod von 37 US-Matrosen bei einem irakischen Raketenangriff am 17. Mai 1987 auf die US-Fregatte „Stark“ sowie zum Abschuss eines iranischen Passagierflugzeuges durch den US-Kreuzer „Vincennes“ am 3. Juli 1988, bei dem alle 290 Passagiere und die Besatzung getötet wurden.

Nachdem die USS Samuel B. Roberts (FFG-58) im April 1988 auf eine iranische Seemine lief, starteten die USA Operation Praying Mantis, die die Zerstörung zweier iranischer Ölplattformen sowie mehrerer Schiffe zur Folge hatte.

Im Sommer 1988 zeichnete sich ein baldiger Waffenstillstand an. In der Zuversicht, bald zu einem Waffenstillstand zu gelangen, startete Saddam noch einmal eine verheerende Offensive mit dem Einsatz aller ihm noch zur Verfügung stehenden Waffensysteme. In jenen Tagen legte Imam Chamene'i die Würden seiner Geistlichkeit ab und ging als Soldat an die Front und Tausende mit ihm, allein schon um ihn zu beschützen. Am 20.8.1988 endete der Krieg mit einem Waffenstillstand, den Imam Chomeini wie das Trinken aus einem Giftkelch empfand, eine Symbolik die auf das hindeutete, was den Ahl-ul-Bait (a.) im Laufe der Geschichte angetan wurde, denen er sich sehr eng verbunden fühlte. 

Die internationale Isoliertheit des Iran in jenen Tagen und der daraus resultierende Mangel an Nachschub und Ersatzteilen führte zum Aufbau einer eigenen leistungsstarken Rüstungsindustrie, die heute zahlreiche selbst entwickelte Waffensysteme in Serie produzieren kann.

Der abschließende Bericht des UN-Generalsekretärs vom 9. Dezember 1991 (S/23273) stellte ausdrücklich die „Aggression des Iraks gegen den Iran“ durch das Auslösen eines Krieges und die Störung der internationalen Sicherheit und des Friedens fest. Saddam wurde später von denjenigen gestürzt, die ihn damals so tatkräftig unterstützt hatten.

Aus Sicht der Islamischen Republik Iran wird der Krieg auch als "Aufgezwungener Krieg" bzw. Heilige Verteidigung" bezeichnet.

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