Janitscharen
Janitscharen

Aussprache: janitscharen
arabisch:
إنكشارية
persisch:
englisch: Janissary

Foto: Parade Musikschau der Nationen 1970 in Hamburg (Y.Özoguz)

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Die Janitscharen waren Elitetruppen im Osmanischen Reich die, die in der Anfangszeit zumeist aus Nachkommen von Christen bestand, die als Kind ihre Eltern während der Kriege mit den Osmanen verloren hatten und als Kriegsgefangene von klein auf in jene Truppen integriert wurden, eine Praxis die mit islamischen Idealen nichts zu tun hat und oft einer Kindesentführung glich.

Aus Sicht der Janitscharen, taten sie den zumeist aus Balkanländern stammenden Kindern allerdings gutes, da die verwaisten Kinder eine für die damalige Zeit überragende Ausbildung erhielten und zu sehr angesehen Bürgern im Osmanischen Reich wurden. Sie stellten vergleichbar einem abgeschlossenen Orden die Leibwache des Sultans und erreichten oft höchste Positionen im osmanischen Staatswesen. Die Truppen haben ihren Ursprung im 14. Jahrhundert und wurden 1826 aufgelöst. Der Name stammt aus dem Türkischen "Yeniçeri" und  bedeutet „neue Truppe“.

Das Janitscharen-Korps wurde zur Zeit Murat I. im aufsteigenden Osmanischem Reich, ca. 1330 n.Chr. gegründet. Die Janitscharen wurden die erste Berufsarmee der Osmanen und ersetzten die aus Stammeskriegern je nach Bedarf zusammengesetzten Truppen, deren Loyalität und Moral nicht der Berufsarmee vergleichbar war.

Janitscharen wurden unter strikter Disziplin und harter Arbeit in Eliteschulen ausgebildet, wo sie in der Anfangszeit dem Zölibat unterworfen waren und Kampfkunst und den Islam lernten, was eigentlich ein Widerspruch in sich war, denn die Heirat gilt im Islam als Hälfte des Glaubens. Orhan I. gilt als einer Gründer der Janitscharen. Seine nähe zu Orden wird aus der Gegebenheit deutlich, dass er Hadschi Bektasch Veli um seine Segnung und nach einem Namen für seine Elitesoldaten gebeten haben soll.

Äußeres Merkmal der Janitscharen war, dass sie nur einen Schnurrbart und keinen Vollbart trugen, wie es für Muslim eigentlich Pflicht ist. Interessanterweise wurde in der späteren Türkei nach dem Fall der Osmanen der Schnurrbart gepflegt und der Vollbart eher verpönt.

Die Janitscharen schworen dem Sultan bedingungslose Treue und wurden so erzogen, dass sie das Korps als ihre Heimat und Familie und den v als ihren Vater anerkannten. Das hatte allerdings auch zur Folge, dass sie sich ein Mitspracherecht bei der Neubesetzung der Sultane erzwingen konnten. Ein voll ausgebildeter Janitschare war ca. 24 Jahre alt. Das Eigentum von gestorbenen Mitgliedern ging auf das Regiment über.

Religiös orientierten sich die Janitscharen an den Lehren des Hadschi Bektasch Veli, der im 14. Jh. n.Chr. die ersten Truppen gesegnet hatte, und an dem nach ihm benannten Orden der Bektaschi-Derwische. Die spezielle Janitscharen-Mütze soll den Ärmel des Hadschi Bektasch Veli symbolisieren und die Verbundenheit zu dessen Lehren zeigen.

Die Janitscharen erhielten Sold, der aus der Kasse des Herrschers stammte. Durch zusätzliche Zuwendungen versuchten insbesondere bei Machtwechseln ambitionierte Kandidaten die Unterstützung der Janitscharen zu gewinnen.

Die volle Stärke der Janitscharen-Truppe stieg von anfänglich ungefähr 100 bis auf mehr als 200.000. Das Korps wurde in Kompanien (orta) mit 200 - 400 Männern organisiert. Süleyman der Prächtige hatte 165 Ortas, später stieg die Anzahl auf 196. Der Sultan hatte das Oberkommando, geführt und organisiert wurde das Korps aber vom obersten Feldherrn, dem so genannten Ağa. Das Korps war in drei Divisionen (viz) unterteilt, den jemaat (Grenztruppen) mit 101 Ortas, den bölüks (Leibgarde) mit 61 Ortas und den sekban oder seirnen mit 34 Ortas. Zusätzlich gab es 34 Ortas mit ajami (Auszubildende). Ursprünglich konnten die Janitscharen nur innerhalb ihrer Orta aufsteigen, und konnten ihre Einheit nur verlassen, indem sie das Kommando einer anderen annahmen. Sie durften nur von ihren eigenen Vorgesetzten bestraft werden.

In den ersten Jahrhunderten galten die Janitscharen als exzellente Bogenschützen, sie benutzten aber Feuerwaffen, sobald sie verfügbar waren und verfügten sehr lange über die modernste Ausrüstung. Im Nahkampf verwendeten sie Beile, Säbel und Jatagane. Auch eigene Waffenentwicklungen wurden von ihnen betrieben.

Die Osmanen setzten die Janitscharen neben den regulären Truppen in allen größeren Feldzügen ein, so auch bei der Eroberung von Konstantinopel 1453,dem späteren Istanbul.

Die Janitscharen waren sich sehr früh ihrer Bedeutung bewusst. Im Jahr 1449 rebellierten sie unter dem schwachen Herrscher Bayezit II. das erste Mal und verlangten eine bessere Bezahlung, die sie auch bekamen. Nach 1451 musste jeder neue Sultan allen Janitscharen eine Belohnung geben und ihren Lohn verbessern. Sultan Selim II. löste 1566 das mit dem Islam gar nicht vereinbare Zölibat auf und erteilte die Erlaubnis zu heiraten. Immer mehr muslimische türkische Familien brachten ihre eigenen Söhne in den Truppen unter, da diese ein hohes Ansehen genossen. Ab 1683 wurden keine Kinder mehr zwangsrekrutiert. Durch die veränderte Zusammensetzung der Truppe stieg auch ihr Einfluss auf die Politik.

Das läutete aber auch das langsame aber sichere Ende der Elitetruppe ein. zwar konnten sie nun sogar durch Staatsstreiche unliebsame Sultane durch andere ersetzten, und sie machten sich selbst zu Landbesitzern und Geschäftsleuten, deren Söhne nicht mehr obligatorisch die harte Ausbildung durchlaufen mussten, um einen Rang zu erhalten, aber da das Geschäfts- und Familienleben mehr und mehr die Hingabe an den Kriegsdienst ersetzte, nahm auch ihre Wirksamkeit als Kampftruppe ab. Die Nordgrenze des Reichs verschob sich nach der 2. Schlacht von Wien 1683 immer mehr nach Süden.

Die Janitscharen widersetzten sich allen Ansätzen, die Truppe on innen zu reformieren und ermordeten 1622 Sultan Osman II., als er plante, sie zu ersetzen. 1807 revoltierten sie und setzten Selim III. ab, der mit Hilfe von europäischen Ausbildern die Armee zu modernisieren versuchte. Bevor Selims Anhänger die Macht wieder an sich ziehen konnten, ließ Mustafa IV. ihn töten und setzte 1808 Mahmut II. und weitere Intrigen folgten.

Im April 1810 setzten die Janitscharen in Galata (in Istanbul) 2000 Häuser in Brand, und im Frühjahr 1811 waren zwei Regimenter in ein Gefecht in Istanbul verwickelt. 1826 waren sie an der Niederschlagung von Aufständen in Griechenland beteiligt. Mahmut II. erkannte, dass er die Janitscharen abschaffen musste und baute eine neue Armee auf. Als die Janitscharen das bemerkten, rebellierten sie abermals am 14./15. Juni 1826. Mahmut II. ordnet er per Ferman die Auflösung aller Janitscharen-Einheiten in seinem Reich an. Dieses Mal stellten sich allerdings die Bevölkerung und große Teile der Armee gegen sie. Loyale Truppen des Sultan drängten sie in ihre Kasernen zurück. Die Artillerie feuerte fünfzehn Salven in die Kasernen, wo viele verbrannten. Überlebende wurden hingerichtet oder verbannt. Zwei Jahre später ließ Mahmut II. den letzten verbliebenen Besitz der Janitscharen beschlagnahmen. Ein knappes Jahrhundert später gingen auch die Osmanen unter.

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