Pierre Loti
Pierre Loti

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14.1.1850 - 10.6.1923 n.Chr

Bild: Als Marineoffizier am 7.4.1892

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Pierre Loti ( eigentlich Julien Viaud) war ein französischer Marineoffizier und Schriftsteller. Zu seinen unzähligen Romane gehören etliche Bestseller des ausgehenden 19. Jh. und beginnenden 20. Jh. n.Chr. Er hat den Orient in seinen Erzählungen der Westlichen Welt nahe gebracht.

Loti ist am 14. Januar 1850 in Rochefort im Département Charente-Maritime in eine Seefahrer-Familie geboren, sein Vater war Schiffsarzt. In der Literatur wird Lotis Sucht zu reisen oft mit dem Tod des 14 Jahre älteren Bruders Gustave in der Südsee begründet, der vier Jahre lang auf Tahiti gelebt hatte.

1876 reist Loti erstmalig als Offizier einer französischen Fregatte nach Istanbul. Viele weitere Reisen nach Istanbul sollten folgen. 1879 veröffentlicht Loti das Buch Aziyadé, seinen ersten Roman, der in Istanbul über eine Frau spielt, die er dort kennen gelernt hat.

Als Offizier der französischen Marine nimmt Loti 1883 an einer Tonking-Expedition teil. 1894 begibt er sich auf eine Reise nach Palästina. In der 1885 publizierten Trilogie über die Reise erzählt er eindrucksvoll und in auch heute nachvollziehbaren Erlebnissen. 1892 wird Loti in die Académie française berufen. 1900 ist er dann als Adjutant des Vizeadmirals Pottier Mitglied des französischen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstandes in China.

Unterwegs, um als französischer Gesandter einen indischen Maharadscha zu ehren, unternimmt Loti im April 1900 eine Reise zur Rosenblüte nach Isfahan. Auf seinem Weg beschreibt er Landschaft und Architektur des iranischen Hochlandes, Nomadenstämme und Karawanen und schildert die mystischen Formen des Islam.

Nachdem er 1913 in seinem Buch La Turquie Agonisante (mit dem Tode ringende Türkei) u.a. auch die Politik der Westlichen Welt gegenüber den Osmanen analysiert hatte, reiste er im gleichen Jahr als Staatsgast in die Türkei und wurde am "Tophane Rıhtım" mit großer Zeremonie empfangen und anschließend von Mehmed V. im Topkapi Palast empfangen. Nach eigenen Angaben war Loti mit Mustafa Kemal Atatürk befreundet.

Während der Balkankriege und im Ersten Weltkrieg hat er in seinen Schriften stets die Türkei verteidigt. Als er beim türkischen Befreiungskampf den Widerstand in Anatolien unterstützt und sogar seine Heimat Frankreich hart kritisiert hatte, erhielt er große Sympathien in der Türkei, so dass am 4.10.1921 das neue Parlament ihm ein Dankesschreiben verfasste. 1920 wurde er Ehrenbürger der Stadt Istanbul und in Divanyolu wurde ein Strasse nach ihm benannt. In Stadtteil Eyup wurde ein Kaffee-Restaurant am Hügel nach ihm benannt, so dass inzwischen der ganze Hügel über einem Friedhofshang unweit der Eyüp-Sultan-Moschee unter seinem Namen als Pierre-Loti-Hügel bekannt ist. Der Hügel bietet einen beeindruckenden Ausblick auf die Istanbuler Stadtteile am Goldenen Horn. Heute führt eine Seilbahn hinauf. Bei seinen Aufenthalten in Istanbul hatte sich Loti stets hier aufgehalten.

Dennoch gab es auch Kritik an seinen Werken. Während einige ihn als Freund der Türken feierten vertraten andere die Meinung, dass er mit seinen Schriften die Schwächen der Osmanen offengelegt und damit den Feinden gedient hat. 1925 verfasste Nazim Hikmet ein Gedicht über ihn mit dem Titel "Scharlatan Piyer Loti". Loti wurde auch vorgeworfen durch Schüren der nationalistischen Gefühle der Türken die Einheit des Reichs der Osmanen geschwächt zu haben. Zudem wurde ihm Orientalismus vorgeworfen. So schrieb Nazım Hikmet 1925 dazu: „Das ist der Orient, wie ihn der französische Dichter sah! Das ist der Orient der Bücher, von denen pro Minute eine Million gedruckt werden! Doch es gab weder gestern, noch gibt es heute so einen Orient und es wird ihn auch morgen nicht geben!“

Loti thematisiert immer wieder in seinen Werken Todessehnsucht und Lebensgier und ist damit ein Vertreter des Fin de siècle. Besonders in seiner Japan-Trilogie (Madame Chrysanthème, Japoneries de l'automne und La troisième jeunesse de Mme Prune) kommt dieser Aspekt zum Tragen. Viele von Lotis Werken sind heute in Vergessenheit geraten, auch wenn er zu den meist gelesenen Autoren der zweiten Hälfte des 19. Jh. n.Chr. zählt und einen beachtlichen Teil der Einstellungen der Franzosen zu anderen Ländern geprägt hat, insbesondere auch zur muslimischen Welt.

Loti starb am 10. Juni 1923 in Hendaye in Frankreich.

Lotis Elternhaus in Rochefort an der französischen Atlantikküste kann heute besichtigt werden. Loti arbeitete sein ganzes Leben lang an der Gestaltung und Veränderung dieses Hauses – jedes Zimmer richtete der passionierte Geschichtskenner im Stil eines Ortes oder einer Epoche ein, für die er sich besonders interessierte und stellte darin Exponate aus, die er über die Jahre während seiner Reisen erwarb. Das Haus befindet sich noch im Originalzustand, in dem Loti es einrichtete. Im Inneren ist in einmaliger und beeindruckender Weise alles in eine Phantasiewelt umgestaltet worden: Unter anderem ein Empfangssaal, ein Rittersaal und eine Moschee wurden mit Liebe zum Detail und unter Nutzung originaler Bauelemente in den Mauern dieses Stadthauses realisiert – vorwiegend um die bürgerliche Gesellschaft seiner Zeit und zahlreiche Liebschaften zu beeindrucken. Daneben gibt es auch zeitgemäß erhaltene Wohnräume.

Seine Werke waren unter anderem:

bulletAziyadé (1879)
bulletRarahu, später umbenannt in Le mariage de Loti (1880)
bulletLe roman d'un spahi (1881)
bulletFleurs d'ennui. Pasquali Ivanovitch (1882)
bulletMon frère Yves (1883)
bulletLes trois dames de la Kasbah (1884)
bulletPêcheur d'Islande (1886)
bulletMadame Chrysanthème (1887)
bulletPropos d'exil (1887)
bulletJaponeries d'automne (1889)
bulletAu Maroc (1890)
bulletLe roman d'un enfant (1890)
bulletLe livre de la pitié et de la mort (1891)
bulletFantôme d'Orient (1892)
bulletL'exilée (1893)
bulletLe matelot (1893)
bulletLe désert. Jérusalem (1894)
bulletLa Galilée (1894)
bulletRamuntcho (1897)
bulletJudith Renaudin (1898)
bulletReflets de la sombre route (1899)
bulletLes derniers jours de Pékin (1902)
bulletL'Inde sans les Anglais (1903)
bulletVers Ispahan (1904)
bulletLa troisième jeunesse de Mme Prune (1905)
bulletLes désenchantées (1906)
bulletLa mort de Philae (1909)
bulletLe château de la Belle au Bois dormant (1910)
bulletUn pèlerin d'Angkor (1912)
bulletLa Turquie agonisante (1913)
bulletLa hyène enragée (1916)
bulletQuelques aspects du vertige mondial (1917)
bulletL'horreur allemande (1918)
bulletPrime jeunesse (1919)
bulletLa mort de notre chère France en Orient (1920)
bulletSuprêmes visions d'Orient (1921)
bulletUn jeune officier pauvre (1923, posthum)
bulletLettres à Juliette Adam (1924, posthum)
bulletJournal intime (1878-1885), 2 vol ("Intimate journal", 1925–1929)
bulletCorrespondance inédite (1865-1904, 1929)

Sein von Friedrich von Oppeln-Bronikowski ins Deutsche übertragene Werk "Auf den Spuren der Pharaonen" (1910) wurde genau 100 Jahre später von Jürgen Sorge erneut herausgebracht (Engelsdorfer Verlag 2010).

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