Mansur
Mansur

Aussprache: mansuur
arabisch:
المنصور
persisch:
منصور
englisch: Al-Mansur

??? - 158 n.d.H.
ca. 710 - 10.775 n.Chr.

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Mansur war der zweite Kalif der Abbasiden und herrschte 136-158 n.d.H. (754-775 n.Chr.).

Mansur übernahm unter 754 n.Chr. die Herrschaft von seinem Bruder Abul-Abbas as-Saffah. Nachdem er schon seinen Bruder bei der Regierung unterstützt hatte, musste er seine Herrschaft zunächst gegen seinen Onkel Abdallah ibn Ali durchsetzen, der allerdings bald von Abu Muslim, dem Wesir von Chorasan besiegt wurde. Als dieser nun als eigentlicher Begründer der Abbasiden-Dynastie zu mächtig wurde, ließ ihn Mansur 755 töten. Große Probleme hatte Mansur anfänglich mit den Anhängern der Ahl-ul-Bait (a.).

Muhammad Nafs az-Zakiyya hatte nicht vergessen, dass Mansur immer noch verpflichtet war, ihn als Kalifen zu akzeptieren; auch Mansur konnte es nicht vergessen haben. Die Lösung für Mansurs war, alle Nachkommen Imam Hasans (a.) auszulöschen.

Im Jahre 144 n.d.H. kam Mansur nach Medina, wo er in einer einzigen umfassenden Maßnahme die gesamte Nachkommenschaft von Imam Hasan (a.)  festnehmen und nach Bagdad bringen ließ. Imam Hasans (a.) Nachkommen hatten sowohl physisch als auch psychisch enorme Torturen zu erleiden. Nun wollte Mansur sich den rechtmäßigen und moralischen Verpflichtungen dieser Huldigung entledigen. Es war nicht nur eine Frage seines eigenen Gewissens; er hatte die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass er der verfassungsmäßige und rechtmäßige Kalif war.

Um dies zu gewährleisten, hielt er nach der Massenverhaftung folgende verlogene öffentliche Rede.

"Bei Allah, wir ließen den Nachkommen Abu Talibs und dem Kalifat ihren freien Lauf. Wir mischten uns keineswegs darin ein. Ali ibn Abu Talib wurde Kalif. Nach ihm wurde Hasan ibn Ali der Kalif. Bei Allah, er hatte es nicht verdient. Ihm war Geld angeboten worden, das er annahm. Muawiya ibn Abu Sufyan sandte ihm eine Nachricht, dass er ihn zu seinem Nachfolger machen würde. Also verzichtete Hasan auf Kalifat, Herrschaft und Macht. Er überließ alles Muawiya und wandte seine Aufmerksamkeit den Frauen zu, indem er heute eine Frau heiratete und sich morgen bereits von einer anderen scheiden ließ. Damit fuhr er fort, bis er in seinem Bett starb." (Al-Mas'ûdi in Murûj ud-Dhahab, B. 3, S. 226) In dieser Rede verbreitete er die von Abbasiden frei erfundenen Verleumdungen gegen die Ahl-ul-Bait (a.) und insbesondere gegen Imam Hasan (a.).

Das Schwerpunkt dieser Ansprache war, dass Muhammad Nafs az-Zakiyya keinen Anspruch auf das Kalifat hatte, da dessen Urgroßvater, Imam Hasan (a.), angeblich auf diese Macht verzichtet haben soll. Er schrieb auch einen entsprechenden Brief an Muhammad Nafs az-Zakiyya, der sich immer noch auf freiem Fuß befand und dabei war, eine Armee zum Kampf gegen Mansur aufzubauen:

"Das Kalifat deines Vorfahren (Ali) ging an Hasan über. Er verkaufte es an Muawiya für Geld und Kleidung. Nun, wenn du irgendeinen Anspruch auf das Kalifat hättest, hättest du es längst verkauft und den Gegenwert dafür erhalten."

Doch Mansur wusste, dass diese Auseinandersetzung lediglich das unmittelbare Problem der Huldigung an Muhammad Nafs az-Zakiyya lösen würde. Sie konnte jedoch keinen von Imam Husains (a.) Nachkommen daran hindern, das bestehende unrechtmäßige Kalifat anzuzweifeln. Deshalb ließ er nichts unversucht, um zu beweisen, dass die Nachkommen Fatimas (a.) keinen Anspruch auf das Erbe des Prophet Muhammad (s.) hätten und dass die Abbasiden seine (s) rechtmäßigen Erben seien.

Nachdem Aufstände der Anhänger Abu Muslims in Chorasan (755) und der Schiiten in Kufa und Medina (762 n.Chr.) niedergeschlagen waren, widmete sich Mansur dem Ausbau der Reichsverwaltung. Er entmachtete die Anhänger der Ahl-ul-Bait (a.) unter anderem damit, dass er Fadak von den Ahl-ul-Bait (a.) entrissen hat, nachdem Umar ibn Abdul Aziz es zuvor diesen zurückgegeben hatte.

Mansur versuchte die Herrschaft des Kalifen als gottgewolltes Schicksal  zu interpretieren. Er setzte dabei durch, dass der Kalif seinen Nachfolger frei bestimmen kann um Machtkämpfe nach seinem Tod zu verhindern.

Als Höhepunkt seiner Regierung gründete Mansur am 1. August 762 mit Bagdad die neue Hauptstadt des Kalifats. Diese Stadt sollte schnell zur bedeutendsten wirtschaftlichen und kulturellen Metropole der muslimischen Welt aufsteigen. Er schuf für das ganze Reich ein zentrales Verwaltungssystem, das von der Hauptstadt Bagdad aus gesteuert wurde. Dabei unterstützten ihn Wezire aus der Familie der aus dem Iran stammenden Barmakiden, die für zahlreiche der folgenden Abbasidenherrscher ebenfalls von großer Bedeutung sein sollten. Durch die Beteiligung der Barmakiden an der Regierungsverantwortung verstärkte sich der iranische Einfluss im Abbasidenreich. Das kommt zum Ausdruck durch die Tatsache, dass sassanidische Hof- und Verwaltungstechniken eingeführt wurden, dass aber auch mehr und mehr persische Kultur und Kunst an Einfluss gewann. Gleichzeitig wurde die islamische Orthodoxie betont, um damit zugleich dem wachsenden Reich der Abbasiden eine einheitliche ideologische Grundlage zu verschaffen.

Nach dem Tod von Mansur (775 n.Chr.) folgte ihm der von ihm designierte Sohn Mahdi. Er hatte zudem einen Sohn namens Dschafar, dessen Tochter Zubaida bint Dschafar später Ehefrau von Harun al-Raschid wurde.

In der Literatur kommt er auch als Abu Dschafar Dawaniqi vor.

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