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zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.
Antoine-Ignace Melling (geboren als Anton Ignaz Melling) war
ein deutschstämmiger französischer Zeichner, Maler, Architekt,
Innenausstatter und Reisekünstler. Berühmt wurde er vor allem
durch seine äußerst präzisen Ansichten von
Istanbul und dem
Bosporus sowie durch seine Tätigkeit für
Hatice Sultan.
Er wurde am 27. April 1763 in Karlsruhe als Anton Ignaz
Melling geboren. Karlsruhe gehörte damals zur Markgrafschaft
Baden. In französischen Zusammenhängen verwendete er später
die Namensform Antoine-Ignace. Er starb im November 1831 in
Paris. Das genaue Todesdatum wird nicht einheitlich angegeben.
Melling stammte aus einer Künstlerfamilie. Sein Vater war
Bildhauer. Nach dessen Tod kam der junge Melling zu seinem
Onkel Joseph Melling, der als Maler in Straßburg tätig war.
Dort erhielt er vermutlich eine erste systematische
künstlerische Ausbildung.
Später ging er zu einem älteren Bruder nach Klagenfurt.
Dort beschäftigte er sich mit Mathematik und Architektur.
Diese Kombination war für seine spätere Arbeit entscheidend:
Melling war nicht nur ein Landschaftsmaler, sondern konnte
Gebäude, Raumfolgen, Perspektiven und topografische
Verhältnisse mit großer Genauigkeit erfassen.
Schon als junger Mann reiste er durch Italien und
möglicherweise auch nach
Ägypten. Um 1784 n.Chr., im Alter von ungefähr 21 Jahren,
gelangte er im Umfeld der russischen diplomatischen Vertretung
nach
Istanbul. Manche Darstellungen setzen seine Abreise
bereits mit 19 Jahren an. Sicher ist, dass er anschließend
etwa 18 Jahre im
Osmanischen Reich lebte.
Istanbul war in jener Zeit eine kosmopolitische Metropole.
Neben dem osmanischen Hof lebten dort europäische Diplomaten,
Kaufleute, Künstler, Dolmetscher und Angehörige verschiedener
religiöser Gemeinschaften. Melling bewegte sich zunächst
wahrscheinlich im Umfeld europäischer Botschaften und übernahm
Zeichen-, Dekorations- und Gestaltungsaufträge.
Seine genaue Position in den ersten Jahren ist nicht
vollständig geklärt. Er verfügte über diplomatische Kontakte
und praktische Fähigkeiten, die ihm Zugang zu hochrangigen
Auftraggebern verschafften. Der entscheidende Wendepunkt
seiner Karriere war die Begegnung mit
Hatice Sultan.
Hatice Sultan war die Schwester und enge Vertraute Sultan
Selim
III. Sie verfügte über einen großen eigenen Haushalt und
mehrere Residenzen am
Bosporus. Um 1795 wurde Melling mit Arbeiten für sie
beauftragt.
Als erster Auftrag wird häufig die Gestaltung eines
Gartenlabyrinths genannt.
Hatice Sultan soll eine ähnliche Anlage im Garten des
dänischen Diplomaten Friedrich von Hübsch gesehen haben und
Melling gebeten haben, für sie einen entsprechenden Garten zu
entwerfen. Der Erfolg dieses Projekts führte offenbar zu
weiteren Aufträgen. Melling arbeitete anschließend an:
Gartenanlagen und Pavillons, Innenräumen und Wanddekorationen,
Möbeln und Einrichtungsgegenständen, Fassaden und
Palasttrakten, Stoffen, Kleidern und Schmuckentwürfen, der
Beschaffung europäischer Luxuswaren.
Besonders eng ist sein Name mit
Hatice Sultans Uferpalast bei Defterdarburnu, zwischen
Ortaköy und Kuruçeşme, verbunden. Melling entwarf dort
wahrscheinlich wesentliche Umbauten oder Neubauten in einer
Architektur, die osmanische Raumformen mit europäischen,
insbesondere neoklassizistischen Gestaltungselementen verband.
Die häufig verwendete Bezeichnung „kaiserlicher Architekt“
beziehungsweise „Architekt Selims III.“ ist allerdings nicht
zutreffend. Melling war zweifellos für den Hof tätig und
erhielt privilegierten Zugang zu Palästen. Es ist jedoch
unklar, ob er ein formal genau definiertes osmanisches Hofamt
innehatte, das einem modernen Chefarchitekten entspräche. Das
British Museum bezeichnet ihn als 1795 eingesetzten
Architekten der Schwester des Sultans.
Zwischen Melling und
Hatice Sultan bestand eine ungewöhnlich enge und
langjährige Arbeitsbeziehung. Teile ihrer Korrespondenz sind
erhalten. Hatice verwendete dabei teilweise osmanisches
Türkisch in lateinischer Schrift, lange vor der türkischen
Alphabetreform von 1928 n.Chr. Die Briefe behandeln
Bauarbeiten, Zahlungen, Bestellungen, Stoffe, Möbel,
Lieferungen und organisatorische Probleme. Sie zeigen, dass
Hatice Sultan ihre Projekte sehr aktiv leitete und Melling
detaillierte Anweisungen gab.
In populären Darstellungen wird bisweilen eine
Liebesbeziehung zwischen beiden behauptet. Dafür gibt es
jedoch keine Belege. Die überlieferten Dokumente belegen Nähe,
Vertrauen, Konflikte und eine intensive Patronatsbeziehung,
aber nicht mehr. Gegen Ende seiner Zeit in
Istanbul verschlechterte sich das Verhältnis offenbar.
Melling klagte über ausstehende Zahlungen und versuchte,
Hatices Unterstützung zurückzugewinnen. Die genauen Gründe für
den Bruch sind nicht zweifelsfrei bekannt. Um 1802 oder 1803
verließ er
Istanbul und ging nach Frankreich.
Während seiner langen Zeit in
Istanbul fertigte Melling zahlreiche Zeichnungen von
Palästen und Haremsräumen,
Moscheen,
Brunnen und Aquädukten, Uferdörfern und Gartenanlagen,
Schiffen und Hafenanlagen, Straßen, Friedhöfen und Märkten,
Zeremonien und Alltagsszenen, der Landschaft am Bosporus.
Sein Zugang zum osmanischen Hof ermöglichte ihm Ansichten,
die anderen europäischen Künstlern weitgehend verschlossen
blieben. Besonders bedeutend sind seine Darstellungen von
Innenhöfen und Gebäuden des
Topkapi Palastes sowie von inzwischen verschwundenen
hölzernen Bosporuspalästen.
Mellings Bilder unterscheiden sich von vielen älteren
europäischen Darstellungen
Istanbuls durch ihre topografische Genauigkeit. Er
arbeitete mit einem architektonisch geschulten Blick. Gebäude,
Küstenlinien und räumliche Beziehungen sind häufig erstaunlich
präzise wiedergegeben. Er komponierte die Ansichten,
veränderte teilweise Blickwinkel und ordnete Figuren oder
Landschaftselemente so an, dass ausgewogene Bildräume
entstanden.
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich ließ sich Melling in
Paris nieder. Dort versuchte er, seine in
Istanbul entstandenen Zeichnungen in ein groß angelegtes
Publikationsprojekt zu überführen.
Durch die Unterstützung einflussreicher Persönlichkeiten,
unter ihnen wahrscheinlich der französische Außenpolitiker
Charles-Maurice de Talleyrand, erhielt er Zugang zum
napoleonischen Hof. Er wurde zum Landschaftsmaler der Kaiserin
Joséphine de Beauharnais, der ersten Gemahlin Napoleons,
ernannt.
Mellings Hauptwerk trägt den vollständigen französischen
Titel: „Voyage pittoresque de Constantinople et des rives du
Bosphore “ (Malerische Reise durch Konstantinopel und entlang
der Ufer des Bosporus).
Die Publikation erschien zwischen 1809 und 1819. Sie
enthält 48 großformatige Ansichten, mehrere Karten und
ausführliche französische Begleittexte. An der Übertragung von
Mellings Zeichnungen in Kupferstiche arbeiteten verschiedene
Stecher.
Zu den dargestellten Orten gehören unter anderem: der
Topkapi Palast, Tophane, Üsküdar, Büyükdere und Tarabya,
der Eingang zum Schwarzen Meer, der Belgrader Wald, der
Kâğıthane-Bach, verschiedene Bosporusdörfer, Uferpaläste und
Gartenanlagen, osmanische Hochzeits- und Alltagsszenen. Das
Werk gilt als kunsthistorisch und stadtgeschichtlich
außerordentlich bedeutend. Viele der gezeigten Bauten wurden
später durch Feuer, Umbauten oder Abriss zerstört. Mellings
Ansichten gehören deshalb zu den wichtigsten visuellen Quellen
für
Istanbul um 1800 n.Chr.
Zugleich ist das Buch Teil der europäischen Tradition der
Voyages pittoresques, also kostbarer illustrierter Reise- und
Ansichtenwerke. Es richtete sich an ein wohlhabendes
europäisches Publikum, das starkes Interesse am
Osmanischen Reich hatte. Ein Exemplar des Werks wurde 1819
vollständig veröffentlicht.
Im Jahr 1812 reiste er durch die Niederlande und bis in
norddeutsche Hansestädte. Von dieser Reise sind Zeichnungen
und Briefe an seine Familie erhalten. Darin schilderte er
Landschaften, Architektur, Bewohner und Reiseerlebnisse. Die
geplante Veröffentlichung eines entsprechenden Reisewerks
wurde jedoch nicht in derselben Form verwirklicht wie sein
Istanbul-Band.
1815 reiste er gemeinsam mit einer Tochter durch
französische Départements und zeichnete deren Hauptstädte.
1817 besuchte er Großbritannien. Auch diese Unternehmungen
zeigen, dass Melling sich zunehmend als systematischer
topografischer Zeichner und Reisedokumentarist verstand.
Nach 1821 erhielt Melling einen französischen
Regierungsauftrag, die Pyrenäen künstlerisch zu dokumentieren.
Das Projekt sollte offenbar die landschaftliche Schönheit der
französischen Pyrenäen bekannt machen und ihre
Gleichrangigkeit mit den damals besonders bewunderten Alpen
hervorheben.
Gemeinsam mit dem Schriftsteller Joseph-Antoine Cervini
veröffentlichte er: „Voyage pittoresque dans les Pyrénées
françaises et les départements adjacents.“ Das Werk erschien
zwischen 1826 und 1830.
Melling war mit Françoise-Louise Colombani verheiratet, die
aus einer in
Istanbul ansässigen levantinischen beziehungsweise
genuesisch-katholischen Familie stammte. Die Einzelheiten
ihres Lebens und der Eheschließung werden in allgemein
zugänglichen biografischen Quellen nur lückenhaft behandelt.
Das Paar hatte Kinder. Mindestens eine Tochter begleitete
Melling 1815 auf Reisen durch Frankreich. Seine Briefe aus den
Niederlanden zeigen, dass er trotz langer Reisen eng mit
seiner Familie verbunden blieb.
Antoine-Ignace Melling starb im November 1831 in Paris im
Alter von 68 Jahren. Häufig wird lediglich der Monat
angegeben.