Gustav Oelsner
Gustav Oelsner

Aussprache: ghustaaf uulsnar
arabisch:
غوستاف أولسنر
persisch:
گوستاو اولسنر
englisch:
Gustav Oelsner

23.2.1879 - 26.4.1956 n.Chr.

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Gustav Israel Oelsner war ein deutscher Architekt, Stadtplaner, kommunaler Baubeamter und Hochschullehrer im Exil. Er zählt zu den prägenden Gestalten des Neuen Bauens in Norddeutschland und war von 1924 bis 1933 Bausenator bzw. Stadtbaurat der damals selbständigen preußischen Stadt Altona. Er verbrachte viele Jahre im Exil in der Türkei.

Er wurde am 23. Februar 1879 in Posen/Poznań als Sohn einer deutsch-jüdischen Familie geboren. In seiner Jugend trat er zum evangelischen Glauben über und legte den Zweitnamen „Israel“ ab. Er studierte Architektur an der Technischen Hochschule Charlottenburg in Berlin und schloss sein Studium um 1900 ab. Danach arbeitete er unter anderem bei Paul Wallot, dem Architekten des Berliner Reichstagsgebäudes, sowie bei Max Hasak, bei dem er an der Bauleitung des Bode-Museums beteiligt war.

Diese frühe Ausbildung verband ihn noch mit der historistischen Baukultur des Kaiserreichs. Seine spätere Bedeutung liegt jedoch gerade darin, dass er sich von deren dekorativer Repräsentationsarchitektur löste und eine sachliche, soziale, hygienisch und städtebaulich begründete Moderne entwickelte.

1907 wurde Oelsner Stadtbauinspektor in Breslau. Dort arbeitete er unter anderem an Hochschul- und Verwaltungsbauten. 1911 wurde er zum Stadtbaurat von Kattowitz berufen, das damals zu Preußen gehörte. Dieses Amt übte er bis 1922 aus, also bis zur politischen Neuordnung Oberschlesiens nach dem Ersten Weltkrieg. In Kattowitz entstanden unter seiner Verantwortung unter anderem Schulen und Verwaltungsbauten, darunter ein Neubau für die Fürstlich-Plessische Bergwerksdirektion.

In Kattowitz setzte sich Oelsner intensiv mit der Gartenstadtbewegung auseinander. Diese Erfahrung wurde später für seine Altonaer Wohnsiedlungen wichtig. Wohnen sollte nicht bloß Unterbringung sein, sondern eine Verbindung von Licht, Luft, Grün, sozialer Infrastruktur und städtebaulicher Ordnung.

Seine wichtigste Wirkungsstätte wurde Altona, das bis 1937 eine selbständige Stadt war und erst danach durch das Groß-Hamburg-Gesetz zu Hamburg kam. 1923 erhielt Oelsner zunächst den Auftrag, an einem Generalbebauungsplan für die preußischen Nachbarstädte Hamburgs mitzuwirken. 1924 wurde er unter dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Max Brauer parteiloser Bausenator bzw. Stadtbaurat von Altona. Dieses Amt hatte er bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 inne.

Seine Amtszeit fiel in eine Phase massiver sozialer Wohnungsnot. Altona war eine industriell geprägte Großstadt mit vielen Arbeiterquartieren und schlechter Wohnraumversorgung. Oelsner verstand Stadtplanung daher als öffentliche Sozialpolitik. Er setzte auf kommunalen und gemeinnützigen Wohnungsbau, auf neue Grundrisse, auf Grünflächen, Spielplätze, Licht und Belüftung. In den 1920er Jahren wurden in Altona Tausende Wohnungen geschaffen. Die Stadt selbst war dabei ein wichtiger Bauherr. Der Verein für Hamburgische Geschichte hebt hervor, dass Oelsner mit den „bunt gesprenkelten Gelbklinkerbauten der Weimarer Zeit in kubischer Form“ das Altonaer Stadtbild prägte. Zu Oelsners wichtigsten Altonaer Leistungen gehören öffentliche Bauten, Wohnsiedlungen und Grünplanungen. Besonders bekannt sind: Arbeitsamt Kieler Straße, Haus der Jugend am Platz der Republik, Helmholtz-Siedlung in Ottensen, Steenkampsiedlung in Bahrenfeld, Elbparks, Elbwanderweg und Grüngürtel.

Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 endete Oelsners Altonaer Tätigkeit abrupt. Er wurde als Bausenator abgesetzt, mit Berufsverbot belegt und wegen angeblicher Veruntreuung bzw. Amtsmissbrauchs angeklagt; das Verfahren endete ohne belastbares Ergebnis bzw. mit Freispruch. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er zunehmend verfolgt. 1939 verließ er Deutschland und ging ins türkische Exil, nachdem er sich dort beworben hatte. Das Einladungsschreiben aus der Türkei lautete:

Herrn Gustav Israel Ölsner
Hamburg Agnesstr. 51

Sehr geehrter Herr,

Ihr Bewerbungsgesuch und Lebenslauf, den Sie an Herrn Prf. Vorhölzer, Chef der Architektur Abteilung an der Kunstakademie in Istanbul, geschickt haben, ist geprüft worden.

Es wurde für gut befunden Sie als Spezialist für Staedtebau bei Hoch- und Staedtebauabteilung im Ministerium für öffentl. Arbeiten zu engagieren.

Ihr Aufgabe wird darin bestehen persönlich mit einem v. Ministerium Ihnen zugeteilten Ing. gemeinsam die v. Min. übernommenen Staedtebau Plaene an Ort und Stelle zu studieren, dieselben zu entwerfen, u. die von privaten Sachverständiger entworfenen Staedtebauplaene zu prüfen u. zu kritisieren.

Wir denken Ihnen einen Monatsgehalt v. 900 Ltqs. anzubieten. Von diesem Gehalt erhalten Sie nach Abzug aller Steuern netto 621.44 Ltqs.

Ihre diesbezgl. Gegenvorschläge erwartend unter zeichnen

Hochachtungsvoll

Generaldirektur der Hoch- und Staedt Bauabteilung i.M.f.ö.Arbeiten (im Ministerium für öffentliche Arbeiten)

Der Brief stammt vom 14. Juli 1939. Oelsner emigrierte 1939 in die Türkei. In der Türkei wurde Oelsner zu einer wichtigen Figur der modernen Stadtplanung. Er arbeitete für das türkische Ministerium für öffentliche Arbeiten in Ankara und war am Aufbau städtebaulicher Verwaltungs- und Ausbildungsstrukturen beteiligt. Das METROMOD Archive bezeichnet ihn sogar als eine Art Gründungsfigur der Stadtplanung in der Türkei.

Er lehrte an der Technischen Universität Istanbul und an der Akademie der Schönen Künste. Von 1940 an war er am Aufbau eines Lehrstuhls für Städtebau an der Technischen Universität beteiligt. Seine Tätigkeit zielte darauf, eine Generation junger türkischer Architekten und Stadtplaner für öffentliche Bauaufgaben, regionale Planung, Hygiene, Infrastruktur, Schulen, Plätze und ländliche Siedlungsfragen auszubilden.

Oelsner publizierte außerdem zahlreiche Beiträge in der türkischen Architekturzeitschrift Arkitekt und beschäftigte sich mit Fragen der behutsamen Modernisierung, der Dorfplanung, der Gesundheitsbedingungen und der Anpassung moderner Planung an lokale Lebensformen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Oelsner 1949 auf Bitten Max Brauers nach Hamburg zurück. Er war dort beratend am Wiederaufbau der zerstörten Stadt beteiligt. Der Verein für Hamburgische Geschichte betont, dass er im Nachkriegshamburg wichtige Weichen in der Stadtentwicklung mitstellte, besonders im Hinblick auf Zeilenbauweise, Grünkonzepte und die Lebensqualität der Großstadtbewohner.

1955 erhielt er von der Technischen Universität Istanbul die Ehrendoktorwürde. Ein Jahr später starb er am 26. April 1956 in Hamburg. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Ohlsdorf Hamburg im Bereich des Althamburgischen Gedächtnisfriedhofs.

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