Opfere Ismail
Opfere deinen Ismail

Aussprache: dhahi bi-ismaaʿiylika
arabisch:
 ضَحِّ بِإِسْمَاعِيلِكَ
persisch:
 اسماعیلت را قربانی کن
englisch:
Sacrifice your Ishmael

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„Opfere deinen Ismail“ ist eine Aussage, die im Kontext des Islam bedeutet, eine übergroße individuelle Liebe, die von der Quelle Liebe ALLAH ablenkt oder diese gar verhindert, zu überwinden.

Die Aussage besagt sinngemäß: Gib das auf, was dir am liebsten ist, wenn es dich von ALLAH, von Wahrheit oder von deiner moralischen Pflicht abhält. Sie steht im direkten Zusammenhang mit den Ereignissen um das Opferfest [id-ul-adha].

Der Hintergrund der Aussage geht auf Abraham (a.) und Ismael (a.) zurück. Die Formulierung verweist auf die Erzählung im Heiligen Quran über Abraham (a.), der im Traum sieht, dass er seinen Sohn opfern soll (vgl. 37:100–107). Im islamischen Verständnis war dies eine Prüfung zur Reifung seiner Hingabe an ALLAH. Am Ende wird der Sohn nicht geopfert, sondern ALLAH ersetzt das Opfer durch ein anderes Opfer.

In der islamischen Tradition wird dieser Sohn meistens mit Ismael (a.) identifiziert. Deshalb steht „Ismail“ hier nicht nur für eine Person, sondern für das Liebste, Wertvollste und Innerlichste, das ein Mensch besitzt.

„Dein Ismail“ kann alles sein, woran das Herz besonders hängt: ein Kind, Besitz, Ansehen, Macht, Komfort, Ego, Stolz, Gewohnheiten, Karriere, Sicherheit, eine Beziehung oder ein persönlicher Wunsch. Die Aussage bedeutet also nicht: „Zerstöre, was du liebst“, sondern: Prüfe, ob deine Liebe zu etwas Geschaffenem stärker geworden ist als deine Treue zu ALLAH. Was Abraham (a.) nicht opfern brauchte, hat dann Imam Husain (a.) in Vollendung geopfert. Für ihn hieß die Aussage: Sei bereit, das Teuerste zurückzustellen, wenn es um Wahrheit, Gerechtigkeit und Gottes Nähe geht.

Der wesentliche Aspekt der Geschichte besteht darin, nicht Ismail zu töten, sondern die übertriebene Anhaftung. Der tiefere Sinn ist nicht, den „Ismail“ selbst zu vernichten. Ismail ist schließlich nicht getötet worden. Die Prüfung betrifft Abraham (a.) selbst: seine Bindung, seine Gottesnähe, seine Bereitschaft zum Gehorsam. Das bedeutet: Opfere nicht das Gute, das Gott dir gegeben hat, sondern opfere deine besitzergreifende Anhaftung daran. Ein Vater soll sein Kind nicht weniger lieben. Aber er soll es nicht so lieben, dass diese Liebe ihn ungerecht, gottvergessen oder moralisch blind macht.

Als bekanntester neuzeitlicher Vertreter der Aussage gilt Ali Schariati in seinem Buch über die Pilgerfahrt [hadsch]. Darin heißt es im Abschnitt über Mina und das Opfer:  „Du hast deinen Ismail zur Opferstätte gebracht: Wer ist dein Ismail? Was ist er?“ Schariati nennt als Beispiele: Rang, Ehre, Beruf, Geld, Haus, Auto, Geliebte, Familie, Wissen, Titel, Kunst, Kleidung, Name, Jugend, Schönheit usw.

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