Saddam
Saddam

Aussprache: saddaam
arabisch:
صدام
persisch:
صدام
englisch: Saddam

2.4.1937 - 30.12.2006 n.Chr.

.Bücher zu islamischen Themen finden Sie im Verlag Eslamica.

Saddam Husain al-Tikriti war Diktator des Irak 1979 - 2003 und hat den Irak-Iran-Krieg entfesselt.

Saddam ist am 28. April 1937 in al-Udscha bei Tikrit geboren und gehörte zum Begat Stamm. Manche Quellen behaupten, er sei unehelich geboren. Er wuchs unter der Aufsicht sich ständig streitender Eltern auf. Die Mutter war eine reizbare und anspruchsvolle Frau, die die dominante Person im Haus sein wollte. Der Vater reagierte darauf brutal. Einmal warf der Vater die Frau aus dem Haus. Damals war Saddam elf Jahre alt. Er folgte seiner Mutter, und die beiden suchten Zuflucht im Hause eines Verwandten namens Mischhin. Saddam und seine Mutter blieben dort ungefähr eine Woche lang, und der Vater wusste zunächst nicht, wo sie waren. Als der Vater am Morgen auf dem Weg zur Arbeit war, zeigte einer seiner Verwandten mit Fingern auf ihn und schmähte ihn öffentlich wegen seiner Frau, die angeblich ein Verhältnis mit jenem Mischhin haben solle. Dadurch wurde sein Ehrgefühl verletzt. Er beschloss seine Frau zu töten und sich so von der "Schande" reinzuwaschen. Er rannte zu Mischhins Haus um sich zu rächen. Als sein Sohn (Saddam) ihn sah, informierte er Mischhin, und alle liefen hinaus und schrieen und stritten in der Öffentlichkeit. Die folgenden Schwierigkeiten waren vorauszusehen. Die Zerriebenheit zwischen Vater und Mutter beeinflussten stark die Psyche Saddams zu einer gespaltenen Persönlichkeit.

Mishhin holte alle Beteiligten in sein Haus, weil er hoffte, eine Aussöhnung herbeiführen zu können. Aber der wütende Gatte hatte beschlossen, seine Frau zu bestrafen. Beide, Mischhin und Saddam waren gegen den Vater und versuchten ihn aus dem Haus zu werfen, nachdem sie ihn mit Drohungen überhäuft hatten. Saddam vertraute sich einmal einem Verwandten an und sagte: "Ich weiß, dass mein Vater im Recht ist. Er hat meiner Mutter oft geraten und sie ermahnt, weil sie Schwierigkeiten macht, und ich hasse sie auch. Aber zur selben Zeit liebe ich auch, in ihrer Nähe zu sein, weil sie ihr Leben riskiert und unveränderlich auf ihrer Meinung besteht. Und ich liebe solche Leute."

Also blieb der Sohn in Mischhins Haus, bis der Vater auf ungeklärte Weise starb. Dadurch wurde es der Mutter möglich, ihre und die Zukunft ihres Sohnes so zu gestalten, wie sie wollte. Die Leute bemerkten, dass sie viel reiste und den Sohn dann oft im Hause eines Onkels ließ, der unter den Stammesgenossen einige Autorität genoss. Saddam wuchs in der Gesellschaft seiner Cousins mütterlicherseits auf, nachdem der Vater verstorben war. Damals lernte die Mutter einen gut situierten und wohlhabenden Mann kennen, durch den sie ihre Stellung zu verbessern hoffte. Der neue Gatte besaß mehrere Fahrzeuge, die er auf der Autobahn zwischen Bagdad und Mosul einsetzte. Er zeigte, dass er dem heimatlosen Jungen ein Gefühl geben konnte, das dieser von beiden Elternteilen nicht erhalten hatte. Der neue Stiefvater öffnete für den Jungen eine neue Tür, indem er ihn wie einen eigenen Sohn betrachtete und ihm alles gab, was er wollte. Er nahm ihn auf seine Fahrten nach Bagdad mit, wo der Junge viele nächtliche Vergnügungsstätten kennen lernen durfte, finanziert von seinem Stiefvater.

Dann gebar seine Mutter seinen Halbbruder Barzan, der später unter Saddam den Posten des Geheimdienstdirektors innehat. Es wird behauptet, dass die Mutter noch einmal heiratete, nachdem sie von ihrem zweiten Mann geschieden worden war, aber es gibt für diese Behauptung keine verlässliche Quelle, die sie bestätigen könnte.

Saddam blieb bei seiner Mutter und dem Stiefvater, mit dem ihn allerdings nicht die gleiche enge Beziehung verband, wie mit seinem Onkel Mischhin. Letzterer begleitete Saddam wie ein Schatten, bis Saddam in seinen zweiten Lebensabschnitt eintrat. Einmal stritt der Onkel mit einem seiner Verwandten, der sich abfällig äußerte, als er eine neue Regierungsstelle einnahm. Der Onkel wurde wütend und sagte seinem Neffen, dass es Zeit wäre, Rache zu nehmen und seinen guten Ruf wiederherzustellen. Deshalb ging Saddam zu diesem Verwandten, tötete ihn, schnitt ihn in dann in Stücke und flüchtete nach Bagdad, sofort nachdem er sein erstes Verbrechen begangen hatte. Dort hatte der Onkel schon alles für ein angenehmes Leben vorbereitet um 1955 n.Chr..

Als der Stamm von diesem Verbrechen erfuhr, beschloss er, diesen gefährlichen Burschen zu verstoßen und ihm zu verbieten, dieses Gebiet jemals wieder zu betreten. Der junge Mann blieb praktisch unter der Aufsicht seines Onkels. Dieser versorgte ihn bis zu den letzten zwei Jahren der Oberschule.

Auf der Karch Senior High School für Knaben war er ein sehr gewalttätiger Student. Seine Lehrer mieden ihn wegen seines wilden und aufsässigen Temperaments. Während dieser Zeit trat er in die Arabische Sozialistische Baath-Partei ein. Bis jetzt weiß man aber nicht, wer ihn auf diese Idee brachte. Nach einiger Zeit war Abdul Wahhab Ramadhan sein Direktor und Parteivorgesetzter.

Zwischen Saddams Eintritt in die damals noch verbotene Baath-Partei 1956 und dem Mordversuch an General Abdul Karim Qassim 1957 lag nur eine kurze Zeitspanne. Dieser Mordversuch an Qassim war in der Westlichen Welt geplant worden, nachdem ein Gesetz verabschiedet hatte, das den Ölfirmen, die im Irak neue Ölfelder erbohrten, Einschränkungen auferlegte. Die aktiven Parteien dieser Zeit unterstützten Qassim, der auch sehr populär war. Deshalb betrachtete es gewisse Kreise als die beste Lösung Qassim zu töten.

Der Britische Geheimdienst gilt als verantwortlich für die Planung des Mordes, weil Qassim für England bereits zu amerikatreu geworden war. Diese Zusammenhänge sind wichtig zum Verständnis der späteren britischen Rolle im Irak. Es war für die damaligen Briten nicht ratsam, irgendeine zu sehr britennahe Gruppe für die Durchführung des Mordes auszusuchen, da zu erwarten war, dass sich der Volkszorn gegen die Mörder richten wurde. Deshalb wurde beschlossen, dass die Ermordung von Professionellen ausgeführt werden sollte, angeführt von jemanden, der mit der Baath-Partei in Verbindung stand. Die Beamten des britischen Geheimdienstes suchten also einen Mann, der diese Arbeit tun sollte. Es war sicher, dass das irakische Volk bemerken würde, dass Qassims Feinde Nationalisten und Baathisten waren. Die Briten nahmen an, dass der Tod Qassims allein genügen würde, um eine Änderung der politischen Ordnung herbeizuführen. Deshalb hielten sie es für nicht notwendig, einen Staatsstreich, eine Besetzung durch eine fremde Macht oder ein anderes Mittel einzusetzen. Es war ihrer Meinung nach nur notwendig Qassim zu eliminieren, wollte England den Irak indirekt regieren.

Die britische Botschaft in Bagdad stellte durch einen "Ahmed" eine große Summe zur Verfügung, über einen Kaufmann und Grundbesitzer, der im Salihiya Distrikt von Bagdad wohnte. Es wurde eine Übereinkunft getroffen, zwischen Saddam und seiner Gruppe einerseits und den Briten und Ahmed auf der anderen Seite. George Remington, der damalige erste Sekretär der Britischen Botschaft, der in Bagdad wohnte, bestätigte, dass die Geldsumme, die der ganzen Bande übergeben wurde, 200000 Irakische Dinar (über eine halbe Million US Dollars) betrug, wovon ein Teil an die Besitzer der Plätze gelangte, von denen aus das Feuer eröffnet werden sollte, den Rest erhielten die professionellen Killer, nämlich Saddams Bande. Jedes Mitglied erhielt ungefähr 10 000 ID, zusätzlich zu einer Pistole oder einem anderen Geschenk. Diese Männer hatten bereits eine umfassende Erfahrung als Killer oder Scharfschützen und hatten den Großteil ihres Lebens in den Straßen verbracht. Sie betrachteten ihren neuen Job als eine großartige Gelegenheit, da sie eben wegen ihrer Geldgier schon oft im Gefängnis gewesen waren.

Die Rolle Saddams war die eines Vermittlers zwischen Ahmed und der Bande, die diese Arbeit durchführen sollte. Saddam hatte großen Einfluss auf die Gruppe, weil er ihnen unerwartete Geldsummen verschaffte. Aber der Komplott schlug fehl. Die Verschwörer und Saddam flüchteten. Letzterer fand bei seinen Freunden und Verwandten Unterschlupf. Die irakische Polizei konzentrierte ihre Suche nach Saddam aufgrund der Geständnisse einiger seiner Komplizen, die sie verhaftet hatten. Diese hatten der Polizei gegenüber zugegeben, dass Saddam sie mit Geld und Waffen versorgt hatte. Einige von den Komplizen wurden freigelassen, während Saddam immer noch flüchtig war und verständlicherweise fürchtete, mit der Polizei zusammenzutreffen. Er blieb eine Zeitlang in den Häusern von Freunden versteckt. Als die Polizei in Tikrit nach ihm suchte, und dort in den Häusern der Verwandten nachforschte, erfuhr sie, dass Saddam aus dem Begat Stamm ausgeschlossen worden war.

In der Folge jenes misslungenen Attentats 1959 war Saddam gezwungen, über Syrien nach Ägypten zu flüchten, wo er unter dem Vorwand blieb, sein Studium beenden zu wollen. Er wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Der amtierende Chef der Baath-Partei, Fuad ar-Rikabi, wurde wegen des fehlgeschlagenen Attentats durch einen entfernten Verwandten Saddam Husseins, Madschid, ersetzt.

In Ägypten wurde er von einem Mittelsmann der CIA angeheuert, der in der Person Saddams große Entfaltungsmöglichkeiten für den US-Einfluss erkannte. Jene wichtigen Kontakte sollten später der Schlüssel für Saddams Überfall gegen die junge Islamische Republik Iran. Saddam kehrte ohne irgendeinen Abschluss in den Irak erst zurück, nachdem Abdul Karim Qassims Regierung zusammengebrochen war.

Im Irak besuchte Saddam das College für Gesetzeswissenschaften an der Universität von Bagdad. Seine Lehrer beschrieben ihn einerseits als intelligenten, andererseits auch als heimtückischen und boshaften Studenten, dem nichts Gutes zuzutrauen war. Er verhielt sich auch äußerst streitsüchtig gegenüber den Studienkollegen, die seine Ansichten nicht teilten. In seinem Jahreszeugnis stand, dass er nicht die Manieren eines Universitätsstudenten besitze. Die Mitglieder seiner Gruppe von Juayfir, die sich um ihn sammelten, hatten wieder die Oberhand, und Saddam setzte sie als Mörder und Terroristen ein. Ahmed spielte eine wesentliche Rolle dabei, die Bande zusammenzuhalten. Das Geld, das Saddam der Bande übergab, wurde ihm von Ahmed ausgehändigt.

George Remington streicht in einem Dokument, das zur Zeit in der Bibliothek des Britischen Museums aufbewahrt wird, hervor, dass das monatliche Gehalt jedes Mitglieds der Bande zwischen 80 und 200 ID betrug, und dass "alle Informationen, die von dieser Gruppe gesammelt wurden, bei Ahmed, mir (Remington) und Saddam landeten." Die Dinge nahmen ihren Lauf, und die Bande wurde schließlich "Qunni-Gang" genannt. Ein anderer Deckname war "Hunain". Es war aber nicht vorgesehen, dass diese Leute Mitglieder der Sozialistischen Partei werden sollten, denn das würde ihre für die Zukunft geplante Rolle gefährden. Remington fügt hinzu: "Dass wir Saddam für eine Operation wie diese ausgesucht hatten, war ein unschätzbarer Gewinn für uns. Was wir nämlich brauchten, war ein haltloser Mensch mit einem Charakter, der genau richtig für diese Rolle und Position war. Wenn wir Saddam nicht gefunden hätten, hätten wir diese Eigenschaften, die notwendig sind, um eine solche Bande zu führen, erst bei jemanden aufbauen müssen. Aber auf Saddam konnten wir uns in Zukunft verlassen."

Saddam besaß tatsächlich Eigenschaften, die ihn für die Ausübung eines solchen "Berufs" qualifizierten: Vor allem war er von der Familie und dem Stamm ausgestoßen. Er wurde nie mit seinen Komplexen fertig, nämlich den Problemen mit seiner Mutter und den Ereignissen, die auf die Ermordung seines Verwandten folgten. Außerdem hatte er eine sehr scharfe Zunge, und er tötete jeden ohne Zögern, ohne Rücksicht auf dessen Stand oder Position. Dieser Charakter wurde offensichtlich, als er von George Remington getestet wurde. Dieser meint in einem seiner Bücher: "Der Wert einer Persönlichkeit, bei der man sich darauf verlassen kann, dass sie unbeirrbar ihre Ziele verfolgt, ist gleich dem Wert eines ganzen Landes. Denn es ist schwer, für uns jemanden zu finden, der alle diese notwendigen Eigenschaften auf sich vereinigt, die wir brauchen, um ein solches Land in den Abgrund zu stürzen. Saddam besaß sehr viele von diesen Eigenschaften. Aber wir waren nicht sicher, ob er seine Einstellung unter allen Umständen beibehielt. Deshalb musste er getestet werden."

Ahmed war der Vermittler, der Saddam berichtete, dass es einen bestimmten Kaufmann gebe, Abdullah, der Tausende Dinars besaß, die er zu Hause aufbewahrte, und dass es sehr einfach wäre, dieses Geld von ihm zu stehlen. Saddam wurde beauftragt, diese Aufgabe zu übernehmen. Er stimmte zu. Es wurde geplant, dass er und andere Mitglieder seiner Bande Abdullahs Haus überfallen sollten. Abdullah war ein bekannter Kaufmann, der mit importierten Baumaterialien und mit Fabriken im Ausland reich geworden war. Der Überfall fand während einer kalten Winternacht statt. Saddam kam am Abend zum Haus des Kaufmanns, das in der 52. Straße im al-Mansour-Distrikt von Bagdad liegt an, und klopfte. Er betrat das Haus, während der Rest der Bande es umstellte. Dann nahm er sein verstecktes Messer heraus und schnitt den Kaufmann die Kehle durch. Als die Familie des Kaufmanns diesem zu Hilfe eilen wollte, ereilte sie das gleiche Schicksal. Danach rief Saddam die restliche Bande hinein ins Haus.

Ein Mitglied der Gang, das an dem Überfall teilnahm, sagte später, dass Saddam neben den in ihrem Blut schwimmenden Leichen stand, als ob nichts geschehen wäre, und gar nicht wie ein Mörder aussah. Das Haus wurde total ausgeplündert. Geld und Wertgegenstände wurden mitgenommen. Nach dieser Tat genoss Saddam den Respekt von George Remington, wie dieser selbst zugab.

Jetzt, da Saddam einige Bedingungen erfüllt hatte, die ihm gestellt worden waren, war die Zeit gekommen, ihm einige wichtige Geheimnisse, die Geschichte des Iraks betreffend, zu enthüllen. Damals dachten die Briten daran, Saddam einen Schritt weiterzubringen und ihm das Tor zu einer großen Zukunft zu öffnen, indem sie ihn mit einigen Geheimnissen vertraut machten. Eines davon war nach Remington der Plan, ein Treffen zwischen Saddam und einem hohen Beamten der Partei zu arrangieren, als jener im Ausland war. Das Treffen fand in der Türkei statt und war das Vorspiel zur Durchführung der Pläne, die folgen sollten. Remington erwähnt zwar in seinen Papieren nicht den Namen dieses "Würdenträgers", aber es wird allgemein angenommen, dass es sich um Michel Aflaq handelte, dem Gründer der Baath-Partei. Es wird berichtet, dass Saddam sein engster Vertrauter wurde, den er in seine Unternehmungen einweihte, und mit dem er seine Ideen besprach. Über Aflaq selbst ist nicht allzuviel bekannt. Er ist eine sehr geheimnisvolle Persönlichkeit mit umstrittener Herkunft. Mit dem Treffen zwischen Saddam und Aflaq begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Irak. Saddam erfreute sich aus zwei Gründen des Einflusses der Westmächte, und besonders der Sympathie Aflaqs: Zum einen wegen der Bande, die er um sich gesammelt hatte und zum anderen wegen seines Charakters und der Tatsache, dass man ihn, dadurch, dass man seine Morde gut kannte, in der Hand hatte.

Saddam wurde aufgetragen, seine Bande ohne Grenzen zu stärken, damit sie alle Mittel zum Prügeln und Morden besaßen. Die Summen, die zur Verfügung gestellt wurden, waren enorm. Das Geld war vor allem für die gedacht, die ziellos in Dschuayfir herumstreunten. Durch das Geld hatte Saddam seine Autorität über die Bande verstärkt, da er ja zuerst die Quelle ihres Reichtums gewesen war. Außerdem war er ihnen in der Kunst des skrupellosen Tötens überlegen. Mindestens zehn Mordfälle wiesen auf die Bande hin. Es sei rückblickend darauf hingewiesen, dass er sich bei seinen Morden in keinster Weise dafür interessierte, ob seine Opfer Sunniten oder Schiiten waren.

In den 60er Jahren sperrte die Regierung unter Abdel Salam Arif Saddam ein, und zwar während einer Kampagne, die Arif nach dem Staatsstreich von 1965 in Gang gesetzt hatte. Diese Kampagne zielte darauf ab, die Baath-Partei zu vernichten. Es gelang eine große Zahl ihrer Mitglieder zu verhaften, was nicht sehr schwierig war, da die Partei damals noch nicht besonders gut organisiert war, und ihre Mitglieder noch nicht sehr zahlreich waren. Der beste Beweis dafür ist ihre Teilnahme an einer großen Demonstration, die die al-Rashid-Straße entlang verlief: Die Gruppe, die sich als zur Baath-Partei zugehörig auswies, war sehr klein im Vergleich zu anderen Gruppen wie den Kommunisten, Nationalisten, Existenzialisten und anderen. Es war leicht für Arif, sie zu erwischen, und seine Absicht war es eher, ihnen einen Verweis zu erteilen, als Rache zu nehmen, da er nicht daran dachte, dass sich die Dinge so entgegen seinen Vorstellungen entwickeln würden.

Unter den Verhafteten war auch Ahmed Hassan al-Bakr, der frühere Präsident, und eben auch Saddam, der einige Zeit im allgemeinen Sicherheitsgefängnis, dann im al-Fadhiliya Gefängnis verbrachte. Ein Augenzeuge namens Abdul Rahman, der, soweit bekannt, später getötet wurde, und der Saddam persönlich kannte, berichtete: "Wir waren eine Gruppe von verschiedenen Organisationen, politischen und religiösen Parteien im Fadhiliya Gefängnis. Wir trafen uns oft und diskutierten über verschiedene allgemeine Themen, die mit der Organisation von Parteiideologien im Zusammenhang standen. Saddam zog sich meist von den Diskussionen zurück, wenn viele Personen anwesend waren, aber danach versuchte er immer, mit einzelnen Leuten zu diskutieren. Dabei bediente er sich aber grober Ausdrücke und stieß wilde Drohungen aus. Daraufhin wurde er bald von allen Gruppen gemieden. Als Saddam unter Gewaltandrohung aufgefordert wurde zu gestehen, und als er den ersten Schlag erhielt, begann er alle Namen der Baathisten im Irak zu nennen, seinen eigenen Parteichef Abdul Wahhab Ramadhan eingeschlossen (ihn ließ Saddam übrigens 1974 bei einem "Autounfall" ermorden). Ramadhan war von seinen Zellengenossen respektiert worden, er besaß einen guten Charakter und hatte durch die Partei eine gute Erziehung genossen. Saddam dagegen hatte sich als unwürdig erwiesen, sich mit ihm zu treffen und mit ihm zu diskutieren ... Saddam sprach oft in einer Art mit uns, als ob er erwartete, bald aus dem Gefängnis befreit zu werden, als ob er wusste, dass seine Einkerkerung bald enden würde, und er dann frei sei zu tun, was er wollte. Wir kümmerten uns nie um sein Gerede, im Gegenteil, unsere Verachtung ihm gegenüber, und den Ekel, wenn wir seiner ansichtig wurden, wuchsen nur. ... Durch seinen Onkel erhielt er Haschisch, durch das er dann den ganzen Tag auf eine unangenehme hysterische Weise sang und lachte. So wurde Saddam ein Ausgestoßener, den wir, egal auf welche Art, loswerden wollten. Auch andere Mitglieder der Baath-Partei teilten diese Ansicht. Zum Schluss kamen wir alle fünf überein, ihn niederzuschlagen. Wir hielten diese Methode, die man sonst bei Tieren anwendet, für am passendsten, da er wirklich ein wildes Tier war. Am Donnerstag, wie ich mich erinnere, als unsere Verhörer weggingen, gelang es uns durch einen unserer Brüder, ihn so zu schlagen, bis sein Gesicht die Zeichen der Schläge zeigte, während er unaufhörlich unartikulierte Drohungen ausstieß, wie wir sie noch nie in unserem Leben von jemandem gehört hatten. Danach kam der Gefängniswärter und holte uns ins Verhörzimmer. Jeder von uns erhielt seinen Anteil an der Bestrafung. Trotzdem waren wir an diesem Tag glücklich, weil wir dieses Scheusal geschlagen hatten, das zur Maus geworden war, die sich vor der Katze fürchtete."

So setzt der Erzähler seine Geschichte über die Vorgänge im Gefängnis fort:

"Nachdem er in die Regierung gekommen war, begann Saddam Informationen über meinen Aufenthalt zu sammeln, er bat den Geheimdienst von Jordanien, Syrien, und dem Libanon mich zu identifizieren und herauszufinden, wo ich wohnte, damit er sich an mir rächen konnte."

Über die Zeit zwischen 1962 und 1965 gibt es kaum Informationen über Saddam. Nach dem Staatsstreich von 1965, bei dem die Baathisten und die Nationalisten zusammenarbeiteten, um Abdel Karim Qassim zu stürzen, war Saddam bei den Nationalgarden (Al Haras al Qawmi) im Risafa-Distriki von Bagdad. Es gab wahrscheinlich keinen Iraker, der nicht unter dem grenzenlosen Elend litt, das durch diese Garde verursacht wurde. Diesen Leuten bereitete es Vergnügen, Menschen zu töten und zu terrorisieren. Unter dem Decknamen "Nationalgarde" war die Qunni-Gang führend im Töten, Plündern und beim Drogenhandel.

Am 18. November 1965 führte Abdel Salam Arif einen Staatsstreich an, der die Baathiten von den Regierungsplätzen fegte, und verhaftete die meisten von ihnen. Die nationalen und die regionalen Hauptquartiere der Baath-Partei waren in Bagdad. Wenn Arif gewollt hätte, wäre es ihm also ein Leichtes gewesen, das Land von ihnen zu befreien. Es bestand aber der Plan, diese Bande zu erhalten, um die Interessen der Planenden zu wahren. Die Mitglieder der Gang wurden in einem speziellen Flugzeug ins Ausland gebracht, zusammen mit Michel Aflaq und anderen Größen der Partei. Sie alle wurden nach Frankreich verbannt, während andere Baathiten verhaftet und verurteilt wurden. Alle Parteimitglieder wurden durch deren Geständnisse identifiziert. Sie unterschrieben dann aber Erklärungen, in denen sie sich von der Partei distanzierten. Diese Erklärungen sicherten ihre Freilassung. Unter den Freigelassenen waren Saddam und Hassan al Bakr, der sechs Monate im Gefängnis verbrachte. Saddam hingegen wurde im Gefängnis überhaupt nicht verändert, noch hatte die Information über seine Partei und deren Organisation, die er seinen Wächtern verraten hatte, irgendwelche Folgen für ihn. Auch hielt er sich nicht an seine geschriebene und unterzeichnete Zusage, sich von der Partei zu trennen.

Es ist erwähnenswert, dass nach dem Staatsstreich von 1968, der Saddam endlich die wirkliche Macht verschaffte, dieser alle verhaftete, die von seinen Geständnissen wussten, Polizeioffiziere und Verhörbeamte mit eingeschlossen. Er tötete sie einen nach dem anderen, wobei er manche von ihnen in Säurebecken warf. Während der letzten Tage von Abdel Rahman Arif gab es vorsichtig optimistische Erwartungen der Britischen Botschaft in Bagdad. George Remington war der Pfeiler und Kern der Bewegung, während Saddam sein Werkzeug war. Remington war tatsächlich das Gehirn des Staatsstreichs, der aus diesem Grund auch besonders präzise in der Planung war: Er baute auf sehr starken Elementen innerhalb der Regierung von Abdel Rahman Arif, wie Abdel Razzaq al Nuit, Ibrahim al Dawud und Hardan al Tikriti auf. Der erste war der Direktor des Geheimdienstes, der zweite war der Kommandant der Präsidentengarden und der dritte der Kommandant der Luftwaffe. Zusätzlich bediente man sich Tahir Taha at Tikritis, des damaligen Premierministers, der zum Tikrit-Stamm gehörte, der potentiellen Regierungsdynastie. Diese alle wollten einen Posten, der höher war als der, den sie bereits innehatten. Remington überzeugte sie, dass es einen Staatsstreich geben würde, der ihr Leben beenden würde, falls sie nicht selbst die Regierung übernahmen und Abdel Rahman Arif entfernten.

Als die Baath-Partei 1968 im Irak an die Macht kam, wurde Saddam Hussein in der neuen Regierung stellvertretender Generalsekretär des Revolutionären Kommandorates sowie Chef des Ministeriums für Staatssicherheit und des Propagandaministeriums. 1969 wurde er Vizepräsident.

Wichtig war auch die Wahl der verschiedenen politischen Richtungen, die an diesem Staatsstreich beteiligt sein sollten. Dazu gehörten die Nationalisten, die Linken und natürlich die Baathisten, alle unterwandert durch den britischen Geheimdienst. Sie alle wollten eine Gelegenheit beim Schopf fassen, bevor es zu spät war. Es sollte der Eindruck erweckt werden, dass der Streich allumfassend war. Saddam und seine Qunni-Gang durften sich nicht daran beteiligen, für den Fall, dass er fehlschlagen könnte. Diese Situation hätte das Ende der Bande bedeutet und es England unmöglich gemacht, seine politischen Absichten bezüglich Irak in die Tat umzusetzen. Die Baath-Partei dafür auszusuchen, war aus mehreren Gründen die beste Lösung: Sie waren stark genug, um gegen die kommunistischen Strömungen anzukämpfen, die seit 1959 vorherrschten. Sie zeigten, im Gegensatz zu den Kommunisten nicht öffentlich ihre Feindschaft gegen den Islam. Sie hatten ihre Erfahrung im Regieren schon vom 8. Februar bis zum 18. November 1978, dem Tag des Staatsstreichs, gemacht. Die Mordlust und der Abenteuergeist der Qunni-Gang, die auch zur Baath-Partei gehörte, war sehr nützlich. Die Westliche Welt vertraute darauf, dass die Baath-Partei gehorsam war und ausführte, was man ihr befahl. Die damalige Erfahrung mit der Partei in Syrien  hatte diese Tatsache bewiesen. Der Staatsstreich unter Anstiftung der Briten fand statt. Verglichen mit den anderen spielte Saddam keine besondere Rolle dabei. Die Planer hatten beschlossen, dass diejenigen den tatsächlichen Coup führen sollten, deren Tod niemand bedauern wurde. Nach und nach wurde die Rolle Saddams und seiner Bande immer mehr gestärkt, aber in einer Weise, die nicht die Aufmerksamkeit anderer auf sich zog. Das erste, was die Britische Botschaft unternahm, war, Saddam und zwanzig andere Mitglieder seiner Bande jeden Monat für zehn Tage nach Westeuropa (manche behaupten Deutschland) zu schicken, um sie auf verschiedenen Gebieten, wie Guerillakampf, Straßenkampf, Foltermethoden und anderem zu trainieren. Es wurde immer ein besonderes Flugzeug zur Verfügung gestellt, das sie dorthin brachte. Es war das selbe Flugzeug, das auch Remington verwendete, um jeden Monat nach London zu fliegen. Es gelang der Partei, alle ihre Gegner auf eine schnelle Weise loszuwerden, indem sie die ganze Nation terrorisierte. Wer von seiner Ausbildung aus Europa zurück kam wurde dafür eingesetzt, Geständnisse zu erpressen und Menschen zu foltern.

Saddam überwachte im Jahr 1977 persönlich die Folterungen, als die Stadt Nadschaf während der Gedenkfeiern anlässlich des Todestages von Imam Hussein revoltierte und alle Mitglieder seiner Bande arbeiteten beim Verhör und den Folterungen mit. Saddam und seine Bande folterten furchtbar. Sie behandelten die Leute als schuldig, bis sie das Gegenteil bewiesen haben. Viele Menschen "verschwanden" damals. Viele Augenzeugen aus Nadschaf berichteten über das Ausmaß und die Härte der Foltermethoden nach dieser Revolte. Die Leute wurden mit verbundenen Augen in die Folterkammern geführt. Als ihnen die Augenbinden abgenommen wurden, sahen sie Saddam persönlich, der sie folterte und manche erblindet frei ließ als Warnung für andere. Später überließ er dieses sadistische Treiben aber seinen Henkern.

Die neue Kanzlei Saddams umfasste ungefähr 700 Personen, die alle Operationen von einem Gebäude des Nationalrats aus leiten, das einen Geheimeingang mit vielen Verstecken und Fluchtwegen hatte, eine Art Führerhauptquartier. Saddam ließ, nachdem er Präsident geworden war, die meisten Ingenieure umbringen und Pläne vernichten. Die technische Ausstattung seines Palastes war genau so legendär, wie seine 7-10 Doppelgänger. Es gab einfach zu viele Menschen im Land, die ihn töten wollten. In der Öffentlichkeit trug er unter seiner Kleidung immer eine kugelsichere Weste. Mehrere seiner Doppelgänger sind Attentaten zum Opfer gefallen, ohne dass je in der Öffentlichkeit drüber berichtet wurde. Den Attentaten folgten Massaker Saddams in Regionen von denen er die Attentäter vermutete.

Saddams Heirat war eine Zwangsehe ungewöhnlichster Art. Saddam kam zu seinem Onkel Talfah und bat ihn seine Tochter heiraten zu dürfen. Talfah hatte nie die Absicht gehabt, Saddam mit seiner Tochter zu verheiraten, da Saddam ein Stammesausgestoßener war. Er wollte nichts mit ihm zu tun haben, der schon in frühester Jugend einen Menschen getötet hatte. Deshalb lehnte er ab und sagte, dass er schon vorher mit seiner Tochter darüber gesprochen habe. Sie habe abgelehnt, weil sie zuerst ihr Studium beenden wolle. Saddam aber machte seinem Onkel klar, dass die Sache bereits entschieden sei, und dass eine Heirat die einzige Lösung für seine Probleme sei, die er sonst hätte.

Der Onkel senkte beschämt den Kopf. Am nächsten Tag wurde geheiratet. Die Braut wurde im ersten Monat schwanger. Es war vorauszusehen, dass eine solche Ehe Schwierigkeiten, Misstrauen und Disharmonie bringen würde. Die Frau lebte oft getrennt von ihrem Mann, während Saddam im Haus der Prostituierten Umm Ghanim gesehen wurde, die ihm Unterkunft gewährte und ihn mit allem versorgte, was er wollte, bis seine Frau nach Hause zurückkehrte. Schließlich beschloss die Frau, dass sie ihre Freiheit wiederhaben wollte. Umm Ghanim aber blieb lange im engem Kontakt mit Saddam. Andere Frauen, die ihm zu Diensten waren, wurden mit Posten belohnt, wie die Vorsitzende der Union der Irakischen Frauen. Saddams Äußerungen über Sex erfüllen sämtliche Vorurteile, die die Westliche Welt über den Orient hat, wurden aber bewusst zurückgehalten und nicht veröffentlicht, da er Diener der westlichen Interessen war. So äußerte er mehrfach, dass ein Mann zufrieden gestellt werden müsse und den Appetit verliere, wenn er gezwungen wäre, immer das selbe zu essen.

Die Zahl der Bars und Nachtclubs schnellte unter seiner Regierung in die Höhe, was in der Westlichen Welt als "Befreiung der Frau" dargestellt wurde. Saddams Lebenswandel entsprach sowohl in seinem Palast als auch in seinen Frauengeschichten seinem persönlichen Vorbildern Muawiya ibn Abu Sufyan und Marwan ibn al-Hakam, die er mehrfach als große Araber darstellte. Daher verbot er jegliche Schmähung dieser Personen und verbreitete hingegen die Propaganda, dass Imam Ali (a.) und Imam Husain (a.) Leute gewesen wären, die ständig nach der Mach trachteten und es daher seinen Vorbildern so schwer gemacht hätten. Letztere Aussage ging selbst den Sunniten im Irak zu weit, so dass er von allen Gruppierungen als Religionsfeind abqualifiziert wurde. Es sei darauf verwiesen, dass die sunnitischen Gelehrten im Irak auch nach seiner Hinrichtung nie zu ihm gestanden haben sondern es lediglich die Propaganda der Westlichen Welt war, die ihm zum sunnitischen Märtyrer hochzustilisieren versuchte.

Am 1. Juni 1972 leitete er die Verstaatlichung westlicher Ölfirmen ein, die ein Ölmonopol im Irak hatten. Mit den Öleinnahmen entwickelte er das Land zu einer regionalen militärischen Großmacht. Am 1. Juli 1973 wurde er vom Revolutionsrat zum Drei-Sterne-General der irakischen Streitkräfte ernannt. Später ernannte er sich selbst zum Feldmarschall. Am 6. März 1975 schloss er als Vizepräsident mit dem iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi das Abkommen von Algier über den Grenzverlauf im Schatt al-Arab und die gegenseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.

Ein Motto Saddams, dass er seinen Getreuen anvertraute war: "Lass deinen Hund hungern, damit er dir folgt." Entsprechend ging er mit seinem eigenen Volk um. Der Präsident Saddam hat alle seine alten Freunde, ob jung oder alt, getötet, nachdem er sie furchtbar gefoltert hatte, er verfolgt sie, auch aufgrund der Akten, die er von Remington erhalten hatte, um jegliche Konkurrenzgefahr abzuwenden. Er verdächtigte einfach jeden, der ihm nicht absoluten Gehorsam leistete, Reaktionär zu sein und gegen die Partei zu arbeiten. Genau das geschah, als er die Mitglieder der Regionalen Führung im Irak im Jahr 1979 exekutierte. Saddam vertraute niemandem im Inland und ließ jeden durch jeden bespitzeln. Seine Leibärzte waren ausschließlich Ausländer, die er einfliegen ließ. 1979 rief er den größten schwedischen Psychiater ins Land, damit er seine Schlaflosigkeit behandle, an der er so sehr litt, dass er sogar den Appetit verlor. Der schwedische Arzt hatte mehrere Arbeiten über Psychologie und psychiatrische Behandlung veröffentlicht. Das Hauptquartier des Leibarztes von Saddam war das Avicenna-Krankenhaus in Bagdad. Dieses Krankenhaus war auch für die Bande Saddams zugänglich. Dorthin wurde der schwedische Arzt mit einem Übersetzer gebracht, um mit Saddam zusammen zu treten. Aber er bat darum, mit dem Patienten direkt und ohne Dolmetscher sprechen zu dürfen, da ein persönlicher Kontakt notwendig war. In englischer Sprache, die Saddam ein wenig verstand, stellte der Arzt zuerst einige allgemeine Fragen, dann fragte er ihn verschiedenes über sein Leben, seine Natur und die Natur seiner Arbeit. Unter den Antworten war Folgende, wie ein geflohener Leibwächter Jahre später berichtete: "Ich bin ein Mitglied der Regierung, und meine nationale Pflicht fordert von mir, dass ich manchmal aus Notwendigkeit grausam handeln muss." Der Arzt fragte ihn daraufhin, was er unter grausam verstehe. Saddam antwortete: "Es bedeutet, die zu verurteilen, die Verräter an ihrem Land sind." Dann fuhr er damit fort, ihm Details über Morden, Hinrichtungen, Folter usw. zu erzählen. Der Doktor wurde durch diese Beschreibungen furchtbar schockiert. Und er zog es vor, in sein Land zurückzukehren, da er zugab, dass er einen so krankhaft veranlagten Menschen nicht heilen könne.

Nachdem der Arzt den Präsidentenpalast verlassen hatte, verhaftete ihn die Bande Saddams und tötete ihn. Dann wurde ein Brief an die Schwedische Botschaft in Bagdad geschickt, mit der Mitteilung, dass der Arzt an einem Herzanfall gestorben wäre und bereits begraben sei. Die Schwedische Regierung schickte daraufhin eine scharfe Erklärung an den damaligen Generalsekretär der UN Kurt Waldheim, in der sie den kriminellen Akt verurteilte, der einem schwedischen Psychiater das Leben gekostet hatte.

Damals wurde die Zahl der Botschaftsangehörigen der Schwedischen Botschaft in Bagdad reduziert, und Schweden verlangte 150 Mio. Dollar Wiedergutmachung und bestellte einen Rechtsanwalt, um die Herausgabe beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu erreichen. Der Gerichtshof entschied zu Gunsten Schwedens, und der Irak bezahlte mehr als die geforderte Summe, um den Skandal aus der Welt zu schaffen.

Saddam erhielt weiterhin psychiatrische Behandlung durch Spezialisten aus verschiedenen Ländern, besonders durch Dr. Zuckermann, einem Professor an der George Washington Universität in Washington D.C., der zu diesem Zweck von Remington eingeladen wurde. Während seiner Präsidentschaft, die ihn zum absoluten Herrscher ohne Opposition im Lande machte, steigerte sich die Krankheit Saddams zum Wahn.

Ursprünglich hatte er sich die Präsidentschaft mit Ahmed Hassan al Bakr geteilt. Nach der Islamischen Revolution im Iran hatten die Briten das Gefühl, dass es seltsame Verbindungen zwischen dem amerikanischen Geschäftsträger in Bagdad und Saddam gebe. So verfasste Remington ein Memorandum, kurz bevor er seine Arbeit aufgab, und sandte einen Brief an die Britische Regierung, in dem er sie vor der drohenden Gefahr warnte. Die Regierung antwortete: "Lassen Sie die Sache auf sich beruhen, bis wir sehen, was tatsächlich passieren wird."

Saddam aber setzte seine Verbindungen zu den USA durch Fahd und den jordanischen König Husein fort, und er traf in Jordanien mit zwei wichtigen amerikanischen Beamten zusammen, die Präsident Carter geschickt hatte. Ebenso traf er den Staatssekretär Vance in Saudi Arabien und zwei Mal Brezinzski, bis Remington erstaunt im irakischen Fernsehen sah, dass Ahmed Hassan al Bakr seinen Rücktritt erklärte.

1979 ernannte Präsident Ahmad Hasan al-Bakr Saddam Hussein im Alter von 42 Jahren zum Vorsitzenden der Partei und zu seinem Nachfolger. Am 11. Juli 1979 wurde er Generalsekretär der Baath-Partei und am 16. Juli 1979 übernahm er die Macht als Staats- und Regierungschef. In dieser Position diffamierte Hussein öffentlich Mitglieder der Baathpartei, woraufhin sie ohne Prozess zum Tode verurteilt und sofort liquidiert wurden. Andere Mitglieder der Partei wurden durch dieses Exempel auf die Linie Husseins eingeschworen. Hussein verhinderte so auch den geplanten Zusammenschluss mit dem ebenfalls baathistischen Regime Syriens. Al-Bakr zog sich später von allen politischen Aktivitäten zurück und beschloss den Rest seines Lebens mit Viehzucht zu verbringen.

Remington war niedergeschmettert und fuhr von Bagdad nach London zurück, wo er sein Abschiedsgesuch einreichte. Die Beziehungen zu Fahd und Husein erscheinen gesichert, wenn man bei Remington nachliest, der schreibt: "Brezinzski vertrat die Meinung, dass man nun Saddam unterstützen sollte, da Amerika den Schah im Iran verloren hatte. Vance hingegen sah, dass man Saddam nicht vertrauen konnte, und dass sich die USA mehr in Afghanistan engagieren sollten (um den Verlust des Iran zu kompensieren). Aber die CIA wies diese Meinung zurück."

Remington schrieb auch: "Durch den Eintritt Amerikas, der die absolute Herrschaft Saddams sichert, kann unsere (britische) Anwesenheit (in diesem Gebiet) zusammenbrechen und unsere Interessen erschüttert werden, die wir viele Jahre lang aufgebaut haben. Es ist kein Geheimnis, dass wir die Oberhand gewonnen hatten, und dass wir etwas hätten erreichen können. Wir hätten ihn (Saddam) vom Präsidentenamt entfernen können und jemand anderen an seine Stelle setzen. Aber als ich anlässlich des NATO-Treffens diesen Vorschlag unterbreitet hatte, wurde er einstimmig abgelehnt, weil er "strategisch falsch" war."

England kam später mit den USA überein, diesen die Oberhand im Irak zuzugestehen, und sie von Englands eigener Erfahrung, besonders der Remingtons profitieren zu lassen. Saddam konnte seine absolute Herrschaft und die seiner Bande festigen, indem er alle Gelehrten, Denker und vor allem den Klerus verhaftete und 500 Intellektuelle und Wissenschaftler zum Tod durch den Strang verurteilte. Als die Liste Ahmed Hassan al Bakr zur Unterschrift vorgelegt wurde, weigerte er sich zu unterschreiben. Aber Saddam bestand auf einer Hinrichtung und sagte zu ihm: "Wenn du nicht zustimmst, wirst du das selbe Schicksal erleiden." Präsident al Bakr wurde wütend. Er rief seinen Sohn Haitham und erzählte ihm von der Drohung. Während eines folgenden Treffens versuchte Haitham Saddam zu ermorden, aber Saddams Leibwächter verhinderten den Anschlag, und er wurde verhaftet. Seinem Vater wurde gedroht, man wurde Haitham töten, falls er nicht den Rücktritt einreiche.

Und so geschah es auch: Al Bakr erschien im Fernsehen und erklärte seinen Rücktritt. Deshalb wurde Haitham freigelassen, aber er und sein Vater unter Hausarrest gestellt. Al Bakr wurde später ermordet.

Saddam bereitete alles für die Machtübernahme vor und bei seinem ersten Treffen mit der Parteiführung legte Saddam den Hinrichtungsbefehl für die bereits erwähnten 500 irakischen Denker und ausgezeichneten Persönlichkeiten vor, unter ihnen auch der große Philosoph und Theologe Muhammad Baqir al-Sadr und dessen Schwester Amina Haidar Sadr (Bintulhuda), und er forderte ihre Hinrichtung noch für den selben Tag.

Die Szene, in der er bei einer Parteiversammlung vorne stehend eine Zigarre rauchte, während einige Dutzend Abgeordnete vor allen Leuten zur Hinrichtung abgeführt wurden, wurde später auch in der Westlichen Welt ausgestrahlt.

Später führte er im Auftrag der nahezu gesamten Westlichen Welt und unterstützt von dieser einen Vernichtungskrieg gegen die noch junge Islamische Republik Iran im Irak-Iran-Krieg, bei der ca. 1 Mio. Menschen umkamen. Während des Krieges setze er Giftgas nicht nur gegen Iraner sondern gegen die eigenen Kurden (Sunniten) ein, wobei der Einsatz von Giftgas gegen Halabdscha als der grausamste gilt. Er endete am am 20. August 1988.

Mit dem Tod des Baath-Partei-Gründers und Vizepräsidenten Michel Aflaq 1989, ein Gerücht besagt, dass auch dieser vergiftet worden sei, und dem Tod des als Kriegsminister im Golfkrieg populär gewordenen Chairallah Talfah durch einen unaufgeklärten Hubschrauberabsturz im gleichen Jahr, gab es keine rivalisierende moralische Autorität mehr außer dem Präsidenten, die seine Entscheidung zum Krieg gegen Kuwait hätte beeinflussen können.

Am 2. August 1990, zwei Jahre nach dem Waffenstillstand, ließ Saddam Hussein Kuwait mit der Behauptung besetzen, es würde illegal Ölfelder des Irak anzapfen. Der Überfall erfolgte nach einem entsprechenden Hinweisen aus den USA, dass sie es dulden würden, was sich später als Falle entpuppte. Saddam ließ Tausende Kuwaitis ermorden (Sunniten). Bei seinem durch UN-Truppen geführt von den USA erzwungenen Rückzug 1991 wurden die Truppen fast vollständig zerschlagen. Dennoch ließ Saddam die Stadt Kerbela in Schutt und Asche schießen. Die US-Truppen sahen zu und ließen ihn gewähren.

1995 flüchteten Saddams Schwiegersöhne sowie der Geheimdienstchef und dessen Bruder wegen Meinungsverschiedenheiten nach Jordanien. Angeblich durch Hussein begnadigt, kehrten sie in den Irak zurück, wo sie im Februar 1996 inhaftiert und hingerichtet wurden.

So lange seine Aggressionen gegen Muslime im Interesse der Westlichen Welt lag wurde er von dieser unterstützt. Als aber das Intersse der USA an den Öl-Vorräten des Irak zunahm und zudem eine Drohkulisse gegen die Islamische Republik Iran aufgebaut werden sollte, wurde Saddam fallen gelassen.

Am 20. März 2003 marschierten Truppen der USA und verbündeter Staaten ohne jegliche internationale Legitimation einmal mehr in den Irak ein, schlugen die irakische Armee und besetzten das Land vollständig. Die USA begründeten dies damit, dass der Irak durch Entwicklung und Besitz von Massenvernichtungswaffen gegen die über ihn verhängten UN-Resolutionen verstoße, und dass Saddam Hussein terroristische Organisationen wie al-Qaida unterstützen würde. Beides wurde später als Krieglüge entlarvt. Seine Söhne Udai und Qusai, die für ihre Grausamkeit gefürchtet waren, kamen bereits am 22. Juli 2003 bei einem US-Angriff ums leben. Saddam konnte sich zwar nach der Besetzung des Irak durch die USA noch eine Weile verstecken, aber wurde letztendlich am 14. 12.2003 gefasst und nach einem Tribunal am 30.12.2006 in Bagdad durch erhängen hingerichtet.

Ein Mitschnitt seiner Hinrichtung wurde dazu missbraucht, um Sunniten gegen Schiiten aufzuhetzen. US-Soldaten hatten die Menschen ausgesucht, die dabei sein durften, haben sie einer Körperkontrolle unterzogen und haben ihnen das Problemlose filmen mit Handy ermöglicht. Und sie waren es auch, die die Filme so schnell ins Internet gebracht haben.

Saddam pflegte, sich "al-Qaid al-Daruri" (unersetzlicher Führer) nennen zu lassen.

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