Şıp Şıp Dede
Schip Schip Dede (Şıp Şıp Dede)

Aussprache: schiyb schiyb dada
arabisch:
‎شِب شِب دَدَه
persisch:
شیپ شیپ دده
englisch: Ship Ship Dede

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Şıp Şıp Dede ist eine lokale Heiligen- bzw. Verehrungsfigur aus dem Raum Edremit in der Provinz Balıkesir.

In den lokalen Quellen wird die Person meist las Seyid Muhammed identifiziert. Über seine historische Person ist allerdings nur sehr wenig Sicheres bekannt. Die heutige Gestalt von „Şıp Şıp Dede“ gehört daher stark zur lokalen religiösen Überlieferung.

Der Schrein liegt im Bereich Kadıköy auf dem Weg nach Ortaoba, an den Ausläufern des Kazdağı. Nach örtlicher Überlieferung befand sich dort die Çilehane Seyyid Muhammeds. Çilehane ist ein kleiner, abgeschiedener Raum oder eine Höhle, in dem Sufi-Derwische früher eine 40-tägige Phase der inneren Einkehr und Gottesverehrung verbrachten. Dieser Bereich wurde später als Grab- und Heiligenschrein (Türbe) gestaltet.

Besonders charakteristisch ist das Wasser unterhalb des Schreins. In einer höhlenartigen Kammer tropft Wasser in ein beckenähnliches Felsgebilde. Das Geräusch der Tropfen wird im Türkischen als „schip schip (şıp şıp)“ wiedergegeben. Daraus soll der Legende nach der Beiname Şıp Şıp Dede entstanden sein.

Um den Ort haben sich mehrere volkstümliche Praktiken entwickelt. Besucher sprechen Gebete und äußern Wünsche, legen Gelübde ab und nehmen nach überliefertem Brauch kleine sogenannte „Murat Taşları“ (Wunschsteine) aus dem Bereich der Höhle mit. Eine folkloristische Feldstudie berichtet außerdem, dass insbesondere unter Yörük-Gruppen Gelübde und Maulid Feiern mit dem Ort verbunden waren. An einem alten Baum in der Nähe wurden auch Stoffstreifen als Wunschzeichen befestigt.

Der Ort ist möglicherweise älter als die islamische Heiligenverehrung dort ist. Der Volkskundler Ali Duymaz beschreibt am Standort Reste eines spätrömisch-byzantinischen heiligen Quelle (Ayazma). Seiner Interpretation zufolge wurde die Verehrung des Wassers im Lauf der Zeit in die islamisch geprägte Verehrung des Şıp Şıp Dede integriert.

Der heutige Schrein ist ein eher kleines, schlichtes Gebäude in felsig-bewaldeter Umgebung; im Inneren befindet sich eine große Sanduka (symbolischer Grabaufbau). Am 13. August 2026 fand um den Schrein herum ein Waldbrand statt, bei dem auch die kleine Moschee in unmittelbarer Nachbarschaft des Schreins völlig abgebrannt ist. Der Schrein selbst bleib nahezu unberührt, was die einheimischen als Wunder ansehen.

Die Überlieferungen um Şıp Şıp Dede gelten als gutes Beispiel dafür, wie sich in Anatolien  Heiligenverehrung, Quellenkult und lokale Bräuche überlagern. So ist beispielsweise ein besonderes Gelübdeopfer (Adak) mit dem Ort verbunden. Ältere ethnographische Quellen berichten speziell vom Opfern eines Hahns. Das Tier wurde dort geschlachtet, wobei Teile des Tieres am Ort verblieben und das übrige Fleisch Bedürftigen gegeben wurde. Andere Quellen sprechen allgemeiner davon, dass Besucher ein Opfer versprechen, wenn ihre Bitte erfüllt wird.

Eine weitere Überlieferung betrifft Kinderwunsch und Fruchtbarkeit. Die religionsethnologische Literatur über Balıkesir führt Şıp Şıp Dede ausdrücklich unter den Wallfahrts- bzw. Besuchsorten auf, die von Frauen zur Überwindung von Kinderlosigkeit aufgesucht wurden. Eine ältere Beschreibung sagt sogar, dass insbesondere kinderlose Frauen dort Wünsche äußerten. Hier verbinden sich die Symbolik des Wassers, das Motiv der Fruchtbarkeit und die Verehrung eines Heiligenortes.

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