Seldschuken
Seldschuken

Aussprache: seltschuuken
arabisch: سلاجق
persisch:
سلجوقیان
englisch: Seljuqs

Bild: Sarkophag aus der Zeit der Seldschuken 649 n.d.H. (1251 n.Chr) im Istanbuler Museum für islamische Kunst (2006)

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Die Seldschuken (oder Seldschuqen) waren eine muslimische Herrscherdynastie turkmenischer Abstammung in Mittelasien, dem Iran, Irak, Schaam und teilweise auf dem Gebiet der heutigen Türkei, in Anatolien. Sie regierten 1038–1194 n.Chr.

Die Seldschuken - so genannt nach ihrem Ahnen Seldschuk (um 1000 n.Chr.) - entstammten dem oghusischen Stamm Kınık, der im 9. Jh. n.Chr. sein Siedlungsgebiet östlich des Aralsees im Gebiet des heutigen Kasachstan und Usbekistan hatte. Seldschuk Chan (Khan) trat nach dem Tode seines Vaters Dukak Chan in die Dienste des Oghus-Yabghu, dem Herrscher der Oghusen. Er wurde dessen Söldner im Kampf gegen die Chasaren, doch schon bald überwarf er sich mit dem Herrscher der Oghusen. Um 960 n.Chr., bzw. nach anderen Quellen 985 n.Chr. nahm Seldschuk mit einem großen Teil seines Stammes in Dschand am Syr Dardcha den Islam an. Er stand zunächst im Dienst der Karachaniden in Mittelasien. Er hatte vier Söhne, Mikail, Israil, Musa und Yunus.

Unter den Söhnen Mikails, Tughrul Beg und Chagri (1038–1060), eroberten die Seldschuken um 1030 n.Chr. Chorasan und verdrängten nach dem Sieg in der Schlacht bei Dandanqan 1040 die Ghaznawiden. Um 1055 stürzten die Buyiden im restlichen Iran. Zwischen Tughrul Beg und Chagri kam es zur Teilung des Reichs. Während Tughrul Beg den Westen des Reichs von Isfahan aus regierte, beherrschte Chagri von Merw aus den Osten des Reiches mit Chorasan. Unter Tughrul Beg unterwarfen die Seldschuken große Teile des Iran und 1055 den Irak. Damit wurden sie nach dem Sturz der Bujiden Schutzmacht über die Abbasiden in Bagdad. Tughrul Beg erhielt vom Kalifen in Bagdad den Titel eines Sultans verliehen.

Unter Alp Arslan (1060–1072 n.Chr.), einem Vorbild heutiger Nationalisten in der Türkei, kam es zur Vereinigung des Seldschukenreichs und zur Eroberung von Anatolien nach dem Sieg bei Mantzikert über Byzanz (1071 n.Chr.) sowie zur Eroberung Schaams.

Damit wurde auch die Herrschaft der Fatimiden über Mekka und Medina beendet, die nun wieder den Kalifen in Bagdad anerkennen mussten. Unter Alp Arslan, seinem Nachfolger Malik Schah I. (1072–1092) und dem persischen Wesir Nizam al-Mulk (1065–1092) erreichte das Sultanat seinen politischen und kulturellen Höhepunkt. Offiziell wurde nach manchen Quellen das Sultanat der Rum-Seldschuken 1077 n.Chr. gegründet und daraufhin eroberten sie große Gebiete Ost- und Mittelanatoliens.

Die Ausbreitung der Macht ging einher mit einer Unterdrückung der Schiiten, die alle ihre Schulen schließen mussten. Parallel dazu besetzten unabhängig vom Reich der Groß-Seldschuken die Kerman-Seldschuken Oman.

Mit der Ermordung des Wesirs Nizam al-Mulk durch die Assassinen und dem Tod von Sultan Malik-Schah (1092) brachen bald Thronkämpfe innerhalb der Seldschuken aus. Diese führten 1118 zur Teilung des Reiches in Chorasan und zwei Teile des Großraums Irak und Iran.

Nachdem sich schon im 11. Jahrhundert die Rum-Seldschuken in Anatolien selbständig gemacht hatten und um Konya das eigenständige Sultanat Ikonion gegründet hatten, wurde auch Schaam unabhängig und zerfiel in mehrere Fürstentümer, die erst im 12. Jahrhundert von den Zengiden wieder vereinigt wurden. Der Zerfall der Seldschukenmacht in Schaam begünstigte aber die Eroberung Jerusalems durch den 1. Kreuzzug erheblich.

Unter dem in Chorasan regierenden Sultan Ahmad Sandschar (1118–1157), Sohn Malik-Schahs, ging die Seldschukenherrschaft seinem Ende entgegen. Er erlitt 1141 n.Chr. bei Samarkand eine Niederlage gegen die Kara Kitai, wurde wenig später gestürzt und versuchte bis zu seinem Tod vergeblich, das Seldschukenreich wieder aufzurichten. Die Choresm-Schahs traten mit Söldnern der Kyptschaken und Oghusen sein Erbe an, eroberten bis Ende des 12. Jahrhunderts Mittelasiens und den Iran. 1194 beseitigten sie den letzten Seldschukenherrscher von Ray. In Anatolien gerieten die Rum-Seldschuken nach 1243 unter die Herrschaft der Ilchane; ihr Sultanat von Konya löste sich bis 1307 auf. Die aufstrebenden Osmanen traten zu Beginn des 14. Jahrhunderts das Erbe der Seldschuken in Anatolien an.

Hof- und Gelehrtensprache der Seldschuken war Persisch, und geschichtliche Quellen - alle in Arabisch und Persisch - lassen vermuten, dass auch die "Haussprache" der späteren Könige und Prinzen Persisch war. Oghus-Türkisch diente womöglich der Kommunikation mit den turkmenischen Beyliks, die einen sehr wichtigen Teil der seldschukischen Streitmacht befehligten.

Liste der Seldschuken-Herrscher

bulletSeldschuk Beg
bullet Tughrul Beg (herrschte 1037-1063 n.Chr.)
bullet Alp Arslan  (1063-1072)
bulletMalik Schah I. (1072-1092)
bulletMahmud (1092-1094)
bullet Berk-Yaruq (1094-1105)
bulletMalik Schah II. (1105)
bulletMehmed (1105-1118)
bullet Ahmad Sandschar (1118 - 1153)

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