Stehen
Stehen [qiyam]

Aussprache: qiyaam
arabisch:
قیام
persisch:
قیام , ایستادن
englisch: Standing

Bild: Imam Chamene'i in der Stellung des Stehen beim Ritualgebet

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Das Stehen ist die Startstellung des Ritualgebets.

Der Betende steht vor seinem Schöpfer. Er hat das Ritualgebet eröffnet mit der Eröffnungspreisung [takbirat-ul-ihram]. Die Stellung des Stehens beinhaltet das Rezitieren der al-Fatiha sowie einer weiteren Sure im ersten und zweiten Gebetsabschnitt [raka] sowie das Verlesen der Vierer-Lobpreislesung [tasbihat-ul-arba] in späteren Gebetsabschnitten.

Während bei Schiiten nach der al-Fatiha jeweils eine vollständige Sure verlesen werden muss, darf man gemäß Sunniten auch Teile einer Sure verlesen.

Die Grundstellung beim Stehen ist abhängig von der Rechtsschule geringfügig unterschiedlich. Bei den Dschafariten steht der Betende aufrecht mit herunterhängenden Schultern. Seine Füße bilden ein leichtes "V", wobei die Hacken ca. eine Handbreit und die Fußspitzen ca. eine Handlang voneinander entfernt sind. Das Gewicht ist gleichmäßig auf beide Beine verteilt. Die Arme hängen einfach herunter. Diese Ausgangsstellung wird auf die Verfahrensweise [sunna] des Propheten Muhammad (s.) zurückgeführt.

Gemäß manchen sunnitischen Rechtsschulen werden die Arme verschränkt. Auch sie führen es auf die Verfahrensweise [sunna] des Propheten Muhammad (s.) zurück. Hingegen erfolgt die Einführung dieser Art der Stellung gemäß Schia erst zur Zeit des Kalifen Umar ibn Chatab: als zwei Abgesandte eines benachbarten Herrschers vor ihn traten, standen sie mit verschränkten Händen vor ihm. Als er diese fragte, warum sie derart vor ihm stehen würde, antworteten sie, dass sie sich immer vor Könige derart stellen. Und daraufhin gebot Umar ibn Chatab, dass man sich vor den König der Welten so zu stellen habe. Die unterschiedliche Auffassung zu diesem Sachverhalt ist in den Überlieferungen begründet, da die jeweiligen Rechtsschulen sehr unterschiedliche Überlieferer [rawi] als glaubwürdig einstufen.

Eine der Bedeutungen des Stehens liegt darin, dass das Kind Adams (a.) vor seinem Schöpfer [chaliq] steht und teilweise gebunden (Rezitation der 1. Sure) teilweise frei (Rezitation der 2. Sure) im Paradies [dschanna] lebt. Er begnügt sich aber nicht mit dieser Position, sondern wünscht ein größeres Maß an Freiheit.

Auf die Stellung des Stehens folgt die Stellung der Verneigung [ruku] in der der Mensch seinem Wunsch nach "mehr" Ausdruck verleiht und dann kurzzeitig zurückkehrt in die Stellung des Stehens, um die Antwort auszusprechen, dass seine Bitte erfüllt wird. Jener Wunsch wird ihm im Laufe des Ritualgebets in der Stellung der Niederwerfung [sadschda] erfüllt.

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