Taqizadeh
Sayyid Hassan Taqizadeh

Aussprache:
arabisch:
persisch:
‏سيدحسن تقی‌زاده
englisch:
Seyyed Hassan Taghizadeh

1878 - 28.1.1970 n.Chr.

Foto: ca. 1906 n.Chr.

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Sayyid Hassan Taqizadeh war ein Gelehrter [faqih] im 20. Jh. im Iran der mit Schah Reza Pahlavi und auch den Deutschen kooperierte.

Er wurde im September 1878 in Täbriz geboren. Sein Vater war ein Geistlicher, so dass der Sohn zunächst ebenfalls ab seinem fünften Lebensjahr eine Ausbildung zum Hudschat-ul-Islam begann. Nebenbei lernte er traditionelle Medizin. Doch sein Interesse an der Westlichen Welt führten dazu, dass er Französisch und Englisch lernte. Da die Rückständigkeit des Landes damals vor allem der Geistlichkeit angelastete wurde, entfernte er sich zunehmend von seiner Haltung als Geistlicher und legte eines Tages auch seine Würden und den schwarzen Turban, den er als Sayyid trug, ab. Er wollte sich für ein westlich geprägtes Iran einsetzen.

Mit 20 Jahren versuchte er 1898 nach dem Tod seines Vaters zusammen mit seinem Freund Mohammad Ali Tarbiyat in Täbriz eine nichtreligiöse Schule zu gründen, was aber von der Geistlichkeit, die bis dahin das Bildungsmonopol hatte, verhindert wurde. Daraufhin eröffnete er einen Buchladen für westlich geprägtes Gedankengut. Ab 1902 gab er für die Dauer eines Jahres die Zeitschrift Majmou-eye Fonoun (Almanach der Wissenschaften) heraus, in der über neue wissenschaftliche Entwicklungen in der Westlichen Welt berichtet wurde.

Nach einer Reise 1904 durch verschiedene Metropole der islamischen Welt, darunter Istanbul, Damaskus und Kairo, kehrte er mit der Überzeugung zurück, dass der Iran die Westliche Welt nachahmen sollte, um modern zu werden.

Im Iran unterstütze er die angelaufene Konstitutionelle Revolution, obwohl die Revolutionäre seine Buchladen niedergebrannt hatten. Nach der Gründung des ersten Parlaments 1906 wurde er als Abgeordneter von Täbriz gewählt. Taqizadeh setzte sich für eine Ergänzung der 1906 verabschiedeten Verfassung ein, in dem die Bürgerrechte und die Gewaltenteilung berücksichtigt werden sollte. Mit der traditionellen Geistlichkeit legte er sich an, weil er die Gesetzgebung vom Islam trennen wollte. Doch der Widerstand von Scheich Fadhlollah Nuri machte es Taqizadeh unmöglich, seine Vorstellungen durchzusetzen. Letztendlich musste er in die britische Botschaft fliehen und verließ wenig später unter britischem Schutz den Iran. In London wurde er herzlich aufgenommen und er durfte an der Universität Cambridge lehren. Die Briten wollten ihn für zukünftige kolonialistische Pläne bereit halten.

1908 kehrte er in den Iran zurück und setzte sich an der Seite von Sattar Chan gegen Mohammed Ali Schah ein, der das Parlament aufgelöst hatte. Nach dem Sieg der konstitutionellen Bewegung wurde Taqizadeh in das neu konstituierte Parlament gewählt. Als es im Verlauf der späteren Auseinandersetzungen 1909 zur Hinrichtung Scheich Fadhlollah Nuris kam, war er möglicherweise beteiligt. Der Hass der Bevölkerung auf ihn führte dazu, das er wiederum fliehen musste und wiederum in London aufgenommen wurde. 1913 siedelte er in die USA über.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde er von deutschen Agenten kontaktiert, um ihn nach Berlin einzuladen. Taqizadeh nahm die Einladung an, zog nach Berlin und gab zusammen mit Mohammad Ali Dschamalzadeh und Mohammad Ghazvini die persischsprachige Zeitschrift Kaveh. Unterstützt von den Deutschen, die sich durch ihn eine Eindämmung des britischen Einflusses im Iran erhofften, gründete Taqizadeh zusammen mit anderen Exiliranern am 29. Januar 1917 die „Deutsch-Persische Gesellschaft e.V.“

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde die Zeitschrift Kaveh von der deutschen Reichsregierung nicht weiter finanziert und 1921 eingestellt. Dennoch wurde aus Deutschland heraus weiterhin das iranische Nationalgefühl gestärkt in der Hoffnung, den britischen Einfluss entgegen treten zu können.

1921 reiste Taqizadeh zurück in den Iran und wurde Teil der Delegation, die den Sowjetisch-iranischen Freundschaftsvertrag von 1921 aushandelte. Er wurde zu Schah Reza Pahlavis engsten Beratern. Schah Reza Pahlavi setzte ihn zunächst als Gouverneur von Chorasan, dann Botschafter in London, dann Verkehrsminister und Finanzminister ein. Taqizadeh heiratete 1923 in Berlin eine Deutsche. Das Paar blieb kinderlos.

1933 wurde er Botschafter des Iran in Paris. Ab 1941 war er sechs Jahre Botschafter in London. 1950 wurde Taqizadeh Mitglied des neu gegründeten Senats. Er lehrte parallel dazu an der Universität Teheran an der neu gegründeten theologischen Fakultät. Er gründete die Bibliothek des Senats und unterstützte die Gründung eines modernen Verlagshauses mit Druckerei.

Im Alter erlitt Taqizadeh einen Herzinfarkt und war fortan an einen Rollstuhl gebunden. ER starb am 28. Januar 1970 in Teheran.

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