Wilhelm II.
  Wilhelm II.

Aussprache: willhelm der zweite
arabisch:
فيلهلم الثاني
persisch:
ویلهلم دوم
englisch: Wilhlem II.

??? - ??? n.d.H.
27.1.1859 - 4.6.1941 n.Chr.

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Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen, besser bekannt als Wilhelm II. war von 1888 bis 1918 letzter Deutscher Kaiser und König von Preußen. In dieser Zeit reiste er drei Mal nach Istanbul und baute eine freundschaftliche Beziehung zu Abdülhamid II. auf.

Da sein Vater Friedrich III. 1888 nach nur 99 Tagen Amtszeit an Kehlkopfkrebs verstorben ist, wurde Wilhelm bereits mit 29 Jahren Kaiser. Da er sein Amt nicht in eine konstitutionelle Monarchie moderner Prägung überführen wollte, musste er am am 9. November 1918 abdanken und war damit letzter deutscher Kaiser. Seine letzten Jahre verbrachte er in den Niederlanden und starb am 4. Juni 1941 in Doorn.

In der Beziehung zur Welt des Islam dürfte er der historisch bedeutsamste Deutsche gewesen sein. So erlebte die Botschaft des Deutschen Reiches in  Istanbul unter Wilhelm II. ihre Glanzzeit. Zwar wurde das Gebäude der kaiserlichen Botschaft des Deutschen Reiches bereits in der Regierungszeit von Wilhelm I. (1861-88) gebaut, aber Wilhelm II. prägte das Gästehaus der Botschaft auch durch seine Reisen.

Seinem ersten Besuch in Istanbul trat Wilhelm II. bereits im ersten Jahr nach seinem Regierungsantritt (1889) an, was im Gegensatz zu den eher neutral ausgerichteten Interessen von Otto von Bismarck stand, der England, Frankreich und Russland nicht misstrauisch machen wollte. Der kurzfristige Reiseentschluss ließ Sultan Abdülhamid II. kaum Gelegenheit, das zur Unterkunft von Wilhelm II. und Kaiserin Augusta Victoria bestimmte Villa namens Schale Köschkü (Şale Köşkü) im Yildiz-Park am europäischen Ufer des Bosporus repräsentativ herzurichten. Daher wurden unter anderem einige Holztüren aus dem Tschiraghan-Palast (Çirağan-Palast) ausgebaut und in die Gastresidenz eingebaut.

Beim zweiten Besuch des Kaiserpaares im Rahmen der berühmten Orient-Reise Wilhelms II. im Jahre 1898 war die Vorbereitungszeit größer, so dass das Gebäude um einen Trakt erweitert werden konnte. Wilhelm II. brachte als Gastgeschenk unter anderem die Taschenuhr Wilhelms II. mit.

Zu dem im Rahmen des prunkvollen Besuchsprogramms ursprünglich vorgesehenen Besuch Abdülhamids II. in der kaiserlichen Botschaft kam es jedoch nicht. Der bereits für ihn angefertigte prachtvolle Thron, auf dem er im großen Festsaal der Botschaft hatte Platz nehmen sollen, wurde nie verwendet. Der Grund für das Ausbleiben von Abdülhamids II. wurde nie geklärt, könnte aber mit den Umständen und der Entwicklung der Reise zusammenhängen.

Eigentlich hätte der Zeitpunkt der Reise besser gewählt sein können. Die Situation auf Kreta und die Beziehungen Abdülhamids II. zu den vier Schutzmächten hatten sich vergiftet. Die Osmanen mussten von Kreta abziehen. Als große Demütigung wurde zudem die Tatsache empfunden, dass Abdülhamid II. Georg von Griechenland als Gouverneur zu akzeptieren hatte. In dieser Lage schien Deutschland der einzige Freund des Osmanischen Reiches zu sein. Wilhelm II. hatte sich an dem Druck auf die Truppen der Osmanen in Kreta nicht beteiligt und seine Schiffe abgezogen. Seine Dankbarkeit drückte Abdülhamid II. unter anderem in einem Gespräch mit Hermann Vambery aus: "Es hat keinen Sinn, meine Freundschaft mit dem deutschen Kaiser zu bekritteln, denn die Deutschen nützen mir so sehr, wie ich es zulasse, während das übrige Europa mir schadet wo es kann. Alle materiellen Vorteile, die sie einheimsen, sind nur ein gerechtes Entgelt für den Beitrag, den sie für die materielle Zukunft des Osmanischen Reiches leisten." Doch war Abdülhamid II. klar, dass Deutschland diese Freundschaft nicht ohne Gegenleistung aufrecht erhalten würde. Das wurde auch durch die Reisedelegation Wilhelm II. deutlich. Neben dem Grafen von Bülow, als Staatssekretär des Auswärtigen, war auch Georg von Siemens, dabei. Wilhelm II. wollte die Konzession für die Bagdad-Bahn erhalten. 20 Jahre verfolgte Abdülhamid II. eine Politik der Neutralität und versuchte auch dieses Mal Zeit zu gewinnen. Mit der offizielle Eröffnung des Bahnhofs Haydarpascha versuchte Abdülhamid II. seinen Gast zu beschwichtigen.

Niemals zuvor hatten Osmanen einem Ausländer einen solch symbolträchtigen Empfang bereitet. Auf einem Schimmel reitend zog der Kaiser von jubelnden Massen begleitet in Istanbul ein. Der Merasim Köşk wurde anlässlich des Besuches umgebaut und für das Kaiserpaar wie 1889 zur Verfügung gestellt, einschließlich einer großen Dienerschaft.

Am 27. Oktober 1898 konnte Wilhelm II. nicht mehr warten und verließ Istanbul mit Schiff in Richtung Palästina, allerdings ohne Konzession. Abdülhamid II. verabschiedete seinen Gast am Pier vom Dolmabahtsche-Palast (Dolmabahçe Sarayı) ohne auf sich die Differenzen anmerken zu lassen. Anlässlich dieser Reise hatte Wilhelm II. den Deutschen Brunnen gestiftet. Er sollte aber erst Jahre später eröffnet werden.

Kurz darauf überreichte Abdülhamids II. Erster Sekretär Süreyya Bey seinem Sultan einen Bericht des osmanischen Geheimdienstes, wonach die deutschen Archäologen, die in Mosul mit Zustimmung Abdülhamids II. gruben, in Wahrheit Geologen seien, die nach Öl suchten. Fortan beobachtete Abdülhamid II. Wilhelms II. Orientreise mit Argwohn. Es kam zu internen Machtkämpfen unter Abdülhamid II. Sekretären, wobei manche beschuldigt wurde, für die deutschen zu spionieren.

Mit seinem Schiff reiste Wilhelm II. weiter nach Palästina. In Jerusalem wollte er eine neue lutherische Kirche einweihen. Als er am 25. Oktober in Haifa an Land trat, versammelten sich weltweite Journalisten an den Ufern und drängten sich an das große Zelt, welches extra für die Pressekonferenz aufgestellt wurde. 627 hohe Würdenträger des Reiches und eine Ehrengarde von 600 osmanischen Soldaten begleiteten den Kaiser bei seiner Reise in Palästina. Organisiert wurde die Reise vom Reiseunternehmen Thomas Cook. Neben Haifa und Jerusalem besuchte der Kaiser auch Jaffa und Beirut.

Bei seinem Einzug in Jerusalem trug der Wilhelm II. zum Gedenken an die Kreuzritter schimmernde Rüstung und einen weißen Umhang mit Pilgerkappe. Als er den Stadtrand von Jerusalem erreichte, stieg er vom Pferd und kniete mitten auf der staubigen Straße nieder, um zu beten. Der Kaiser empfing Abordnungen aller Bevölkerungsgruppen. Es folgte die Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem auf dem Grundstück, das sein Vater, damals noch Prinz Friedrich Wilhelm (der spätere Friedrich III.) 1869 vom Sultan zum Zwecke der Errichtung einer evangelischen Kirche geschenkt bekommen hatte. In Bethlehem sprach Wilhelm II. vor den deutschen Siedlern, zumeist Juden, die von der Idee des Zionismus angetrieben waren: "...dass Ihr verstanden habt, durch euer persönliches Leben Eueren Nachbarn ein gutes Beispiel zu geben, und dass Ihr gezeigt habt, wie man es machen muss, um in diesen Ländern den deutschen Namen Achtung zu verschaffen. Ihr habt… Euch einen guten Ruf erworben hier und auch im Auslande und habt gezeigt, wie man es angreifen muss, öde Felder wieder fruchtbar zu machen… Ich hoffe, dass, wie augenblicklich, so auch in Zukunft die freundschaftlichen Beziehungen zum osmanischen Reiche, und insbesondere die Freundschaft zu Seiner Majestät dem Sultan und Mir, dazu dienen werden, Eure Aufgaben zu erleichtern. Wenn irgendeiner von Euch Meines Schutzes bedarf, so bin Ich da… und erfreulicher Weise ist das Deutsche Reich ja imstande, seinen Angehörigen im Auslande nachhaltigen Schutz zu gewähren." Ein Abschiedsgottesdienst für den Kaiser fand am 3. November in der Erlöserkirche statt.

Von dort reiste Wilhelm II. nach Damaskus. In Syrien setzte er sich die Kopfbedeckung eines Beduinenscheichs aufs Haupt, und legte zur Überraschung seiner eigenen Delegation einen Trauerkranz für Saladin an das Grab Sultan Saladins nieder. Eine Besonderheit stellen die zwei Sarkophage am Grab von Sultan Saladin dar, die auf seinem Grab liegen. Während das Holzgrab auf dem Originalgrab liegt, ist das zweite aus Marmor ein Geschenk des Kaisers Wilhelm II.. In Damaskus beschwor er vor einer gewaltigen Menschenmenge die Freundschaft zwischen Harun al-Raschid und Karl dem Großen und erklärte: "Möge der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die, auf der Erde zerstreut lebend, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird." Am 26. November 1898 kehrte er nach Berlin zurück

Ein Jahr danach erhielt er die erwünschte Konzession für die Bagdad-Bahn.

Der dritte Besuch Wilhelms II. fand 1917 auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkriegs und im Rahmen einer Balkanreise statt, die der Rückenstärkung der südöstlichen Bundesgenossen des Deutschen Reiches dienen sollte. Der Kaiser reiste dabei mit der Bahn, denn der Seeweg wurde bereits von der britischen Flotte beherrscht.

Mehr als dreißig Jahre später, im niederländischen Exil, würzte Wilhelm II. die deutsche Ausgabe von Harold Nicolsons "Lord Carnock" mit Randbemerkungen, in denen er die Politik Abdülhamids II. rechtfertigte und zu erklären versuchte, weshalb er gegen die Armenier vorgegangen war, als sie die Ottomanische Bank überfallen hatten. Er erinnerte sich an neue Bomben – "die ich im Museum selbst gesehen - und an nagelneue, blanke Britische Pfunde in Gold, die man bei den von der Istanbuler Polizei auf der Straße gegriffenen Armeniern gefunden hätte, und er legte in einer sorgfältigen Beweisführung dar, die Armenier hätten vom Armenischen Comitee in London den Befehl erhalten, einen Aufstand zu inscenieren, damit die Brit. Regierung die Möglichkeit habe, ihn als Vorwand zum militärischen Einschreiten... zu benutzen. [...] Aber die Redcoats blieben aus, und die auf sie harrenden Armenier wurden erschlagen. So verrieth England die auf seine Anregung hin aufgestandenen Armenier."

Ein Kaiserbild, gemalt in Öl von Max Frisch, datiert 1916 (siehe oben) war eigentlich als Geschenk Wilhelms II. an Sultan Mehmed V. gedacht gewesen. Nach langem Bahntransport über den Balkan kam es jedoch aufgrund des Ersten Weltkrieges erst 1918 in Istanbul an. So konnte es noch immer im Generalkonsulat, wo es einen der drei kleineren Festsäle schmückt.

Einige bemerkenswerte Aussagen Wilhelms II. zeugen von seiner aufrichtigen Beziehung zur islamischen Welt. So sprach er im September 1908 mit Bezug auf englische, französische und russische Politiker: „Sie alle haben in ihrer hirnverbrannten Dummheit, Verbohrtheit, und unerhörten Selbstüberhebung […] den Islam verachtet, misshandelt, beleidigt und auf ihm Jahrelang herumgetrampelt, bis er es endlich nicht mehr ausgehalten hat, und sich ermannt und sich zusammengeschlossen hat! Jetzt noch einmal ein Eingriff von Außen durch "Reformvorschläge" pp. […] dann muss, ob er will oder nicht, der Sultan des Propheten grüne Fahne entrollen, dann wird es "Allah" in allen Ecken Asiens und Afrikas ertönen, und mit den Christen ist es dann zu Ende.“

In einer Schlussbemerkung unter ein von Bülow gerichtetes Schreiben Marschalls schrieb Wilhelm II. bereits am 3.9.1908: "... Ich habe jahrelang davor gewarnt, den Islamismus so mit Füßen zu treten und herauszufordern, und bin in ganz Europa verlacht und als Türkenbold verhöhnt worden..."

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