Edikt von Friedrich II
Edikt von Friedrich II (1712-1786) an den Kammerdirektor v. Gaudi über die "Ansetzung von Tataren in Westpreußen"

22. Juli 1775

301. An Denselben

Ansetzung von Tataren in Westpreussen

Ich habe Euch in Meiner Orde vom 7. Juni wegen der in dortiger Provintz zu machenden Verbesserungen unter andern Euch aufgetragen, Euch zu bemühen, die in Polen sich aufhaltenden Tataren zu persuadiren, dass selbige sich in Meinen Landen niederlassen, und zwar in der Gegend an dem Goplower See herum gegen die Polnische Grentze, in so weit dieser See und die vielen Moräste uns urbar gemacht werden körnen. Ihr habt Mir aber noch nichts darüber gemeldet, wie weit Ihr darin gekommen seyd und was Ihr deshalb für Hoffnung habet. Da nun gegenwärtig ein Obrister von diesen Tataren, Namens Zacharias Murza Baramowsky an mich geschrieben und ein Regiment von ihnen zu errichten sich offeriret, so habe denselben Meine eigentliche Intention bekandt gemacht, dass Ich es nemlich gerne sehen würde, wenn diese Leute sich gantz und gar in Meinen Landen in der obbenannten Gegend etabliren wollten, und dass er sich dieserwegen an Euch adressiren und über die Sache weiter tractiren könne.

Ihr werdet demnach Euch alle ersinnliche Mühe Sebsn, gemeinschaftlich mit dem v. Domhardt zu bewürcken, wie diese Leute zu gewinnen und in's Land gezogen werden können. Ich will ihnen grrne erlauben, Moscheen zu bauen und sollen sie allen Schutz geniessen.

Potsdam den 22. Juli 1775.

Friedrich

Dazu ergänzend

Kabinettsordre an Domhardt vom 7. Januar 1776:

...Wenn fremde Familien dort etabliert werden, so mußs das nicht einzeln mit den hiesigen durcheinander geschehen, sondern es müssen gleich ganze Dörfer und Colonien mitten unter dem groben und butten Zeug angelegt werden, die ganz allein wohnen und ihre Nahrung und Gewerbe vor sich treiben, damit das Volk um so besser siehet und gewahr wird, wie jene sich einrichten und wirthschaften. Wenn sie sodann den Nutzen davon sehen, so werden sie nach und nach sich auch schon gewöhnen, den fremden Leuten nachzuahmen und fleißsiger und ordentlicher zu werden. Gleich im Anfang ist solches wohl nicht zu erwarten, aber mit der Zeit werden sie wohl klüger werden und begreifen lernen, was Fleißs und Industrie von Nutzen und Vortheil schafft...

Quelle: Geschichte der Provinz Posen (1891), Christian Meyer

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