Das ABC des Islam
Das ABC des Islam

von

Allama Sayyid Muhammad Husain Tabatabai

 

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Freigiebigkeit, Großzügigkeit...

Das materielle Güter wichtig sind, ist allen zur Genüge bekannt. Und da diese materiellen Werte unerlässlich sind, bedeuten sie recht vielen ‘Leben und Existenz”. Mit anderen Worten, ihr Lehen, ihre Ehre, ihre persönliche Wertigkeit und Würde wähnen sie in ihren Besitz. Ihr Anliegen und Ziel ist demzufolge, Geld und Reichtum anzuhäufen, wozu sie sämtliche ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte und Möglichkeiten einsetzen. Aber..., infolge dieser ihrer Verehrung und Heiligung des Mammons geraten sie in die Fänge ihrer eigenen Gier. Von Habsucht erfaßt neiden sie anderen sozusagen die Butter auf dem Brot. Alles wollen sie für sich. Sie scheffeln und scheffeln..., eingefangen von ihrer Gier, die sich zu heftigstem Geiz entwickelt. Das andere darben, in Not Ieben, interessiert sie nicht. Sie erlegen den Mitmenschen, oftmals sich selbst und ihren eigenen Kindern, Entbehrungen auf, um soviel wie möglich ‘Kapital’ zu sammeln. Nicht sie werden auf diese Weise satt, noch die anderen. Ihr einziges Vergnügen ist, Geld und Besitz anzuhäufen. Nur das zählt für sie und dem opfern sie alles.

Kurz, wer von Habgier und Geiz - wobei letzteres gar noch schlimmer ist als ersteres - befallen ist, hat sich von Menschlichkeit und Menschenwürde weit entfernt. Er lebt und schafft, nicht um zu leben und seinem Glück entgegenzustreben, sondern um zu “scheffeln’ worin er -dieser Ahnungslose - seinen Lebensinhalt sieht. Ein Schiffbrüchiger, gescheitert in seinem Leben. Darum, weil es ihm erstens darum geht, “zu besitzen, zu haben”. Das zählt für ihn..., sein eigener Wohlstand, sein individuelles Leben, sonst nichts. Damit aber erliegt er einem argen Irrtum. Denn der Mensch ist, wie gesagt, für die Gemeinschaft erschaffen worden. Als soziales Wesen. Wer diese soziale Dimension untergrabt und nur dem “Ich” und “Eigenleben” Wert und Bedeutung beitrifft, wird in seinem individuellen Leben scheitern.

Zweitens: Er ist reich. und aufgrund seines Reichtums verfügt er in der Regel auch über Macht. Über materielle Macht. Dadurch erzwingt er den “Gehorsam” der Mittellosen und Hungrigen. Und obwohl er in seinem Geiz diesen nichts oder nur sehr wenig gibt und sie hungern und darben lässt, hält er sie unentwegt in einem Zustand des Bittens und Bettelns. Denn sie sind hungrig, und Hunger tut weh. Sie haben nichts, die Hände sind ihnen gebunden. Alles will der gierige Reiche für sich. Er verwehrt ihnen die Möglichkeit, auf eigenen Füßen stehen und in menschenwürdiger Weise selbst für ihr Auskommen sorgen zu können. Die Mittel dazu fehlen ihnen, man gibt ihnen keine Gelegenheit... und so plagen sie sich mit einem Hungerlohn, der nicht zum Leben und nicht zum Sterben reicht. In ihrer Schwäche, Hilflosigkeit und Verwirrung, gewöhnt an ständige Erniedrigung, sehen sie keinen anderen Ausweg, als vor dem Mächtig-Reichen zu buckeln, ihm zu hofieren und zu schmeicheln, vor ihm zu kriechen..., um eines Bissen Brotes wegen.

Er aber, der Geizig-Gierige, nutzt in seiner Macht die Situation weidlich aus. Degradiert sie zu Sklaven, erniedrigt sie zu seinen “Leibeigenen”, denen er in einem Anflug von “Gunst” einen Brocken zuwirft, nach dem sie heischen. Ja..., und so schafft er es, das sie in ihm ihren “Herrn” sehen. Eine Art “moderner Götzendienst”.

Mit dem Resultat, das sie, die sich so demütigen lassen, jegliches Selbstwertgefühl, jegliche Kühnheit, Noblesse und Würde verlieren.

Drittens: Abgesehen davon, das auf diese Weise Menschenwürde, Recht und Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Mitgefühl und Respekt vor dem Leben und Sein anderer mit Füßen getreten werden, nehmen Niedrigkeiten und Hässlichkeiten der verschiedensten Art in der Gesellschaft ständig weiter zu. Wir alle wissen von dieser traurigen Realität, die durch die Kriminalakten bestätigt wird.

Häufiger Auslöser zu kriminellen Delikten wie Diebstahl, Hehlerei, Schmuggel und dergleichen sind Armut, Hunger und Ausweglosigkeit in den Reihen der Unterprivilegierten. Sie, unterdruckt, entrechtet, entehrt, vergewaltigt, hungrig, verzweifelt und verwirrt suchen nach einem Ausweg. Und da sie keinen finden bzw. die Hoffnung aufgegeben haben, ihn finden zu können, sieht so mancher von ihnen die einzige Alternative darin, nach oben ,genannten “Möglichkeiten” zu greifen. Zudem: Haß, Feindseligkeit und Rachegedanken, die in so manchen von ihnen gegen die mächtigen, einflussreichen Wohlhabenden wallen, haben letztere zumeist selbst geschürt. Durch Ungerechtigkeit, Habgier, Geiz und Gleichgültigkeit den Hungrigen gegenüber. Wozu derartiges führt, ist offenkundig...

Aus diesem Grunde wird der Geizig-Gierige als “Feind Nr. „Eins“ der Gesellschaft verstanden, der nichts anderes zu erwarten hat als den Zorn Gottes und das Grollen und Aufbegehren seiner darbenden Mitmenschen.

In zahlreichen Koranversen werden Habsucht und Geiz hart verurteilt, Freigiebigkeit und Großherzigkeit auf dem Wege Gottes dahingegen gelobt und gewürdigt. hinter anderem verheißt der Erhabene Gott, das dem Gebenden das Zehnfache dessen, was er gibt und spendet, “zurückerstattet” wird. In manchen Fällen sogar das Siebzig- und gar Siebenhundertfache. und wie die Erfahrung zeigt, wird so mancher, der eine “gebende Hand” hat, den Minderbemittelten aus ihrer Not heraushilft und dazu beiträgt, das die Gesellschaft wirtschaftliche Strapazen bzw. Engpässe zu Überwinden vermag, von Tag zu Tag wohlhabender. Und sollte er selbst eines Tages in Schwierigkeiten geraten, so werden ihm jene, denen er half, nach Kräften zur Seite sichern. Er reichte anderen seine Hand und holte sie aus ihrem Leid heraus. Sie sind es jetzt, die - viele Hände gemeinsam - ihm nun unter die Arme greifen. Das heißt, seine helfende Hand kehrt quasi in Form vieler helfender Hände zu ihm zurück.

Darüber hinaus..., ganz abgesehen davon, das er durch sein humanes, karitatives Verhalten seinem Gewissen Ruhe und Frieden ermöglicht, Bedürftigen half und die Sympathie seiner Mitmenschen gewann, hat er das göttliche Wohlgefallen auf sich gelenkt und darf auf die ewige Glückseligkeit hoffen...

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