Das ABC des Islam
Das ABC des Islam

von

Allama Sayyid Muhammad Husain Tabatabai

 

bullet Zum Inhaltsverzeichnis

Imam Rida (a.)

Was bei einem etwas genaueren Studium der politischen Verhältnisse jener Zeit deutlich wird ist, das die Kalifen und Widersacher Ahl-Bayts (a.s.) nichts unterließen, um den Nachkommen des Gesandten Gottes als auch der Schi’ah ganz allgemein Gewalt anzutun. Sie drohten, folterten, verfolgten und mordeten. Dennoch wuchs die Zahl der Freunde Ahl-Bayts (a.s.) immer weiter an, und deren Glaube wurde fester und bewußter. Sie erkannten die Korrupthit, Tyrannei und Ruchlosigkeit des herrschenden Kalifats und zollten ihm keinerlei Applaus. Genau das aber machte den Kalifen zu schaffen. Und so mächtig sie auch waren, so hilflos standen sie dieser Realität gegenüber.

Ma’mun, der siebte Abbassiden-Kalif, regierte zu Zeiten Imam Ridas (a.s.) Nachdem er seinen Bruder Amin getötet hatte, nahm er das Zepter in die Hand. Da er seine Macht und Herrschaft gefährdet sah - denn der Imam (a.s.) besaß große Beliebtheit in der islamischen Welt - verfiel er auf den Gedanken, auf andere Weise als durch rohe Gewalt Ahl-Bayt (a.s.) und Schi’ah “gefügig” zu machen.

Sein Plan war folgender. Er wollte Imam Rida (as.) als seinen Thronfolger ausrufen lassen. Gewiß würde sich die Schi’ah, wenn der Imam erst einmal Fuß in das korrupte Kalifat gesetzt hatte, enttäuscht von ihm abwenden. Das aber hatte zur Folge, das das Imamat, das zu den Grundlagen der schi’itischen Glaubenslehre zählt, in den Augen der Schi’ah an Bedeutung verlöre. Mit dem Resultat, das die Basis ihrer Lehre mehr und mehr ins Schwanken geraten und letztlich einstürzen würde.

Noch ein anderes Plus erhoffte sich Ma’mun von diesem politischen Schachzug und zwar: Die Widerstandsbewegung der “Bani Faimah” gegen das Kalifat fände damit sicherlich ein Ende. Denn wenn der Imam am Kalifat beteiligt wäre, würden sie nicht mehr motiviert sein, gegen es anzukämpfen. Das Ma’mun dann, wenn dieses Ziel endlich erreicht war, Imam Rida (a.s.) töten lassen würde, stand außer Zweifel...

Aber die Dinge entwickelten sich nicht so, wie er geplant und gewollt hatte. Zunächst forderte Ma’mun den Imam auf, seinen Vorschlag anzunehmen. Imam Rida (a.s) weigerte sich, lehnte den Vorschlag ab. Doch letztlich, auf Bitten, Drängen und Drohen Ma’muns hin, willigte er – um die Sache des Islam und der Muslime nicht zu gefährden ein. Allerdings nur unter der Bedingung, das er sich aus Regierungsangelegenheiten völlig heraushalten könne. Er durchschaute das Ansinnen Ma’muns. Durch seine Beteiligung aber dem herrschenden verderbten Kalifat wurde dessen Tyrannei und Ruchlosigkeit einen legalen Anstrich erhalten., etwas, das nicht sein dürfte.

Kurz, unter dieser Voraussetzung, auf der er bestand, willigte Imam Rida (as.) schließlich in die Thronfolge ein. Um Regierungsangelegenheiten kümmerte er sich aus den genannten Gründen nicht, wohl aber um die Rechtleitung und Aufklärung der Gesellschaft. Soweit er vermochte, lehrte und unterrichtete er und diskutierte mit den Großen der verschiedenen Religionen. Ma’mun, der an wissenschaftlichen Diskussionen interessiert war, ließ ihn gewähren und unternahm nichts gegen seine Vorlesungen.

Die wertvollen Ausführungen Imam Ridas (a.s.) im Zusammenhang mit den Grundlagen zu den islamisch-theologischen Wissensgebieten sind zahlreich..., zu vergleichen mit denen Amir al Mu’minans Ali (a.s.). Zu seinem segensreichen Schaffen zählt, das er die Erklärungen bzw. Ahadit, die von seinem Vorvater, dem Gesandten Gottes, überliefert worden waren, von Entstellungen und Veränderungen, die unlautere Elemente im Laufe der Zeit hineingebracht hatten, bereinigte.

Während einer Reise, die er als Thronfolger Ma’muns von Medina nach Mary unternahm, strömten ihm die Bewohner der Gegenden, durch die er zog - besonders in Iran - in Scharen entgegen. Sie begrüßten ihn hoch erfreut, versammelten sich um ihn und lauschten seinen Worten. Und er sprach mit ihnen und klärte sie über die göttlichen Gebote und Weisungen auf.

Ma´mun war äußerst besorgt ob der Sympathie, die Imam Rida (a.) entgegengehracht wurde und erkannte, das er sein Vorhaben nicht wurde verwirklichen können. Um nicht ein noch größeres “Fiasko” erleben zu müssen, beschloß er, Imam Rida töten zu lassen . Er ließ ihn vergiften..., Imam Rida (as.) fand das Schahadat.

Ma´mun änderte daraufhin seine Taktik und ging von nun an in der Weise der vorausgegangenen Kalifen gegen Ahl – Bayt (a.s) und deren Schi´ah vor..

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de