Das ABC des Islam
Das ABC des Islam

von

Allama Sayyid Muhammad Husain Tabatabai

 

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Zwischenmenschliche Beziehungen

Der Mensch lebt in der Gemeinschaft and kann der Begegnung mit anderen nicht entfliehen. Ein guter Umgang mit seinen Mitmenschen ist ihm somit nur zum Wohl. Sein soziales Empfinden als auch seine gesellschaftliche Situation werden dadurch unterstützt. Gute gesunde zwischenmenschliche Beziehungen tragen dazu bei, das er Tag für Tag “hinzugewinnt”, sowohl hinsichtlich seines materiellen als auch geistigen Lebens. Ganz abgesehen davon, das er seine -Probleme leichter zu bewältigen vermag, wenn er nicht allein dasteht. Er tut daher gut daran, den Mitmenschen so zu begegnen, das er sie “für sich gewinnt” und sie ihm wohl gesonnen sind. Sein gutes, gesittetes und freundliches Verhalten führt dazu, das sie ihn “mögen” und die Zahl jener, die ihm zur Seite stehen, anwächst.

Einem jeden dürfte dieses bekannt sein: Wer anderen grob bzw. gleichgültig begegnet, ruft in ihnen Antipathie hervor. Sie werden ihm ebenfalls die “kalte Schulter” zeigen und ihn gar meiden und fliehen. Es wird soweit kommen, das er in der Gesellschaft, zu der er gehört und in der er lebt, isoliert ist..., ein Fremder in der eigenen Heimat.

Derartiges aber, nämlich gemieden von allen zu sein, zählt zu den betrüblichsten Dingen, die einem Menschen begegnen können.

Darum ruft der Islam zu guten, gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen auf, zu Wohlverhalten den Mitmenschen gegenüber. Er gibt hervorragend Empfehlungen zu einem erfreulichen Miteinander an die Hand. Unter anderem:

Grüße, wenn du anderen begegnest.., und bemühe dich, stets als erster zu grüßen!

Prophet Muhammad (s.a.a.s.) war auch diesbezüglich bestes Vorbild. Er entbot seinen Friedensgruß - “Salam alaykum” - in der Regel als erster, ob er Frauen, Kindern oder Männern begegnete. Das heißt er grüßte, noch bevor man ihn grüßte. Es war ihm sehr daran gelegen, als erster zu grüßen. Doch kam ihm hin und wieder jemand zuvor, so beantwortete er dessen Gruß freundlicher und zuvorkommender als dieser ihn gegrüßt hatte.

Im 85. Vers der Sure 4, Nissa’, lesen wir dieses Gotteswort:

Wenn euch jemand Grüßt , so antwortet seinem Gruß ebenso oder noch wohlgefälliger.

Auch mahnte Gott, das ein jeder dem anderen bescheiden und respektvoll begegnen sollte. Hierzu lesen wir im 63. Vers der Sure 25, Furqan:

Würdige Gottesgeschöpfe sind , die dem Mitmenschen mit allen Respekt und in aller Demut (Bescheidenheit) begegnen .

Auf folgendes ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen, um Missverständnisse auszuschalten. Wenn Gott sagt, begegne dem anderen in “Demut”, so ist mit dieser “Demut” nicht gemeint, das man sich vor dem Mitmenschen erniedrigt und wertlos zeigt. womit der eigenen Persönlichkeit Schaden zugefügt wird. Sondern mit dieser “Demut”, von der hier die Rede ist, ist gemeint, das man bescheiden bleibt und mit seinen eigenen Erfolgen und Leistungen vor anderen nicht prahlt. Das m Privilegien erwartet, andere nicht abwertet und gering einstuft.

Und wenn zu Respekt und Hochachtung anderen gegenüber aufgerufen wird, so heißt das keinesfalls, andere zu hofieren , vor ihnen zu “buckeln”, zu “kriechen” bzw. ihnen zu “schmeicheln”. Sie sind zu respektieren, wie es ihnen zukommt. Die “Großen” der Gesellschaft entsprechend ihrer Verdienste und die übrigen so, wie es ihrer menschlichen Würde zukommt. Gemeint ist auch nicht, das man ein jegliches menschenunwürdiges” Tun übersieht und schweigend hinnimmt. In der Annahme, seinen Respekt anderen gegenüber zum Ausdruck bringen zu müssen. Oder sich in einer Versammlung, in der sich alle in menschenunwürdiger Weise verhalten bzw. Dinge tun, die dem göttlichen Gebot widersprechen, zu fügen, “mit dem Strome zu schwimmen” und mitzumachen, und nicht “unangenehm aufzufallen”.

Nein, derlei ist mit “Respekt” und “Hochachtung” nicht gemeint. Vielmehr ist es so, das mit unserem Respekt anderen gegenüber unser Respekt vor deren menschlicher Würde zum Ausdruck gebracht werden soll. Diese aber hat mit der äußeren Gestalt des Betreffenden, dessen “Habitus” und fragwürdigen Orden etc. nichts zu tun...

Daher..., wenn jemand hingeht und diese seine menschliche Würde und gute, gottwohlgefällige Gesinnung zugrunde richtet, so gibt es keinen Grund, derlei zu würdigen.

Prophet Muhammad (s.a.a.s) sprach:

Sich anderer zu fügen darf nicht soweit gehen, das gegen Gottes Wort verstoßen wird.

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