Sänger von Schiras

Der Sänger von Schiras

Gedichte des Hafiz aus dem Persischen übertragen von Friedrich von Bodenstedt

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Erstes Buch.

10.

Wie schön bist Du, Schirás mit Deinen Auen!
Mög' immer segnend Dir der Himmel blauen!

Nach Dschafarábad1 und Mosella2 bringen
Die Winde Ambraduft auf weichen Schwingen.

Heil sei dem Roknabad3, deß klare Welle
Ward Ghifer's4 ewiger Tugend Lebensquelle!

Komm nach Schirás! Des heiligen Geistes Gaben5
Sind bei den Söhnen dieser Stadt zu haben.

Hier lockt Dich aller Zauber ird'schen Lebens,
Und ihm zu widerstehen suchst Du vergebens.

Sprich, Zephyr, mir von jenem süßen Munde,
Der mich bethört, - schickt er mir gute Kunde?

Will sich mein Lieb von meinem Blute nähren,
Wie Muttermilch werd' ich es ihm gewähren.

O weck' mich nicht vom Schlummer, zu zerstören
Mein schönes Traumbild, mag's mich auch betören!

Warum, o Hafis, wenn Dich Trennung peinigt,
Verstummest Du, als Liebe Euch vereinigt?

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