Sänger von Schiras

Der Sänger von Schiras

Gedichte des Hafiz aus dem Persischen übertragen von Friedrich von Bodenstedt

zum Inhaltsverzeichnis

Sechstes Buch - Anmerkungen

Mesnewi (Gereimte Doppelverse)

Mughanninâme

1 Ghasel und Kul sind zwei persische Tonweisen, jene heiter, diese ernst.

2 "Willst Du ein Lied in Irák's Ton beginnen."

Die irákische oder chaldäische Tonweise weckt Trauer und Wehmut.

3 "Erzähl" uns von Barbud und von Perwís."

Barbud war ein Sänger am Hofe des Saffaniden Choßrew Perwís.

4 "Der einst die Heere Selm's und Tur's verschlang."

Selm und Tur waren Söhne des Königs Feridún, welche ihren älteren Bruder Iredsch, der seinem Vater auf dem Throne gefolgt war, ermordeten. DurchMenutscheher, einen Enkel von Iredsch, wurden sie im Kampfe getötet.

5 "D'rauf einst Efrasiab's Prunkpalast erstand."

Efrasiab war ein mächtiger, prunklebender Fürst von Turan (Turkestan) und gefährlicher Feind Persiens.

6 "Doch wo ist nun sein Feldhauptmann Pián,

Wo Schideh mit dem Dolch aus Turkestan?"

Schideh war der vierte Sohn des Efrasiab von Turkestan.

Sakinâme

1 Karun – nach anderen Lesarten Koreh – war sprichwörtlich geworden durch seinen Reichtum.

2 Von dem alten Perserkönig Dschem oder Dschemdschid (Dejoces), dessen Namen die morgenländische Sage ebenso verherrlichend umsponnen hat, wie die abendländische Sage die Namen Kaiser Karl's und König Arthur's, wird erzählt, man habe ihm einst einen Korb voll süßer Weintrauben gebracht, die er, eben zur Jagd gerüstet, in einem kostbaren Kruge aufbewahren ließ, um sie nach seiner Rückkehr zu essen. Seine Jagden dauerten lange, und als er, im Palaste wieder angekommen, nach dem Kruge sah, fand er statt der Trauben einen gährenden Most darin, von wundersamem Duft nud Geschmack. Er schrieb auf den Krug "Gift" und stellte ihn wieder bei Seite. Nun begab sich's, dass eine schöne Bewohnerin des Palastes, die wegen verschmähter Liebe ihrem leben ein Ende machen wollte, den mit "Gift" bezeichneten Krug fand und ihn austrank bis auf die Neige. Allein statt davon zu sterben, verfiel sie in einen tiefen Schlaf, der ihr so wonnige Träume brachte, dass sie erwachende wieder Lust am Leben gewann, welches dann auch bald ihre Liebeswünsche erfüllte. Seit der Zeit kam der rebensaft bei den Persern in wundertätigen Ruf und wurde "süßes Gift" (scheri chosch) genannt. König Dschem trank gern von diesem süßen Gift, und seine Kämmerlinge, Weisen und Schriftgelehrten tranken mit ihm, so dass seine Tafelrunde weit und breit berühmt wurde. Der König besaß einen goldenen Becher, auf dessen Grunde sich alle Geheimnisse des Himmels und der Erden offenbarten und der samt seinem Besitzer in der persischen Poetie eine große Rolle spielt. Der Name des Königs ging auf den Becher über.

3 Selsebil – Paradieses quell.

4 Tuhemten = der Starke, der herrliche, ist ein Beiname des berühmten Helden Rustem, des persischen Siegfried. - Rustem's Pferd hieß Rachsch.

5 Anspielung auf die indischen Fürsten, welche unter Paukengetön auf ihren Elefanten reiten.

6 Hier habe ich eine Anzahl von Doppelversen ganz weggelassen, teils der zu langen und fremdartig klingenden Namen wegen, die darin vorkommen (Menutscheher, Büsürdschmiher etc.), hauptsächlich aber, weil sie meist nur Wiederholungen enthalten. Es sind in der Brockhaus'schen Ausgabe des persischen Textes die Mesnewiat von 72 bis 98.

7 Wörtlich: war der Schädel eines Alexander oder Keykobad: - Wer denkt hierbei nicht unwillkürlich an eine ähnliche Stelle im Hamlet!

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de