Sänger von Schiras

Der Sänger von Schiras

Gedichte des Hafiz aus dem Persischen übertragen von Friedrich von Bodenstedt

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Viertes Buch

Anmerkungen

1 D.h. nach der Hedschra, der Flucht des Propheten, also im Jahre 1362 unserer Zeitrechnung.

2 Im Text vergleicht sich Hafis mit einem Papagei, der glücklich bei deinem Zucker lebte, bis die Schicksalsflut seine Hoffnung verschlagen.

3 Im Text nennt Hafis seinen Schmerz ein vom Kamel gefallenes Gepäck und ruft den Karawanenführer an, es ihm aufheben und tragen zu helfen.

4 Aus Tränen und Staub besteht das menschliche Leben, welches hier ironisch als Prunkban der Freude bezeichnet wird.

5 Messud heißt "der Beglückte".

6 Den Dichter war sein Maultier gestohlen worden und auf rätselhafte Weise in den kaiserlichen Stall geraten. Er bittet nun verblümt den Sultan, ihm das Maultier zurückzusenden.

7 Unter dem Himmelsboten ist der Genius des Dichters zu verstehen, dessen Schwingen erlahmen, weil es ihm an Nahrung gerbicht.

8 Im Text heißt es: Erwarte Großmut weder von Amru, noch von Sejd.

9 Selmán Sawedschi, ein Zeitgenosse Hafisens, war einer der größten Dichter seines Jahrhunderts und zugleich durch seine umfassende Gelehrsamkeit so berühmt, dass er den Beinamen "Lehrer der Welt" (Ghotschai Dschihan) erhielt. Er lebte am Hofe der Königsfamilie Oweïs in Bagdad und starb im Jahre 769 nach der Hedschra (1367 nach christlicher Zeitrechnung).

10 Pinie und Zypresse sind die immer sich wiederholenden Bilder für den Geliebten und die Geliebte.

12 Scheich heißt der Obere eines Derwischklosters, ein Prediger, ein Greis.

13 Hadschi heißt "der Pilger" und wird als Ehrentitel dem Namen eines Jeden vorgesetzt, der die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht hat. Der Hadschi Kiwan, von dem hier die Rede ist, heißt mit seinem vollen Namen Kiwan eddin Hassan und war zehn Jahre hindurch Wesir des Ilchaniden Sultan Hassan und dessen Sohnes, Sultan Scheich Oweïs. Er unterstützte, selbst hochgebildet, gelehrte Bestrebungen und war ein großer Gönner von Hafis.

14 Im Text steht "der Hauch von Jemen", was dasselbe bedeutet als der Segen Gottes, nach den überlieferten Worten des Propheten: "Fürwahr, der köstlichste Hauch des Allerbarmers kommt von Jemen (dem glücklichen Arabien) her."

15 Im Text steht "der zweite Assaf", wie Hafis den Wesir Hadschi Kiwámeddín zu nennen pflegt.

16 Hedschira, also im Jahre 1353 unserer Zeitrechnung.

17 Mit dem "Greis von Kanaan" ist der Patriarch Jakob gemeint, der so lange von seinem geliebten Joseph getrennt leben musste.

18 Dieser Vers bewirkte, dass Hafis ein ehrliches Begräbnis erhielt, welches ihm unmittelbar nach seinem Tode verweigert wurde.

19 Unter dem Herrn der Welt wird hier Alí verstanden, der vierte Chalif, mit seinem vollen Namen Alí Ibn Abú Talib genannt.

20 Mit den "Verworfenen" und "der heuchlerischen Schaar" sind die Sunniten, die othodoxen Moslimen, gemeint.

21 Die zwölf Imáme oder Imáms sind die geheiligten Nachkommen Alí's. Der Name Imám bedeutet geistlicher Vorsteher oder Herrscher.

22 Risa's Grab befindet sich zu Mesched in Chorassan.

23 Hermann Brockhaus hat dieses Ghasel in seiner persischen Ausgabe des Hafis weggelassen, dem Vorgange des gelehrten türkischen Kommentators Sudi folgend, dem es als Sunniten schwerlich zusagen konnte. In meiner alten persischen handschriftlichen Sammlung der Gedichte des Hafis steht es als zweites unter dem Buchstaben Schin. Ich habe das Ghasel hier nicht deshalb mit aufgenommen, weil ich ihm besonderen poetischen Wert beilegte, sondern erstens weil es eins von den beiden Ghaselen ist, die auf des Dichters Grabstein stehen, und zweitens weil es mir in meine Auswahl autobiographischer Gedichte Hafisens hinein zugehören Schien als ein Glaubensbekenntnis aus seiner Zeit, da er noch zu den eifrigen Bekennern Alí's zählte und den Glaubenshass seiner schiitischen Landsleute gegen die sunnitischen Türken theilte. Bekanntlich ist das Verhältnis der Schiiten zu den Sunniten im Orient ein ähnliches, wie bei uns das der Protestanten zu den römischen Katholiken. Die Sunnah, d. h. hier die Tradition über Muhamed, die den Türken heilig ist, glauben, sondern sich blos an den Koran halten, wie die Protestanten an die Bibel. - Die Sunniten erkennen all die vier Chalifen an, welche Muhames in der Herrschaft über die Gläubigen folgten; die Schiiten dagegen verwerfen die drei ersten Chalifen nach Muhammed: Abu Bekr, Omar und Osman, als Usurpatoren und verzehren nur den vierten, Alí, als ersten legitimen Nachfolger des Propheten.

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