Familie el-Zubeir

Die Familie el-Zubeir

Aus dem Arabischen übertragen von Ferdinand Wüstenfeld

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II. el-Muttalib ben Asad ben Abd el-Uzza

1. el-Aswad ben el-Muttalib war es, welcher die hochfahrenden Plane seines Vetters 'Othman ben el-Huweirith (VI), sich mit Hulfe des Griechischen Kaisers zum Konige von Mekka zu machen, vereitelte. Chron. von Mekka II. 143. IV. 55. Er gehörte zu den Spottern, auf welche sich der Coranvers Sure XV, 95 bezieht, und soll erblindet sein. Beidhdwi Comment. I. pag. 507. In der Schlacht bei Badr hatte er zwei Sohne Zam'a und 'Akil, und einen Enkel, den Sohn des ersteren, el-Harith ben Zam'a, verloren, und er beklagte ihren Tod in einem Gedichte. Ibn Hischdm pag. 461.

2. Zam'a ben el-Aswad war durch seine Freigebigkeit berühmt und einer von den dreien, welche den Beinamen ,,Zad el-rakb, Reisebedarf", erhielten, weil sie auf den Handelsreisen nach Syrien für den Mundvorrath der ganzen Carawane sorgten. Hamasa pag. 464. Camus ed. Cahir. II. 325. — Zam'a gehorte zu den gemassigten Gegnern Muhammeds; er war mit na<jh Badr ausgezogen und wurde dort von Thabit ben el-Gids' unter dem Beistande von Harnza und 'AH getodtet; das gleiche Schicksal hatte sein Sohn el-Harith ben Zam'a, welcher dem gemeinschaftlichen Angriffe von Hamza und 'Ali erlag, und sein Bruder Akil ben el-Aswad, welchen 'Ammar ben Jasir erlegte. Ibn Hischam pag. 508. Zam'a war mit Muhammed verschwagert, indem seine Frau Cureiba, die Tochter des Abu Omeija ben el-Mugira el-Machzurm, eine Schwester der Umm Salima, Muhammeds Frau, war. Er hatte von ihr zwei Sohne, Jazid und Abdallah.

3. Jazid ben Zam'a stand in Mekka in hohem Ansehen; so oft sich die Kureisch zu einer Berathung versammelten, uberliessen sie ihm die Entscheidung, wenn er ein Unternehmen billigte, so schwieg er still, wenn er es missbilligte, legte er sein Veto ein. Er wandte sich aber Muhammed zu, nahm frühzeitig den Islam an und war unter denen, die nach Habessinien auswanderten. Nachdem er von dort nach der Einnahme von Chaibar zuruckgekehrt war, nahm er an den Feldzugen Muhammeds Theil und er fiel bei Hunein, da er sein storriges Pferd nicht zugeln und sich desshalb nicht vertheidigen konnte, so dass er getodtet wurde. Nach anderen blieb er schon in der Schlacht bei el-Taif. Ibn el-Atfdr V. 110. Ibn Hischam vergl. Register. Nawawi pag. 635.

4. Abdallah ben Zam'a, einer der angesehensten Kureischiten, war fruhzeitig der Lehre Muhammeds beigetreten und versah das Amt, Fremde bei ihm einzufuhren. Er wurde bei der Ermordung 'Othmans an dessen Seite getodtet. Ibn el-Athlr III. 164. Dass seine Frau Zeinab hiess, erfahren wir aus dem nachstfolgenden Gedichte, worin sein Sohn Abu 'Obeida als Ibn Zeinab bezeichnet wird. — Sein Sohn

5. Jazid ben Abdallah fiel in der Schlacht von el-Harra (Harra Wakim) bei Medina im J. 63 durch Muslim ben 'Ocba el-Murri. Ibn el-Athir III. 165.

6. Abu 'Obeida ben Abdallah wohnte auf den Besitzungen des Abdallah ben Hasan ben Hasan ben 'Ali in Cafar (oder el-Dhafir), einem der rothen Berge von Malal im Thale Farsch in der Nahe von Medina, da seine Tochter Hind mit Abdallah verheirathet war; sie hatte ihm zwei Sohne, Muhammed und Ibralnm, geboren. Einst hatte der Statthalter von Medina Ibrahim ben Hischam sein gleichfalls in der Nahe von Malal liegendes Landgut besucht und bei der Ruckkehr sagte er zu seiner Begleitung: wir wollen doch einmal bei Abu 'Obeida vorsprechen und ihn uberraschen, um zu sehen, ob er geizig ist. Als sie nun plotzlich ankamen, hiess sie Abu 'Obeida willkommen und lud sie ein, bei ihm einzukehren, worauf Ibrahim entgegnete: wenn es nicht zulange dauert, sonst will ich mich nicht aufhalten. —• Wenn du mit dem vorlieb nehmen willst, was ich dir und deinem Gefolge in der Eile vorsetzen kann; ich will aber gleich noch mehr schlachten lassen. — Nicht doch! erwiederte Ibrahim und wollte schon umkehren, aber Abu 'Obeida wiederholte: verweile nur einen Augenblick, — und da wurden bereits siebzig Behalter mit Hammelskopfen und eine Menge anderer in der Eile zubereiteter Speisen aufgetragen und er fing an noch mehr zu schlachten. Voll Verwunderung sagte Ibrahim: ihr seht, er muss doch in einer Nacht so viel Schafe, als dies Kopfe sind, geschlachtet haben. — Der Dichter Muhammed ben Baschir el-Chari'gl lebte als bestandiger Gast bei Abu 'Obeida und hatte von ihm Winter und Sommer fur sich und seine ganze Familie seinen Unterhalt. Als nun Abu 'Obeida starb und seine Tochter Hind in heftige Wehklagen ausbrach, ging ihr Mann Abdallah zu Muhammed ben Baschir um ihn herbeizuholen, dass er sie durch seine Zusprache troste; der Tod musste wohl erwartet sein, denn Muhammed sagte: ich habe schon etwas ausgedacht; und indem er zu Hind eintrat, recitirte er folgendes Klagelied: O du, der du fruh Morgens die Nachricht vom Tode des Ibn Zeinab bringst, du verkundest den Tod eines Mannes, der den Kreislauf des Schicksals erfahren hat. Ich sprach zu ihm, wahrend meine Thranen (flossen) gleich wie Perlen, die von ihrem Faden herabrollen: Wahrhaftig! nun ist es vorbei mit der gastlichen Bewirthung innerhalb Farsch, sobald das Grab dich bedeckt hat. Wenn sie fruh kommen, rufen sie nur noch deinem Leichnam zu, der rings von Steinplatten umgeben ist, wahrend der leichte Sand vom Winde bewegt wird. Am Abend rufen sie dem Abgeschiedenen nach, bis die seufzenden Athemzuge der Brust aufhoren. Steh' auf! schlag deine Augen, o Hind! du siehst einen Vater wie ihn nicht mehr, dem solche Ehre erzeigt wurde. Du konntest, wenn du um die Ehre streiten wolltest, einen Vater loben, der eine Zierde war, wie die Armspangen die beiden Hande zieren. Wenn du ihn jetzt beklagst, wirst du durch die Klage uber ihn deinen Schmerz lindern, oder von anderen nachsichtig beurtheilt werden. Lange Nachte werden dich in Trauer lassen und voruber sind jetzt in el-Earsch die nur zu kurzen Freudennachte. So moge er dich einen Gott finden lassen, der aus Erbarmen die Sunde vergiebt, wenn am Tage der Rechenschaft die Geheimnisse untersucht werden. Wohl wissen die Leute, dass seine Tochter wahrhaftig sind, wenn sie klagend ihn loben, oder dass sie noch zu wenig sagen. Wenn der Sohn 1) des „Reisebedarfs" Abends nicht heimkehrt nach Kafa-Cafar, wird kein Besucher mehr sich el-Farsch nahern 2). Als er geendigt hatte, fingen Hind und ihre Dienerinnen nur noch mehr an zu klagen und Muhammed selbst musste mit ihnen weinen; da sprach Abdallah zu ihm: habe ich dich deshalb gerufen? er erwiederte: glaubst du, dass ich sie uber den Verlust des Abu 'Obeida trosten konnte? bei Gott! mich wird Niemand uber ihn beruhigen, ich weiss mich selbst nicht zu trosten, wie sollte einer sie beruhigen, der sich selbst nicht beruhigen kann.

1) richtiger: der Enkel.

2) Nach den verschiedenen Recensionen, die sich einander erganzen, scheint mir dies die passendste Reihenfolge der Verse zu sein. Agani XIV. 157. Beiert pag. 534. Jacut III. 875. Ilamdsa pag. 464. Die fruheren Ubersetzer de Sacy, Freytag, BucJcert, welche nicht erkannten, dass hier Ortsnamen vorkommen, haben einen sehr geschraubten Sinn herausgebracht.

7. Zu den Nachkommen des Abdallah ben Zam'a gehort Abul-Bachtari Wahb ben Wahb ben Wahb ben Kathir ben Abdallah. Seine Mutter 'Obda bint 'AH ben Jazid ben Rukana hatte sich nach dem Tode seines Vaters wieder verheirathet mit Ga'far el-Cadic (gest. im J. 148), wodurch der junge Abul-Bachtari mit diesem in nahere Verbindung gekommen war, so dass er von ihm, ebenso wie von Hischam ben 'Orwa (VII, 64) und anderen, manche Uberlieferung von Muhammed horte, welche er wieder weiter erzahlte. Indess wird seine Autoritat in diesem Stucke nicht sehr hoch gehalten, da man ihm schuld giebt, er habe Traditionen selbst erfunden oder entstellt. Er kam von Medina nach Bagdad zur Zeit des Cbalifen Harun el-Raschid , welcher ihn nach dem Tode des Cadhi Abu Jusuf Ja'cub ben Ibrahim el-Hanefi im J. 182 zum Cadhi des westlichen Stadttheiles von Bagdad, 'Askar el-Mahdi, ernannte. Spater wurde er von diesem Posten wieder enthoben und Harun schickte ihn an die Stelle des Cadhi Bakkar ben Abdallah (VII, 43) nach Medina, wo er das Justiz- und Kriegs-Departement verwaltete, und als er hier wieder entlassen wurde, kehrte er nach Bagdad zuruck und starb dort im J. 200. Seine historischen und genealogischen Schriften sind von den spateren sehr hoch geschatzt und viel benutzt. Ibn Coteiba pag. 258. Ibn Challikan vit. No. 796.

8. Habbar ben el-Aswad war ein heftiger Gegner Muhammeds. Abul-'Aci ben el-Rabf, der Schwiegersohn Muhammeds, war bei Badr, wo er gegen ihn focht, gefangen genommen und nach Medina gebracht; Muhammed stellte fur seine Freilassung die Bedingung, dass er sich von seiner Frau Zeinab scheiden und fur ihre ungehinderte Abreise von Mekka sorgen solle und ihr Schwager Kinana ben el-Rabf Hess sich bereit finden, sie nach Medina zu begleiten. Als einige Manner ihre Abreise von Mekka erfuhren, waren sie daruber sehr aufgebracht, sie eilten ihnen nach und Habbar war der erste, der sie bei l)su Tawan einholte, und er versetzte der Zeinab einen so derben Schlag mit der Lanze, dass sie auf der Stelle eine Fehlgeburt hatte. Desshalb sprach Muhammed gegen ihn den Fluch aus, dass er seinen Sohn verlieren und erblinden mochte, was auch erfolgt sein soll. Ibn Doreid pag. 59. Wenn dies nicht eine Verwechselung mit seinem Vater ist, so kann dies Schicksal ihn erst in spateren Jahren betroffen haben, denn wir finden ihn noch bei der Einnahme von Mekka unter den Proscribirten, indess wurde er begnadigt und er bekehrte sich zum Islam, worauf ihm Muhammed die Zeinab als Frau wiedergab. — Auf der Hochzeit seiner nicht mit Namen genannten Tochter nahm Habbur eine Pfanne und einen Kessel und schlug darauf wie auf Pauken, und als Muhammed den Larm horte und den Grund davon erfuhr, sagte er: das ist eine ordentliche Verheirathung, keine Buhlerwirthschaft. So erzahlte es sein Sohn Abdallah ben Habbar, wie er es von seinem Vater gehort hatte. Ibn Hischam pag. 467. Nawawl pag. 604. Ibn rt-Athtr V. 53.

9. Die Schwester des Habbar, Fachita bint el-Aswad, war mit Omeija ben Chalaf verheirathet; da sie sich zu dem Theile ihrer Familie hielt, welcher Muhammed anerkannte, wahrend Omeija einer der entschiedensten Gegner desselben war, so war dies Grund genug, dass sie sich von ihm trennte und sie heirathete ihren Stiefsohn Qafwan ben Omeija. Ibn el-AtMr V. 515. Ibn Hagar IV. 718.

10. Abu Hubeisch Keis ben el-Aswad hatte eine Tochter, Fatima bint Abu Hubeisch, welche in den Traditionswerken erwahnt wird, indem sie an Muhammed eine ihren Zustand betreffende Frage in Bezug auf das Gebet richtete, die er beantwortete. Bokhari par Krehl I. 89. Nawawi pag. 852. Ibn el-AtMr V. 518. Ibn Hagar IV. 733.

 

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