Gottes Attribute

Inhaltsverzeichnis

Gott und seine Attribute

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Lektionen in der Islamischen Doktrin - Buch I

Frei übersetzt unter Aufsicht Von Dr. Mohammad Razavi Rad - übersetzt von A. Malik

L6 - Die Welt braucht den, der niemanden braucht

Das Prinzip der Kausalität ist ein generelles und universelles Gesetz und eine Basis für alle Bemühungen des Menschen bei seiner Wissenserweiterung und bei seinen gewohnheitsbedingten Aktivitäten. Das Streben der Gelehrten, die Ursache eines jedes Phänomens zu enthüllen, sei es natürlicher oder sozialer Art, erwächst aus dem Glauben, dass kein Phänomen sich selbst zum Ursprung hat, das heißt, ganz ohne den Einfluss anderer Ursachen und Faktoren besteht.

Die Forschungen der Denker der Welt haben Gelehrte dazu gebracht, die mächtige Ordnung der Natur besser zu verstehen. Je weiter sie auf diesem Weg des Wissens voranschreiten, umso stärker sind sie vom Prinzip der Kausalität überzeugt. Die Verbindung zwischen Ursache und Wirkung und das Prinzip, dass kein Phänomen ohne eine Ursache geschehen kann, sind die wichtigsten Deduktionen, die man gemacht hat und zählen zu den unentbehrlichen Konditionen für intellektuelle Aktivität. Sie repräsentieren etwas Natürliches und Ursprüngliches, was ganz automatisch in unserem Denken assimiliert ist.

Selbst der urzeitliche Mensch hatte den Hang dazu gehabt, den Ursachen der Phänomene auf den Grund zu gehen und die Philosophen kamen durch das Betrachten der Natur zu dem Schluss, dass es Kausalität gibt. So ist sie als Disposition im Menschen verankert, noch bevor Gelehrsame diese Erkenntnis in eine philosophische Form brachten. Gefangen in den vier Wänden der Materie widerfährt uns nie etwas Zufälliges im Leben, das heißt, noch nie ist jemandem etwas widerfahren, was nicht eine Ursache gehabt hätte. Wäre dies der Fall, wir hätten einen Grund zur Behauptung, das Universum entstamme einem Zufall oder war ein Unfall. Wäre dies nicht der Fall, hätten wir eine Entschuldigung dafür, das Universum als Zufallsprodukt zu betrachten. Was für ein Zufall muss das sein, der von den Anfängen der Existenzgeschichte bis hin zur Gegenwart auf so wunderbare, präzise und ordentliche Art und Weise die endlosen Interaktionen aller Dinge geleitet hat? Kann die Ordnung, die wir durch Nachdenken wahrnehmen, ein reiner Zufall sein?

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Jedes vorstellbare Phänomen im Universum war in die Dunkelheit des Nicht-Seins eingetaucht bevor es sich zu einer Existenz formte. Es konnte nicht aus der Dunkelheit des Nicht-Seins hervorstechen und auf der Ebene des Seins als existentes Ding voranschreiten, solange nicht die machtvolle Hand der Kausalität zu arbeiten begann.

Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung ist die Beziehung zwischen zwei existierenden Dingen, insofern, als das die Existenz des einen abhängig ist von der Existenz des anderen. Jede Wirkung hat eine Beziehung der Affinität und Harmonie mit seiner Ursache, da die Wirkung ihre Existenz aus der Ursache herleitet. Dieser spezifische Zusammenhang kann weder zerstört werden noch durch etwas Anderes ersetzt werden.

Wenn man das Wesen einer Sache betrachtet, welches eine identische Beziehung zum Sein als auch zum Nicht-Sein hat, ist keins der beiden aus rationaler Sicht essenziell. Jedes Ding ist im technischen Sinne als „Kontingent“ bestimmt, in dem Sinne, dass nichts, weder Sein noch Nicht-Sein, in seinem Wesen erforderlich ist. Wenn eine Sache in seiner eigenen Essenz bzw. Wesen ein Nicht-Sein benötigt, dann ist seine Existenz unmöglich. Schließlich, wenn das Sein aus der Essenz einer Sache auftaucht, in einer Weise, dass die Vernunft es als unabhängig von irgendetwas halten kann, so ist die Existenz dieser Sache notwendig. Es ist dann eine unabhängige Sache, frei von allen Bedürfnissen, bestehend durch seine eigene Essenz. Seine Existenz ist die Quelle aller anderen Dinge, während es selbst keiner Bedingung unterworfen ist und nichts bedarf.

Es sollte ergänzt werden, dass die materielle Existenz in keinerlei Weise das Attribut „notwendig“ bekommen kann, weil die Existenz einer zusammengesetzten, materiellen Entität durch die Teile bedingt ist, die es umfasst. Sie ist bezüglich ihrer Herkunft und bezüglich ihres Überlebens abhängig von ihren eigenen Teilen.

Materie hat verschiedene Aspekte und Dimensionen, sie ist in Quantität eingetaucht und sie erwirbt seine zahlreichen Dimensionen mittels Attribute und Merkmale. Ein notwendiges Sein ist frei von diesen Eigenschaften.

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Alle Phänomene, die einst nicht existierten und dann ins Sein kamen, haben einmal abstrakte Ahnungen vom Sein und Nicht-Sein besessen. Als sie zum Punkt ihrer Existenz eilten, war dies das Ergebnis einer Ursache, die sie in diese Richtung drängte. Es war ein Anstoß durch einen externen Faktor, der sie diesen und keinen anderen Weg gehen ließ. Mit anderen Worten, die Existenz einer Ursache war das Mittel zum Sein, so wie die Nicht-Existenz oder Abwesenheit einer Ursache das Mittel zum Nicht-Sein ist.

Natürlich verliert ein Phänomen, welches durch die Existenz einer Ursache ins Sein gelangt, niemals seine Bedürftigkeit, es wird dadurch charakterisiert bleiben, dass es etwas benötigt, um selbst zu sein. Aus diesem Grund ist die Notwendigkeit einer Ursache für ein Phänomen eine permanente und unlösbare Angelegenheit. Seine Beziehung mit der Ursache wird nicht einen Augenblick von Trennung gekennzeichnet sein. Würde die Beziehung aufgelöst werden, die Existenz eines Phänomens würde sofort die Nicht-Existenz bedeuten, so wie alle Lampen augenblicklich ausgehen, wenn man die Stromversorgung unterbricht. Aus diesem Grund stehen die Ursache und die Wirkung sowie die Unabhängigkeit und die Abhängigkeit vom Bedarf, immer in einer dauernden Beziehung zueinander. Würde die Beziehung getrennt werden, nichts würde mehr sein, außer Dunkelheit und Nicht-Sein.

Auf diese Weise manifestiert sich kein Phänomen auf der Welt, solange sich nicht eine Kraft ihrer annimmt, durch Einen, dessen Essenz frei von jeglicher Bedürftigkeit ist und der Selbst die Quelle ist, aus der alles Seiende hervorsprudelt. Wäre das Sein in dem Wesen der Phänomene inhärent, sie würden nie dem Pfad des Endes und des Nicht-Seins folgen. Aber es ist das Brauchen von etwas, was den Essenzen der Phänomene eigen ist, sodass sogar nachdem das Sein in der Ordnung der Welt geschaffen ist, die Attribute der Bedürftigkeit unter allen Umständen bestehen bleiben. Sie sind nie frei von einer Ursache. Es ist unmöglich, dass eine Wirkung eine unabhängige Existenz hat oder seine Existenz auch nur für Momente fortbesteht, ohne dass sie von einer Ursache abhängt.

Es wird also offensichtlich, dass alle Phänomene – alle zusammengesetzten Existenzformen – zu jeder Zeit und in jedem Moment ihre Existenz von einer unendlichen Essenz ableiten, die allem ihr Sein schenkt. Dieses notwendige Sein, der einzigartige und allmächtige Schöpfer ist die Macht und die Kraft, die es dem Sein erlaubt, überhaupt erst Zutage zu treten und existent zu bleiben.

Der noble Koran sagt: „Und dass Er allein reich und arm macht (gibt und nimmt).“ (Vgl. Koran: Sure 53, Vers 48), „ Oh ihr Menschen, ihr seid Bedürftige Gottes, aber Gott ist der Sich Selbst Genügende, der Preiswürdige.“ (Vgl. Koran: Sure 35, Vers 15)

Von Beachtung ist in diesem Zusammenhang auch die Rede: „Sind sie wohl aus nichts erschaffen worden, oder sind sie gar selbst die Schöpfer? Schufen sie die Himmel und die Erde? Nein, aber sie haben keine Gewissheit“(Vgl. Koran: Sure 52, Vers 35-36), „Haben sie einen Gott statt Gott? Hoch erhaben ist Gott über all das, was sie anbeten!“ (Vgl. Koran: Sure 52, Vers 43), „Segensreich ist der, in Dessen Hand die Herrschaft ist; und Er vermag alle Dinge zu tun“ (Vgl. Koran: Sure 67, Vers 1)

Die Quelle allen Seins hat keinen Ursprung

Die Anhänger des Materialismus zollen dem Grundsatz, dass Gott nicht abhängig von einer Ursache ist, sehr viel kritische Aufmerksamkeit. Sie sagen, wenn wir annehmen würden, Gott wäre der Ursprung der Welt und der Schöpfer der Existenzen, alle Phänomene würden sich von ihm ableiten lassen, warum ist Er dann ohne Ursache und frei von Abhängigkeit von dem, was Ihn erschaffen haben könnte. Was war die Ursache für seine Existenz?

In einem Vortrag bei der Londoner „Atheist Society“ sagte der bekannte Schriftsteller, Bertrand Russell: „Als ich 18 Jahre war, habe ich die Biografie von John Stuart Mill gelesen. Mill schreibt, dass er einmal seinen Vater fragte, wer ihn denn erschaffen habe und der Vater konnte darauf nicht antworten.“ Der Grund für sein Schweigen war die zweite Frage, die Mill gleich hinterher warf und die lautete: Wer hat Gott erschaffen?

Russell erzählt weiter: „Ich bin überzeugt, dass der simple Satz die Sophisterei der primären Ursache zeigt. Denn wenn alles einen Grund und eine Ursache hat, so muss dies auch für Gott gelten. Wenn aber das Gegenteil der Fall ist und etwas ohne Grund und Ursache existieren kann, sei es Gott oder die Welt, so wird die ganze Diskussion bedeutungslos.“[13]

Bedauerlicherweise haben bestimmte westliche Philosophen, die an der Existenz Gottes festhalten, es nicht geschafft, dieses Problem zu lösen. Der englische Philosoph Herbert Spencer hat dazu folgendes gesagt: „Das Problem ist, dass der menschliche Verstand auf der einen Seite für alles einen Grund sucht und auf der anderen Seite alle Weltlichkeit ablehnt. Er kann eine nicht hervorgerufene Ursache weder wahrnehmen noch erfassen. Wenn der Priester dem Kind erzählt, Gott schuf die Welt, so fragt das Kind: Und wer schuf Gott?“[14]

Woanders sagt er: „Der Materialist versucht sich selbst von einer Welt zu überzeugen, die ewig in sich und ohne Ursache durch sich existiert. Wir können jedoch nicht an etwas glauben, was weder einen Anfang noch eine Ursache hat. Die Theologen machen einen Schritt zurück, wenn sie sagen, Gott hat die Welt geschaffen. Aber das Kind stellt die unbeantwortbare Frage, wer schuf Gott.“[15]

Wir können genau die gleiche Frage auch an die Materialisten stellen, „Wenn wir die Kette der Kausalität zurück verfolgen, werden wir irgendwann auf die erste Ursache stoßen. Sagen wir, diese Ursache sei nicht Gott, sondern Materie. Wer schuf die erste Materie? Ihr, die ihr an das Gesetz der Kausalität glaubt, ntwortet uns: Wenn es die Materie ist, durch die alles entstand, wer hat dann die Materie erschaffen? Ihr sagt, die Quelle aller Phänomene sei die Energie der Materie?“

Da die Kette der Kausalität nicht ins Unendliche zurückgehen kann, können sie nur antworten, dass Materie eine ewige und zeitlose Entität sei, für die es keinen Beginn gibt: Materie ist nicht erschaffen, hat keinen Anfang oder Ende und seine Existenz kommt aus ihrer eigenen Natur heraus.

Russell ist ganz offen dieser Ansicht, wie aus dem zitierten Vortrag ersichtlich wird. Er sagt: „Es gibt keinen Beweis dafür, dass die Welt einen Anfang hatte. Die Idee, dass die Dinge irgendwann einmal begonnen haben müssen, ist ein Resultat der Armut unserer Vorstellungskraft.“[16]

So wie Russell die Materie für ewig hält, sehen die Gläubigen in Gott das Attribut der Ewigkeit. Der Glaube an ein ewiges Sein ist also etwas, was Materialisten und religiöse Philosophen gemeinsam haben. Beide Gruppen sind sich einig, dass es eine erste Ursache gibt, nur dass die Gläubigen diese für weise und allwissend halten, die mit Willen und Entscheidungskraft ausgestattet ist, wogegen aus der Sicht der Materialisten diese erste Ursache weder Bewusstsein, Intelligenz noch Wahrnehmung besitzt und auch keine Entscheidungskraft. Daher wird durch das Entfernen Gottes in keinerlei Weise das Problem gelöst, welches sich durch das ewige Sein stellt.

Außerdem ist Materie der Ort für Bewegung, aber auch Veränderung und seine Bewegung ist dynamisch und in seiner Essenz enthalten. Essenzielle Bewegung aber ist nicht mit der Ewigkeit vereinbar und Materie und essenzielle Stabilität sind beide unterschiedliche Kategorien, die nicht an einem Ort miteinander vereinbar sind. Was immer stabil und unveränderlich in seiner Essenz ist, kann nicht Bewegung und Veränderung in seiner Essenz besitzen.

Wie können Marxisten, die glauben, Materie würde von ihrer Antithese begleitet, die Ewigkeit der Materie rechtfertigen? Ewigkeit bedeutet Stabilität und Unveränderlichkeit der Essenz, die Unmöglichkeit zu enden, aber Materie ist in ihrem Wesen ein Kompendium von Kräften und Potentialen, völlig gefangen im Leben und im Sterben.

Die Ewigkeit ist unvereinbar mit der besitzergreifenden Natur der Materie und ihrem Wesen innewohnenden Attributen und Faktoren. Der Glaube jener, die an Gott glauben, ist verknüpft mit Seiner Existenz, die im Sinne eines festen und absoluten Prinzips an sich und durch sich Stabilität und Absolutheit verkörpert. Seine Natur ist völlig frei von den Eigenschaften der Materie. Die Natur der Materie lehnt Permanenz, Ewigkeit und Kontinuität ab, weil sie nicht von der Bewegung und Relativität getrennt werden kann und sie verhält sich der hauptsächlichen bzw. der absolutem Macht gegenüber gegensätzlich.

In diesem Zusammenhang ist die Diskussion von Imam Jaafar Sadiq (Friede sei mit ihm) interessant, der mit den Materialisten seiner Zeit disputiert. Der Materialist sagte: „Woraus bestehen Existenzen?“

Der Imam: „Sie wurden aus dem nichts erschaffen (sie waren ursprünglich nicht-seiend).“

Der Materialist: „Wie sind sie dann aus dem Nicht-Sein herausgekommen?“

Der Imam: „Habe ich nicht gesagt, dass alle Dinge aus dem Nichts geschaffen wurden? Alle Dinge waren ursprünglich nicht-seiend, sie waren nicht-existent und dann wurden sie seiend. Du möchtest sagen, die Welt sei ewig, aber diese Annahme ist aus den folgenden Gründen nicht korrekt:

Erstens, wäre die materielle Welt ewig, müsste daraus folgen, dass ewiges Sein der Veränderung und dem Ende unterworfen wäre, was unmöglich ist.

Zweitens, wären die Elemente, welche die Welt ausmachen, ihrem Wesen und ihrer Essenz nach ewig, wie kann es dann sein, dass sie der Tod und das Verschwinden umfasst? Wenn andererseits das Lebendige nicht Teil ihres Wesens ist, wie kann aus ihnen dann Leben hervorkommen?"

Der Materialist: „Wenn Materie so ist wie du behauptest, warum sagt man, dass Sein ewig sei?“

Der Imam: „Der Glaube an die Ewigkeit des Universums wird von jenen aufrecht erhalten, welche die Existenz eines Herrschers und Planers der Schöpfung verneinen und die auch die Gesandten Gottes zurückweisen. Jene halten auch die Bücher der Gesandten für Fabeln des Altertums und sie basteln neue Glaubensformen zusammen, die ihnen selbst gefallen.“[17]

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Wir sagen, dass die Existenz einer Sache ohne Ursache nicht möglich ist. Das Schicksal einer Sache liegt immer in der Hand der verursachenden Quelle und ihr bestehen ist von dieser Ursache abhängig. Dies gilt nicht für ein Sein, dass seiner selbst bewusst ist und welches keinen Defekt aufweist noch Grenzen hat.

Die erste Ursache ist die Hauptursache, die perfektes und grenzenloses Sein besitzt, kein Sein, was irgendwelcher Mittel bedarf, ist frei von Bedürftigkeit, Konditionen und Abhängigkeiten und es enthält keine Spur der Wandlungsfähigkeit oder Veränderung.

Wenn wir von der ersten Ursache sprechen und gleichzeitig erklären, Gott sei frei von jeglicher Ursache, so heißt das nicht, dass er den Bedarf nach einer Ursache hätte, gleich allen anderen Existenzformen auch, und nur aufgrund einer Ausnahme seitens der Kausalität ohne diese Ursache auskäme. Gott ist keine Wirkung, als dass Er eine Ursache bräuchte. Er ist kein Phänomen, als dass Er einen Schöpfer benötigte. Ganz im Gegenteil, alle Manifestationen und Phänomene des Seins beruhen auf Ihm, der ewigen Quelle allen Seins. Das Gesetz der Kausalität gilt allein für die Dinge, deren Existenz eine Nicht-Existenz vorausging.

Ebenso bedeutet die erste Ursache nicht, dass Gott sich selbst erschuf, bzw. dass Er seine eigene Ursache war. Das Brauchen einer Ursache für eine Wirkung liegt in der Art der abhängigen Existenz begründet. Es existiert nicht, weil es dem Wesen nach zu sein hat, sondern als Ergebnis der Abhängigkeit von anderen Existenzen, die als Ursache dienen. Aber ein Sein, dessen Natur keiner Voraussetzung unterworfen ist, kann völlig unberührt von den Sphären bestehen, in denen das Gesetz der Kausalität operiert.

Wenn ein Sein durch seine Perfektion und dem Frei-Sein von jeglicher Bedürftigkeit, ohne Ursprung bestehen kann, so folgt daraus, das es durch keine Ursache fixiert ist und keine Ursache eingreifen kann.

Die Kette der Kausalität kann nicht bis ins Unendliche rückwärts verfolgt werden und eine Abwesenheit der Verbindung ist bereits im Konzept der ersten Ursache inhärent. Die Frage „Was hat die erste Ursache hervorgebracht?“ entsteht somit nicht. Solche Fragen gelten nur für die Ursprünge der Phänomene und deren Abhängigkeit.

Die Existenz der ersten Ursache ist identisch mit ihrem Wesen, ihrer Essenz, deren Wesen auch ist, die erste Ursache zu sein. Diese beiden Eigenschaften implizieren das Frei-Sein von Bedürftigkeit, wohingegen Dinge, deren Existenz „geliehen“ ist, einer Ursache bedürfen, weil Transformation und Veränderung sie charakterisieren, sobald sie aus dem Nicht-Sein das Sein betreten.

Wie kann man annehmen, der Glaube an Gott sei die Akzeptanz des Widersprüchlichen, wogegen der Glaube an eine nicht verursachte Natur, mit einer Wirkung wie es die Materie ist, nicht kontradiktorisch sei?

Wir leben in einer Welt, wo alle Dinge der Veränderung und der Zerstörung ausgesetzt sind. Es ist das Merkmal der Unbeständigkeit, Unterwerfung und Verschuldung in jedem dieser Partikel eingeprägt. Bedürftigkeit und Abhängigkeit sind in den Tiefen unseres Seins und in allem anderen auf der Erde und im Himmel fest verankert. Unsere Existenz ist nicht ewig und ist nicht durch unsere Essenz hervorgekommen. Wir waren nicht und sind danach in das Gewand der Existenz eingekleidet worden und ins Sein gekommen. Um in das Sein zu gelangen, müssen Geschöpfe wie wir flehentlich nach dem Gebenden greifen, der Existenz gibt.

Aber Jener, der ewig und immer während ist, dessen Existenz aus seiner eigenen Essenz hervorkommt und dessen Erscheinen außerhalb der Zeit ist, hat offenkundig keinen Ursprung nötig.

Die Bedeutung einer Ursache ist in der Philosophie das, was eine Wirkung aus der Nicht-Existenz in die Existenz bringt, damit diese so die Kleidung der Existenz anlegen kann. Diese Kreativität kann nicht für materielle Ursachen postuliert werden, und die einzige Rolle der Materie ist das Verlassen einer Form, um in eine andere überzugehen.

Es ist wahr, dass jedes materielle Sein in jedem Moment einen neuen Charakter als Ergebnis seiner internen Entwicklung bekommt. Die innewohnende Bewegung der Welt und die Vorgänge von Generierung und Korruption bestätigen den Bedarf nach einer Hand, welche die Bewegung schafft, eine Hand, welche die schnelle Karawane des Seins fördert und diese voranbringt.

[13] Russel, „Warum ich kein Christ bin“

[14] Zitiert von Furughi, „Sayr-i Hikmat dar Urupa", Band III

[15] Will Durant, „Die Geschichte der Philosophie“, Band II

[16] Russel, „Warum ich kein Christ bin“

[17] “Bihar Al-Anwar”

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