Imam Khamene'i

Imam Khamene'i

Das Leben des Imam-ul-Umma Ayatollah-ul-Uzma Seyyed Ali Al-Husaini Al-Khamene'i

Yavuz Özoguz

mehr zum Thema siehe Imam Chamene'i

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Imam Khamene'i - Inhaltsverzeichnis

Das politische Leben

Die zahllosen politischen Entscheidungen und revolutionären Anweisungen von Imam Khamene'i sind nicht Gegenstand dieses Buches und würden den Rahmen dieses kurzen Lebens­berichtes sprengen. Zudem ist eine Trennung von politischen und religiösen Aussagen im Islam ohnehin nicht möglich. Hier sollen nur einige Aussagen und Ereignisse wiedergegeben werden, die mir aufgrund ihrer Besonderheit in bleibender Erinnerung geblieben sind.

Zunächst aber sind zwei wichtige Eigenschaften von Imam Khamene'i zu erwähnen; erstens: Sein starkes Gedächtnis. Imam Khamene'i kennt nicht nur die wichtigsten Ereignisse und Personen der Weltpolitik der letzten 40 Jahre und verfügt somit über eine immense Wissensbasis, er kennt auch alle Strömungen und politischen Leitlinien in den islamischen Län­dern. Vor allem kennt er jeden Politiker und jede Persönlich­keit des letzten Jahrhunderts im Iran. Selbst von "einfachen" Leuten behält er Jahrzehntelang sehr gewöhnliche Ereignisse im Gedächtnis, dass es einen zum Staunen bringt. Zweitens: Sein besonnenes und gerechtes Verhalten, selbst gegenüber den Feinden. Bei seinen hunderten öffentlichen Reden und über zweihundert Freitagsansprachen hat man noch nie erlebt, dass er etwas übertreibt, jemanden mit unanständigen Wörtern be­schimpft, sich selbst lobt, seine Gegner persönlich angreift und beleidigt, falsche Aussagen macht oder seine Zuhörer gar an­lügt. Selbst während des Krieges und in der schwierigsten Zeit der Islamischen Revolution hat er das Maß der islamischen Gebote nie überschritten. Seine wirkungsvollen Aussagen haben immerzu nicht nur seine Anhänger beeindruckt, sondern auch seine Gegner in Erstaunen versetzt.

Ein sehr lange nachwirkendes religiöses Dekret und ein Schrecken für die ganze westliche Welt war und ist die Fatwa von Imam Khomeini (r.) gegen den gotteslästernden Autor Ruschdie (siehe hierzu [14]). Viele im Westen hatten gehofft, dass mit dem Nachfolger Imam Khomeinis auch die Fatwa verschwinden würde. Aber Imam Khamene'i hatte schon sehr frühzeitig klar und unmissverständlich Stellung bezogen. Bei seiner Reise als Staatspräsident in das damalige Jugosla­wien (20.2.1989), besuchte er auch Sarajewo (21.2.1989). Dort wurde er von Hunderttausenden begeisterter Muslime emp­fangen. Von einem Reporter angesprochen auf das Urteil, antwortete er: "Der Todespfeil ist abgeschossen und geht unbe­irrt auf sein Ziel zu". Und auch bei seinem China-Besuch kurz danach, wobei er u.a. die Mio-Nio-Chieh Moschee in Bejing (Peking) besuchte (10. Mai 1989) bekräftigte er (am 12. Mai): "Die Kugel ist abgeschossen, sie trägt seinen Namen und wird früher oder später ihr Ziel erreichen". Und im Sommer 1995, als die westlichen Medien davon träumten, dass manche Regie­rungsmitglieder der Islamischen Republik Iran mit der Europäi­schen Union eine schriftlich fixierte Abschwächung der Fatwa (islamisches Rechtsgutachten) von Imam Khomeini (r.) aushandeln würden, ließ Imam Khamene'i die Aktion zum Erstaunen zahlreicher politischer Beobachter im letzten Moment schei­tern.

Trauriges Folgeereignis der Jugoslawienreise, der ersten Euro­pa­reise von Imam Khamene'i, ist der grausame und brutale Krieg der Serben mit westlicher und östlicher Hilfe gegen die Muslime. Fast könnte man denken, dass das muslimische Volk in Bosnien nicht nur für seinen Glauben, sondern insbesondere für seine Liebe zur islamischen Führung und seine Sympathie für die Islamische Revolution im Iran bestraft werden soll.

Während seiner Präsidentschaft hat Imam Khamene'i auch Pakistan, Indien, Libyen, Syrien, Algerien, Mozambique, An­gola, Tansania, Simbabwe, Rumänien, Nordkorea und, wie bereits erwähnt, China besucht. Es ist deutlich zu beobachten, dass in vielen Ländern bzw. Regionen Imam Khamene'is Worte von der Bevölkerungen mit Begeisterung aufgenommen wur­den, und seine Gespräche mit den Verantwortlichen wichtige Beiträge für politische Entwicklungen waren.

Bei seinem Besuch in Pakistan (13.-15. Januar 1986) war der Empfang durch das Volk so überwältigend, dass sich der dama­lige Staatspräsident Zia-ul-Haq offensichtlich unwohl fühlte, hatte er selbst doch nie eine solche Begeisterung von seinem Volk erfahren. Selbst die anwesenden westlichen Medienver­treter waren vom Empfang des Volkes für Imam Khamene'i überrascht. Und Imam Khamene'i bedankte sich nach seiner Rückkehr in den Iran öffentlich beim muslimischen Volk in Pakistan noch einmal für diesen herzlichen Empfang.

Kurz nach seinem Besuch in Rumänien (24.2.1989) wurden, sicherlich aufgrund seines Reiseberichtes, in iranischen Zeitun­gen[1] ungewohnt kritische Artikel über das damalige rumä­nische Regime unter Ceausescu veröffentlicht, was auf die politische Weitsicht Imam Khamene'is hindeutet.

Bei seinem Besuch in Tansania (16.1.1986) hielt Imam Kha­mene'i eine Rede über den Kampf gegen das damalige Apartheid-Regime im benachbarten Südafrika. Die Rede wurde live im Fernsehen ausgestrahlt. Anschließend reiste er nach Mo­zambique und Angola und bekräftigte seine Aussage, dass mit Entschlossenheit und Opferbereitschaft das Apartheid-Regime eines Tages bezwungen werden würde. Das Apartheid-Regime hat – Gott sei Dank – inzwischen abgedankt. Und die Apartheid in Südafrika existiert zumindest offiziell nicht mehr.

Bei Imam Khamene'is anschließendem Besuch in Simbabwe (20.1.1986) ereignete sich etwas für Staatsbesuche Außerge­wöhnliches, was seither mein persönliches Handeln und meine eigene Konsequenz wesentlich beeinflusst hat. Im offiziellen Wortlaut im Iran hieß es dazu nur: "Beide Seiten (Iran und Simbabwe) zeigten sich zufrieden mit dem Ausgang der Kon­sultationen. Ein technischer Fehler im Protokoll der beiden Länder konnte die allgemein positive Atmosphäre während der Gesprächsrunden in Simbabwe nicht beeinträchtigen. Staats­präsident Khamene'i war von der Teilnahme an einem offiziel­len Empfang zurückgetreten, da die Sitzordnung der teilneh­menden Damen sowie der Ausschank von Alkohol nicht dem Protokoll für den Empfang einer religiösen Persönlichkeit entsprach". Was hier als technischer Fehler bezeichnet wurde, war eine offene Provokation gegen Imam Khamene'i. Es war geplant, dass Frauen mit unpassender Kleidung und Schminke im Gesicht bei diesem Empfang teilnehmen und Alkohol ange­boten werden sollten. Jeder, der wie ich in der westlichen Welt irgendein Essen, eine Zeremonie oder einen Empfang mit offiziellem Charakter mitgemacht hat, weiß, dass derartige Veranstaltungen heutzutage immer mit Alkoholausschank ver­bunden sind, und dass dabei sehr oft dürftig bekleidete Frauen als Zierobjekte zur Schau gestellt werden. Das ist nicht nur in der westlichen Welt so, sondern auch in der östlichen und leider auch in manchen Ländern der Muslime. Imam Khamene'i brachte durch seinen Boykott klar zum Ausdruck, dass er zum einen die Verletzung der Menschenwürde der Frau durch die Präsentation ihrer weiblichen Reize entschieden ablehnt und die größte Sucht und Droge der westlichen Welt, den Alkohol, nicht als Selbstverständlichkeit hinnimmt, sondern diesem Übel aktiv entgegentritt.

Meine bisherige Praxis, bei derartigen Veranstaltungen meist gezwungenermaßen, wenn auch mit Unbehagen, teilzunehmen, wurde durch diese Nachricht schlagartig beendet. Wenn schon Imam Khamene'i keine Rücksicht auf andere Staatsoberhäupter nahm und, ohne zu zögern, Regierungschefs stehen ließ, um die islamischen Gebote einzuhalten, so gab es für mich keine weitere Rechtfertigung für meine bisherige Inkonsequenz ge­genüber viel niedrigeren Personen. Von vielen Geschwistern weiß ich, dass sie ähnlich beeindruckt waren. Einmal mehr verstanden wir die Notwendigkeit eines lebenden Vorbildes, und einmal mehr dankten wir Allah für dieses Vorbild, das er uns gegeben hat.

Einige Monate später war Imam Khamene'i noch einmal in Harare (1.-6. September 1986), um bei der 8. Vollver­samm­lung der Blockfreien Staaten die Islamische Republik Iran zu vertreten. Dort wurde er vom Gastgeber und von fast allen Staatsoberhäuptern, insbesondere von Fidel Castro (Kuba) und Muammar Ghaddafi (Libyen) mit großem Respekt und auch für die westlichen Fernsehleute unerwarteten Verehrung be­grüßt, so dass die Bilder mit erstaunten Kommentaren der westlichen Medien um die Welt gingen[2].

Bei allen seinen Reisen hatte Imam Khamene'i auch versucht, die Verantwortlichen der Länder über den wahren Charakter des zionistischen Regimes im besetzten Palästina aufzuklären. Der Tag, an dem weltweit gegen das Okkupanten-Regime (Israel) vom Palästina demonstriert wird, ist der von Imam Khomeini (r.) ausgerufene Tag von Al-Quds (Jerusalem) am jeweils letzten Freitag im Monat Ramadan. Die US-hörigen und damit den Zionisten dienenden arabischen Königtümer, und insbesondere das korrupte System der Saudis, versuchten immer wieder mit allen Mitteln die Demonstrationen und Ver­anstaltungen an diesem Tag zu unterdrücken. Eine ideale Gele­genheit hierzu schien im Jahr 1992 (1412 n. Hidschra, isla­mischer Zeitrechnung) gekommen zu sein, da hier das Fest des Fastenmonats gemäß der Vorhersage des Mondkalenders vor­aussichtlich an einem Samstag stattfinden würde. Die Saudis leiteten ohnehin den Ramadan immer vorzeitig ein und beende­ten ihn dementsprechend vorzeitig, um die Einheit der Musli­me zu unterwandern. In diesem Jahr sahen die Saudis ihre Chance gekommen, am letzten Freitag des Monats Ramadan vorzeitig das Fest in ihrem Land zu verkünden und somit jegli­che Veranstaltungen zu verhindern. Dieser Plan war Imam Khamene'i nicht entgangen, so dass er entgegen der Tradition den Quds-Tag um einen Freitag vorverlegte. So demonstrierten die Muslime ausnahmsweise bereits am vorletzten Freitag des Monats Ramadan, und der Plan der Saudis war wiederum vereitelt.

Einmal, ja einmal war Imam Khamene'i sogar in New York. Widerwillig musste die USA ihrem verhassten Feind die Ein­reise genehmigen, weil Imam Khamene'i als Staatspräsident der Islamischen Republik Iran zur UN-Vollversammlung anrei­ste. Imam Khamene'is legendäre Rede auf dem Podium der UN-Voll­ver­samm­lung am 22. September 1987 sollte zu einer seiner berühmtesten Reden werden [15]. Neben seiner klaren und deutlichen Darlegung der Ideale der Islamischen Revolu­tion prangerte Imam Khamene'i mitten in New York die welt­weiten Schandtaten der USA offen an. Noch am gleichen Tag hatten US-Schiffe den iranischen Handelsfrachter "Iran Ajr", der Mehl und Lebensmittel geladen hatte, mit Raketen be­schossen und mit dem Vorwurf gekapert, das Schiff würde angeblich Minen auslegen. Allerdings konnte die USA diese Lüge nie glaubhaft machen. Auf dem unbewaffneten Schiff starben mehrere Seeleute. Dazu hieß es in den westlichen Nachrichten nur lapidar: "Die Iran Ajr hat das Feuer nicht erwidert". Das wäre auch sonst ein Wunder für ein Schiff ohne Waffen. Imam Khamene'i drohte der USA mit Vergeltung für ihre nunmehr offene Unterstützung der irakischen Aggression am Persischen Golf. Die US-Vertreter in der UN-Voll­ver­samm­­lung verließen, erniedrigt durch diese offenen Worte, den Raum, und das US-Vertei­digungs­ministerium veranlasste nach dieser Rede die sofortige höchste Stufe der Alarm­bereitschaft ihrer Streitkräfte in der Region. Die dadurch ausgelöste ex­treme Nervosität der US-Streitkräfte konnte bereits am näch­sten Tag beobachtet werden: Ein F-14-Jagdflugzeug der US-Luftwaffe schoss bei einer als NATO-Manöver getarnten Übung über dem Mittelmeer ein eigenes Auf­klärungs­flugzeug des Typs RF 4C der US-Luftwaffe mit einer Luft-Luft-Rakete ab [16].

Imam Khomeini (r.) war immer, insbesondere in seinen letzten Jahren, sehr besorgt, wenn Imam Khamene'i auf eine Reise ging und sagte zu seinem Lieblingsschüler: "Wenn Sie auf Reisen gehen, dann werde ich unruhig, bis Sie zurückkommen, gehen Sie nicht so oft auf Reisen". Nach seiner Ernennung zum Imam-ul-Umma führte Imam Khamene'i mehrere Reisen in die verschiedenen Provinzen der Islamischen Republik Iran durch. Seine jüngste einwöchige Reise in die Nordprovinz Mazandaran (Mitte Oktober 1995) war eine unbeschreibliche Demonstration der innigsten Zuneigung zwischen den Musli­men und ihrem Imam. In allen Städten und Dörfern, die Imam Khamene'i besuchte, waren unzählige Menschen zur Begrü­ßung ihres Imams auf der Straße. Überall waren hunderttausen­de Männer und Frauen, Junge und Alte, Arme und Reiche, Schiiten und Sunniten mit Blumen in den Händen und Freu­dentränen in den Augen gekommen, um Imam Khamene'i zu begrüßen, um ihm zuzuhören und mit ihm zu sprechen. In jeder Stadt stand Imam Khamene'i bis zu acht Stunden dem Volk zur Verfügung, damit viele Einzelne mit ihm reden und erneut ihren Bei'a (Treueeid) bekräftigen konnten. Darüber hinaus besuchte Imam Khamene'i u.a. zahlreiche Ge­lehr­te, die von Imam Mahdi (a.) berichten konnten und erkundigte sich nach Botschaften des 12. Imams an ihn.

Eine alte Dame, Mutter eines Märtyrers gab dem Imam ein Tuch und sagte zu ihm: "Oh Herr! Das Tuch ist die Erinne­rung an meinen Schahid! Nehmen Sie es bitte in die Hand, damit es gesegnet wird", und Imam Khamene'i nahm das Tuch in die Hand. Aber er sagte zu der Frau: "Wenn ich das Tuch eines Schahid berühre, dann wird meine Hand gesegnet". Ein junger Mann brach zusammen, als er die verwundete Hand von Imam Khamene'i küssen wollte, da seine eigene Hand gesund war, aber er die seines Imams verwundet sah. Ein alter Mann umarmte seinen Imam so liebevoll und sagte: "Oh Herr, möge Allah uns alle opfern, aber Sie am Leben erhalten für den Islam und die Islamische Umma". Ein junges Mädchen sagte erschöpft mit Freudentränen in den Augen: "Mein lieber Imam, ich bin eine sehr lange Strecke aus unserem Dorf zu Fuß ge­kommen, um Sie einmal von Nahen zu sehen. Ich bin erschöpft, aber es hat sich gelohnt, und ich bin bereit für Sie mein gan­zes Leben barfuß zu laufen".

Diese und unzählige andere herzergreifende Momente wurden in Live-Sendungen vom iranischen Fernsehen übertragen. Lei­der sind die westlichen Medien nicht gewillt, eine einzige dieser Wahrheiten von und über Imam Khamene'i der Welt­öffentlichkeit zu übermitteln.

[1]  Siehe z.B. Kayhan 28.2.1989

[2] Die Beurteilung der Personen von Ghaddafi und Castro sind nicht Gegenstand dieses Buches.

 

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