Imam Khamene'i

Imam Khamene'i

Das Leben des Imam-ul-Umma Ayatollah-ul-Uzma Seyyed Ali Al-Husaini Al-Khamene'i

Yavuz Özoguz

mehr zum Thema siehe Imam Chamene'i

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Imam Khamene'i - Inhaltsverzeichnis

Vorbildhafter Ehemann und Vater

Während von den politischen Entscheidungen und Reden Imam Khamene'is zumindest einiges in den islamischen Medien berichtet wurde, wird über ihn als Privatperson so gut wie gar nichts geschrieben. Der Grund hierfür liegt insbesondere bei Imam Khamene'i selbst, der nicht möchte, dass über ihn be­richtet wird, was den Anschein einer Propaganda hätte. Darum bleibt uns seine eigene Persönlichkeit zunächst größtenteils unbekannt. Selbst bei seinen politischen und öffentlichen Re­den wird zumeist nur das Notwendigste oder ein Auszug der Rede in den iranischen Druck-Medien veröffentlicht. Aller­dings kann man auf Anfrage bei den Druck-Medien auch die vollständige Rede von Imam Khamene'i erhalten.

Wir, als außerhalb des Islamischen Staates lebende Mitglieder der islamischen Umma, wünschten uns aber eine ausführ­lichere Berichterstattung über Imam Khamene'i und auch Be­richte über sein vorbildliches Verhalten als Vater und Ehe­mann. Deshalb sollen im Folgenden einige Geschichten wie­dergeben werden, die mir hierzu von zuverlässigen Privatperso­nen, und insbesondere durch unseren Lehrer ermittelt und mitgeteilt wurden.

Imam Khamene'i ist seit 31 Jahren mit Mansura Khamene'i verheiratet und Vater von sechs Kindern. Er hat vier Söhne und zwei Töchter, der Älteste ist 29, die Jüngste 11 Jahre alt. Sie heißen (in Altersreihenfolge): Seyyid Mustafa, Seyyid Mudschtaba, Seyyid Masud, Seyyid Maitham, Seyyida Huda und Seyyida Buschra. Seyyid Mustafa ist bereits als Gelehrter bekannt. Über Seyyid Masud war zu erfahren, dass er einige Jahre nach der Revolution mit hervorragender Qur'an-Rezita­tion im iranischen Fernsehen aufgefallen ist.

Eines der Grundprinzipien Imam Khamene'is bei der Erziehung seiner Kinder ist, dass sie keinerlei Privilegien im Vergleich zum einfachen Volk genießen sollen. Diese Lebensart von ihm führte dazu, dass sogar seine Frau ihre Identität nicht offen legte, als sie mit einer Armverletzung ihres Sohnes ins Kranken­haus musste. Wie alle anderen, wartete auch sie mit ihrem verletzten Sohn in der Warteschlange. Aber in der Wartehalle befand sich auch eine Frau, welche die Ehefrau von Imam Khamene'i kannte. Sie beobachtete sehr aufmerksam, was geschah, und ihr verdanken wir es, dass diese Geschichte über­haupt veröffentlicht wurde:

Als der Sohn des Imams an der Reihe war, fragte der Arzt routinemäßig die Mutter nach dem Familiennamen des Kindes. Sie antwortete "Al-Husaini". Sicherlich war diese Antwort nicht falsch, aber es gibt so viele Al-Husainis, dass der Arzt aus dieser Antwort keinen besonderen Hinweis auf seinen Patien­ten erhielt. Die zweite Frage des Arztes war nach dem Beruf des Vaters (des Kindes). Hier antwortete die Mutter, dass er Geistlicher ist; auch eine absolut korrekte Antwort. Aller­dings gibt es inzwischen im Iran so viele Geistliche, dass auch hier kein Zweifel für den Arzt bestand, einen unbekannten Patienten zu haben. Dadurch kam weder er in die Versuchung, seinen Patienten mit berühmtem Vater bevorzugt zu behandeln, noch kam die Familie in die Versuchung, die besondere Stel­lung auszunutzen, und gleichzeitig wurde die Liebe des Volkes zu den Geistlichen gestärkt, die mit dem Volk und unter dem Volk leben. Durch die Gnade Gottes und die Anwesenheit einer Person, die die Patienten kannte, wurde uns dieses Er­eignis übermittelt, und auch unsere Liebe zu unserem Imam wird dadurch noch weiter vertieft.

Sicherlich konnte mit Hilfe des Namens Al-Husaini schon öfters die Identität der Familie von Imam Khamene'i geheim gehalten werden. Und sicherlich werden wir auch von den meisten dieser Ereignisse nichts erfahren, weil es keine Zeugen gibt, die uns davon erzählen. Umso glücklicher können wir über jedes Ereignis sein, welches uns doch zu Ohren kommt.

Ein weiteres Ereignis, bei dem der Name von Imam Khamene'i sehr lange zurückgehalten wurde, ist die Hochzeit seines älte­sten Sohnes. Die Ehefrau von Imam Khamene'i ging mit einer nahen Bekannten auf Brautschau zu befreundeten Familien der Bekannten, die jedoch die Identität von Frau Khamene'i nicht kannten. Auch dort traten sie als Al-Husainis auf. Bei einer der Familien fragte der mögliche Brautvater nach dem Beruf des Sohnes und erfuhr, dass dieser Talabe (Schüler der isla­mischen Lehre) ist, denn der Sohn von Imam Khamene'i ist ein gelehrter Schüler des Islam und studiert u.a. in der Gelehrten­stadt Qum. Die Familie lehnte ab weil sie be­fürch­tete, dass die materielle Versorgung der Tochter mit einem Geistlichen als Ehemann unsicher sein könnte. Schließlich streben die Geistli­chen im Hinblick auf ihre hohe gesellschaftliche Verantwor­tung ein materiell sehr bescheidenes Leben an, um auch glaub­hafte Vertreter der Armen und Entrechteten sein zu können. Eine andere aufgesuchte Familie fragte wiederum nach dem Beruf des Sohnes und nach dem Beruf des Vaters. Hier erhiel­ten sie die Antwort, dass auch dieser ein Geistlicher sei. Ein möglicher Schwiegersohn, der Geistlicher war, schien dieser Familie vielleicht noch annehmbar, aber dazu ein ebenfalls Geistlicher Schwieger­vater schien für die Tochter materiell doch zu unsicher. Auch diese Familie lehnte ab. Die Suche ging so lange weiter, bis sich eine Familie fand, die einver­standen war, so dass der Junge und das Mädchen miteinander sprachen und sich sehr schnell einig und vertraut wurden. Sie beschlossen zu heiraten. Doch der Vater des Mädchens hatte noch traditionsgemäß den Einwand, die Eltern des heiratenden Jungen zumindest einmal vorher kennen zu lernen. Deshalb bat er den Jungen, seinen Vater zu einem vereinbarten Termin mitzubringen. Der Junge willigte ein.

Man kann sich vorstellen, wie groß die Überraschung gewesen sein dürfte, als plötzlich Imam Khamene'i persönlich vor der Tür stand, und die Familie des Mädchens erfuhr, dass der junge der Sohn des Imams ist. Es war Imam Khamene'i für das Glück seines Sohnes wichtig, dass seine zukünftige Schwieger­tochter ihren Mann nicht wegen eines berühmten Namens heiraten sollte. Die Ehe wurde in einfachster Form im engen Familienkreis geschlossen. Möge Gott dieser jungen Familie Seinen Segen und die Gnade schenken, würdige Enkel Imam Khamene'is großzuziehen.

Die Liebe und der Respekt der Eheleute Khamene'i zueinander wird für Außenstehende sicherlich nur sehr begrenzt erkennbar sein, aber dieses Wenige ist schon bezeichnend. Gemäß den Aussagen sehr naher Bekannter des Hauses hat sich Frau Kha­mene'i nie über das extrem schwere Leben an der Seite ihres Ehemannes (Gefangenschaft, Verbannung usw.) beklagt. Und Imam Khamene'i verdeutlicht seinen tiefen Respekt gegenüber seiner Ehefrau auch in den kleinen Dingen des Lebens. So fängt er niemals mit dem Essen an, bevor seine geliebte Ehe­frau dazukommt, und sobald sie mit bei Tisch sitzt, bittet er um ein Salawat (islamische Segensgruß an den Propheten) für die Mühen seiner Frau und für ihre Ge­sund­heit.

In allen Lebensbereichen versuchen die Familienmitglieder von Imam Khamene'i ihr Familienoberhaupt in der Bescheidenheit und einfachen Lebensführung zu unterstützen, gemäß dem Prinzip, dass der oberste Leiter eines Volkes wie sein einfach­stes Mitglied leben muss. Beispielsweise wird Frau Khamene'i immer wieder zu Hochzeitsfeiern eingeladen. Sie geht aber nur zu den Feierlichkeiten, die nicht übertrieben, nicht mit Prunk und Pomp durchgeführt werden, und selbst bei diesen beschei­den durchgeführten Feiern behält sie ihren einfachen Tschador immer an. Niemand soll sich über das Aussehen und die Be­kleidung der Frau des Imam-ul-Umma unterhalten, und keine Frau soll sich wegen ihrer einfachen Kleidung schämen müs­sen. Auch sollen zu prunkvolle Hochzeiten nicht zum Hinder­nis der im Islam so empfohlenen Ehe werden. Ohnehin wird berichtet, dass Frau Khamene'i keinen Wert auf Goldschmuck legt, und dass sie während ihres Ehelebens keinen Goldschmuck getragen hat, obwohl Gold erlaubter Schmuck für die Frau ist.

Imam Khamene'i selbst legt großen Wert auf die Einfachheit des Hochzeitsritus und darauf, dass beispielsweise die Mihr (islamische Hochzeitsgabe des Bräutigams an die Braut) nicht übertrieben, und damit zum Hindernis für Heiratende wird. Ein zum Islam konvertierter österreichischer Bruder wollte mit seiner muslimischen Braut von Imam Khamene'i getraut wer­den. Nach einer Wartezeit kamen sie an die Reihe und flogen in den Iran; schließlich möchten unzählige Paare von Imam Khamene'i getraut werden. Im Vorzimmer von Imam Khame­ne'i, so erzählte es der Bruder, erkundigte sich ein Sekretär des Imams über die vereinbarten Details und die vereinbarte Mihr. Der österreichische Bruder hatte in seiner hohen Wertschät­zung und als Zeichen seines großen Respekts in Anlehnung an die Zahl der Suren im Qur'an 114 Goldstücke mit seiner zukünftigen Ehefrau vereinbart. Als der Sekretär dieses hörte, schreckte er auf und wies das Brautpaar darauf hin, dass Imam Khamene'i die Trauung unter diesen Umständen nicht durch­führen würde. Das überraschte Paar fragte nach dem Grund und erfuhr, dass die vereinbarte Höhe der Mihr ein Hindernis für weniger bemittelte Gläubige darstellen würde, und Imam Khamene'i Tendenzen zu übertriebenen Heiratsgeschenken entgegentreten möchte. Beeindruckt von der Argumentation vereinbarte das Hochzeitspaar, das auf jeden Fall die Ehe mit dem Gebet von Imam Khamene'i beginnen wollte, an Ort und Stelle die Zahlung auf 14 Goldstücke (die maximal von Imam Khamene'i akzeptierten Menge) zu reduzieren. Die eins vor der 14 bei 114 konnte im bereits aufgesetzten standesamtlichen Heiratsvertrag leicht eliminiert werden, und schließlich ent­spricht die 14 der Zahl der Reinen des Hauses des Propheten (Ahl-ul-Bait). So konnte die Trauung doch noch durchgeführt werden, und das Brautpaar konnte seinen Lebensweg mit der gesegneten Trauung durch den höchsten Geistlichen der Zeit beginnen.

Auch in seinem täglichen Leben legt Imam Khamene'i großen Wert auf eine einfache und schlichte Lebensführung. Frau Ahadian, eine nahe Verwandte, erzählte, wie sie einmal wäh­rend des Krieges Saddams gegen die Islamische Republik Iran im Hause Imam Khamene'is anwesend war, als Imam Khame­ne'i zum Mittagessen heim kam. Nachdem er mit dem Essen begonnen hatte, stellte er verwundert fest: "Heute ist der Reis anders als sonst". Der deutlich bessere Geschmack war ihm nicht entgangen. Seine Frau antwortete, dass sie einen Festtag hätten und deshalb eine Reihe von Gästen. Aus diesem Grund hätte der Rations-Reis nicht ausgereicht. Zur Kriegszeit wurde der preisgünstige Reis rationiert und jeder Person zugeteilt. Frau Khamene'i beteuerte, dass sie deshalb gezwungen gewesen sei, den nicht rationierten (teureren) Reis zu kaufen. Imam Khamene'i wurde ernst und sagte: "Es war nicht vereinbart, dass wir unseren Lebensstil ändern, wenn Gäste kommen. Wenn es etwas (anzubieten) gibt, dann teilen wir es. Wenn nichts vorhanden ist, dann brauchen wir uns nicht zu schämen".

Ein anderes Mal war ein Verwandter zu Besuch, der eine Be­merkung über das angeblich schlecht gekochte Fleisch machte. Es stellte sich heraus, dass es eingefrorenes Rations-Fleisch war, da im Haus von Imam Khamene'i aufgrund der schwieri­gen Situation des Landes kein frisches Fleisch gegessen wurde.

Neben dieser Bescheidenheit im materiellen Bereich steht die große Freigiebigkeit Imam Khamene'is im zwischen­mensch­lichen Bereich. So lud er einmal als Staatspräsident alle ehe­maligen Nachbarn aus Maschhad zu sich nach Teheran ein, darunter auch den Hausmeister der Moschee. Einige der Einge­ladenen waren besorgt, dass er in dieser hohen Stellung sie nun nicht wieder erkennen würde. Aber Imam Khamene'i empfing jeden einzelnen und unterhielt sich mit jedem von ihnen. Auch heute noch pflegt er die Verwandtschafts- und Nachbarschafts­beziehung und besucht diese bei seinen Reisen nach Maschhad.

Imam Khamene'i wird insbesondere von den Menschen geliebt, die sein Wirken mit eigenen Augen miterleben konnten. So wusste der ganze Mahal (Wohngegend) vom herausragenden Charakter ihres Nachbarn.

Frau Ahadian erzählte, wie sie zur Schah-Zeit in einer Schlan­ge zum Brotkauf stand. Im Iran kaufen alle Leute traditions­gemäß für fast jede Mahlzeit frisches Brot, weshalb es immer lange Schlangen vor den Bäckereien gibt. Wenige Personen hinter Frau Ahadian stellte sich Imam Khamene'i auch in die Schlange der Wartenden. Sie fragte ihn, wie viele Brote er kaufen möchte, und bot ihm an, seine Brote mitzukaufen, damit er nicht so lange in der Schlange warten müsse. Imam Khamene'i lehnte dieses Angebot ab und sagte: "Zwischen ihnen und mir sind zwei Personen deren Recht (vor mir das Brot zu kaufen) dadurch genommen würde".

Imam Khamene'is besondere Barmherzigkeit gegenüber den Muslimen wird insbesondere in der Beziehung zu einem Ver­wandten deutlich, der sich feindlich gegenüber ihm verhalten hatte: So hatte ein naher Verwandter von Imam Khamene'i ihn in einem Zeitungsartikel offen beschimpft. Als dieser später mit seiner Frau nach Teheran in das Haus von Imam Khamene'i kam, war seine Frau sehr besorgt, wie der Imam ihren Mann empfangen würde. Aber Imam Khamene'i empfing ihn persönlich und sehr herzlich, so als ob nichts geschehen wäre.

Eine vergleichbare Geschichte ereignete sich mit einem ande­ren Gegner der Islamischen Revolution. Dieser Mann schickte einen Schmähbrief an Imam Khamene'i. Imam Khamene'i reagierte nicht und ließ sein Büro auch nicht antworten. Eines Tages kam dieser Mann wegen eines anderen Deliktes vor Gericht. Der Richter erfuhr vom Inhalt des Schmähbriefes und erwähnte dies während der Verhandlung. Imam Khamene'i wiederum erfuhr von der Verhandlung und schrieb an den Richter, den Brief bei der Verhandlung nicht zu berücksichti­gen. Der Mann erhielt eine lange Haftstrafe, aber Imam Khamene'i begnadigte ihn.

Imam Khamene'is gütiges Verhalten gegenüber den Glaubens­geschwistern wird auch besonders in seiner großen Liebe zu den Kindern deutlich. So erzählt wiederum Frau Ahadian von der Zeit vor der Islamischen Revolution, dass die Kinder häufig auf ihm herumkletterten, wenn sie am Tisch saßen. Beim Es­sen gab er immer erst den Kindern, und nach dem Essen wünschten sich die Kinder Geschichten. Sehr geduldig erzählte Imam Khamene'i ihnen dann bis zu einer Stunde lang lehrrei­che islamische Geschichten, bis er selbst müde wurde. Dann bat er die Kinder, selbst spielen zu gehen. Frau Ahadian sagt: "Auch meine Kinder empfanden eine große Liebe zu ihm und (freuten sich auf) die lehrreichen Geschichten. Ich sagte ein­mal zu meinem Sohn, 'geht doch spielen', aber er antwortete, 'ich bleibe hier, bis der Herr uns Geschichten erzählt hat' ".

Auch über Imam Khamene'is barmherzigen Umgang zu seinen Nachbarn gibt es ein bezeichnendes Ereignis. In Maschhad hatte Imam Khamene'i einen Nachbarn gehabt, der offensicht­lich weder religiös noch moralisch ausgerichtet war. Damals war Imam Khamene'i aufgrund seiner Arbeit oft zuhause. Ein Bekannter erzählte sinngemäß: "Immer wenn ich zu ihm kam, sah ich, wie er sich dadurch (durch das Verhalten der Nach­barn) unwohl (belästigt) fühlte. Dann sagte ich, 'Herr Khame­ne'i, erlauben Sie mir, dass ich zu den Nachbarn gehe und sie ermahne'. Darauf widersprach er scharf: 'Ich schwöre bei meinem Großvater (gemeint ist sein Vorfahre der Prophet), dass Sie nichts sagen dürfen. Denn wenn die Nachbarn erfahren würden, dass ich mich durch sie belästigt fühle, würden sie sich selbst unwohl fühlen. Und ich kann nicht zulassen, dass sich meine Nachbarn (meinetwegen) unwohl fühlen'".

Imam Khamene’i küsst ein kleines Mädchen

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