Mahomet

Mahomet
Trauerspiel in fünf Aufzügen, nach Voltaire

Siehe: Mahomet der Prophet

Übersetzt von Johann Wolfgang von Goethe

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Fünfter Aufzug - Dritter Auftritt

Die Vorigen. Omar. Ali. Gefolge.

Omar.

Alles weiß man.
Verrat an dir war Hammons letzter Hauch.
Das Volk erfährt es, bricht den Kerker auf.
Man waffnet, man erregt sich. Rasend stürzt
In ungeheurem Strom es brüllend her.
Sie tragen ihres Führers blut'gen Leib,
Seide geht voran. Mit heißen Tränen
Ruft er zur Rache sie des Vatermords.
Ein jeder will den blut'gen Leichnam sehen,
Und aus der Neugier strömet neue Wut.
Seide klagt sich an: Mein ist die Tat!
Und schmerzlich angefacht, entbrannt von Rache,
Scheint er nur noch zu leben wider dich.
Schon flucht man deinem Gott, man flucht den Deinen,
Und dein Gesetz verwünscht man. Jene selbst,
Die, schon gewonnen, deinem Volk die Tore
Eröffnen sollten, wieder abgerissen,
Sind gegen dich gewendet und entbrannt.
Nur Tod und Rache tönt von allen Seiten.

Palmire

Gerechter Himmel, lass die Unschuld siegen!
Triff den Verbrecher!

Mahomet (zu den Seinigen)

Was befürchtet ihr?

Omar

Die Wenigen, die mit dir in der Stadt
Sich finden, sammeln sich sogleich um dich.
Wir werden an dir halten, mit dir fallen.

Mahomet

Ich bin genug euch zu verteidigen;
Erkennet welchem König ihr gehört!

 

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