Rosenöl
Rosenöl (Hammer-Purgstall)

Aussprache:
arabisch:
persisch:
englisch:

1813 n.Chr.

Mehr zum Thema siehe: Rosenöl (Hammer-Purgstall)

Rosenöl - Joseph von Hammer-Purgstall

24. Josue

Josue, der Sohn Nun's und Maria's, der Schwester Moses, leitete das Volk Israels nach Moses Tode die übrigen viermal sieben Jahre, die es noch in der Wüste zuzubringen hatte. Seine vornehmste Unternehmung war die Belagerung und Eroberung der Stadt Balka, damals von Götzendienern bewohnt. In der ganzen Stadt fand sich ein einziger frommer Mann, Balaam, der Sohn Baaur's, Die Fürsten der Stadt drangen in ihn, dass er hinaus ginge, dem Volke Israels zu fluchen. Balaam setzte sich auf feinen Esel, denn obschon der Esel kein edeles Tier ist, so haben von jeher Propheten nicht entstanden, auf Eseln zu reiten.

Halben Weges weigerte er sich weiter zu gehen, und sprach klarer und vernehmlicher Stimme zu Balaam: Fürchtest du dich denn nicht vor Gott dem Herrn, dass du hinausgehst, seinem Propheten und seinem Volke zu fluchen. Balaam wollte umkehren, da trat ihm Satan in den Weg und sprach: Thor! willst du denn dem Worte eines Esels glauben, thu, was dir befohlen, und sprich den Fluch aus. Balaam, als ein gläubiger und frommer Mann, hätte wirklich besser getan, dem Esel als Satan zu glauben, er hätte nicht, wie wir gleich sehen sollen, seinen Glauben verloren. Der Einsprechung des Teufels[129] gehorchend, wollte er den Fluch aussprechen, aber Gott verwandelte den Fluch in Segen.

Nun flehte auch Josue seinerseits zum Himmel: Du hast dein Volk gesegnet, o Herr, und es bleibt mir nichts übrig zu flehen, als daß du zum Beweise der Erhörung meines Gebetes dem Sohne Baaur's den Glauben nehmest, weil er fluchen, und nicht segnen wollte.

Josue's Gebet ward erhört, der Glauben flog aus Balaam's Mund sogleich in Gestalt eines weißen Vogels aus. Balaam fühlte sich in das finstere Labyrinth des Unglaubens verstrickt, und sann nun selbst auf gottlose Anschläge wider die Kinder Israels. Er schlug vor, die schönsten Mädchen, so viel derer in der Stadt waren, auszuschmücken mit allem Reiz des Gewandes, und ins Lager zu schicken.

Die Buhlerinnen verbreiteten sich im Lager der Kinder Israels, und mit ihnen die Pest. Stündlich sanken die Krieger in die Arme der Wollust, und aus den Armen der Wollust in die Arme des Todes. Da ergriff Fachaß den Sohn Harmi's ein heiliger Grimm. Mit gesenkter Lanze rannte er in das nächste Zelt, und durchstach das erste Paar im Augenblick des Genusses, dass die Lanze beim Rücken herausdrang, wie sie beim Rücken hereingedrungen war. So hob er sie auf und trug sie wie ein paar angespießte Vögel im ganzen Lager herum zur fürchterlichen Schau. Dieser Anblick vermochte mehr über die Kinder Israels, als die Pest vermocht hatte. Sie sandten die Buhlerinnen zurück, und die Pest hörte auf.

Aus Dankbarkeit für die Wohltat, die hierdurch Fachaß seinem Volke erwies, ist es noch heute unter den Juden der Gebrauch, dass sie, wenn sie Opfer schlachten, Kopf und Füße des Tieres den Abkömmlingen aus der Familie Fachaß antragen.

Am nächsten Morgen ordnete Josue einen allgemeinen Sturm an. Das Gefecht dauerte vom Morgen bis Abend; Josue betete mit aufgehobenen Händen; die Sonne stand still, und der Mond ging nicht auf. Der Tag war verlängert, aber am Ende desselben die Stadt nicht eingenommen. Nun befahl Josue, alle Kostbarkeiten und Kleider, welche die an der Pest Verstorbenen zurückgelassen hatten, zu verbrennen (auch heute verbrennt man dieselben). Dann sollten sie gegen die Stadt anlaufen und dreimal Hita, Hita, Hita, das hieß damals: Gott verzeih uns unsere Sünden! ausrufen. Die Kinder Israels machten sich über diese Prophetenparole lustig, und als sie gegen die Mauern anliefen, schrieen sie aus vollem Halfe statt Hita, Hinta, Hinta, Hinta, d.i. Getreid, Getreid, Getreid, denn sie hatten Mangel an Brod, und wollten hierdurch Josue's spotten Aber sobald sie's geschrieen hatten, regnete es vom Himmel nicht Getreide und Brod, sondern Flammen und glühende Kohlen auf ihre Häupter, und statt des Mehls ward ihnen die Asche der zu Staub verbrannten Gebeine. Auf diese Begebenheit bezieht sich der Text des Korans:

Die Ungerechten, sie haben unser Wort verändert in ein anderes. Dafür haben wir vom Himmel Strafe gesandt für ihre Missetat.

Sie begehrten nämlich Weizen statt Verzeihung der Sünden, und der Herr gab ihnen Feuer statt Brod. Hieran erbauet Euch, fromme Leser, und lernet, wie gefährlich es sei, mit Prophetenworten Spaß zu treiben.

Josue ward hundert acht und zwanzig Jahre alt; mit hundert Jahren übernahm er die Leitung des Volkes, und regierte dasselbe viermal sieben Jahre; Seine Lebenszeit fällt in die Regierung Menudschehrs, des persischen Königs.

bullet Inhaltsverzeichnis - Rosenöl

© seit 2006 - m-haditec GmbH & Co KG - info@eslam.de