Rosenöl
Rosenöl (Hammer-Purgstall)

Aussprache:
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1813 n.Chr.

Mehr zum Thema siehe: Rosenöl (Hammer-Purgstall)

Rosenöl - Joseph von Hammer-Purgstall

119. In den Tagen des ägyptischen Sultans

In den Tagen des ägyptischen Sultans, Achmed. Ibn Tulmis, der auf den Bau der großen nach seinem Namen benannten Moschee in Kairo allein hunderttausend Dukaten verwendet hatte, trug sich folgende Begebenheit zu:

Ein armer Mann lebte in der Nähe dieser Moschee, deren reichliche Stiftungen damals alle ähnliche Anstalten an Reichtum übertrafen. Die Einkünfte der Alemas und Moscheediener beliefen sich monatlich auf zehntausend Dukaten, außer hundert Dukaten, die als Almosen zur täglichen Verheilung unter die Armen bestimmt waren.

Dieser arme Mann nährte sich mit seinem Weibe und einer Tochter von Wollenspinnerei. Eines Tags bat die Tochter, ihre Eltern auf den Markt begleiten zu dürfen, wo sie Wolle einkaufen sollten. Die Eltern nahmen das Mädchen mit, als sie aber an das Thor Balbil's gekommen waren, hatten sie ihre Tochter im Gedränge verloren, zu nicht geringer Bestürzung. Das Mädchen von außerordentlicher Schönheit und Unschuld wusste nicht, wohin sie sich wenden sollte, als eben der Emir Balkil zum Thore herausritt.

Er sah sie, verliebte sich auf der Stelle, und ließ sie in sein Haus bringen, wo er sie seinen Sklavinnen übergab, dass sie dieselbe waschen, kleiden, und mit köstlichen Wohlgerüchen durchdüften sollten. Dann zwang er sie mit Gewalt in sein Bette, und zerstörte an ihr, was an den Huri's des Paradieses unzerstörbar ist. Die Eltern suchten indessen ihre Tochter auf allen Orten, und kehrten verzweiflungsvoll mit leeren Händen und tränenvollen Augen nach Hause zurück.

Als es finster war, klopfte Jemand an der Tür, und eine Stimme erscholl: Ich bin der Emir Balkil, der deine Tochter geraubt, und ihre Jungfrauschaft genossen hat. Ich dächte, du ließest mir nun das Mädchen, ohne viel Lärmens zu machen, denn besser wird sie dir schwerlich Jemand bezahlen, als ich. Der arme Mann wollte nichts von den Vorschlägen hören, und sank sinnlos zur Erde. Als er sich erholt hatte, ging er hin zum ersten Gebetausrufer der Moschee Ibn Tulun's. Es war seine Amtspflicht, nicht nur das Gebet, sondern auch andere außerordentliche Kundmachungen von dem Minare auszurufen. Als ein besonderer Freund des Vaters des Mädchens stieg er nun aufs Minare gerade gegegenüber dem Palast des Sultans1, und rief die Schandtat aus mit lauter Stimme, so dass sie zu des Sultans Ohren kam.

Achmed Ben Tulmi ließ erst die Eltern des Mädchens, und dann den Emir rufen. Viel Glück zur Hochzeit! redete er den letzten an. – Ich verstehe dich nicht, o Herr! – Wie so? Kannst du leugnen, dass dieses die Eltern deiner Braut seyen? Du, fuhr er dann fort, sich zu dem Vater des Mädchens wendend, vermählest deine Tochter diesem meinem Mameluken mit einer Morgengabe von tausend, und mit einem Heiratsgute von zehntausend Dukaten. Die Zeugen erschienen, der Ehekontrakt ward aufgesetzt, und unterfertiget nach aller Form.

Als die Zeugen abgetreten waren, befahl der Sultan, dem Emir den Kopf abzuschlagen. Der Befehl ward vollstreckt, und der Kopf rollte blutig auf dem Marmorboden hin. Deine Tochter hat ihren Gemahl geerbt, sagte der Sultan, sie ist nun die Frau seines ganzen Vermögens. Die Eltern dankten, und gingen, und in ganz Kairo erscholl der Ruf von Achmed, des Sohns Tulmis, strenger Gerechtigkeitsliebe. Leider! dass er ihr nicht immer treu geblieben, sondern in der Folge dem Volke Anlass genug gab, über seine Tyrannei zu schreien.

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