Rosenöl
Rosenöl (Hammer-Purgstall)

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1813 n.Chr.

Mehr zum Thema siehe: Rosenöl (Hammer-Purgstall)

Rosenöl - Joseph von Hammer-Purgstall

33. Mansur

Mansur, der Chalife, leitete eines Tages das [Rand: Alaim.] Gespräch auf den Umsturz, der vor seiner Familie regierenden Dynastie der Beni Ommia. Ismail, der Sohn Ali Al-Hadi's, sprach: Du hältst, o Fürst der Rechtgläubigen, einen der vorzüglichsten Abkömmlinge der Familie Ommia, den Sohn Merkwan's Abdollah, im Kerker. Lass ihn kommen, dass er dir erzähle, was ihm mit dem König von Nubien begegnet. Ich habe öfters davon reden gehört, aber er selbst wird uns am besten sagen können, was Wahres daran sei. Der Gefangene ward herbeigeführt. Er grüßte den Chalifen, der Chalife gab ihm den Gruß zurück, und fragte ihn, wie er vom nubischen Könige aufgenommen worden.

Ich war, wie du weißt, o Fürst der Rechtgläubigen, beim Sturze meiner Familie, der rechtmäßige Thronerbe. Als solcher suchte ich Zuflucht beim nubischen Könige. Mein Gefolge bestand aus zehn Sklaven, deren jedem ich tausend Dukaten, und fünf mit Kostbarkeiten beladene Kamele anvertrauet hatte. Der König schickte mir einen Abgesandten entgegen, mich zu fragen: ob ich käme Krieg zu führen, oder die Religion zu ändern, oder Schutz zu suchen. Ich antwortete: das Letzte. Am folgenden Tage erschien ich bei Hofe, und der Empfang war äußerst glänzend. Der König fragte mich durch den Dolmetscher: Wie konnte die Herrschaft genommen werden von eurer Familie, die so nahe verwandt ist mit der des Propheten? – Nähere Verwandte haben uns entthronet. – Habt ihr nicht Wein getrunken, der euch verboten war? – Wir nicht, aber die Sklaven und die fremden Söldlinge tranken Wein ohne unsere Zustimmung. – Rittet ihr nicht auf goldnen und silbernen Schabracken, was dem Gesetze zuwider? – Nicht wir, aber die Sklaven und die fremden Söldlinge bedienten sich derselben ohne unsre Einwilligung. – Habt ihr nicht die Saaten eurer Untertanen zerstampft durch die Wildjagd, habt ihr nicht mit Robothdiensten dieselben in den Staub gebeuget? –Nicht wir, wohl aber unsere Sklaven und fremden Söldlinge.

Sie hätten sich dessen nicht unterstanden, wenn ihr sie nicht dazu bevollmächtiget hättet. Deswegen hat der Herr euch das Kleid der Herrschaft ausgezogen, und euch zum Spielwerk gemacht eurer Feinde. Begebt euch weit hinweg von meinen Grenzen, denn ich müsste fürchten, in's Zorngericht des Herrn zu fallen, das über euch ergangen. – Ich kehrte also nach Ägypten zurück, wo mich dein Statthalter, Fürst der Rechtgläubigen, gefangen nahm.

Der Chalife, gerührt durch diese Erzählung, schenkte dem unglücklichen Prinzen die Freiheit für den Rest seiner Tage.

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