Rosenöl
Rosenöl (Hammer-Purgstall)

Aussprache:
arabisch:
persisch:
englisch:

1813 n.Chr.

Mehr zum Thema siehe: Rosenöl (Hammer-Purgstall)

Rosenöl - Joseph von Hammer-Purgstall

56. Harun Raschid, welcher der schlaflosen

Harun Raschid, welcher der schlaflosen Nächte so viele hatte, wandelte in einer derselben durch die Gallerieen des Palastes, und stieß auf eine schlafende Sklavin. Er fragte sie: Willst du nicht beherbergen mit Gastfreundschaft einen verirrten Fremdling bis zum Morgen? – Mit Freuden, war die Antwort. Harun brachte die Nacht bei ihr zu, und als er am Morgen sich in den Audienzsaal begeben hatte, fragte er wie gewöhnlich: wer draußen sey von den Hofdichtern. Man nannte Ebu Nuwas. Der Chalife ließ ihn kommen, und befahl ihm etwas vorzuerzählen aus dem Stegreife. Ebu Nuwas improvisierte:

Die Nacht war lang, der Schlaf floh von den Wimpern,
Ich tauchte in die Fluten der Gedanken,
Ich stand und sann, und ging dann wieder weiter
In den gewölbten Hallen des Palastes.
Sieh' da! ein Antlitz, glänzend wie der Morgen,
Wenn er mit Silberlicht im Osten lachet.
Ich weckte sie, sie sprach: Was gibt's, Freund Gottes?
Ein Fremdling, sprach ich, ist's, er wünscht, du möchtest
Gastfreundlich ihn bewirten bis am Morgen.
Sehr gerne, war die Antwort, will ich ihn bewirten
Mit Ohr und Aug', mit Händen und mit Füßen.

Der Chalife, ganz erstaunt, seine Nachtgeschichte schon in Verse gebracht zu sehen, beschenkte reichlich den Dichter, der, wie man sieht, sehr gut vom Innern des Harems unterrichtet war, sei es durch die Verschnittenen, sei es durch die Nebenbuhlerinnen der Sklavin.

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