Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Anmerkungen des Übersetzers

Selten gibt uns eine Macht „die Gabe uns so zu sehen, wie andere uns sehen“. In diesem Buch erweist uns ein eminenten Muslimtheologe genau diese Gabe.

Unser Autor schreibt General Eisenhower (USA) den Ausspruch zu: „Eine Zeit, die das Atom gespalten hat, muss die Spaltungen der Menschheit heilen oder untergehen.“ Ein echter allseitiger Wunsch, die gegenseitige Gedankenwelt zu erforschen, die Voraussetzungen eines jeden zu würdigen, die Stand­punkte eines jeden zu begreifen, ist die erste Voraussetzung dafür, ein beiderseitiges Verständnis zu erreichen. Es ist ein erleuchtenden Einblick in die Sehweise eines großen Teils der Menschheit, mit der wir diese Erde bewohnen, welchen diese Übersetzung der englischsprechenden Welt bietet.

Manche Leute mögen verschiedene Behauptungen unseres Autors sehr unerfreulich finden. Andere mögen sich an faktischen Irrtümern, falsch interpretierten Informationen oder an Parteilichkeiten stoßen. Aber weder zorniges Aufbegehren, beißende Bigotterie, fanatische Wutausbrüche noch starres Beharnen auf den eigenen Überzeugung von dem, was wahr und nichtig sei, werden verschwinden lassen, das es aktuelle Glaubensweisen gibt, welche andere ebenso hartnäckig festhalten.

Antinomen und Widersprüche lassen sich auf Erden nun versöhnen, wenn man sich der Anstrengung des Verstehens unterzieht, was der andere eigentlich meint und ausdrückt, und zu den Erfahrungen dahinter durch­stößt, welche ihn sich so ausdrücken lassen. Ein jeder ist auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen berechtigt, entschieden zu versichern: „Gewisse Wahrheiten habe ich versucht, getestet und für nichtig befunden und zudem noch, das sie funktionieren; daher weiß ich, das ich recht habe.“ Sollte er aber fortfahren: „Deshalb musst du im Unrecht sein“, bewegt er sich außerhalb des Rahmens der Redlichkeit.

Diese Übersetzung bemüht sich, die genauen Gefühle des Autors wieder­zugeben. Aus diesem Grunde haben wir seine Zitate westlicher Autoren eher aus seinem Persischen rückübersetzt als dem Original entnommen. Es scheint wesentlicher zu sein darüber nachzudenken, was dem Autor vorschwebte, das er es gelesen hatte, als über die eigentlichen Worte seines Gewährsmannes. Eine Ausnahme habe ich freilich gemacht: es handelt sich um ein Zitat aus Alexis Carrel’s „Der Mensch, das unbekannte Wesen“, wofür ich das Original bringe mitsamt den Abweichungen unseres Autors, eben um zu vergleichen. Man wird feststellen, das er das von ihm gesammelte Material weit gespannt und scharfsinnige Beobachtungen angestellt hat über alles, was ihm während seines Europaaufenthaltes von Augen kam.

Der Weise und Verständige wird sich nicht irritieren lassen, wenn er auf kritische Bemerkungen über das Verhalten oder die Prinzipien von Abend­ländern stößt; er wird lieber abwägen, was davon Bestand hat, und es dann verbessern; abwägen was er für irrtümlich hält, und sich daraufhin verständigen; und schließlich abwägen, was eigenen Wert besitzt, um damit dem Rat des Francis Bacon Lord Verulam zu folgen, einige Blumen, die er draußen kennen gelernt hat, auf die Gelände seines eigenen Landes zu verpflanzen.

Ein verehrungswürdiger Mullah aus Teheran ließ mich einmal ein mannigfaltiges, verstohlenes Lachen hören, als er sich darüber beklagte, ein westlicher General habe ihn beleidigt und dazu noch obszön, weil er das Essen mit der linken Hand zum Munde führte. Aber ich zeigte ihm wie sehr ich ihn verachtete, indem ich mit der nackten linken Fußsohle gegen ihn wackelte. Ein fantastisches Mischmasch also von Unwissenheit und Nichtbegreifen. Der General hatte natürlich nicht die leiseste Ahnung, das seine Eßgewohnheiten obszön waren! Er wusste auch nicht, das, wenn man von je­mandem mit der Fußsohle wackelt, es den Betreffenden verachten heißt. Der Mullah wiederum wusste nicht, das der General das nicht wusste. Aber immerhin wäre der General mit seiner Arbeit im Iran weitergekommen, wenn er einen Bruchteil seiner Sorgfalt, mit der er militärische Disposi­tionen und Strategien studierte, auch auf das Studium einheimischer Sitten, Vorstellungs- und Verhaltungsweisen verwandt hätte, um sein eigenes Ver­halten danach zu richten.

Zu viele von uns missachten fremder Leute Gebräuche und schreiben jahr­hundertealte Ideen als überholt ab. Für einen Afrikaner ist es eine Belei­digung, hinter einem Menschen gehen zu müssen. So geht in Südafrika ein Schwarzen, der sich auf den Straße unterhält, eher zwischen zwei Personen statt hinter einer. Mancher nichtinstruierte Weiße nimmt das von seinen eigenen Voraussetzungen her übel und versetzt dem schwarzen Eindringling einen Tritt, und der versteht natürlich eine solche Reaktion nicht: Krän­kung, Stolz und Hall kommen in ihm hoch.

Zitate aus dem Heiligen Qur’an wenden folgendermaßen wiedergegeben: Sure I: Al-Fatiha - (Eröffnung) V. 1, d. h. zuerst die Sure in römischen Ziffern, die ihre Stelle in der Anordnung des Qur’an angibt; dann die arabische Bezeichnung, unter der sie stets von den Muslimen zitiert wird, mitsamt ihrer Übersetzung; und schließlich der Vers. Dies geschieht, damit der Leser instandgesetzt wird, die Übersetzungen in diesem Buch mit einen oder allen Übersetzungsversionen des Qur’an zu vergleichen, die es gibt.

Daten werden mit „nach Christus“ (Anno Domini - AD) zitiert, gelegent­lich mit dem Äquivalent der persischen Muslime, nämlich in Sonnenjahren, die mit den Hidschra beginnen, also der Auswanderung des Propheten und seiner Anhänger von Mekka nach Jathrib, der Stadt 200 Meilen nördlich von Mekka, welche sich nach diesem Ereignis stolz in „die Prophetenstadt „oder „die Stadt“ (arab. “Medina”) par excellence umbenannte.

Diese Post-Hid­schra-Sonnenjahre werden mit AHS zitiert (Anno Hedschratis Solari). AHS 1 beginnt am 21. März AD 622. Arabische Mondjahre nach der Hidschra werden mit ARL bezeichnet (Anno Hedschratis Lunari).

Die meisten Spezialausdrücke werden, wo sie vorkommen, erklärt, aber zur Erleichterung findet sich am Schluss des Buches ein kurzes Glossar mit einigen Definitionen.

Guildford/Bruchsal, April/Mai 1979        

F. J. Goulding (Übersetzer ins Englische)

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