Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Apartheid

Die Theorie den Apartheid basiert auf den Äußerungen eines Neuerers (eines sog. „Philosophen“) und streitet die Rassengleichheit ab. Ihre Befür­worter möchten die Welt vor der „überlegenen Rasse“ regiert sehen, wäh­rend „schwächere minderwertige Rassen“ ihnen dienen sollen.

Solch eine Auffassung ist natürlich völlig unvereinbar mit jeder Anschau­ung vom Menschen, welche sich zu den Grundsätzen der „Freiheit“ für den einzelnen und für das Gesellschaftsgefüge bekennt. Außerdem verhindert sie jedes Wachsen bei den Schwächeren. Die meisten modernen Forscher sehen die Doktrin von der Überlegenheit einer menschlichen Rasse über eine andere als unbegründet und als einen kindlichen Aberglauben an, wenn man sie im Lichte der Geschichte und wissenschaftlichen Forschung betrachtet.

„Es gibt keine neue Rasse. Es gibt kein wissenschaftliches Beweismate­rial, das die Rassentheorie definitiv bestätigte. Eine „arische“ Rasse ist Bla-Bla. Die Geschichte hat nichts vom Vorhandensein einer Rasse zu berichten, die sich so nannte. Zwar gibt es die arische Sprachfamilie wirklich. Aber es gibt viele Beispiele verschiedenen Rassengruppen, die die gleiche Sprache für ihre Verständigung benutzen.“ (Geschichte der Religionen, S. 219).

Der Aufstieg des Nationalsozialismus war einer der Gründe für den Zweiten Weltkrieg. Die Ideologie von Hitlers Deutschland war die „Herr­schaft einer Rasse“, natürlich der „deutsch-nordischen, die ein starkes Regierungszentrum in Mitteleuropa aufrichten sollte. Sein kurzes brutales Regime gewann mittels der Nürnberger und ähnlicher Reichsparteitage und einen fanatischen Rassenpropaganda die Loyalität deutscher Staatsbürger, wobei ein großer, wenn auch illusionären Gewinn aus der Beherrschung ihrer Nachbarländen für sie heraussprang.

Dr. Gustaf le Bon schreibt in seinen „Grundlagen des Geistes der Diktaturen“, S. 194: „Der Rassismus spielte eine wichtige Rolle. Politiker sahen ihn als Angelpunkt, wobei es zwar nach vielen blutigen Auseinandersetzungen zu einem bewaffneten Frieden kam, der sich dann aber mit verheerender Gewalt wieder in Krieg entlud. Hinter all dem steckte die Idee, das man die stärkste und gegen Gefahren am meisten gesicherte Nation ist, wenn man das meiste Land und die größte Bevölkerungszahl besitzt - und dabei sind es gerade diese Völker, die auf der Kippe des Umsturzes leben.“

Heute sehen die fortschrittlichsten Nationen „weiß“ höherwertig als „farbig“ an und hegen abergläubische Vorstellungen von Rasse. In der Wiege der Kultur nennt sich die Sünde „schwarz“, und Farbige sehen sich vielen Menschenrechte und -freiheiten beraubt. In einigen Bundesstaaten der USA darfte kein Schwarzer eine Weiße heiraten und Schulen, Colleges, Krankenhäuser trennten Schwarz und Weiß. Das taten auch Vereine, Hotels, Gaststätten, Öffentliche Verkehrsmittel und - am beschämendsten - sogar einige Kirchen.

„1954 machte der Oberste Gerichtshof die Integration an den Schulen obligatorisch. Aber die weißen Schulen nahmen nun 4 Schwarze pro 100 Schüler auf, und selbst deren Einschreibung wurde an einigen Schulen nur durch Gewalt und Truppeneinsatz erreicht.“ („Teheraner Illustrated News“, Nr. 1174). In ihrem Kampf, die Schwarzen fernzuhalten, bedienten sich die Weißen brutaler Rohheiten, welche an die schlimmsten Barbareien des Mittelalters erinnerten.

Die universale Menschenrechtserklärung hat nicht die Kraft besessen, ihre Prinzipien von der Gleichberechtigung der Rassen durchzusetzen. Im Zeitalten der Raumfahrt wird die Erde durch Rassenkonflikte, die auf der Hautfarbe der Menschen gründen, zerrüttet. Stahwood Cobb („Der Herr der beiden Ka’abas, S. 198) bemerkt: „Ich bin gegen Kiplings Empfinden, das der Osten eben Osten, und der Westen Westen bleibt und die zwei sich nie treffen werden. Warum nicht? Was für ein menschlicher Unterschied be­steht zwischen dem einen und dem anderen? Christus lehrte uns vor zwei Jahr­tausenden, das sittlicher Wert und Menschlichkeit mit gutem Willen, guten Werken und Liebe verknüpft sind. Aber Menschen im 20. Jahrhundert wissen es besser; sie sagen, Überlegenheit beruhe auf der Hautfarbe! Hitler wird schlechtgemacht, weil er eine Rasse verherrlichte, aber die Szenerie von heute ist voller kleiner Hitlers. Nehmen Sie Südafrika, nehmen Sie unser eigenes Amerika. Apartheid, Diskriminierung überall! Nehmen Sie Viet­nam. War da nicht ein Rassenelement bei unserem Druck, das nämlich die weiße Rasse des Westens der gelben Asiens überlegen sei?“

Südafrika, wo die Schwarzen die Weißen siebenfach an Zahl übertreffen, hat die Rassendiskriminierung zum Gesetz erhoben: Die Apartheid veranlasst Weiße, Schwarze, indische Einwanderer, Farbige in getrennten Sied­lungen zu leben. Ausweiskarten stellen die Gruppe fest, zu der man gehört. Die Trennung wird in Bussen, Zügen, Kirchen, Gaststätten, Telefonzellen, Krankenhäusern und Friedhöfen angewandt. Ehen unter den Rassen sind verboten. Ein Schwarzer darf weder in einem weißen Bezirk arbeiten, noch eine Arbeit von hohem geistigen oder wissenschaftlichen Niveau aufnehmen. Niedrige Arbeiten sind den Schwarzen zugeteilt. Wen wundert’s, das manchmal eine halbe Million im Gefängnis sitzt! Weiße Richter führen in Fällen mit Schwarzen den Vorsitz.

„Keyhan“ (die Teheraner Tageszeitung), Nr. 7013, berichtet, das ein schwarzes Mädchen, das im Hause einer weißen Familie in Südafrika zur Welt kam, in der Wohnung ihres Vaters, dem südafrikanischen Gesetz ent­sprechend; nur als Dienstmadchen bleiben durfte; sonst würde sie gehen und im schwarzen Stadtteil von Johannisburg wohnen müssen. Ihr Vater zog es vor, Haus und Heim in ein Land zu verlegen. wo seine Tochter, wie es natürlich war, bei ihren Eltern wohnen konnte, statt sich dem unmensch­lichen Gesetz zu fügen, das von der höchsten Instanz des südafrikanischen Rechts erzwungen wurde.

Am 12. Mai 1960 war Sharpville eine von mehreren südafrikanischen Städten, wo Demonstrationszüge gegen ein Gesetz stattfanden, wonach alle Schwarzen Personalausweise bei sich führen und auf Befehl vorzeigen mussten. Die Polizei feuerte in Sharpville auf eine friedliche Demonstration, die am Polizeipräsidium vorbeizog; es gab 69 Tote und 180 Verwundete (Ettela’at, Nr. 13149). Was unterscheidet solche Unterdrückung von er­zwungener Sklaverei?

In seinem Buch „Freiheit“ schreibt Harry Harwood: „Die Sklaverei in ihrer einstigen Form ist abgeschafft, das stimmt; aber in der Form von Klassenunterdrückung schleppt sie sich in unserer Gesellschaft noch lange hin in dem Bestreben, die Schwarzen auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter zu halten.“

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