Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Der Sex im Westen

In seinem sexuellen Verhalten hat der Westen alle moralischen Schranken überschritten. Zu Beginn des Lebens wusste jedermann tief innen, das Rein­heit und Enthaltsamkeit in geschlechtlicher Hinsicht einen eigenen morali­schen Wert besitzen, deren Überschreitung moralische Herabwürdigung nach sich zieht. Aber diese Wahrheit hat man entweder vergessen oder ab­sichtlich und in umstürzlerischer Weise aus dem Gewissen der Menschen getilgt. Die Reinheit hat ihre Wertschätzung verloren, sie ist von der Gesellschaft ausrangiert worden, alle Sanktionen für eine Kontrolle der Moral wurden aufgegeben.

Ein Freund erzahlte mir, wie ein Mädchen in einem Radioregionalstudio Deutschlands sich Rat erbat: „Ein paar Jahre bin ich mit einem Jungen liiert gewesen, aber im Laufe der Zeit wurde ich ihn satt und will nun mit einem anderen gehen. Kann ich sie beide behalten? Oder soll ich die zweite Beziehung aufgeben und bei der ersten bleiben?“

Der Ratgeber am Radio gab ihr folgende Anleitung: „Bis zum Alter von 28 steht es Ihnen völlig frei, Umgang und Verkehr mit einem Freund oder mehreren zu pflegen, ohne jede Einschränkung oder Bedingung - also haben Sie keine Skrupel oder Bedenken, was Sie auch immer tun!“

Wohin sind wir gelangt, wenn die Medien und andere Autoritäten, deren Pflicht es wäre, die öffentliche Moral zu schützen, die Sittenverderbnis zu verhindern, selber die Hurerei empfehlen und unter dem Pseudonym „besondere Beziehungen vor der Ehe“ die Promiskuität fördern oder als „Vorkämpfer der Freiheit“ posieren, jede Moral abwerfen und die Revolte gegen Anstand, Selbstachtung und wahren Stolz predigen?

Der Soziologe Will Durant schrieb in seinen „Annehmlichkeiten der Philosophie“: „Das Leben in der Stadt hindert die Menschen die Jahres­zeiten zu beobachten, aber der Sexualdruck schwillt an und die Umstände erleichtern einem Schwachheiten. Eine Zivilisation, welche das Heiraten wirtschaftlich unmöglich macht, bevor man 30 ist, treibt einen Mann förmlich auf sexuelle Abwege, schwächt die Enthaltsamkeit und reduziert die Reinheit von ihrer ursprünglichen Bewertung als Tugend auf schwache Lippenbekenntnisse für einen unpraktischen Traum.“ Make-up macht Men­schen­wesen schöner. Die Männer hören auf, ihre Verfehlungen zu zählen. Die Frauen, die ja Gleichheit mit den Männern beanspruchen, werden ein Opfer ihrer Leidenschaften. Unbegrenzte Liebesaffären und Zusammen­leben vor der Heirat werden eher die Regel als die Ausnahme. Die Straßen sind vielleicht frei von Prostituierten, aber nicht aus Furcht vor der Polizei! Die Frauen selber haben ja die Prostituierten brotlos gemacht, da sie deren Geschäfte umsonst betreiben!

Die menschliche Natur ist geschaffen, das man seine Kräfte beherrschen möchte, so das ihre Anwendung zu rechtfertigen ist. Übertretungen auf einem Boden, die dem Wesen der Menschheit zuwider sind, müssen eine Ernte unerwünschten Ausmaßes hervorbringen. Die eigenen Gesetze im Namen der Freiheit mit Füßen treten, kann nie den Frieden des Herzens und die Freude der Seele hervorbringen, welche die Menschen suchen.

Die Permissivität des Westens hat diese Zügellosigkeit offenkundig gemacht. Hat dieser unbeherrschte Aufruhr von Lüsternheit nachgelassen? Verbrechen, Vergewaltigungen, Orgien, Streiks - woher kommt das alles, wenn nicht von der gleichen sexuellen „Freiheit“ und Zügellosigkeit?

Schweden gewährt totale sexuelle Freiheit seit einem Vierteljahrhundert. Seine Jugend treibt es jetzt so wild, das Professoren und verantwortliche Behörden darunter leiden. Man bildete einen parlamentarischen Ausschuss, um diesen Ausbruch von Wildheit und seine aufrührerischen Gefahren zu studieren. Der schwedische Ministerpräsident erklärte offen: „Wir werden wenigstens eine volle Generation benötigen, um dem Unheil zu steuern, den ein 20 Jahre währender Fehler verursacht hat.“

Freud untersuchte die tierische Natur des Menschen und führte alles menschliche Handeln auf den Drang des Sex zurück. Damit schied er die Sexualität von der Ethik. Die Keuschheit ging über Bord. Niemand konnte sich eine Grenze ausdenken, um diese Abwärtsfahrt zu stoppen. Sie zog viele menschliche Werte mit sich hinunter. So berichtet der „Reader’s Digest“: „Nach westdeutschen Statistiken haben die Besatzungstruppen der Sieger 200.000 uneheliche Kinder hinterlassen, 5000 davon schwarz.“ Für sie alle kommt nun die deutsche Regierung auf. Und das sind nur 10% aller unehelichen Kinder, für die die Regierung zu sorgen hat, gar nicht zu erwähnen die unbekannte Zahl der durch Verhütungsmaßnahmen und Ab­treibungen Ungeborenen. Von Ostdeutschland fehlen Fakten, aber es ist mehr als wahrscheinlich, dass das Problem dort, wenn nicht schlimmer, so doch nicht besser ist. Und auch andere westliche Nationen hinken da nicht weit nach. Am schmerzlichsten ist ein Bericht aus Nordhampton in Mittel­england, wo 50% aller Lebendgeburten unehelich sind und dies, seit Nordhampton von der Landwirtschaft zur Fabrikarbeit überging („Schei­dung in unserer Zeit“, S. 34).

Der Psychologe Dale Carnegie schreibt in seinem „Erfolgsspiegel“: „Die von einer amerikanischen Stiftung veröffentlichte Statistik weist aus, das Männer, die bekanntermaßen ihren Frauen untreu waren, aus allen Klassen und Altersstufen stammten. Etwa 50% aller Ehegatten sind untreu, manche regelmäßig. Die meisten derer, die treu bleiben, tun das notgedrungen, weil sie Angst vor Ansteckung oder Mangel an Gelegenheit haben. Telefon-Ab­hören in New York über einen kurzen Zeitraum enthüllte, das die Ehe­frauen in New York die gleiche Promiskuität betreiben.“

Die „Encyclopedia Britaannica“ (Bd. 23 S. 45) sagt: „Von allen US-Kran­kenhäusern sind 650 auf Geschlechtskrankheiten spezialisiert und weitere 50% daran Erkrankter wenden sich an ihren Hausarzt oder einen örtlichen Spezialisten.“ Kinseys Buch über „Sexuelle Gewohnheiten“ zeigt auf, das in den USA jährlich 3000-4000 Kinder mit Geschlechtskrankheiten zur Welt kommen. Und in den USA ist die Mortalität bei diesen Krankheiten größer als die Sterblichkeitsrate aller übrigen Krankheiten zusammengenommen, außer an TB.

Die Teheraner Tageszeitung „Ettela’at“ zitiert die Zeitschrift „Psychology“ vom Dezember 1960: „Die Anzahl unehelicher Geburten in den USA hat so rapide zugenommen, das sie der amerikanischen Regierung Sorgen bereitet. Die Statistik von 1957 zeigt mehr als 200.000 solcher Geburten, ein Anstieg von 5% über 20 Jahre hinweg.“

„Black, White“ (Nr. 380) berichtet: „Die jährlichen Abtreibungen in den USA übersteigen 1 Million. 65% davon stammen aus außerehelichen Bezie­hungen, 50% von unverheirateten Teenagern.“

Dr. Molenz aus Süd-London sagte laut der Teheraner Tageszeitung „Kayhan“ (Nr. 535): „Eines von fünf Mädchen, das in England zur Kirche geht, ist schwanger. Kriminelle Abtreibungen gibt es in London 5000 jährlich. Eine Lebendgeburt unter 20 ist außerehelich. Trotz fortschreitender Verbesserung des Lebensstandards nimmt diese Zahl Jahr für Jahr zu. Unehelichkeit gibt es am meisten in begüterten Familien, und Mädchen aus reichen Elternhäusern werden eher uneheliche Mütter.“

Solche Tatsachen genügen, um die Versklavung des modernen zivilisier­ten Mannes gegenüber seinen Sexualinstinkten aufzuzeigen. Sexuelle Aus­schweifungen haben einen derartigen Höhepunkt erreicht, das viele mora­lische und menschliche Werte, die man am besten in der Familie lernt, in Vergessenheit geraten sind, womit viele Menschen sich nicht mehr an irgendwelche moralische Schranken gebunden fühlen.

Vor einigen Jahren berichteten Teheraner Zeitungen, das in Idaho Männer ihre Frauen auf drei Wochen miteinander austauschten und sich dann noch beschenkten, um ihre Freundschaft zu „besiegeln“. Ein Aufschrei er­tönte, und die Gruppe wurde vor Gericht gebracht, damit zukünftige Gene­rationen geschützt und Unzucht bestraft würde.

So viel über Verirrungen auf einem Lebensgebiet, dem Sexuellen.

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