Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Die Moral im Westen

Das Leben ist für den Abendländer ein „Maschinenprodukt“. Geist und Wärme hat es verloren. Es stimmt, viele materielle Unbequemlichkeiten, Mängel und Schwierigkeiten sind dank zivilisierten Erfindungen über­wunden und verbannt worden. Aber die menschlichen Beziehungen unter­einander lassen den Glanz des menschlichen Geistes nicht erkennen.

Die auffällige Uneinigkeit, das Unbefriedigsein von der modernen Zivili­sation muss auch für einen Schwachkopf offenkundig sein. Die Erfindungen und Entdeckungen, die schließlich gemacht wurden, um das Leben zu er­leichtern und die Kultur voranzubringen, vermögen die Enttäuschungen der Menschen und ihre seelische Unruhe nicht zu lindern. Zwar mag man soziale und gefährliche Krisen abgewendet haben, aber dies hat nicht aus­gereicht. die Menschheit als Ganzes froher und glücklicher zu machen.

Über seine mannigfachen körperlichen Bedürfnisse hinaus besitzt der Mensch auch einen moralischen Drang und geistliche Sehnsucht. Was ihm körperlich Spaß macht, ist nicht stärker als die Anziehungskraft ethischer Impulse und geistigen Suchens. Der menschlichen Geist in die vier Wände des Materialismus einzuzwängen ist eine unverzeihliche Sünde. Das „Streben nach Glück „gehört mit Recht zusammen mit „Leben und Freiheit“ zu den „unveräußerlichen“ Rechten des Menschen. Der erste Schritt zum Glück bedingt eine vordringliche Beschäftigung damit, wie man seine Persönlichkeit vollkommener macht, nicht bloß seine materielle Umgebung verbessert.

Parallel mit seinen erstaunlichen Fortschritten in der industriellen und wissenschaftlichen Technologie muss der Mensch die Reserven seines Inne­ren, seine geistlichen Kräfte und die Stärke seiner Seele fördern. Diese blieben bisher zurück. Wahre menschliche Vollkommenheit kann es aber nicht ohne ein Gleichgewicht der inneren und äußeren Seiten des Lebens geben. Wenn diese nicht im Gleichgewicht sind, bietet die „Zivilisation“ keine Grundlage für hundertprozentiges Glück.

Moderne sittliche und soziale Mängel demonstrieren, das die Faktoren, welche auf menschliche Vollkommenheit zielen, nicht die Aufmerksamkeit bekommen dürften, worauf sie Anspruch haben. Die Menschheit hat sich geirrt, als sie die Faktoren für wahres Glück und Wohlbefinden nicht un­tersuchte.

Die Geschichte zeigt kein Volk, dessen Leben in jeder Hinsicht derart korrumpiert war, das kein einziger gesunder Teil übriggeblieben wäre. So steht es heute auch mit dem Westen. Neben moralischer Verderbnis sind immer noch gute Eigenschaften vorhanden. Es gibt viele, welche die Vorschriften des Anstands, der Sauberkeit und des Rechts treu befolgen. Aber diese Tugenden gleichen die Laster und Verruchtheiten nicht aus, die überhandnehmen.

Solche Tugenden können von verschiedenen Seiten angepeilt, aus ver­schiedenen Gründen verwirklicht werden. Das moralische Kapital des Westens ist von der Bank des Glaubens, wohin es gehört, entfernt worden. Geschieden von seinem Ursprung in der Religion, ist es in seinem inneren Wert und in seinem Ertrag gemindert. Wo das ausschlaggebende Motiv der Profit ist, werden Rechtlichkeit und Sauberkeit nur noch nach ihrer materiellen Einträglichkeit bewertet. Kein Wunder, das sie im Westen abnehmen !

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