Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Dschihad - Die Heilige Anstrengung

Das Ziel des Islam in seinen Kriegen, Schlachten und nationalen Erhebungen gegen Vielgötterei und Materialismus ging nicht aufs Erobern, Expan­dienen, auf Imperialismus oder die Aneignung der finanziellen Ressourcen anderen aus. Die frühe Stoßwirkung des Islam auf Mekka hatte Einbußen lang vererbter Vorrechte der Oberschicht zur Folge, die Gewinn zogen aus den Verehrung alter Idole in der Ka’aba und aus den Pilgern, die aus den gesamten arabischen Welt zu jenen Schreinen strömte. Die Inhaber dieser Rechte erhoben sich daher gegen die Ausbreitung des neuen reinen Glau­bens. Die Quraisch unterbanden die Beziehungen zu dem Propheten und seinen Anhängern und zwangen sie zur Flucht in die Berge, bis sie schließlich in dem ihnen freundlich gesonnenen Jathrib, 200 Meilen nördlich, eine Zu­flucht fanden.

Aber selbst hier ließen die Polytheisten nicht ab von ihren Angriffen. Die Notwendigkeit für die Gläubigen, sich zu wehren und das Überleben des neuen Glaubens zu gewährleisten, zwang den Propheten, den Begriff eines gerechten Krieges zu erarbeiten und zu verdeutlichen. Seine Vorstöße von Jathrib aus (das ihn aufgenommen und das er erwählt hatte und daher den ruhmreichen Namen „Madinat-an-Nabi“, was „Stadt des Propheten bedeu­tet “erhielt) wurden unternommen, um die Mekka-Leute zu hindern, große Vorräte an Munition und gewaltige Streitkräfte zu sammeln, um seine we­nigen Getreuen anzugreifen und zu vernichten.

Dieser Begriff eines „gerechten Krieges“ führte zu dem des Dschihad oder Heiligen Anstrengung, und die ersten Offenbarungen für den Propheten darüber sind in den Qur’antexten, Sure XXII: Hadsch-„Pilgerschaft“. V. 39 und 40, sinngemäß enthalten: „Wen Ungläubige in Krieg verwickeln, der bekommt Kampferlaubnis, weil er unterdrückt wird (denn wahrhaftig, Gott ist der Mächtigste, diesen Leuten zu helfen), und die aus ihrer Heimat vertrieben wurden ihrem Recht zum Trotz, da sie das einzige ,Verbrechen’ ausspra­chen: ,Unser Herr ist Gott’.“

Und 2.) Sure II: Baqara - „Die Kuh“, V. 190: „Kämpft für die Sache Gottes gegen die, welche euch angreifen. Aber achtet darauf die Grenzen einzuhalten, denn Gott liebt nicht die Übertreten.“ Unter „Grenze“ wird verstanden, dass die angewandte Gewalt begrenzt sein muss auf dasjenige Mi­nimum, welches ausreicht, die angreifenden Übeltäter im Zaun zu halten. Die Streitmacht, die er einsetzt, darf nie diese Grenze überschreiten um der Rache willen oder um eine imperialistische Eroberung aufzuzwingen.

Als ein Weltglaube für jedermann und überall kennt der Islam keine geographischen Grenzen vielmehr will er noch die letzte Seele in der hintersten Region der Welt gewinnen und ihr sein Wort der Wahrheit bringen. Die Geschichte bezeugt, das keine einmal errichtete Ordnung je durch eine überlegene neue Ordnung ohne kriegerische Handlungen verdrängt wurde. Beispiele hierfür sind die Revolutionen in Frankreich, Indien, Amerika, Russland, China. Da der Islam sich zum Ziel setzt, die Lebens- und Denk­weisen der Menschen zu ändern, Rassismus und Ausbeutung zu beenden, muss er zu Leuten mit alteingesessenen Rechten, die korrumpiert sind, in Gegensatz geraten. In der Tat ist es so: Je erfolgreicher ein Anhänger durch mündliche und schriftliche Verbreitung gewinnt, desto geringer ist die Reaktion derer, die früher Menschen aussogen und nun feststellen, das ihr Griff sich lockert. Am Ende bestätigt der Sieg der Waffen den Sieg, den das vorausgehende Wort bereits errungen hat, das an die Vernunft und das Gewissen der Menschen appellierte.

Unsaubere, betrügerische und machtgierige Menschen schüren einen hektischen Widerstand in dem Bestreben, den neuen Glauben und die ge­sunde Gesellschaft zu ersticken, die er ins Leben ruft, der sie selbst aber aus dem Geschäft drängt. Weil sie auf die Vernunft nicht hören wollen, müssen sie zum Schwert greifen. Wie der Prophet (nach dem „Buch vom Dschihad und seine Methoden“) es ausdrückte: „Güte und Segen gedeihen, wo das Ge­setz die Sanktionen der Gewalt anwendet, wenn Böses verhindert werden soll. Denn ach! es gibt eben Menschen, die sich dem, was recht ist, nicht fü­gen wollen, bis sie fühlen, das Sanktionen Ihnen Strafen für Übertretungen androhen.“

Wenn Menschen nicht mehr frei sind zu denken und die beste Art zu leben zu wählen, muss man Gewalt, sei es polizeiliche, sei es militärische an­wenden. Nur weil die Unterdrücker und Tyrannen selber zur Unterwerfung genötigt werden, damit ihre Opfer sich frei fühlten, dem Anruf des Islam zu folgen, kam es zu den ersten Schlachten des Islam. Die Massen mussten zuerst frei werden, um wählen zu können; denn ohne das kann die Wahrheit nicht den Sieg über ganze Gesellschaften, Völker und die Welt erringen. Wie es in der Sure IV: Nisa’a - „Die Frauen, V. 75, sinngemäß heißt: „Warum solltet ihr nicht den Dschihad aufgreifen für die Sache Gottes, für die Sache der Schwachen in Mekka, für eure eigenen Männer und Frauen, welche schreien: ,Herr, unser Gott! Errette uns von dieser Stadt der Unterdrücken und erwecke uns einen Beschützen, der von Dir kommt und uns hilft.“

Der Islam führt nicht Krieg gegen Menschen, er führt Krieg gegen Unten­drückung, Tyrannei und Unrecht. Diese falschen Ideen sucht er auszurot­ten und sie durch die überlegenen Ideen von Reinheit und Glauben zu ersetzen. Er sucht nicht den Sieg über Feinde zu gewinnen, sondern diese selbst für seine, nämlich Gottes, Sache zu gewinnen in dem ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Denn die Menschheit steht vor der Wahl der Selbst­vernichtung durch das Böse auf den einen oder dem Königreich Gottes durch Gehorsam auf der anderen Seite. Es gibt keinen dritten Weg. Irgend etwas anders als Gott und Seinem Willen zu dienen, ist Götzendienst. Die Anbetung von Besitz, Mammon oder Macht ist genau so Götzendienst, wie wenn man Bäumen oder Steinen opfert. Es ist eine Verneinung der wahren Natur und Bestimmung des Menschen.

Deshalb sendet der Islam immer, bevor er sich auf Feindseligkeiten einlässt, dem Gegner einen Herold, der die Einladung überbringt, den Islam an­zunehmen und auf der Stelle Frieden zu schließen. So schickte der islamische Oberkommandierende, als seine Armeen in Persien einrückten, einen Botschafter an den iranischen General Rustam Farukhzaad und lud ihn zu einer Unterredung ein, wo die Muslime den Iranern erklärten, warum sie gekommen seien. Er sagte: „Wir sind gekommen, um euer Volk aus der Versklavung durch falsche Götter und nutzlosen Aberglauben zu befreien und es zu der Freiheit zu führen, den Einen Gott anzubeten. Im Namen seines Apostels laden wir euch ein, da ihr einmal dem schrecklichen Tag des Gerichts ins Auge blicken müsst: Lasst euch retten und nehmt statt eurer dunklen und sinnlosen Gebräuche die Gerechtigkeit und Unvoreingenommenheit des wahren Glaubens an.“

Diese Unterredungen dauerten drei Tage. Alle Sprecher der Muslime sagten zu, die Iraner würden ihr Land weiter in Frieden regieren können, wenn sie, wozu man sie einlud, den islamischen Glauben annahmen.

In dem oben zitierten Buch über den Dschihad, S. 421, wird berichtet, das der Prophet zu Ali sagte: „Werde nie zum Aggressor, der einen Krieg be­geht. Lade zuerst deinen Feind ein, sich zum wahren Gott zu bekehren. Wenn Gott nur einen einzigen Menschen durch dich ein neues Leben im Glauben beginnen lässt, wird das von größerem Segen für Dich sein, als wenn du alles besaßest, worauf die Sonne scheint.“

Das Ziel des Islam ist, das die Erde von Gotteserkenntnis erfüllt werde wie das Meer vom Wasser, und das Sein Königreich Gewalt, Begierde, Her­abwürdigung, Unterdrückung und Unrecht austilge; hierfür zu leben und, falls nötig, zu sterben, sind die Muslime in Frieden und Krieg bereit. Wie im ersten Vers der Sure XXXVII: Saffat - „Die in Reih und Glied stehend“ sinngemäß geschrieben steht: „Bei denen, die in Reih und Glied stehen und so gewappnet sind gegen das Böse und Gottes Botschaft verkünden: ,wahrlich, wahrlich: Euer Gott ist Einer’ .“ Ähnlich in Sure VIII: Anfal - „Die Kriegsbeute“ (Teile der Verse 47 und 67), wo der Prophet einige seiner Mitkämpfer scharf zurechtwies, welche die alten Gepflogenheiten aus den Zeiten der Unwissenheit nach einem Sieg be­folgten, indem er ihnen sagte: „Seid nicht wie solche, die anmaßend von zu Hause aufbrachen, um von den Leuten gesehen zu werden. Euch gelüstet nach den Gütern und Genüssen diesen Welt, während der Herr eine Ewigkeit an Freuden für euch bereithält.“

In seinem Buch „Krieg und Friede im Islam“ schreibt Dr. Majid Khadouri auf Seite 214: „Der Islam wandelte die alte arabische Vorstellung vom ,Dar­-ul-Harb’ oder Haus des Krieges in das des ,Dar-ul-Islam’ oder Haus des Islam um, welches den Menschen auf der Welt aufrichtig den Islam bringen wollte. Sein erster Erfolg war, diejenigen Völker, die ihn annahmen, zu eini­gen, so das die Bürgerkriege aufhörten. Dann machte er aus ihnen eine Familie islamischer Völker, die miteinander in Frieden lebten. Sein Ziel ist, der ganzen Welt diesen Segen zu bringen. Das Ziel des Dschihad ist also der Friede auf Erden und das wird auch sein Ergebnis sein. Die Kreuzfahrer aus dem Abendland entwickelten ihren Begriff von Ritterlichkeit nach dem Verhalten der Muslimpaladine im Krieg. Ein herausragender Grundsatz war, die vielen armen Teufel zu schonen, indem man die Streitfrage in einem einzigen Zweikampf zweier Vorkämpfer austragen ließ, den die beiden Seiten wählten.“

Eine ganze Skala höfischer Verhaltensweisen und Aktionen wurde entwickelt, um solche Auseinandersetzungen zu führen. Sie wurden in un­blutige Wettkämpfe. die man „Tjosts“ nannte, übergeleitet, worin Ritter gegeneinander kämpften, um von ihren Herrschern und ihren Mannen ihre Kühnheit zu zeigen und auch um sich für den Tag zu üben, an dem sie auf den Vorkämpfer eines gegnerischen Heeres in ernsthafter Schlacht stoßen wür­den. Edles und ritterliches Verhalten gegenüber dem besiegten Gegner, die Lehre dieser Zweikämpfe, wandelte die gesamten Sitten des sich erneuernden Europa, als es der Barbarei den letzten Invasoren aus dem Norden ent­wuchs. Man verlangte Lösegelder und erstattete sie ehrenvoll.

Den Herren der Muslim war es untersagt, Eigentum zu zerstören, Häuser niederzubrennen, Getreideernten und Weiden zu verheeren, Brunnen zuzuschütten und Nahrungsmittel zu vernichten. Den Besiegten war Scho­nung zu gewähren. Äußerste Rücksicht musste den Kindern des Feindes, den Alten, Frauen und Kranken zuteil werden, ob sie nur geistig oder körperlich betroffen waren.

Prof. Muhammad Hameedulla von der Universität Paris schreibt in seinem Buch: „Der Prophet und der Krieg“ auf Seite 9: „Arabien, das der Pro­pheten und den Islam annahm, ist eine Halbinsel von über einer Million Quadratmeilen Größe, soviel wie ganz Europa ohne Russland. Und doch ka­men nicht mehr als 150 Menschen bei der Unterwerfung dieser ganzen Halbinsel ums Leben, so das man für einen Zeitraum von 10 Jahren ein Ma­ximum von 15 Toten pro Jahr annehmen muss. Wenige andere Eroberer in der Geschichte können derartiges aufweisen.“

Vom Propheten, als er seine Truppen in den Kampf schickte, wird in dem Buch über den Dschihad (Bd. 2, S. 424) berichtet, das er folgendermaßen zu ihnen sprach: „Zieht in den Kampf im Namen Gottes, für die Sache und mit der Hilfe Gottes und tut, was Gott wünscht, das ihr es tun sollt. Begeht weder Verrat noch Falschheit gegen Seine Gebote. Verstümmelt niemanden. Seid barmherzig zu den Betagten, den Behinderten, den Frauen und Kin­dern. Nur wenn es unvermeidlich ist, fällt einen Baum. Gewährt jedem Gefangenen eine Freistatt, dem niedrigsten wie dem höchsten, damit sie das Wort der Wahrheit hören können. Wer immer dieser Wahrheit folgt, wird euer Bruder. Wenn er nicht will, lasst ihn nach Hause ziehen, sobald Friede geschlossen ist. Zu jeden Zeit und in jeder Lage bittet Gott um Hilfe und folgt Seiner Führung, was ihr tun sollt.“

Ähnlich gab Imam Ali, als Mu’awiyas Heer ihn im Irak angriff, seinen Truppen folgenden letzten Befehl: „Wenn euer Feind auf dem Schlacht­feld die Flucht ergreift, verfolgt ihn nicht und macht ihn nicht nieder. Men­schen, die sich nicht mehr wehren können oder verwundet auf dem Schlacht­feld liegen, darf kein Leid zugefügt werden. Frauen muss Achtung erwiesen werden; sie dürfen keinen Anlass bekommen, sich zu fürchten oder belästigt zu werden.“

Im Krieg geschieht es manchmal, das der Feind etwas tut, was in einem Muslim den Wunsch nach Vergeltung weckt; aber dem Muslim wird in einem solchen Fall geboten, sich an seine vorrangigen Ziele und Grundsätze zu halten und den Wunsch in sich zu bekämpfen, die Wahrheit und Vorbildlichkeit zu verletzen, die zu vergessen er in Versuchung geriet: damit also zuerst Sieger über seine eigenen Leidenschaften zu werden, was allein der wirklichen Sieg bedeutet, die Voraussetzung für einen islamischen Sieg im Krieg.

Wir sind alle mit der Geschichte aufgewachsen, wie Imam Ali einen Gegner zu Boden warf, sich ihm auf die Brust setzte und freundlich mit ihm über den wahren Glauben diskutierte; aber der Gegner spie dem Heiligen ins Gesicht. Ali stand sofort auf und schritt davon. Als seine Anhänger ihn fragten warum, sagte er: „Ich fühlte, wie der Zorn in mir hochstieg über den Schimpf, den mir dieser Mann angetan hatte und geriet in Versuchung, ihn auf der Stelle zu erschlagen. Hätte ich das getan, so wäre es nicht eine gerechte Vergeltung gegenüber einem widerspenstige Ungläubigen gewesen, schien doch seine Unwissenheit unbesiegbar, sondern ein persönlichen Racheakt unten dem Impuls der Leidenschaft. Was nützt es, wenn ich im Guten mit ihm rede und ihn zum wahren Glauben bringe, wenn ich nicht diesen wahren Glauben reinen Herzens und frei von Besudelung selbst lebe?“

Im Heiligen Qur’an wird eine solche Haltung an viele Stellen angeord­net, z. B. in Sure II: Baqara - „Die Kuhe“, V. 194: „Wenn jemand gegen dich verstößt, erwidere ihm in genau gleicher Weise, aber zügle dich um Gottes willen und wisse, das Gott mit denen ist, die sich zügeln.“

Oder wieder Sure V: Ma’idé - „Der gedeckte Tisch“ V. 9: „O ihr Gläubigen! Steht fest für Gott ein, bezeugt, das rein verfahren wird und lasst euch nicht, weil andere euch hassen, von der Gerechtigkeit abbringen und zum Unrecht ablenken. Seid gerecht, denn Gerechtigkeit steht der Frömmigkeit am nächsten. Und fürchtet Gott, denn Gott weiß alles, was ihr tut.“

Und wieder in der gleichen Sure, V. 3: „Lasst euch nicht den Hass einiger Leute, die euch den Zugang zu den heiligen Moschee versperren, zu Sünde und Feindschaft verleiten. Helft einander, das ihr rechtschaffen und fromm werdet, nicht sündigt und nachtragt. Fürchtet Gott, denn die Strafe ist Got­tes, und Er ist streng mit allen.“ Oder, wo es um Streit zwischen Gläubigen geht, Sure XLIX: Hudschurat - „Die Inneren Gemächer „, V. 9: „Sollte eine Gruppe Gläubiger sich in zwei Lager spalten, so macht Frieden zwischen ihnen. Wenn die eine Seite in ihrer Heftigkeit alle Grenzen überschreitet, so übt Druck auf die Gruppe aus, die sich besonders vergeht bis sie sich Gottes Befehl wieder fügt. Wenn ihr solches Nachgeben erzwungen habt, dann stif­tet einen gerechten Frieden zwischen beiden Seiten. Seid gerecht beim Schlichten, denn Gott liebt die Gerechten.“

Den Nachdruck dieser Stelle auf den Segen, den Gott den Friedensstiftern gewähnt und Sein Gebot, das muslimische Kämpfer Friedensstifter sein sollten, selbst wenn sie Gewalt anwenden müssen, um die Widerspenstigen in die Knie zu zwingen - statt den schwächeren Teil aufzufordern zu vergeben und auf seine Rechte zu verzichten, wie es zu oft für Gott wohlgefällig gehalten wird, verdient besonders herausgestellt zu werden.

Der Islam fordert Verzicht aufs eigene Recht, wenn es um den Frieden geht, ist sich aber wohl bewusst, das die Natur des Menschen wohl oder übel Beleidigungen nachträgt. Er ruft die Gläubigen auf, leidenschaftliches Nachtragen durch die größere Leidenschaft zu ersetzen, das den Wille Got­tes getan und Seinem Ruf gehorcht werde, die Spaltungen und den Griff zur Gewalt auf Erden zu beenden. Im Licht dieses Gebotes hat der Islam stets äußerste Schonung gegen besiegte Völker gezeigt und sich bemüht, ihnen jeden wahren Sinn wirklicher Unabhängigkeit nahezubringen, welchen Men­schen erhalten, denen Herzen auf Gott gerichtet sind und die dafür leben, das Sein Wille auf der Erde regiere, wobei sie bei ihrer eigenen Gemeinschaft beginnen.

Die Einwohnen von Homs schlossen ihre Stadttore vor dem Heer des Heraclius. Sie richteten den Oströmern aus, das sie eine Muslim-Regierung mit ihrer Rechtsprechung und ihren Gerichten der Tyrannei und Gewalt vorzögen, die sie fürchten.

Als das Heer der Muslime unter dem Befehl von Abu ‘Ubeida in das Jor­dangebiet eindrang, schickten ihnen die dortigen Christen einen Brief des Inhalts: „O Muslime! Wir ziehen euch den Byzantinern vor, obwohl diese den gleichen Glauben haben wie wir. Für uns seid ihr vertrauenswürdiger, gerechter, freundlicher, wohltätiger. Jene herrschten nicht nur über uns, sie plünderten uns auch aus.“

Philip Hitti schreibt in Band 2 seiner „Geschichte der Araber“, S. 638: „Wo immer die Armee der Muslime ihren Fuß hinsetzte, empfingen die Ein­wohner sie mit offenen Armen, brachten Lebensmittel und Wasser und konnten ihre Verschanzungen gar nicht schnell genug verlassen, um sich den Muslimen anzuschließen - was unschwer zu verstehen ist für jeden, der begreift, wie tyrannisch die Westgötter regiert hatten!“

Auch zwangen die Muslime den Menschen der besetzten Gebiete nicht ihre Religion auf.

Der Islam richtete ein System ein, wonach den Gläubigen jedes der himmlischen Bücher Religionsfreiheit gewahrt wurde; sie wurden in „Millats „or­ganisiert, halb-autonomen Gemeinschaften innerhalb des Staates mit dem Recht auf eigene Gottesdienstformen, auf ihre Gebräuche bei Geburten, Heiraten und Todesfällen, auf eigene Schulen und den Gebrauch der eignen Muttersprache, wenn sie eine hatten wie Türkisch, Armenisch, Kur­disch oder Aramäisch. Sie waren vom „Zakat“ oder der „Armensteuer“ befreit, zu den alle Muslime verpflichtet waren. Diese Befreiung geschah, weil der Zakat sowohl eine religiöse wie auch eine politische Seite hat. Stattdessen zahlten sie eine Ersatzabgabe, weil sie keine Muslime waren. Das Zahlen der Ersatzabgabe garantierte ihnen ihre Bürgenrechte im gesamten Gemein­wesen. So achtete der Islam die geringsten Gewissensbisse der Anhänger anderen Offenbarungsreligionen. Diese Sorge dehnte er in der Rechtsprechung auf die Behandlung Straffälligen, auf Zivilangelegenheiten, auf geschäftliche Angelegenheiten und natürlich auf die strikt religiöse Seite des Lebens aus, so dass die Minderheiten sich frei und geschützt im Rahmen ihrer Überzeugungen bewegen konnten.

Im Qur’an sind Vorschriften für die Beziehungen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen niedergelegt. Wenn die Nicht-Muslime eine freundliche Hal­tung einnehmen, werden sie gut behandelt, wenngleich natürlich Feindseligkeiten abzuwehren sind, ob offen oder verdeckt. Aber die Muslime durften auf keine Weise aggressiv werden. Wie es in Sure LX, Mumtahana („Die gläubige Flüchtlingsfrau, die zu prüfen ist“, V. 8 und 9) sinngemäß steht: „Gott verbietet dir nicht, freundlich und gerecht mit denen umzugehen, die deinem Glauben nicht feindlich gesonnen sind und dich nicht aus deinem Hause treiben. Denn Gott liebt die Gerechten. Aber Gott verbietet dir, dich mit Leuten abzugeben, die gegen deinen Glauben sind und dich aus dem Hause treiben oder welche anderen helfen, euch zu vertreiben. Wer sich mit solchen abgibt, tut Unrecht.“

Christliche und jüdische Minderheiten leben beim Islam unter beispielhaften Verhältnissen, nämlich in einer Koexistenz, wo jeder die Rechte des anderen respektiert. Als der Prophet zuerst nach Jatrib (das spätere Medina) kam, lebten noch viele jüdische Gruppen dort und wohnten ohne die geringsten Reibungen Seite an Seite mit den Muslimen, ein Zustand, der von den Kalifen nach dem Tode des Propheten beibehalten wurde. Der Begründer des Islam sagte: „Wer auch immer einem Ersatzzahlung zahlenden Ungläubigen, der in un­serer Mitte lebt, ein Leid zufügt, hat mir eines zugefügt.“

Und weiter: „Hütet euch! Wer auch immer einen Nicht-Muslim kränkt, ihm nur ein abgetragenes Kleidungsstück stiehlt oder die kleinste Kleinigkeit ohne seine Einwil­ligung fortnimmt, wird mich auf der Seite des Klägers finden, wenn es zur Prüfung am Tage des Jüngsten Gerichts kommt.“

Als Imam Ali Kalif war, stieß er eines Tages auf einen blinden, hilflosen Alten und erkundigte sich über ihn. Seine Beamten sagten ihm, der Alte sei ein Christ, der, als er noch jung und leistungsfähig war, Staatsbeamter gewesen sei. Der Heilige erwiderte: „Zur Arbeit habt ihr ihn gebraucht als er jung war, und zum altes Eisen geworfen, als er alt und schwach wurde! Er muss eine Rente aus der Staatskasse erhalten, die ihm seinen Lebensuntenhalt sichert.“

Dr. Laura Vacceia Vaghieri schreibt, das die Worte des Propheten und die Fatwas (ex cathedra - Verordnungen) der großen islamischen Rechtsgelehrten die Unwahrheit der Behauptung erweisen, der Islam habe seine Religion durch das Schwert aufgezwungen. Der Qur’an bestimmt, das „Zwang keinen Platz in der Religion hat“.

Der Prophet schützte die Christen von Nedschran und bestimmte, das ihrer Kultstätte Hochachtung zu erweisen sei. Er wies seine Befehlshaber sogar an, nicht einmal die Flöhe in den jüdischen Häusern anzurühren. Adam Metz schreibt, die Muslime hätten einen Respekt vor Synagogen und Kirchen gezeigt, den kein europäisches Land im Mittelalten Synagogen und Moscheen erwiesen habe. Und Prof. Gustave Ie Boa schreibt, dass unter der Herrschaft des Islam in Spanien große christliche Konzile in Sevilla (i.J. 872) und Cordoba (i.J. 852) abgehalten wurden. Auch wurden den Juden oder Chri­sten keine Posten in der Regierung oder einer sonstigen Stelle vorenthalten. Die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer war ein Gräuel an Brutalitäten. Ganze Pyramiden von Köpfen wurden aufgeschichtet. 1000 Muslime, die Zuflucht in einer Moschee gesucht hatten, mussten erbarmungslos über die Klinge springen. Das Blut stand knietief in den Tempelhöfen. Kenneth Clark schreibt, in der Geschichte der Menschheit sei nie schlimmer Krieg geführt worden als in den brutalen Kreuzzügen, wo sich die norman­nische Eroberungsgier und der heilige Wunsch der Europäer nach gewinnträchtigem Handel mit Luxusgütern aus dem Osten austobten.

Die Kreuzfahrer hielten Jerusalem 88 Jahre lang und verloren es danach an die Heere der Muslime, die von dem großen Kurdenführer General Selah­ed-Din Ayyoubi angeführt wunden; die Christen nannten ihn Saladin. Das war im Oktober 1187 (AHL 583, Monat Radschab). Statt alle Christen in Vergeltung des christlichen Massakers an den Muslimen 88 Jahre zuvor niederzumetzeln, verkündete Saladin eine Öffentliche Amnestie und verbot, irgendeinen Christen hinzurichten, auszuplündern oder zu martern; er fügte so dem weltweiten Ruhm des Islam eine weitere glorreiche Seite hinzu. Der wahre Geist des Islam lenkte alle seine Truppen wie in diesem, so auch in seinen anderen Kriegen. Saladin garantierte allen Einwohnern Palästinas verfassungsmäßige Sicherheit. Er gab jedem Mann und jeder Frau je einen Dinar und jedem Kind zwei und erlaubte ihnen, sich, wo sie wollten, anzu­siedeln. Die Sicherheit wurde in Jerusalem größer geschrieben als in jeder anderen Stadt, so das die katholischen Bürger es vorzogen, dort zu bleiben. Der Bischof, der selbst für einen Geizhals sagenhafte Reichtümer besaß, sagte, er wolle fort. Einige Muslime forderten Saladin auf, ihn dazube­halten und seine Schätze unter die Muslime aufzuteilen, aber er schlug es ab mit den Worten: „Wie sollte ich solch ein Verbrechen begehen? Unmöglich! Ich werde ihm 10 Dinare abnehmen und nicht mehr.“

Die Grausamkeit der Christen im Andalusien des Westens war nicht ge­ringer. Nach all dem vielen, was die Muslime für Spanien getan hatten, be­fahlen die Führer des siegreicher christlichen Heeres auf Betreiben des Papstes und Philipps II. die Hinrichtung jedes Muslims, alt und jung, Mann oder Frau. Nicht einer von ihnen entkam dem folgenden Gemetzel. Aber selbst von diesen wurden einige vor die Inquisition gezerrt und wegen ihrer Lehren schuldig gesprochen.

John Davenport („Abbitte an Muhammad und den Qur’an“ S. 133) schreibt: „Wer kann der Ritterlichkeit der islamischen Herrscher Spaniens seine Bewunderung versagen, wer muss nicht staunen über die zivilisatorischen Leistungen in Architektur und Kultur, die sie hinterlassen haben? Wer muss nicht Scham empfinden über das Verhalten der Christen, ihren Fanatismus, ihre Bigotterie, ihre Unwissenheit und Barbarei, die sich der Folter und Unterdrückung bedienten?“

Georgi Zeidan erzählt, das die christlichen Eroberer Andalusiens die Muslime, Juden und Verbrecher Plaketten tragen ließen, die sie für jedermann, wohin sie auch gingen, erkennbar machte, ja das sie sogar die Muslime vor die Wahl stellten, das Christentum anzunehmen oder zu sterben (S. 282 im 4. Band semen Histony of Islamic Civilisationt). Er fügt hinzu, das die Christen die Moscheen der Muslime in Kirchen verwandelten, sie aller Freiheit in der Vollziehung ihrer Riten beraubten, ihre Friedhöfe zerstörten, sie ihrer Existenzgrundlagen beraubten und ihre Hammams (Öffentliche Bäder) in Trümmer legten.

Zur Zeit Heinrichs IV. von Spanien wurden die 400 Verteidiger der Stadt Dulan von christlichen Händen erdrosselt. So verstanden die Christen den Segen den der Messias selbst für Friedensstifter verkündet hatte! Ist der moderne Imperialismus in unseren zivilisierten Welt etwa besser? Tritt er nicht die Würde und Persönlichkeit derer, die er beherrscht mit Füßen und beraubt sie den Wohltaten der „Kultur“ mit der er prahlt? Versklavt er nicht das Denken, die Seele und den Geist seiner Kreaturen genauso wie ihre Leiber? Um seine Profite zu sichern, unterdrückt er nicht jede Gedankenfreiheit unter den Massen, so dass sie nicht einmal daran denken dürfen, einen Finger gegen ihre Unterdrücker zu erheben, auf dass auch das leiseste Verlangen nach Gerechtigkeit erstickt würde, bevor man es vernehmen kann? Die großen Mächte können so viele schön klingende Worte über den Frieden finden, wie sie wollen. Wenn es zu Taten kommt, legen sie allen Idealismus beiseite. Selbst ihre sogenannte Diplomatie dient nur den Aus­weitung ihrer imperialistischen Ziele. Idealisten können nichts weiter tun als Bilder auf Wasser zu zeichnen, bis die moralischen Vorbedingungen für eine friedliche Koexistenz in einer weitweiten Völkerfamilie vorhanden sind.

Die kleinsten Zellen einer Sozialstruktur sind die einzelnen Männer und Frauen: Ein harmonischer Bau kann nur von Individuen errichtet werden, die im Einklang miteinander stehen und ebenso jeden mit sich selbst. Das vorrangige Bestreben des Islam ist daher, jenen inneren Frieden innerhalb der Individuen selbst zu schaffen, indem er ihre Herzen mit dem Glauben und den Überzeugung erfüllt, die das Gewissen beruhigen, und allen Gaben des Geistes und Körpers Stromlinienform gibt in einer Harmonie gemeinsamen Handelns auf ein gottgegebenes Ziel hin. Der Islam wendet den Glau­ben praktisch an und zwar so, das er eine Welt schafft, die richtig geht. Aus diesem Grad ist seine zweite Aufgabe, eine Umgebung zu gewährleisten, welche die Sicherheit schafft, das es gerecht zugeht und, indem er Drohungen gegen Gesundheit und Eigentum ausschaltet, allen das Gefühl der Sicherheit verleiht.

Der Islam missbilligt die Ausbeutung einer Klasse durch eine andere. Stattdessen befürwortet er Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe in nachbarschaftlicher, freundschaftlicher Gesinnung. Der Islam legt Verhaltensnomen vor und schult seine Bürger in gelassener Lebensführung, da diese Normen, wenn man sie praktiziert, Sitten und Gewohnheiten formen. Natürlich verhindern die Schwachheit der menschlichen Natur und die Begrenzungen der Fähigkeiten, Einsicht und des Horizonts beim Menschen, dass diese Ideale immer und überall irrtumslose in die Tat umgesetzt werden. Selbst der beste Führer kann mit einem Pack von Ereignissen so beschäftigt sein, das er nicht bemerkt, wie eine andere Serie schief geht und dabei in Irrtum, Spaltung selbst in Gewalttätigkeit und Unterdrückung verfällt. Aber der Wille, Unrecht zu beheben und Dinge in Ordnung zu bringen, ist immer vorhanden; und von allem ist da die Führung und Einleuchtung Gottes, welche die Gewissen erheilt und eine Wiedergutmachung inspirier alle daran erinnert, das sie am Jüngsten Tag vor ihrem Richter müssen.

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