Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Ergebnis aus Teil I

Die rasende Talfahrt moralischer Wertmaßstäbe stürzt die Menschheit in eine materialistische Flut sozialer Unruhe und Aufruhrs. Den größten Denkern ist klar, das man einen Weg finden muss, die Lawine aufzuhalten, wenn die Welt nicht an ihnen eigenen Verderbtheit Zugrundegehen soll. Diese Denker erklären einmütig, das nur in einer Wiederbelebung von Glauben und Moral ein sicheres Fundament zu finden ist, worauf man eine neue Gesellschaft bauen kann. Eine Änderung der Herzen in zahllosen Einzelnen muss dem vorangehen und den Grund für eine Erneuerung der Familie, der Gemeinschaft, der Völker und der internnationalen Beziehungen legen. Es ist ein hoffnungsvolles Zeichen, das die Massen des einfachen Vol­kes, die eingetaucht sind in ein Meer von Schwierigkeiten, an denen eine materialistische, herzlose, maschinengestanzte Lebensweise schuld ist; all­mählich die Unmenschlichkeit und Hoffnungslosigkeit eines solchen Lebens und einer solchen Gesellschaft begreifen.

General Dwight D. Eisenhower verlieh als US-Präsident dieser Erkenntnis machtvollen Ausdruck: „Unsere Wohlstandsgesellschaft steht auf un­sicherem moralischem Grund. Wir erreichen den Mond und verschmutzen die Erde. Wir sehnen uns nach Frieden und fangen Krieg an. Ein Zeitalter, welches das Atom gespalten hat, muss die Spaltungen in der Menschheit heilen. Leere Hände müssen mit Arbeit, lehre Mägen mit Nahrung, leere Herzen mit Genugtuung erfüllt werden. Um die moralische Krise zu heilen, die unsere Welt vergiftet, braucht jeder von uns sein Augenmerk nur auf sich selbst zu richten. Wenn jeder von uns auf die leise Stimme seines Gewissens hört, werden wir bald erkennen, das einfache grundlegende Dinge wie Güte, Reinheit, Selbstlosigkeit, Liebe, Rechtschaffenheit unser größtes, unschätzbares Gut sind. Sucht Fülle darin, und die Tragödien fehlgeleiteten materiellen Reichtums werden in Glück für alle ausmünden.“

Dr. Alexis Carrel in seinem „Weg und Richtschnur des Lebens“, 5, 15 und 34: „Wir brauchen eine Welt, in der jedermann seine ihm angeborene Talente voll entwickeln kann, ohne Trennung zwischen materiell und spirituell. Wir haben begriffen, dass das Leben ohne einen Wegweiser und einen Kompass nicht recht gelebt werden kann. Aber zu wenige sind auf der Hut vor den schwerwiegenden Gefahren, welche uns erwarten, wenn wir nicht die Anweisungen dieser Führung befolgen. Zu viele lassen sich von ihren flüch­tigen Leidenschaften lenken, weil sie von der materialistischen Bequemlichkeit, welche die Technologie bereithält, berauscht sind und keine Lust haben, auch nur auf einen kleinen Teil dieser Bequemlichkeiten zu verzichten. Sie haschen nach Vergnügungen und tanzen wie Korken auf der Flut ihrer Lust nach Gewinn und Spaßvergnügen, welche uns alle Übel in ihre Katarakte hinabreißen wird. Statt ein geordnetes Universum anzunehmen und darauf die Wissenschaft ihre Arbeit gründen, unsere menschlichen Institutionen gestalten und uns aufwärts zur höchsten Wahrheit tragen zu lassen, haben wir sie in die Schablonen von Ideologien gegossen, welche unsere wirklichen Bedürfnisse nie befriedigen können. Indem der moderne Mensch das Materielle zuoberst setzt, opfert er das Geistige dem wirtschaft­lichen Überfluss und gibt seinen inneren Frieden für Lustgefühle hin. Wir meinen, „Freiheit“ schließe auch Unabhängigkeit von den Naturgesetzen ein. Liberalismus und Marxismus predigen Doktrinen, welche die Tatsache außer Acht lassen, das der Mensch nicht nur für „Produktion und Ver­brauch“ geschaffen wurde. Er wurde auf echte Liebe hin entworfen, auf religiöses Fühlen, geistige Schätze, schöpferische Fantasie, Selbstaufopferung und heroische Lebensführung. Nur auf Wirtschaftlichkeit hin zu leben, bedeutet, einen lebenswichtigen Teil seiner Persönlichkeit zu amputieren; und das ist der Grund, warum Liberalismus wie Marxismus die tragenden Elemente, welche die Natur in die Anlage des Menschen hineingelegt hat, nicht nur vernachlässigen, sondern nichtiggehend zerstören und fortwerfen.“

Will man die Ursachen dieser Tragödien, dieses Jammers tilgen, so besteht die einzige Hoffnung der Welt in einer Rückkehr zur Göttlichen Wahrheit, welche Seinen Propheten durch Inspiration zuteil wurde. Die nächste Sphäre, die wir erkunden müssen, ist der weite Raum in unserem Inneren. Hierzu müssen wir zuerst einmal die Sturmwolken der Leiden­schaft zerstreuen, welche sie verdunkeln: Wir müssen die Bande der Lust, welche den menschlichen Geist fesseln, lockern; wir müssen die Verderbnis und den Schmutz hinauskehren, welche ihn im Tal der Schatten gefangen halten; dazu brauchen wir eine reinigende Revolution, welche das Denken und Handeln läutert. Nur so kann der Mensch seine wahre Menschlichkeit wiedergewinnen und das rechtmäßige Erbe allen jenen geistigen Werte an­treten, welche sein auszeichnendes Merkmal unten allen seinen Mitgeschöpfen sein sollten.

Im zweiten Teil werden wir sehen, was für Wegweiser der Islam auf jener Straße zu einer gottgegebenen Bestimmung für die Welt zu bieten hat.

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