Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Islam und Gesetzgebung

Rousseau schrieb in seinem „Gesellschaftsvertrag“, 2. Buch, Kap. 6 (Der Gesetzgeber): „Um die Regeln für eine Gesellschaft zu finden, die für die Völker am besten geeignet sind, müsste es einen überlegenen Verstand geben, der die Leidenschaften den Menschen verstünde, ohne selbst welche zu verspüren, der unserer Natur nicht verwandt wäre, aber sie bis zu ihren Wurzeln kennte, dessen Glück unabhängig von unserem wäre, der aber trotzdem unser Glück zu seinem Anliegen machen würde. . . Man brauchte in der Tat einen göttlichen Gesetzgeber.“

Nach diesen Anforderungen ist der Schöpfer des Menschen selbst der fähigste Gesetzgeber. Er kennt alle Geheimnisse des Menschseins, zieht keinen Vorteil aus irgendeiner menschlichen Gruppierung und braucht keinen Menschen. Daher müssen die Grundsätze, welche gerechte Gesell­schaftsordnungen schaffen können, bei einem Manne studiert werden, der direkte Führung vom Schöpfer erhält. dessen Lehren die inspirierten Offen­barungen jener einzigartigen Quelle sind und der sich völlig auf jene unendliche Weisheit verlässt.

Menschliche Gesetze haben nur das Ordnen der menschlichen Gesell­schaft zum Ziel. Sie verlieren sich weder außerhalb dieser Grenzen, noch berühren sie nicht-gesellschaftliche Angelegenheiten wie persönliche Um­stände, Geisteshaltungen, hervorragende geistige Leistungen. Sie versuchen nicht, Faules in einem Menschen zu heilen. Erst wenn Persönlichkeitsprobleme in soziale Unordnung münden, gelangen sie in den Bereich ge­setzgeberischer Maßnahmen. Ein Mensch kann schmutzig in seinem Denken und Geist sein und in den Augen westlichen Rechts immer noch gut, denn das Recht hat nur ein nach außen gerichtetes Handeln im Auge, nicht das Herz. Der Islam mit seinen weiten Blickfeld zielt nicht nur auf Wieder­gutmachung von Unrechtshandlungen, sondern in erster Linie darauf, den Einzelnen und die Gesellschaft von innen her wieder zu festigen, indem er die sittliche Persönlichkeit als Grundeinheit betrachtet und ihr Vollkommenenwerden Vorrang bekommt. Der Islam zielt auf eine geordnete Gesell­schaft mit gesunder Moral, sauberem Denken, vernünftigern Handeln, aus­geglichenem Geist. Er gibt daher gesetzgeberische Richtlinien für das innere Leben eines Individuums mit ebenso viel Details wie für das der Gesellschaft nach außen. Er bringt Ordnung und Übereinstimmung zwischen groß und klein in der Schöpfung, zwischen Naturgesetzen und geistigen Gesetzen, Materiellem und Metaphysischem, Individuellem und Sozialem, zwischen Religion und Philosophie. Er hilft dem Menschen, nicht in Kollision mit den Naturgesetzen zu geraten, welche der Ordnung des Universums zugrunde­ liegen, da ja deren Nichtbefolgung alles menschliche Wollen und Tun durcheinander bringt und zunichte macht.

Menschengemachte Institutionen zielen auf die Erfüllung der Gesetze; aber beim Islam ist der Sachwalter für die Erfüllung der Gesetze ein tiefverwurzelter Glaube, und der Muslim erfüllt seine Verpflichtungen dank seiner Moral und seinem Glauben auch in Dingen, wo ihn niemand sieht, außer Gott allein. Waffengewalt wird nur benötigt, um die winzige Minderheit kriminell gesinnter Heuchler in Schach zu halten. Der Islam zollt daher der inneren Reinheit des Herzens wie der nach außen gekehrten Reinheit des Handelns, die gebührende Achtung. Er nennt solche Taten gut, lobenswert und verdienstvoll, welche aus Aufrichtigkeit und Glauben stammen.

Der Generalstaatsanwalt der USA schrieb in seiner Einleitung zu seinem Buch über islamisches Recht: „Das amerikanische Recht hat nur lose Ver­bindungen zum Sittengesetz. Man kann einen Amerikaner als gesetzestreuen Bürger ansehen, auch wenn sein Innenleben faul und korrupt ist; aber den Islam erblickt die Quelle des Gesetzes im Willen Gottes, wie er Seinem Apostel Muhammad offenbart und durch Ihn verkündet worden ist. Dieses Gesetz, der göttliche Wille, behandelt die Gesamtheit der Gläubigen als eine einzige Gemeinschaft, die all die vielfältigen Rassen und Völkerschaften mit einschließt welche sie zusammen in einer weitverstreuten Ge­sellschaft ausmachen. Das gibt der Religion ihre wahre, gesunde Kraft und macht sie zum Bindelement der Gesellschaft. Es gibt keinerlei trennende Grenzen völkischer oder geographischer Art, denn die Regierung selbst ist der einer höchsten Gewalt des Qur’an untertan. Für einen anderen Gesetz­geber ist da kein Platz mehr; demnach kann keine Konkurrenz, Neben­buhlerschaft, Rivalität oder Spaltung aufkommen. Der Gläubige betrachtet diese Welt als ein Tal der Selengestaltung, der Vorraum zum nächsten, und der Qur’an macht es vollkommen klar, welches die Voraussetzungen und Gesetze sind, die das Verhalten der Gläubigen untereinander und zur Gesellschaft bestimmen; er macht so den Übergang von diesen Welt zur nächsten zu einem sicheren, gesunden und gefahrlosen Ereignis.“

Trotz der geringen Vertrautheit der Abendländer mit dem Islam und trotz ihren optimistischen Vorstellungen, die sie sich von der Wirklichkeit machen, hat doch eine verhältnismäßig große Anzahl Denker etwas von der Tiefe und dem Weitblick der islamischen Lehre begriffen und verhehlt nicht ihre Bewunderung für ihre klare Exegese und der Achtung werte Lehre.

Eines Muslim-Gelehrten Respekt vor den Gesetzen und den Anordnungen des Islam überrascht nicht. Aber wenn ein nicht-muslimischer Gelehrter, trotz seiner Bindung an seine eigene religiöse Engstirnigkeit, gleichwohl die Erhabenheit und Größe des Islam und sein hohes Vorbild erkennt, dann ist das wahre Hochachtung, besonders wenn sie auf einer Erkenntnis der Fortschrittlichkeit der Rechtssysteme des Islam und ihres Vermächtnisses an die Menschheit beruht. Darum bringt dieses Buch Urteile von Ausländern über den Islam. Wir tun das nicht, weil wir ihre Unterstützung brauchten, sondern weil sie helfen können, den Weg für Suchende und Fragende zu öffnen, so das der Lesen ihn weiten verfolgen kann.

Dr. Laura Vacciea Vaglieni, Professorin an der Universität Neapel, schrieb: „Im Koran stoßen wir auf Schätze des Wissens und tiefer Einsich­ten, welche den Werken unserer hervorragendsten Geister, großer Philosophen und gewaltigen Politiker überlegen sind. Wie kann solch ein Buch dem Gehirn eines einzigen Mannes entstammen - dazu noch eines Mannes, dessen Leben sich in Geschäftskreisen abspielte, die nicht beson­ders religiös waren, weit entfernt von allen Schulen der Gelehrsamkeit? Er selbst bestand immer darauf, er sei ein gewöhnlicher, einfacher Mann wie andere auch und könne ohne die Hilfe des Allmächtigen ein solches Wun­derwerk gar nicht schaffen. Kein anderer als Er, dessen Kenntnis alles, was im Himmel und auf Erden ist, übertrifft, konnte das tun.“

Bernard Shaw sagte in seinem „Muhammad, Allahs Apostel“: „Ich habe immer Muhammads Religion besonders hoch geschätzt wegen des Wunders ihrer lebendigen Kraft. Für mich ist sie die einzige Religion, welche die mannigfaltigen Wechselfälle des Lebens und der Unterschiede der Kulturen erfolgreich meistern kann. Ich sehe voraus (es ist heute schon ganz klar), das die Europäer Mann für Mann den Glauben des Islam annehmen wer­den. Die mittelalterlichen Theologen behaupteten aus Unwissenheit oder Engstirnigkeit, die Religion des Muhammad sei voller Dunkelheiten und waren der Ansicht, er habe Christus in einem Geiste des Hasses und des Fanatismus herausgefordert. Nachdem ich den Mann lange studiert habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, das Muhammad nicht nur nicht gegen Christus war, sondern das er in Ihm den Retter einer verzweifelten Menschheit erblickte. Ich bin überzeugt, das wenn ein Mann wie er die Führung in der neuen Welt übernähme, es ihm gelingen würde, alle ihre Probleme zu lösen und den Frieden und Wohlstand zu sichern, den alle Menschen wünschen.“

Voltaire, der anfangs einer den hartnäckigsten Gegner des Islam war und der Propheten mit Verachtung überschüttete, sagte nach 40 Jahren des Studiums von Religion, Philosophie und Geschichte offen: „Muhammads Religion war fraglos der von Jesus überlegen. Er stieg nie auf das Verleumdungsniveau der Christen hinab und sagte auch nicht, das Gott eine Dreiheit oder das drei Götter einer seien. Der einzige Pfeiler seines Glaubens ist der Eine Gott. Der Islam verdankt seine Existenz den Anordnungen und der Männlichkeit seines Begründers, während die Christen ihre Religion ande­ren mit dem Schwert aufzwangen. Oh Gott! Wenn nun alle Völker Europas die Muslime zu ihren Vorbildern machten!“

Einer von Voltaires Helden war Luther. Und doch schrieb er: „Luther war es nicht wert, Muhammad die Schuhriemen zu lösen. Muhammad war ein großer Führer und dank seinen Rechtschaffenheit und Vollendung der Erzieher weiterer großer Männer, ein weiser Gesetzgeber, ein gerechter Re­gent, ein asketischer Prophet: So entfachte er die größte Revolution, die die Erde erlebt hat.“

Tolstoi schrieb: „Muhammad benötigt keinen anderen Anspruch auf Ruhm, als das er ein barbarisches, blutdürstiges Volk aus seinen teuflischen Gewohnheiten zu einer unermesslichen Höhenentwicklung emporhob. Sein kanonisches Recht in seiner Klugheit und Weisheit wird noch einmal die Weltautorität sein.“

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