Musawi Lari

Westliche Zivilisation und Islam

Sayyid Mudschtaba Musawi Lari

Ins Englische Übersetzt J.F. Goulding, hiernach ins Deutsche Übertragung R. H. Sengler

Das Folgende Manuskript ist eine geringfügig überarbeitete und sprachliche verfeinerte Version der 1995 in Qum erschienen deutschen Übersetzung.

Delmenhorst 2004

Islam und Rassenunterschiede

Einheit ist die Grundlage der islamischen Theologie, und daher ist „Ein­heit“ die Grundlage für seine Philosophie von der Gesellschaft. Die ganze Menschheit ist eins: eine einzige große Einheit. Die einzelnen sind Glieder einer untereinander verbundenen Gemeinschaft, die so umfassend ist, das sie alle Verschiedenheiten in ihrer Einheit einbegreift. Die vielen finden innerhalb des Einen jene Brüderlichkeit, Zuneigung, Freundschaftlichkeit und Blutsverwandtschaft, worauf es ankommt. Daher werden keine Unter­schiede nicht zu trennender Merkmale gemacht - nicht nach Farbe oder Kultur, nach Klasse, Sitte oder Sprache in der man sich unterhält. Gegenseitige Achtung von den Mitmenschen, die alle das Allgemeinwohl im Auge haben, ist der Grundsatz in der ganzen weltweiten Gemeinschaft des Islam, ohne Anmaßung oder Mindenwertigkeit, da ja die Schaffung der gesamten Menschheit von einer einzigen menschlichen Seele ihren Anfang nahm, aus den Mann und Frau, Schwarz und Weiß, Arm und Reich, Gebildeten und Barbar sich entfalten, teilhaben an einen gemeinsamer Menschheit. Wahrlich: „Aus einem Fleisch schuf Gott alle Völker der Erde, ob sie IHN wohl erspüren und finden mögen.“

So steht es sinngemäß geschrieben im Qur’an, Sure IV: Nisa’a  - „Die Frauen“, V. 1:

„Ehre Gott, der euch alle aus einem Menschen schuf“ und damit keinen Raum ließ für nationalistische Spaltungen. Unterschiede in Hautfarbe und Sprache sind nur Zeichen der Macht des Schöpfers. Sie rufen die Menschen auf, Seinen Heiligen Willen und Seine Macht zu studieren, der aus einen elementaren Wurzel so viele Unterschiede der Hautfarbe, des Aussehens und der Sprechweise geschaffen hat, wie es im Qur’an, Sure XXX, „Rom“, V. 21, heißt es sinngemäß: „Zeichen Seiner Macht sind Seine Schöpfung des Himmels und der Erde, der verschiedenen Sprachen und Hautfarben; Predigten sind das alles für die Weisen.“

Es steht fernen sinngemäß geschrieben (Qur’an, Sure II. Baqara - Die Kuh, V. 213: „Die Menschheit war ein einziges Volk. Dann schickten wir Boten zu ihnen mit frohen Nachnichten und mit Warnungen, und zugleich schickten wir das Buch, um wahrhaftig zwischen den Menschen zu richten in An­gelegenheiten, worin sie uneinig waren. . - und Gott führte durch Seine Gnade die Gläubigen zu der gemeinsamen Wahrheit darin, wo sie sich stritten; denn Gott führt, wen ER will, auf einen geraden Weg.“ Dieser Vers offenbart, das am Anfang die Menschheit ein Ganzes war ohne Unterschiede, Spaltungen oder Streitigkeiten, sondern sich der Einheit, Zusammenarbeit und Harmonie erfreute.

Der Märtyrer Imam Ali hinterließ uns das unschätzbare Vermächtnis seiner Worte gesammelt in Nahdsch-ul-Balagha, worin sich auch seine historische Botschaft am Malek-al-­Aschtar befindet und in der er diese Wahrheit wie folgt ausdrückt: „Mache dein Herz zu einem Thron der Gnade gegenüber deinem Volk. Erweise ihnen völlige Liebe und Fürsorge. Behandle sie nie wie ein räuberisches Tier, das ihr Eigentum und sie selbst zerreißt und zerstückelt. Denn sie sind ja in einer von zwei Gruppen. Entweder sind sie deine Brüder im Glauben - oder es sind deine Mitmenschen, eines Fleisches mit deinem eigenen.“ Diese weite Schau umfasst alle Rassen, alle Kulturen, alle Sprachen.

Einigkeit und Eintracht unter Individuen werden unter den Ägide der Einheit und des Geistes, dem Einssein von Überzeugung und Zielsetzung andauern, und die Einheit kann nur unten solcher Ordnung weiterbestehen. Sollte eine Gesellschaft in ihrem Denken und ihren Überzeugungen sich spalten, dann wird das Band des Zueinander-Gehörens gelockert, und wenn es zu Misshelligkeiten kommt, werden materielle Bedürfnisse die Unterschiede, Konflikte und Spannungen steigern. Daher ist das einigende Band der Religion das stärkste unter den Nationen.

Dieses Band der Einigkeit hat der Islam den Menschen und den Völkern gebracht, er hat sie von den Fesseln der Konflikte und Spaltungen befreit und sie aufgerufen, die Grundlagen für Eintracht und Einverständnis in einer brüderlichen Gesellschaft zu schaffen, den natürlichen Zustand für die Menschen.

Der Islam behandelt die Menschheit wie eine grolle Familie von Brüdern und Schwestern. In der menschlichen Familie ist die Beziehung von Vater und Kind zueinander stärker als die unter Brüdern. Aber Respekt und Altersunterschied gestatten den Vater-Kind-Beziehung keine völlige Gleich­heit. Darum preist der Islam die Brüderlichkeit als den Ausdruck jener vollkommenen und tief empfundenen Liebe, die in der großen Menschenfamilie herrschen müsste. Sie müsste auf der Oberfläche und in der Tiefe herrschen. Darum ruft der Qur’an: Seid Brüder! Die sublimsten Schattierungen der Liebe und die ehrlichsten der Freundschaft wachsen unter Muslimen. Man nennt sie Brüder wegen ihrer Brüderlichkeit, weil diese zarteste und schönste Manifestation der Gleichheit wirklich existent ist; es ist nicht der Befehl „Seid Brüder!“, der dies bewerkstelligte. Der Befehl ertönte zwar, aber der Geist wallt ganz natürlich auf, wenn er sich Gott hingibt (tasleem: was der Islam ist) und mündet in Brüderlichkeit.

Diese Brüderlichkeit ist tiefer und höher als eine bloß natürliche, denn sie besteht aus der Einheit des gemeinsamen Ziels, der Einheit der gemeinsa­men Überzeugungen, der Einheit des gemeinsamen Glaubens, der Einheit der Herzen.

Es steht sinngemäß geschrieben (Qur’an, Sure XLIX, Hudschurat - „Die inneren Ge­mächer“, V. 10): „Gläubige sind eine einzige Bruderschaft. Schaffe Frieden unten deinen Brüdern und fürchte Gott, das du Gnade empfangen mögest.“

Der Prophet ordnete an: „Die Glieder der Gemeinschaft der Gläubigen bilden durch Liebe und Zuneigung einen Laib, und jedes Glied, welches leidet , bewirkt, das alle anderen Glieder mitleiden. Wenn irgendein einzelnen Muslim in eine schmerzliche Lage kommt, müssen alle übrigen Glieder der Gemeinschaft herbeieilen, um ihm zu helfen und seinen Kummen zu teilen.“ (Safeenatu-l-Behar, Bd. 1, 5. 13).

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