Gebrüder Özoguz

Wir sind (keine) “fundamentalistische Islamisten“ in Deutschland

Eine andere Perspektive

Dr. Yavuz Özoguz und Dr. Gürhan Özoguz

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Die fundamentalistische Hochzeit

Die Ehe im Islam ist eigentlich ein Thema, welches mehrere Bücher füllen würde, und es ist hier nicht der passende Ort, um alle Aspekte einer islamischen Heirat und das gemeinsame Leben danach aufzuführen. Etwas mehr zum Thema haben inzwischen unsere Ehefrauen in ihrem gemeinsamen Buch[1] erwähnt. Allerdings möchte ich auch hier kurz auf den grundsätzlichen Unterschied zu der Vorstellung einer üblichen Ehe in Deutschland zu sprechen kommen.

Die im Islam für jeden Menschen gewünschte wahre und für die Ewigkeit gedachte Ehe wird durch ein Versprechen zweier Menschen, Mann und Frau, vor Gott vollzogen. Es braucht eigentlich niemand dabei zu sein. Alleine das Versprechen der beiden Ehepartner vor Gott ist ausreichend. Allerdings ist es auch für die Gemeinschaft von Bedeutung und schön, daran beteiligt zu werden und dieses Versprechen in einem festlichen Rahmen vor einem Geistlichen auszusprechen, aber es ist keine Pflicht. Die “moscheeliche“ Heirat ist somit sehr gut mit der kirchlichen Heirat zu vergleichen, mit dem Unterschied, dass die islamische Ehe nicht mit dem Tod scheidet, sondern für die Ewigkeit angestrebt wird, welche die Seelen gemeinsam durchleben wollen. Genau aus diesem Aspekt ist eine rein standesamtliche Heirat aus islamischer Sicht also “nur“ eine Verbindung des irdischen Menschen, aber nicht der Seelen, und somit keine Heirat für die Ewigkeit. Daher haben mein Bruder und ich bei unseren Bekannten, die auch kirchlich geheiratet haben, dies voller Freude unterstützt.

Irgendwann sollte es auch uns “erwischen“, und der Ältere hat den Vortritt:

Mein Studium verlief nach einem sehr schweren Vordiplom erfolgreich, und zum Ende meines Studiums schenkte mir Gott das größte Geschenk meines Lebens: Ich fand die andere Hälfte unserer gemeinsamen Seele, meine liebe Ehefrau. Wir waren auf einer Tagung deutschsprachiger Muslime im Oktober 1984 im Islamischen Zentrum München. Das Thema war “Der Islamische Staat“.

Dort traf die Ehefrau von Mohammad-Ali Ramin, Sousan, eine deutsche Muslima, bei der sie sofort an mich dachte. Diese war von sich aus durch Überzeugung zum Islam übergetreten und trug auch von sich aus die islamische Kleidung der Frau. Meine Clausthaler Glaubensgeschwister dachten, dass sie vom Alter, Intellekt und der Lebenseinstellung optimal zu mir passen könnte. Daher luden die Ramins sie an einem Wochenende nach Clausthal-Zellerfeld ein.

Da sie gerade eine Ausbildung zum gehobenen Dienst im Zollbereich im südlichen Sigmaringen absolvierte, konnte sie nur ein kurzes Wochenende in Clausthal-Zellerfeld verbringen. Unter einem Vorwand (ich sollte eine Videoanlage installieren) und ohne jegliches Wissen über den Gast wurde auch ich in das Haus “gelockt“. Dort lernten wir einander erstmalig kennen.

Nach diesem ersten Kennenlernen im Viererkreis fragte der Hausherr mich und die Hausfrau den Gast jeweils getrennt, ob wir weiteres Interesse am gegenseitigen Kennenlernen hätten. Da wir offenbar beide bejahten, wurde eine Ferienwoche in den Weihnachtsferien vereinbart, in der wir durch sehr viele endlose Gespräche, bei denen wir immer wieder auch von den Gastgebern allein gelassen wurden, unsere enge Verbindung zueinander feststellten. Damals, bei den vielen Spaziergängen im kalten Schnee des Harzes, merkte ich, wie eine Wärme in mir wie die Knospe einer jungen Blüte entflammte, die immer weiter wachsen könnte und immer schöner werden sollte. Es war extrem anders, als das ungestüme und unbeständige “Verliebtsein“ während der Schulzeit. Es war eine Basis, welche mir die große Hoffnung gab, dass eine tiefe und feste Beziehung innigster Liebe für die Ewigkeit geschlossen werden könnte – mit der Erlaubnis Gottes.

Am Ende der Woche fragte ich sie, ob sie meine Ehefrau werden wollte. Glücklicherweise bejahte sie das. Vor der Hochzeit wollte ich neben dem Einverständnis meiner eigenen Eltern auch das ihrer Eltern einholen, was zunächst schwer schien. Denn meine zukünftige Frau – die getaufte Elke nannte sich inzwischen “Fatima“ – war von zu Hause ausgezogen, da ihr Kopftuch nicht so ohne weiteres mit der Position ihres Vaters, einem Bürgermeister einer kleinen Gemeinde, vereinbar war. Mit einer Art “Bewerbungsschreiben“ kündigte ich mich an, und meine akademische Laufbahn wie mein Auftreten ebnete mir dann – Gott sei Dank – den Weg, dass auch ihre Eltern einwilligten.

Zwei Monate danach gaben wir uns im Islamischen Zentrum Hamburg im Angesicht Gottes das gegenseitige Versprechen unter der Aufsicht des damals obersten schiitischen Geistlichen Deutschlands[2] und zogen nach einer kleinen Feier bei meinen Eltern in Hamburg am Abend in meiner Studentenbude in Clausthal-Zellerfeld zusammen. Weitere zwei Monate später folgte das Standesamt. Selbstverständlich sah ich meine Frau ohne Kopftuch erstmalig nach der Eheschließung. Heute ist es 23 Jahre her, und es waren die wunderbarsten 23 Jahre meines bisherigen Lebens! Wer hier aber glaubt, dass das eine “sehr schnelle“ Entscheidung zur Eheschließung war, der lese erst noch die ZDF-verwickelte Eheschließung meines Bruders.

Der gelehrte iranische Bruder Mohammad-Ali Ramin, der eine so große Rolle in meinem Leben gespielt hat, ist nach seinem Studium mit seiner Familie in den Iran zurückgekehrt und ist inzwischen ein erfolgreicher Journalist, Fernsehmoderator, Lehrbeauftragter an der Teheraner Universität, anerkannter Politanalyst des Landes und Regierungsberater. Wir stehen immer noch im direkten Kontakt zueinander.

Großes Aufsehen erregte er mit seiner Organisation “The Future World“ (die zukünftige Welt) und dessen erster im Iran viel beachteter Veranstaltung an der Universität Teheran mit dem Titel: “The World after the USA (die Welt nach den USA)“, was u.a. Prof. Udo Steinbach in Deutschland “Bauchschmerzen“ verursachte, aber dazu später mehr. Ein Mal im Jahr kam er auf unsere Einladung hin zu der von uns veranstalteten “Islamischen Tagung deutschsprachiger Muslime“ nach Deutschland, bis ihm eines Jahres die Einreise verboten wurde.

So engagierte er sich immer mehr im Iran, auch mit Bezug zu Deutschland, und war (erst nach dem Einreiseverbot) maßgeblich an der Initiierung und Organisation der sogenannten Holocaust-Konferenz in Teheran beteiligt, an der Experten aus aller Welt, darunter auch viele jüdische Geistliche, über den heutigen wie einstmaligen Missbrauch der Erinnerung an die Nazi-Verbrechen diskutierten. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, was denn die Palästinenser mit den Verbrechen Hitlers zu tun hätten, dass sie dafür bestraft wurden.

Unsere erste Reise in die Islamische Republik Iran mit unserem neugeborenen ersten Sohn Huseyin während Saddams Krieg gegen den Iran im Jahr 1987 und die sich daraus entwickelnde Liebe zum späteren Geistigen Oberhaupt Imam Chamene´i, dem Nachfolger Imam Chomeinis, habe ich bereits in einem gesonderten Buch[3] ausführlich beschrieben. Eine ganze Reihe weiterer Reisen, davon einige zusammen mit meinem Bruder, vertieften unsere Kenntnisse über dieses faszinierende Land mit der jüngsten Bevölkerung der Welt. Damals lernte ich u.a. die Redaktion der deutschsprachigen Abteilung der “Stimme der Islamischen Republik Iran“ kennen. Daraus entstanden die späteren Telefoninterviews, die ich regelmäßig für den Sender als “Experte“ aus Deutschland zu aktuellen für Muslime in Deutschland relevanten Themen gebe.

[1] Faszination Frau im Islam, Fatima Özoguz und Mihriban Özoguz, m-haditec GmbH & Co KG, Bremen, 2.2008, ISBN 978-3-939416-15-9

[2] Er ist schon längt wieder im Iran und leitet heute dort das Institut zum Gedenken an Imam Chomeini

[3] Imam Khamene’i, Das Leben des Imam-ul-Ummah Ayatollah-ul-Uzma Seyyed Ali Al-Hussaini Al-Khamene'i, Dr. Yavuz Özoguz, Yavuz Özoguz, m-haditec GmbH & Co KG, Bremen, 7.2008, ISBN 978-3-939416-17-3

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