Gebrüder Özoguz

Wir sind (keine) “fundamentalistische Islamisten“ in Deutschland

Eine andere Perspektive

Dr. Yavuz Özoguz und Dr. Gürhan Özoguz

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Ohne Schlips aber mit Kragen

Echte “fundamentalistische Islamisten“ fallen u.a. auch dadurch auf, dass sie selbst in offizieller Kleidung keine Krawatte tragen. Dieses Halsband wird im religiösen Sprachgebrauch als “Nachahmung einer offensiven Kultur“ verpönt.

Tatsächlich gibt es kein anderes Kleidungsstück, dessen Verbreitung ein deutlicheres Beispiel für die Verbreitung einer Kultur ist. Inzwischen tragen auch in China, im tiefsten Afrika, in Japan und selbst in den arabischen Ländern die Leute dieses sinnlose Kleidungsstück. Schon als Kind habe ich das Kleidungsstück gehasst und immer die christlichen Geistlichen bewundert, die auch bei offiziellen Anlässen das Kleidungsstück nicht tragen mussten. Heute behelfen wir uns mit den kragenlosen Hemden, zu denen man gar keine Krawatte tragen kann. Das Paradoxe an der Geschichte war: Obwohl die westliche Kultur weltweit verbreitet wurde, wurde uns Muslimen vorgeworfen, dass wir unsere Kultur verbreiten wollten. Auch in der so “freiheitlichen“ Welt gab es eben Uniformen, die man einzuhalten hatte, und wenn man es nicht tat, dann fiel es auf.

Leider wird inzwischen auch in wichtigen Entscheidungsgremien nicht mehr auf das geschaut, was gesagt wird, sondern wie derjenige aussieht, der etwas sagt. Bei einem Treffen der Verantwortungsträger meiner früheren Firma war auch ich als Vertreter meines Chefs eingeladen. Ich trug ein kragenloses Hemd und ein Sakko; natürlich auch eine Hose. Wie ich aber feststellte, hatten alle anderen einen Dreiteiler an. Da ich das erste Mal an dieser Sitzung teilgenommen hatte, habe ich mich bei den wissenschaftlichen Beiträgen zurückgehalten, obwohl offensichtlich und für viele Fachleute in der Runde erkenntlich, vieles nicht korrekt erzählt wurde. Wieder zurückgekehrt, erstattete ich Bericht und äußerte meine Kritik an den offensichtlich falschen Aussagen. Mir wurde dann, allerdings sehr höflich mitgeteilt, dass die “hohen Herren“ sich darüber beschwert haben, dass ich nicht angemessen gekleidet war, d.h. dass ich nicht auch einen Dreiteiler mit Krawatte trug. Das Inhaltliche war völlig nebensächlich.

Möglicherweise kann folgender Hinweis diesbezüglich hilfreich sein: Ich glaube, dass die deutsche Bevölkerung nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg eine außergewöhnliche Aufbauarbeit geleistet hat. Insbesondere die Trümmerfrauen und die hinterbliebenen Männer haben sicherlich mit außerordentlich großem Einsatz und Know-how dieses Land wieder aufgebaut. Scheinbar scheint aber die neue Generation alles daran zu setzen, dieses innerhalb kürzester Zeit wieder zu vernichten. Da sie immer weniger nach Know-how strebt, halten sie sich an Äußerlichkeiten wie bspw. der Krawatte fest, als wenn die dafür verantwortlich gewesen wäre, dass es Deutschland so gut geht.

Und erstaunlicherweise machen dies viele Länder nach. In der Türkei werden sogar die Kinder bei 40° C in der Schule dazu verpflichtet, Krawatte und Anzug zu tragen. Und alles nur aus dem Gedanken heraus, das es sonst keine Möglichkeit gäbe, sich zu entwickeln und anerkannt zu werden.

Nebenbei sei erwähnt, dass muslimische Männer auch keine Seide und kein Gold tragen dürfen, was nur den Frauen vorbehalten ist. Die “typische“ Männergoldkette gehört ganz sicher nicht zum praktizierten Glauben.

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