Gebrüder Özoguz

Wir sind (keine) “fundamentalistische Islamisten“ in Deutschland

Eine andere Perspektive

Dr. Yavuz Özoguz und Dr. Gürhan Özoguz

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Wir boykottieren

Sehr geehrter Leser, alles, was Sie bisher gelesen haben, war sicherlich eher harmlos. Einiges war vielleicht amüsant, einiges hoffentlich interessant. Warum aber die gesamte Situation um uns ein wenig eskalierte, hat seinen Ursprung darin, dass wir auf unserer Internetseite unter dem Titel “Palästina Spezial“ notgedrungen die zionistische Besatzung Palästinas und Israels Politik einbauten und eben “antizionistische“ Texte veröffentlichten. Es war für uns nicht mehr erträglich, die andauernden Unwahrheiten und Halbwahrheiten der deutschen Medien über das, was in Israel passierte, unkommentiert zu lassen. Wir wollten auf dieser Internetseite für diejenigen, die einmal auch die andere Perspektive lesen wollten, soviel wie möglich gesammelte Informationen wiedergeben.

Obwohl wir bis dahin schon eine starken Zuspruch zur Internetplattform bekamen, wurden wir von den Medien nicht in dem Maß beachtet wie für unseren Teilbereich “Palästina-Spezial“. Vieles wurde versucht, um uns mundtot zu machen. Uns wurden Angebote gemacht, um diese Seite zu schließen, und, und, und. Hauptsächlich wegen jener Seiten waren wir überall die “extremistischen Fundamentalisten“.

Natürlich hatten wir damit gerechnet, dass es Reaktionen geben würde. Aber wie groß das Minenfeld war, in das wir getreten sind und wer es gelegt hatte, wurde uns erst nach und nach deutlicher.

Es begann damit, dass wir die Leser dazu aufriefen, mit ihrem Kaufverhalten einen – wenn auch sehr kleinen – Beitrag zum Frieden in der Welt zu leisten. So ist unser Boykottaufruf gegen Israel vergleichbar mit dem Boykottaufruf fast aller Länder gegen das ehemals rassistische Südafrika. Während bei Südafrika jeder, der sich an dem Boykott beteiligte, mit Anerkennung gelobt wurde, ist die Sachlage bei Israel – zumindest in der westlichen Welt – anders. Obwohl auch hier die Verbrechen Israels bekannt sind und das Unrecht zionistischer Politik laut und deutlich zum Himmel schreit, ist bereits ein friedlicher Boykottaufruf Anlass, um die Ausrufer ins Visier der Verfassungsschützer zu bringen, aber nicht diejenigen, die sich uneingeschränkt hinter die verbrecherische rassistische und kriegerische Politik stellen!

Es gibt sicherlich zahlreiche Methoden des Widerstandes gegen unrecht, aber ein gewaltfreier Boykott gehört zweifelsohne zu den friedlichsten Formen des Widerstandes. Noch Jahrzehnte nach seinem Ableben wird Mahatma Gandhi heute noch für seinen gewaltfreien Widerstand, der mit einem Boykott der Waren der damaligen Besatzungsmacht verbunden war, gewürdigt. Aber bei Israel wird eben selbst ein friedlicher Boykottaufruf kaum geduldet.

Unsere Boykottaufrufe haben sogar Einlass in den deutschen Schulunterricht gefunden. Die Carl-Theodor-Schule in Schwetzingen untersuchte im Fach Volkswirtschaftslehre die „Arabisch-islamische Seite im Nahostkonflikt - Kampfmethode Wirtschaftsboykott“ in der Aufgabenstellung hieß es an die Schüler: „Überprüfen sie die Argumentation und beurteilen Sie den wahrscheinlichen Effekt dieses Boykotts der Website muslim-markt.de“. Zwar sind wir keine Araber (nicht einmal von der Herkunft), aber Islam wird nun einmal in dieser Gesellschaft immer mit Orient verbunden, wie Christentum mit dem Westen. Dabei ist doch die Geburtsstätte des Christentums auch der Orient, wie die meisten Muslime heute eben keine Orientalen sind!

Was den wahrscheinlichen Effekt dieser Boykottaufrufe angeht, ist ihre Wirkung scheinbar nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein, und sie werden bei den Verantwortlichen der zu boykottierenden Unternehmen, falls sie überhaupt davon erfahren, höchstens ein müdes Lächeln hervorrufen. Sicherlich scheint die Tatsache, dass eine Handvoll Menschen, die versuchen, Wahrhaftigkeit in ihr Leben einkehren zu lassen, noch keine Bedrohung für globalisierte Multikonzerne zu sein.

Aber eine Geschichte, die unter Mystikern über einen einfachen kleinen Spatzen erzählt wird, kann diesbezüglich hilfreich sein. Dieser Spatz sah, dass der große Prophet Abraham (der Friede sei mit ihm) ins Feuer geworfen wurde und flog sofort zu einer Wasserstelle, nahm den Schnabel voll mit Wasser und flog zur Feuerstelle, um das Wasser dort abzulassen. Leider war sein Schnabel nur so klein, dass nur wenige Tropfen darin Platz hatten, und so flog er unermüdlich immer wieder hin und her und ließ seine wenigen Tropfen über dem großen Feuer ab, während das Feuer größer und größer wurde.

Als ein anderer größerer Vogel das sah, sprach er den Spatz an und fragte: "Weißt Du denn nicht, dass Du mit Deinen mickrigen wenigen Tropfen nichts gegen dieses riesige Feuer ausrichten kannst?" Der Spatz antwortete: "Ich weiß, dass meine Tropfen nichts ausrichten. Aber wenn der Tag des Gerichtes kommt und ich gefragt werde, was hast Du getan, als der große Prophet ins Feuer geworfen wurde, da will ich nicht verschämt dastehen. Ich tue, was ich kann. Und wenn hunderttausende Vögel solche mickrigen Tropfen über dem Feuer abwerfen würden, dann könnten wir es löschen. Ich aber bin nur verantwortlich für mich!"

Bestimmte Mächte versuchen, die gesamte islamische Widerstandsbewegung der Muslime gegen Unrecht auf Erden in das Feuer der globalen Zerstörung zu werfen. Die palästinensischen Glaubensgeschwister verbrennen schon in den dafür angezündeten Fackeln. Das Volk im Irak wird ausgebeutet, das Volk in Afghanistan auch, das Volk im Sudan verhungert, die Völker in Pakistan und Bosnien werden unterdrückt, die gesamte arabische Welt brennt im Feuer von westlich gestützten Despoten, der Iran und Syrien sind im Visier US-amerikanischer Weltherrschaftspläne usw. usf ... und alle westlichen Länder zündeln mehr oder weniger mit. Und wofür?

Da ist es doch das Mindeste, dass wir ein paar nichtige Tropfen Wasser über dieses brutale unmenschliche Feuer abwerfen, oder sind wir geringer als dieser Spatz?

Neben Israel gibt es aber auch eine ganze Reihe von anderen Produkten, die jeweils aus unterschiedlichen Gründen von uns boykottiert werden, darunter auch die Springer-Presse.

Bei einem der Interviews fragte mich ein Reporter, warum wir denn die Springer-Presse boykottieren würden. Ich konnte es mir nicht verkneifen zurück zu fragen, wie weit es denn mit Deutschland gekommen ist, dass nur noch ein paar versprengte deutschsprachige Muslime zum Boykott der Bild-Zeitung aufrufen. Woran sich viele im Land ungern erinnern, sind die Parolen der 68er, die ein späterer Außenminister Fischer mitgetragen hatte, und dazu gehörte u.a. die Parole “enteignet Springer“. Die Umstände, die damals zu jener Parole geführt haben, haben sich seither nur verschlimmert. Der Muslim-Markt stellte aber eine – wenn auch sehr kleine – Alternative in jener geradezu gleichgeschaltet erscheinenden Hofberichterstattung, wie wir es nannten, dar. Und das hatte zur Folge, dass wir selbst den härtesten medialen Angriffen ausgesetzt wurden, die noch dramatische Entwicklungen nach sich ziehen sollten. Die Verbreitung und Projektionen von Vorurteilen auf uns war dabei noch das Harmloseste.

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