Gedichte im Islam
Das schweigende Schiff

von Yahya Kemal Beyatli übersetzt von Prof. Annemarie Schimmel

Kommt der Tag des Ankerlichtens einst von Zeit und Ort,
Bricht ein Schiff ins Unbekannte auf aus diesem Port.
Schweigend nimmt‘s den Wegs als sei auf ihm kein Passagier;
Keine Hand, kein Tuch winkt freudig dann beim Abschied hier.
Über diese Reise trauern, die am Kai verharren,
Feucht die Augen, die zum schwarzen Himmel taglang starren.

Arme Herzen! Nicht das letzte ist, das fährt, das Boot,
Und des trennungsschweren Lebens nicht der letzte Tod.
Liebende, Geliebte warten nutzlos hier im Licht -
Dass die Liebsten nie mehr kommen, ach, sie wissen‘s nicht.
Jeder deren, die da gingen, denkt in Dank und Glück,
Dass er manches Jahr hier weilt denn keiner kehrt zurück.

Von einer Stufe sieht man Sonne, Meere
Von einer Stufe beide Welten hehr.
Die letzte Stufe: langer Herbst - man sieht
Vergangnes, Künftiges als Traum nur mehr.

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